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Leitverse: 2. Könige 6,1-7
Inhalt
Einleitung 1. Abhängigkeit — um zu wissen, was und wann zu ändern ist Noch wirkungsvolle Arbeit? Etwas ändern? Was? Wann? Veränderungen erfordern Abhängigkeit 2. Führung — Bereitschaft zum Risiko Gibt es Gehorsam ohne Risiko? 3. Teams — beim Herrn bevorzugt Weisheit der Jüngeren Weisheit der Älteren Weisheit in Krisenzeiten 4. Geliehene Werkzeuge — wir haben, was wir brauchen 5. Verloren — haben wir noch, was wir hatten? Gemeinsamer Verlust Persönliche Verluste 6. Stillstand — Fluch der Selbsttäuschung? Selbsttäuschung ist nach wie vor harte Arbeit 7. Wiederherstellung — die menschliche und die übernatürliche Seite Die Notwendigkeit des Übernatürlichen Die Notwendigkeit des Menschen Schluss
Wir wissen, dass Christus während der
letzten 2000 Jahre Seine Kirche gebaut hat. Er sagte, dass er bauen würde (Mt 16,18), und
Er baut auch heute noch aktiv daran. Man sagt uns, dass heute mehr
Christen leben als zu irgendeiner Zeit in der Geschichte! Als wiedergeborene
Gläubige sind du und ich ein Teil dieses Hauses, aber ... gebraucht Christus uns
bei diesem Bauen? Betrachtet Christus dich und mich als seine "Mitarbeiter"
(1Kor 3,9)? Nachdem unsere vielen Zusammenkünfte, Seminare, Konferenzen,
Besuche, Briefe, Kontakte und Bemühungen lange vergessen sind ... wird etwas von
Ewigkeitswert übrigbleiben? Haben wir unsere Energien eingesetzt, um eine Reihe
religiöser Prozedere in Gang zu halten? Benutzten wir unsere Hilfsmittel, um
unser eigenes religiöses Programm auszuführen? Könnte es sein, dass an "jenem
Tag" die traurige Wahrheit ans Licht kommt, dass wir die meiste Zeit uns selbst
etwas vorgemacht haben (tatkräftigen christlichen Eifer zu betätigen ...
Kirche spielen ... menschlichen Interessen dienen ... ohne Liebe dienen ...)?
Wenn es ums Bauen geht, bin ich sicher, dass wir alle bestrebt sind, gut zu
bauen. Ich finde die Umstände beim Bauprojekt Elisas und der Gruppe junger
Propheten in 2. Könige 6,1–7 besonders lehrreich.
Die Ereignisse in der Geschichte von
"Elisa und dem schwimmenden Beil" stehen im Zusammenhang mit Segen und Wachstum.
Der Herr berief mehr junge Männer, sich Ihm und dem prophetischen Dienst zu
weihen. Sie kamen der Berufung nach, doch ihr Aufenthaltsort wurde zunehmend als
zu eng empfunden. Einige meinten, es sei an der Zeit, weiteren Wohnraum zu
schaffen, um das von Gott geschenkte Wachstum zu fördern, und sie selbst
verhielten sich so, dass Gott fortfahren konnte zu segnen und hinzuzufügen.
Unverkennbar hatte Gott das
gemeinsame Werk der jungen Propheten in der derzeitigen Lage gesegnet. Warum
jetzt etwas ändern? Beachte, dass Dinge, die gestern wirksam und notwendig
waren, es heute nicht mehr sind. Damit wird nicht die Tatsache verneint, dass
sie seinerzeit wohl wirksam und notwendig waren. Das ist keine Kritik an Dienern
Gottes in vergangenen Tagen. Evangelistische Methoden auf dem Missionsfeld
machen dies besonders deutlich. Als Sohn eines Missionars in Kolumbien erinnere
ich mich jener 16 mm breiten Filme über das "Leben Christi", die mein Vater
unter freiem Himmel benutzte, um große Mengen anzuziehen, das verkündigte
Evangelium zu hören. Mit der Elektrifizierung bis zu entfernten Berggegenden,
mit dem Aufkommen von Farb- und Kabelfernsehen, der Verfügbarkeit von Videos und
Internet waren 16-mm-Filme nach und nach weniger effektiv. Es ist an der Zeit,
sich weiterzubewegen, nach neuen Mitteln zu suchen. Es ist das gleiche
Evangelium, doch in einer neuen äußeren Form vorgestellt.
Elisa war als Mann Gottes der Senior
in der Gesellschaft der Prophetensöhne. Er hatte die Notwendigkeit von
Veränderungen noch nicht bemerkt. Die Initiative kam von den jüngeren Propheten.
Indem die Zeit hingeht, gewöhnen wir uns alle an den gegenwärtigen Zustand der
Dinge. Wir fühlen uns zunehmend wohl bei einigen —
vielleicht seltsamen — Verhaltensweisen in der örtlichen Gemeinde. Nicht ohne Selbstgefälligkeit sind
wir mit qualitativ dürftiger biblischer Unterweisung zufrieden. Wir können
untätig werden hinsichtlich unseres evangelistischen Zeugnisses (mögen die
Sünder zu uns kommen!). Irgendwie sind wir kaum noch betroffen darüber, dass
kein "frisches Blut" zu Christus gekommen ist und sich unserer Gemeinschaft in
den letzten fünf Jahren angeschlossen hat. Gewöhnlich sind es die jüngere
Generation und Jungbekehrte, denen Bedürfnisse und seltsame Dinge auffallen, die
unbequeme Fragen stellen und manchmal Veränderungen vorschlagen. Elisa hätte
leichthin die jungen Propheten kritisieren können. Die vorhandenen Einrichtungen
hatten doch viele Jahre gute Dienste getan, wozu denn etwas ändern? Vielleicht
würde nächstes Jahr ihre Zahl zurückgegangen sein. Er könnte über ihre
Beweggründe geurteilt haben: "Wollt ihr für die Dinge Gottes keine
Unannehmlichkeiten auf euch nehmen", oder: "Wer hat hier zu sagen, ihr oder ich?",
oder: "Ihr wollt nur größere Unterkünfte schaffen, um es dem Fleisch angenehm zu
machen, um den Status der Propheten in Israel zu verbessern." Doch Elisa sagte
statt dessen einfach: "Geht."
An sich ist eine Veränderung neutral.
Weder gut noch schlecht. Wir müssen uns über den Grund einer Änderung sorgfältig
klar werden. Wird der Herr durch das Motiv zur Veränderung geehrt? Verletzt die
angestrebte Veränderung deutlich die Schrift? Ist sie praktisch? Die Form und
die Sache sind nicht dasselbe, aber beides ist wichtig. Die Bedeutung der
Schrift bleibt unverändert, wohl mag sich ihre Anwendung ändern je nachdem, wie
in unterschiedlichen und wechselnden Kulturen gebräuchliche Grundsätze
effektiver werden. Gottes Strategie für morgen mag sich sehr wohl von der
heutigen unterscheiden. Nach dem Sieg über Jericho hätte Josua den Schluss
ziehen können: "Jetzt weiß ich, wie Gott Mauern niederreißt." Er hätte sich
daranmachen können, die Mauern anderer Städte zu umziehen. Aber Gott hatte
andere Pläne. Um in Übereinstimmung mit dem allmächtigen Gott zu handeln, können
wir die Vergangenheit nicht einfach wiederholen. Wir müssen bereit sein zu
hören, bereit sein für Neues, für die Führung des Herrn, für Veränderungen.
Als Senior ist Elisa zu bewundern. In
der Gemeinschaft mit den enthusiastischen jüngeren Propheten lag für ihn ein
Risiko. Es konnte auch schiefgehen. Wenn sie blieben, wo sie waren, konnte
Elisa sich sicherer fühlen und die Führung in der Hand behalten. Auf Neues
zuzugehen, darin lag auch die Gefahr, zu verlieren, was sich in vergangenen
Tagen als Segen erwiesen hatte. Ging es schief, dann war Elisa als der Älteste
die Hauptzielscheibe der Kritik in Israel. Doch er war bereit, dieses Risiko auf
sich zu nehmen. Er sagte nicht nur "Ich will", sondern er
"ging mit ihnen".
Anscheinend nahm er ohne Vorbedingungen die Aufforderung an. Er machte sich mit
dem neuen Plan offiziell eins.
Es ist eine riskante Sache, sich der
Herrschaft Christi zu übergeben. Überlassen wir bei der Bekehrung nicht
freiwillig dem Herrn Jesus die Führung in unserem Leben? Wird Er uns nur auf
vertrauten Pfaden leiten, wo wir uns beständig sicher, bequem und ungefährdet
fühlen? Hat Christus versprochen, uns jede Seiner Erwartungen zu erklären und zu
rechtfertigen? Als ich Student war, hing an meiner Schlafzimmertür ein Poster,
worauf stand: "Schiffe sind sicher im Hafen. Aber dafür sind Schiffe nicht
gebaut." Wir sind nicht erschaffen, berufen und erlöst, um auf der "sicheren
Seite" zu sein. Jeder neue Glaubensschritt, jeder neue Einsatz hat ein gewisses
Maß an Ungewissheit. Wenn wir unsere Tätigkeit nur auf die "behagliche Zone"
begrenzen, wenn unser Dienst sich lediglich darauf beschränkt, "was immer schon
getan worden ist", dann würde mancher Gläubige seinen von Gott gegebenen Auftrag
verfehlen. Noah hätte beispielsweise nie eine Arche gebaut. Mose hätte nie
seinen Stab über das Rote Meer ausgestreckt. Petrus hätte nicht gewagt,
Cornelius zu besuchen. Martin Luther hätte nie seinen Hals riskiert. William
Carrey hätte nicht eine führende Rolle übernommen, der heidnischen Welt Indiens
das Evangelium zu bringen. Hudson Taylor wäre kein Pionier geworden, in China
unkonventionelle Methoden in der Mission anzuwenden. Jim Eliot wäre nicht beim
Versuch, die Aucas zu evangelisieren, gestorben. Obwohl jeder dieser Männer in
Übereinstimmung mit dem Herrn handelte, war jeder auch willig, das Risiko eines
"scheinbaren Fehlschlags" auf sich zu nehmen. Vergangenes zu wiederholen ist
manchmal der Wille des Herrn für uns, aber das kann auch ein Schutzschild gegen
mögliche Kritik sein. Wenn wir gut bauen wollen, müssen wir wie Elisa bereit
sein, das "Risiko" des Gehorsams auf uns zu nehmen. Der Herr führt nur die, die
bereit sind, den mit dem Gehorsam verbundenen Gefahren zu begegnen. Es gehört
zum Weg des Glaubens. Sind wir dazu bereit?
Unser Herr ist souverän. Obwohl es
Muster gibt, nach denen Er im Allgemeinen wirkt, ist Er an diese Muster nicht
gebunden. Manchmal beruft und salbt Gott einen Einzelnen für eine besondere
Aufgabe. Der Herr mag auch von uns verlangen, dass wir wie Jesaja und Johannes
der Täufer alleinstehen und unserer Berufung treu nachkommen. Doch in der
Schrift und in der Geschichte stellen wir fest, dass es dem Herrn Freude
bereitet, Sein Werk durch Teams zu tun. Ich denke, dass ein Christ, der es
vorzieht, dem Herrn allein zu dienen und Teamwork vermeidet, das einschränkt,
was Gott durch ihn oder sie tun kann. Lasst uns über die Dynamik zwischen dem
weisen Elisa und den jüngeren Propheten nachdenken.
Wie schon früher bemerkt, ist es
gewöhnlich die jüngere Generation, die das Bedürfnis zu einer Veränderung zuerst
wahrnimmt. Möglicherweise bemerkten die jungen Propheten, dass Zeit bei langem
Anstehen zu Morgentoilette und Duschen vergeudet wurde. Vielleicht schliefen sie
schlecht, weil alles zu eng und unbequem war. Wir können berechtigte Gründe für
Änderungen haben, unsere Beweggründe mögen geistlich sein, aber wenn wir nicht
behutsam vorgehen, können wir durch unsere kritische Haltung und die
eigenmächtige Art bei der Durchführung von Änderungen sündigen. Wir beachten,
dass die jungen Propheten den Dialog mit Elisa suchten. Der Vorschlag und
die Gründe dafür wurden erörtert. Ihnen lag aufrichtig daran, dass Elisa den
Plan guthieß. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie gesagt hätten: "Wir sind
diesen alten Platz leid. Mit oder ohne Elisa gehen wir jetzt und bauen uns ein
neues Camp!" Druck dieser Art fördert keine gute gemeinsame Arbeit. Beachte,
dass die Prophetensöhne mit der Zustimmung Elisas allein noch nicht
zufrieden waren, sie wünschten, dass er mitging. Einer von ihnen fragte Elisa:
"Willst du nicht bitte mit deinen Knechten kommen?" Vielleicht verstand sich
Elisa wenig aufs Bäumefällen. Vielleicht war er auch gar nicht von dem
Erneuerungsplan begeistert. Vielleicht würde er auf dem Weg zum Jordan noch für
Verzögerung sorgen. Aber ihnen lag doch daran, dass er dabei war. Die
Jüngeren sind klug, wenn sie suchen, die Älteren zu beteiligen. Gereifte und
geistliche ältere Brüder und Schwestern sind in jeder Arbeitsgemeinschaft
wertvoll.
Veränderung hat gewöhnlich etwas
Bedrohliches, und das besonders für gewisse Temperamente und am meisten für die
ältere Generation. Ältere Menschen neigen mehr dazu, eine Wand zu bemalen statt
sie niederzureißen. Ältere Leute starten sehr wenig neue geschäftliche
Unternehmen. Wenn Elisa in den Jahren schon vorgerückt war, ist es sehr wohl
möglich, dass ihm die Kraft oder die "Vision" zu einer Neukonstruktion fehlte.
Es wäre ein Leichtes gewesen, die Initiative zu unterdrücken. Er hätte
argumentieren können: "Die jetzige Anlage hat uns doch gut gedient. Ihr seid
undankbar vor dem Herrn angesichts seiner gegenwärtigen Versorgung." Oder er
hätte sagen können: "Wir Propheten sind berufen, uns der geistlichen Auferbauung
Israels zu widmen, nicht materiellen Bauwerken." Aber statt dessen sehen wir,
dass Elisa die jüngeren Propheten anhört und sich ihnen dann ausdrücklich
anschließt. Er unterstützt den Plan insgeheim und sagt: "Geht." Beachte, dass er
nicht sagt: "Ich werde mitgehen und das Vorhaben überwachen." Jeder
Konstruktionsplan hat seine Probleme. Doch Elisa vertraut den jüngeren
Propheten. Er ist zuversichtlich. Als er gebeten wird mitzugehen, antwortet er:
"Ich will", und er geht mit ihnen. Lieber alter Bruder, liebe alte Schwester,
eure persönliche Anwesenheit ist noch sehr wichtig. Nicht so sehr, um zu
überwachen und zu bestimmen, aber um zu ermutigen, auszugleichen und Vertrauen
bei denen zu wecken, die über mehr Voraussicht und Energie verfügen.
Die meisten Bemühungen im Dienst für
den Herrn haben ihre Krisen. Auch hier. Vielleicht als Folge von Unerfahrenheit,
übertriebener Begeisterung oder sogar Unachtsamkeit. Einer der Prophetensöhne
verliert sein Beil im Wasser, vermutlich irgendwo tief im Jordan. In kritischen
Augenblicken fühlen wir uns alle unbehaglich, und es ist so natürlich, einen
Schuldigen zu suchen. Wären wir doch nur vorsichtiger gewesen. Wenn er doch nur
kein geliehenes Werkzeug benutzt hätte. Das davonfliegende Beil hätte leicht
einen anderen töten können! Sollte dies ein göttliches Zeichen sein, um das
Vorhaben abzubrechen? Ich bin sicher, dass Elisa dergleichen gedacht haben mag.
Aber kein tadelndes Wort! "Wohin fiel es?", fragte er, und dann fand er mit
Gottes Hilfe eine Lösung der Krise. In deiner örtlichen Gemeinde, in deinem
Dienst, in deiner Familie werden Krisen kommen. Krisenzeiten können entweder
spalten oder vermehrt stärken und einen. Solche Zeiten bieten Gelegenheiten. In
Krisen verhalte dich ruhig, bleibe geistlich und sei weise.
Einer verlor sein Beil, doch der
Prophetensohn rief nicht: "O mein Herr, ich habe mein wertvolles Werkzeug
verloren." Beim Fällen der Bäume muss er an etwas anderes gedacht haben:
"Das
Werkzeug in meiner Hand gehört mir nicht", oder: "Ich kann hier nur etwas
ausrichten, weil man mir das Beil geliehen hat." Als es im Wasser verschwand,
war sein erster Gedanke: "O mein Herr, es war geliehen." Ein deutliche Lektion
für christlichen Dienst. Als Christen arbeiten wir mit geliehenen Werkzeugen.
Hast du ein Organisations- oder ein Musiktalent? Kannst du gut überlegen und
dich klar ausdrücken? Fühlen sich Jung und Alt wohl bei dir? Sind dir ein Auto,
ein Haus, finanzielle Reichtümer anvertraut? Was meinst du, warum der Herr dir
solchen Besitz gibt? Sind wir wirklich Verwalter, die mit Geliehenem leben und
wirken? Möge uns wie dem hart arbeitenden Propheten bewusst sein: "Das Gerät in
meiner Hand gehört nicht mir."
Verlorene Dinge kommen in der Schrift
wiederholt vor. Ein Hirte verliert sein Schaf. Eine Frau verliert ein Geldstück.
Joseph und Maria vermissten für ein paar Tage den Knaben Jesus. Die Gemeinde in
Ephesus war in Gefahr, ihren "Leuchter" zu verlieren. In unserer Geschichte
arbeitete der junge Prophet angestrengt, in der rechten Gesellschaft und für ein
gutes Unternehmen, doch er verlor sein Beil. So konnte er nichts mehr ausrichten.
Nach unserer Heirat zogen wir um in
einen anderen Stadtteil Londons und schlossen uns einer der Versammlungen im
Süden Londons an. Wir besuchten die örtlichen Geschwister in ihren Häusern,
glücklich darüber, einander kennenzulernen. Ich erinnere mich lebhaft an die
Bemerkung einer älteren Schwester: "Wenn ihr vor fünfzig Jahren hier gewesen
wäret", so sagte sie, "hättet ihr schon früh kommen müssen, um noch einen Platz
in der Versammlung zu bekommen." Bei dieser Gelegenheit empfand ich mal wieder,
ich sei zu spät geboren! "Aber jetzt könnten wir an Sonntagen jedem vier Stühle
anbieten, und dann blieben noch einige übrig." Liebe Geschwister, wir können als
Versammlungen etwas verlieren. Vielleicht denkst du jetzt zunächst an den
Verlust von "Lehre". Das ist natürlich möglich. In den Unterweisungen und in der
Praxis des Christentums können wir von der biblischen Orthodoxie abweichen. Dies
kann geschehen, wenn wir nicht mehr zwischen einem Grundsatz und der Anwendung
unterscheiden, zwischen Schrift und Tradition. Lehrmäßige Abweichungen können
auch als Folge rechthaberischer und gedankenloser Nachahmung augenblicklicher
"Trends" eintreten, seien sie religiös oder weltlich. Doch wir können mehr als
Lehre verlieren. Wenn wir auf einer gewissen Ordnung beharren, können wir Leben
verlieren. Unsere Zusammenkünfte können der Form nach korrekt, zugleich aber tot
sein. Wir können nach innen schauen und dabei den Eifer verlieren, die
Verlorenen zu Christus zu führen. Wir können fromme "Staatsbeamte" werden, mehr
mit religiösen Verfahren und Bürokratismus befasst, dabei aber geistlich wenig
wirklich und gesund. Wir können eine Subkultur schaffen und aufhören, die
Menschen um uns herum noch zu beeinflussen und anzuziehen. Wir können
überkritisch werden und beständig den Richter spielen und dabei die Freude an
wahrer christlicher Gemeinschaft verlieren. Verlieren wir gemeinsam Dinge?
Es ist leichter, Fehler bei anderen
zu entdecken, als das forschende Licht auf uns selbst zu richten. Vielleicht
können wir auf Jahre eines christlichen Lebens zurückblicken und uns an
glückliche Tage erinnern, als uns Begeisterung, Freude und Frische auf dem Weg
mit dem Herrn erfüllte. Als Er uns gebrauchte, andere zu Ihm zu führen, als wir
durch Seine Gnade Werkzeuge in der Hand des Allmächtigen zur Auferbauung unserer
Mitgläubigen waren. Aber dann kam etwas dazwischen. Vielleicht begannen wir
selbstgefällig zu werden und auf uns selbst zu vertrauen. Vielleicht begannen
wir, mit anderen Gläubigen zu konkurrieren, versuchten, sie zu übertreffen,
"geistlicher" oder "korrekter" als sie zu sein. Vielleicht verletzten uns
schwierige Geschwister und eine Wurzel der Bitterkeit keimte seitdem in uns
auf. Vielleicht bekamen wir so manche Ungereimtheiten, Sünden und verdeckte
Heimlichkeiten bei Gläubigen zu sehen, dass wir darüber etwas zynisch wurden. So
findest du es jetzt schwierig, Mitgläubigen zu vertrauen. Es könnte auch etwas
zu tun haben mit unerlaubtem Sex oder unkorrektem Umgang mit Geld oder einfach,
dass wir zu Hause oder bei der Arbeit (oder sogar in der Gemeinde) zu geschäftig
wurden und unser Eifer für Christus allmählich erkaltete. Wir wissen es. Unsere
Hingabe und unser Dienst sind nicht mehr das, was sie waren. Wir haben unser
Beil verloren. Die "scharfe Schneide" kam uns abhanden. Trifft das eine oder
andere auf dich zu?
Bei etwas Bedenkzeit und ein wenig
Wirklichkeitssinn ist es nicht schwer, Punkte zu nennen, wo uns Gefahren von
Verlusten drohen an Freude, an Diensten, an günstigen Gelegenheiten. Schwieriger
ist schon abzuwägen, was dagegen zu tun ist. In den Fällen, wo der Hirte ein
Schaf verliert, die Frau ein Geldstück und der Prophet sein Beil, ist es der
erste Schritt, den Verlust zu erkennen. Die andere Möglichkeit wäre, die
Wirklichkeit zu leugnen, sich etwas vorzumachen und Stillstand hinzunehmen.
Stell dir vor, wie die jungen Propheten freudig ihre Äxte schwingen und die
Arbeit im Wald gut weitergeht. Wir hören sie aus der Nähe scherzen, lachen und
singen, während sie sich abmühen und unter der nahöstlichen Sonne schwitzen.
Dann passiert etwas recht Unbedeutendes. Ein kaum hörbarer "Plumps" im Jordan.
Haben die anderen Propheten etwas gehört? Hat irgendjemand etwas bemerkt? Ja,
ein junger Prophet schon, an dem Punkt war seine Mitarbeit am Ende. Wenn er das
nicht zugab, hätte er sie nie wieder aufnehmen können. Er stand jetzt vor der
Wahl: entweder den Stiel weiter zu schwingen (vielleicht indem er nach dünneren
Stämmen oder Sträuchern ausschaute in dem Gefühl, es geht weiter) oder die
Wirklichkeit seines Verlustes zuzugeben. Auch wir müssen mit Beschämung und
Schmerz unseren Verlust eingestehen oder angestrengt in unserem Tun fortfahren,
uns dabei aber selbst täuschen.
Eine der größten Gefahren im
christlichen Dienst besteht darin, ohne das Beil weiterzumachen. Wir halten den
Stiel in der Hand und wir schwingen ihn so kräftig, wie wir es immer getan
haben. Wir arbeiten hart, wir kommen ins Schwitzen, es geht geräuschvoll zu,
aber unser Werkzeug ist stumpf. Wir haben die scharfe Schneide verloren! Wir
setzen Bibelstudien, Konferenzen und Besuche fort ... aber ohne die frühere
Freude, ohne die gleiche Begeisterung, ohne viel auszurichten. In der Tat, bei
unserer Selbsttäuschung sind wir zeitweise versucht, einen sichtbaren Erfolg zu
erzwingen. Wir mögen versuchen, Bäume aufzuheben, die andere gefällt haben. Es
kann sein, dass wir Gläubige bekritteln, die echte Freude in ihrem Leben als
Christen zeigen. Eines Tages haben wir ein Urteil über den Reifegrad derer, die
noch Hingabe in ihrem christlichen Dienst zeigen. Wenn wir ehrlich sind,
empfinden wir irgendwann ein wenig Neid gegenüber denen, die noch Bäume fällen.
Mein lieber Mitgläubiger, das braucht so nicht zu bleiben. Unser Gott tut ein
Werk der Wiederherstellung. Doch wir müssen damit anfangen zuzugeben, dass etwas
verloren ging. Wir müssen vor uns selbst und vor dem Herrn eingestehen, dass
"unaussprechliche Freude" nicht mehr das normale Kennzeichen unserer
christlichen Erfahrung ist, sondern dass eher Pflicht als Eifer unseren
christlichen Dienst antreibt und dass in unserem Dienst die Hand des
allmächtigen Gottes jetzt wenig offenbar wird. Wiederherstellung setzt ein,
sobald wir dem Herrn unser Versagen freimütig bekennen.
Der Mann Gottes fragte: "Wohin ist es
gefallen?" Gott stellt immer dann wieder her, wenn wir an den Punkt
zurückkehren, wo wir abgewichen sind. Lasst uns zurückblicken. Wo haben wir die
scharfe Schneide unseres Dienstes verloren? Seit wann versuchen wir, Gottes Werk
mit dem Axtstiel zu tun? Wir müssen zurückgehen bis zu dem üblen Verhalten, dem
eigenwilligen Vornehmen, dem ehrgeizigen Streben nach Neuem, das mein Herz
fesselte, der unrechten Handlung, den kleinen Lügen, womit wir Gottes Werk
fördern oder verteidigen wollten, der unbekümmerten Haltung, dem ungelösten
zwischenmenschlichen Konflikt ... und es dem Herrn bekennen. Erst nachdem der
Prophet "ihm die Stelle zeigte", begann Gott zu handeln und wiederherzustellen.
Wiederherstellung besteht nicht
einfach darin, dass man Methoden verändert oder eine neue Strategie annimmt.
Eine Wiederbelebung der örtlichen Gemeinde kommt noch nicht, weil wir unsere
Sitzordnung verändert haben oder ein neues Liederbuch eingeführt haben,
Musikinstrumente benutzen oder die Zusammenkünfte zeitlich anders ansetzen. Sie
ergibt sich auch nicht daraus, dass wir schlicht das "tun", was wir zuvor auch
getan haben. Sie kommt auch nicht zustande, wenn wir häufiger zusammenkommen
oder vermehrt die Bibel lesen. Die Propheten tauchten nicht mit Schutzbrillen
ins Wasser ein noch versuchten sie, das Beil mit einem Haken oder Stock vom
Flussbett heraufzuholen. Gesundung kann nicht durch menschliche Geschicklichkeit
kommen. Wenn uns daran liegt, die übernatürliche Hand Gottes über unserem Leben,
im persönlichen Dienst und in der Gemeinde erneut zu erfahren, müssen wir zu
Gott schreien, Er möge eingreifen. Der Gott, den wir anbeten, ist ein Gott, der
Wunder tut. Er allein kann uns unser "Beil" wiedergeben.
Die meisten wunderbaren Ereignisse
sind irgendwie merkwürdig. Warum schnitt Elisa ein Holz ab, warf es ins Wasser
und brachte das Beil zum Schwimmen? Warum sagte er nicht einfach: "Beil,
schwimm!"? Und wenn das Beil auf dem Wasser schwimmen konnte, warum erhob es
sich nicht und flog in die Hand des Propheten oder noch besser, flog gleich auf
den Axtstiel, wo es hingehörte? Selbst beim Wunder musste der Prophet noch ein
Holz "hineinwerfen" und das Beil aus dem Wasser "hochheben". Dieses
Zusammenwirken der übernatürlichen Hand Gottes, gepaart mit dem Gehorsam des
Menschen, ist sehr auffallend: Wenn Mose seinen Stab nicht erhoben hätte, würde
das Rote Meer sich wahrscheinlich nicht geteilt haben. Doch nicht der Stab
teilte es. Es war die Hand Gottes. Wenn das Volk Jericho nicht umzogen hätte,
würden die Mauern wahrscheinlich nicht eingestürzt sein. Aber das Umziehen und
das laute Geschrei bewirkten das nicht. Es war die Hand Gottes. Hätte Naaman
sich nicht siebenmal im Jordan gebadet, würde Gott ihn wahrscheinlich nicht von
seinem Aussatz geheilt haben. Aber das Baden tat es nicht. Es war die Hand
Gottes. Ohne dass Paulus und Apollos pflanzten und begossen, wäre das Wachstum
ausgeblieben. Aber nicht das Pflanzen und Begießen ließen den Samen wachsen, es
war die Hand Gottes.
Wenn wir gebraucht werden, um etwas
zu bauen, das ewigen Wert hat, müssen wir uns beständig dazu anhalten, uns
nichts vorzutäuschen, sondern wahr und ehrlich zu sein. Um eine echte Erneuerung
in unserer Seele und in der örtlichen Gemeinde zu erleben, mag es wohl einiger
Änderungen bedürfen. Ohne diese Änderungen gibt es vielleicht nie eine
Erweckung. Doch nicht die Änderungen an sich sind es, die ein Aufblühen
bewirken. In unserer Ausweglosigkeit benötigen wir die Hand Gottes. Wir
brauchen ein Wunder. Wir sind auf das Eingreifen Gottes angewiesen. Die frühe
Kirche wuchs: "Und die Hand des Herrn war mit ihnen, und eine große Zahl glaubte
und bekehrte sich zu dem Herrn" (Apg 11,21). Wenn wir in freudiger christlicher
Erfahrung leben wollen, wenn wir in Leidenschaft im Dienst für den Herrn brennen
wollen, von Christus auf irgendeine Weise gebraucht werden wollen, um Seine
Gemeinde zu bauen, dann brauchen wir dringend eine veränderte Wahrnehmung Gottes
in unserem Lebensstil, in geistlicher Jüngerschaft ... doch wir brauchen vor
allem die übernatürliche Hand des allmächtigen Gottes in unserem Leben.
Verlangen wir wirklich danach? Das ist die einzige Alternative gegen
Selbsttäuschung.
April 2003 — Armenia
Übersetzung: Walter Mücher
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