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Leitverse: 1. Korinther 12,13; Matthäus 16,18; Epheser 2,20; 1.
Thessalonicher 4,13-18; Johannes 14,1-3
Inhalt
1) Die Zukunft der Gemeinde: ihre Entstehung Einleitung Existiert die Kirche von Adam an …? 2) Die Zukunft der Gemeinde: die Aufnahme Die Zukunft der Gemeinde Drei Aspekte Das Vaterhaus Dem Herrn entgegen in die Luft Wann kommt Jesus wieder? Keine Aufnahme als Heilstatsache Gibt es nur ein Heil? Die, die mit Ihm sind … Vor der großen Drangsal Offenbarung 4—19: Die Kirche nicht mehr auf der Erde Unterschiedliche Sichtweise
In einigen Artikeln wollen wir nachforschen, was die Bibel über die Zukunft
der Kirche oder auch Gemeinde sagt. Es mag dem ein oder anderen fremd
erscheinen, doch wenn wir etwas Sinniges über die Zukunft der Gemeinde sagen
wollen, müssen wir zuerst ein anderes Problem behandeln, nämlich wann die
Gemeinde entstanden ist. Diese beiden Dinge haben nämlich alles miteinander zu
tun. Für viele Christen ist Letzteres überhaupt kein Problem. Sie behaupten
einfach, dass die Kirche von Adam an Bestand hat und dass sie bis zum „Jüngsten
Tag“ auf der Erde bleiben wird. Die Frage ist allerdings, ob diese Auffassung
mit den biblischen Tatsachen auf einer Linie steht.
Die Kirchen, die in der Zeit der Reformation entstanden sind, folgen alle der
Lehre, dass die Kirche von Adam an existiert. Dies steht mit etlichen Worten in
den Bekenntnisschriften der diversen Kirchen.
Dabei fällt allerdings sofort auf, dass man die Behauptung, dass die Kirche
vom Beginn der Schöpfung an existiert, entweder
- mit der Argumentation stützt, dass Christus als König nicht ohne
Untertanen sein kann, wobei man Kirche und Königreich gleichsetzt, oder
- mit Texten, die nichts über die Kirche oder Gemeinde selbst sagen. (Siehe
dazu Artikel 27 des Niederländischen Glaubensbekenntnisses oder Sonntag 21 des
Heidelberger Katechismus.)
Wenn wir uns auf die Schrift berufen, müssen wir uns auf Texte gründen, die
ausdrücklich von dem Entstehen der Gemeinde reden, und nicht auf Texte, die damit
nichts zu tun haben, wie zum Beispiel Psalm 71,17. Die Texte, die mit dem
Entstehen der Gemeinde zu tun haben, zeigen nämlich, dass die Kirche nicht von
Beginn der Welt an existiert, sondern erst ab dem Pfingsttag in
Apostelgeschichte 2:
-
Erstens sagte Jesus Christus zu Petrus: „Auf diesen Felsen werde ich meine
Versammlung bauen“ (Mt 16,18). Die Gemeinde war also damals noch
„Zukunftsmusik“.
-
Zweitens lesen wir in 1. Korinther 12,13, dass die Gemeinde durch die Taufe
mit dem Heiligen Geist entstanden ist. Nach den Worten Johannes’ des Täufers
würde Christus mit Heiligem Geist taufen (Mt 3,11), und gemäß Apostelgeschichte
1,5 würde das erst geschehen „nach nunmehr nicht vielen Tagen“, das heißt kurz
nach der Himmelfahrt von Christus. Erneut zeigt sich also, dass die Gemeinde
noch nicht einmal bestand, als Christus auf der Erde war.
-
Drittens wird in Epheser 2,14-16 hervorgehoben, dass die Gemeinde entstanden
ist, nachdem die Zwischenwand der Umzäunung abgebrochen wurde. Da erst wurden
Juden und Heiden in einem Leib (was auf die Gemeinde, den Leib von Christus
hinweist) mit Gott versöhnt.
-
Viertens gibt es das Zeugnis aus Epheser 2,20, dass die Gemeinde aufgebaut
ist auf das Fundament der Apostel und Propheten. Bevor die Apostel in ihrer
Funktion als Apostel auftraten und die Propheten der neuen Haushaltung (vgl. Eph
3,5) ihr Werk begannen, konnte also von einer Gemeinde oder Kirche keine Rede
sein. Die Idee, dass die Kirche von Beginn der Schöpfung an existiert, lässt
demnach jede biblische Grundlage vermissen.
Natürlich gab es von Adam an Menschen, die an Gott glaubten, aber wir müssen
unterscheiden zwischen Gläubigen und solchen, die zur Kirche gehören. Die
Gläubigen der alten Haushaltung dienten Gott, sie bildeten aber nicht so etwas
wie die Kirche.
Viele kirchliche Theologen drehen nicht an den oben genannten Texten,
sondern behaupten, dass man diese nicht so wörtlich nehmen darf, als hätte es
vor der Zeit von Christus auf der Erde keine Kirche gegeben.
Manchmal kommt man mit einem Gegenargument und beruft sich auf
Apostelgeschichte 7,38, wo Stephanus über eine „Versammlung in der Wüste“ redet.
Das Wort, das da mit „Versammlung“ wiedergegeben ist, ist dasselbe Wort wie ecclesia,
das in Matthäus 16,18 gebraucht wird, um die Gemeinde zu benennen. Also sagt
man: „In alter Zeit bildete Israel die Kirche.“ Dieses Argument taugt jedoch
nicht, denn das Grundwort deutet eine Versammlung von Menschen an, sagt damit
aber nicht, dass diese Versammlung auch die Kirche von Christus bildet. Dies
zeigt sich aus Apostelgeschichte 19,32 und 40, wo dasselbe Wort ecclesia
gebraucht wird, um die Volksversammlung in Ephesus zu benennen.
Am Rande möchte ich noch erwähnen, dass gemäß Epheser 3,3.5.9, Kolosser
1,24-27 und Römer 16,25-27 das Geheimnis der Gemeinde in der alten Haushaltung
noch nicht einmal bekannt gemacht wurde.
Wenn wir davon überzeugt sind, dass die Kirche nicht von Adam an auf der Erde
existiert, werden wir auch für den Gedanken offen sein, dass die Kirche nicht
selbstverständlich bis zum Jüngsten Tag auf der Erde sein wird. So wie es eine
vorchristliche Zeit auf der Erde gab, kann es auch eine nachchristliche Zeit
geben. Umgekehrt wird jemand, der glaubt, dass die Kirche von Adam an existiert, nur
mühevoll für den Gedanken zu haben sein, dass Israel noch eine geistliche
Zukunft hat, denn in seinen Gedanken ist die Zeit, in der Gott Israel als Volk
anerkannte, eine vergangene Phase der Kirchengeschichte.
Bei dem Wort „Zukunft“ denken wir in erster Linie an die Wiederkunft von
Jesus Christus. Er, der Sohn Gottes, ist auf diese Erde gekommen, um den Willen
Gottes zu tun (Heb 10,5-7). Der Wille bestand darin, dass Er sich selbst als
Opfergabe und Schlachtopfer gab. Nachdem Er das Erlösungswerk am Kreuz auf
Golgatha vollbracht und sein Leben abgelegt hatte, ist Er als der große
Sieger über die Sünde, den Tod und Satan aus den Toten auferstanden. Schließlich
ist Er 40 Tage später in den Himmel aufgefahren. Während Er noch hier auf der
Erde war, hat Er bereits von seiner Wiederkehr gezeugt. Nach seiner Himmelfahrt
hat Er dieses Zeugnis durch seine Apostel wiederholt.
Prinzipiell gibt es zu o.g. Sachverhalt keine Meinungsverschiedenheiten unter
orthodoxen Christen. Die Frage ist allerdings, wie wir Ihn erwarten und ob das
unsere tatsächliche Hoffnung ist.
Christus hat die Seinen ermuntert, Ihn zu erwarten und nach Ihm Ausschau zu
halten. Ein Schreiber zu Beginn dieses Jahrhunderts gab einer kleinen Broschüre
über dieses Thema den Titel Die Hoffnung, die verlorengegangen ist, was
leider nicht von feuriger Erwartung spricht. Nun kann man sich fragen, ob der
Titel denn zu Recht war, denn durch die Jahrhunderte hindurch hat die Kirche die
Rückkehr Jesu doch mit den bekannten Worten aus den 12 Artikeln des Glaubens
bekannt: „Von woher Er wiederkommen wird, um zu richten die Lebenden und die
Toten“?!
Doch genau das ist das Problem. Viele Christen halten gemäß der Schrift
eben nicht Ausschau nach ihrem Richter, sondern nach ihrem Retter. Diese
Erwartung des Kommens des Herrn für die Seinen ist leider verlorengegangen. Du
findest sie nicht im Apostolikum (dem apostolischen Glaubensbekenntnis), sie ist
auch nicht in der Zeit der Reformation zum Ausdruck gekommen, in den damals
aufgesetzten Bekenntnisschriften. Ein Theologe hat einmal angemerkt, dass die
Eschatologie (die Zukunftslehre) in den Bekenntnisschriften aus der Zeit der
Reformation sehr schlecht weggekommen ist. Dem ist auch so, und der spezifische
Aspekt des Kommens von Christus für seine Gemeinde kommt darin erst recht nicht
zur Sprache. Mit diesem Aspekt wollen wir uns jetzt beschäftigen.
Es ist von Bedeutung, über die Aspekte der Rückkehr von Jesus Christus zu
sprechen. Dann kommt Ordnung in die Zukunftserwartung. Wir können bei der
Ankunft von Jesus Christus nämlich drei Aspekte unterscheiden. Die Ankunft hat
- einen Aspekt hinsichtlich der Gemeinde
- hinsichtlich Israels und
- hinsichtlich der Nationen.
Aspekt c) ist in Matthäus 25,31-46 an der Reihe, wo die Rede ist von Nationen,
die vor dem Thron des Sohnes des Menschen versammelt werden. Über Aspekt b)
spricht zum Beispiel Römer 11,26 mit den Worten: „Und so wird ganz Israel
errettet werden, wie geschrieben steht: „Aus Zion wird der Erretter kommen, er
wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden.“ Seine Ankunft für die Seinen, also
Aspekt a), hat Jesus Christus mit den Worten ausgedrückt: „Ich komme wieder und
werde euch zu mir nehmen“ (Joh 14,3). Dabei muss berücksichtigt werden, dass Er
diese Worte in der Intimität des stillen Obersaals sprach, wo Er mit seinen
Jüngern allein war und sie auf seinen Abschied vorbereitete.
Von dem Vaterhaus zeugt der Herr, dass dort viele Wohnungen sind, und Er fügt
hinzu: „Wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin,
euch eine Stätte zu bereiten“ (Joh 14,2). Es sind dort also viele Wohnungen. Sie
müssen nicht erst fertiggestellt werden. Es muss nur Platz gemacht werden, denn
für Sünder gibt es dort nicht einfach so Platz. Das Platzbereiten hat der Herr
getan, indem Er das Erlösungswerk vollbracht hat und als verherrlichter Mensch
in den Himmel aufgefahren ist. So ist der Himmel, und zwar der höchst intimste
Ort dort, das Vaterhaus, für verlorene Sünder aufgeschlossen worden, die durch
den Glauben an Jesus Christus gerettete und gereinigte Sünder geworden sind.
Wie beerben wir diesen erhabenen Platz? Durch den Tod? Nein, hör zu: „Und
wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde
euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet“ (V. 3). Wie wenig man die
Realität dieser Worte verstanden hat, zeigt sich darin, dass man sie mit dem
Sterben der Christen erfüllt sah. Nun ist sicher wahr, dass ein Gläubiger, der
entschläft, beim Herrn ist. Paulus sagt das so: „Ich habe Lust, abzuscheiden und
bei Christus zu sein, denn es ist weit besser“ (Phil 1,23). Aber in Johannes 14
geht es nicht um das Entschlafen eines Gläubigen, sondern um die Wiederkehr von
Jesus Christus. So wie das „Ich gehe hin“ auf den persönlichen Weggang von Jesus
Christus zum Vater hindeutet, so deutet „Ich komme wieder“ ebenso auf seine
persönliche Wiederkehr hin. Und das Ziel seiner Wiederkehr ist, uns in das
Vaterhaus zu bringen, wo Er wohnt.
Näheren Unterricht hierzu gibt der Apostel Paulus in 1. Thessalonicher
4,13-18. Die Thessalonicher waren in Unruhe über die Frage, ob die Entschlafenen
gleichzeitig mit den Lebenden oder erst viel später die Herrlichkeit erben
sollten. Der Apostel macht ihnen dann klar, dass, wenn der Herr erscheint (und
das deutet offensichtlich auf seine Erscheinung zusammen mit den Heiligen hin,
um seine königliche Herrschaft aufzurichten), die Entschlafenen den Herrn dann
auch begleiten werden (V. 14). Wie das möglich ist und geschehen wird, wird in
den Versen 15 bis 18 enthüllt. Der Apostel macht das, indem er ein Wort des
Herrn offenbart. Er zeigt dabei auf, dass
- die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den
Entschlafenen absolut nicht vorausgehen werden;
- der Herr selbst mit einem befehlenden Rufen, mit der Stimme eines
Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen wird;
- die Toten in Christus zuerst auferstehen werden;
- sie zusammen mit den Lebenden in die Wolken aufgenommen werden, dem
Herrn entgegen in die Luft;
- alle Gläubigen dann immer mit dem Herrn sein werden.
Hiermit ist den Thessalonichern die Sorge, die sie hatten, genommen. In 1.
Thessalonicher 5,1ff. fährt Paulus mit umfangreichen Erklärungen über die
Erscheinung von Christus und den damit zusammenhängenden Ereignissen fort. Die
Verse 15-18 von 1. Thessalonicher 4 bilden sozusagen einen Einschub zwischen
Kapitel 4,14 und 5,1.
Es ist sehr bezeichnend, dass dieser tröstende Abschnitt in der kirchlichen
Theologie fast übersehen worden zu sein scheint. Man sieht darin jedenfalls
nicht die Erfüllung dessen, was Jesus Christus seinen Jüngern im Obersaal
versprochen hat. Das Entgegengehen wird als Weggang aufgefasst, um den Herrn zur
Erde abzuholen. In der Tat wird der Ausdruck „Entgegengehen“ in Fällen
gebraucht, in denen Personen jemandem entgegengehen, um danach mit ihm
zurückzukehren (z.B. Mt 25,1ff.). Aber das ist nicht der einzige Sinn dieses
Ausdrucks, denn wir finden ihn auch in anderen Zusammenhängen, nämlich dem
Entgegentreten in Feindschaft oder einem Entgegentreten, um gemeinsam einen
bestimmten Weg einzuschlagen. In 1. Samuel 9,14 haben wir in der Septuaginta ein
Beispiel dazu. Die Wortwahl ist hier also nicht von ausschlaggebender Bedeutung.
Der Zusammenhang muss beachtet werden. Nun, Vers 17 zeigt, dass wir immer „bei
dem Herrn“ sein werden. Des Weiteren müssen wir Schrift mit Schrift vergleichen,
und dann können wir diesen Abschnitt nicht von Johannes 14,1-3 abtrennen. Dort
geht es um dieselbe Ankunft des Herrn, und es wird derselbe Aspekt, nämlich die
Bedeutung von dem Kommen für die Seinen, beleuchtet.
Natürlich drängt sich die Frage auf, wie diejenigen, die leben, dem Herrn bei
seinem Kommen entgegengehen werden in die Luft. Ist das mit dem irdischen
Körper, den sie besitzen, möglich? Auf diese Frage hat 1. Korinther 15,51-57 die
Antwort. Dieser Abschnitt sagt, dass nicht alle Gläubigen entschlafen werden,
sondern dass wir alle verwandelt werden. Das gilt natürlich für alle, die bei
dem Kommen des Herrn leben. Beim Erklingen der letzten Posaune werden gemäß Vers
52 zwei Dinge geschehen: Die Toten werden unvergänglich auferweckt werden, und
die Lebenden werden verwandelt werden. Diese letzte Posaune ist die Posaune aus
1. Thessalonicher 4,16. Die Toten werden also den neuen Körper durch die
Auferstehung bekommen, die Lebenden erhalten ihn durch Verwandlung, die sich in
einem unteilbaren Augenblick vollzieht.
Wenn wir die Angaben aus den diversen Schriftstellen zusammenbringen, dann
zeigt sich, dass den Kindern Gottes eine gewaltige Zukunft bevorsteht. Was gibt
es Schöneres und Herrlicheres, als dem Herrn Jesus zu begegnen und durch Ihn in
das Vaterhaus gebracht zu werden?! Das ist die Hoffnung der Christen!
Die Frage stellt sich natürlich, wann dieses hoffnungsvolle Ereignis
stattfinden wird. Ist das eine Sache von langer Dauer? Muss noch alles Mögliche
geschehen, bevor Christus zurückkommt, um sein Versprechen einzulösen? Oder
konnten die Christen aus den Tagen von Paulus und können wir in dieser Zeit Ihn
jederzeit erwarten? Wiewohl die Schrift nirgends die exakte Zeit der Wiederkunft
von Jesus Christus nennt, wird dennoch klar, dass das Neue Testament diese als
„bald“ vorstellt (siehe Off 3,11; 21,7.12.20).
Doch wie kommt es, dass diese Hoffnung verlorengegangen ist? Dazu können
mindestens zwei Gründe genannt werden. Erstens, dass die Gemeinde von Jesus
Christus sich mittlerweile auf der Erde ziemlich zu Hause fühlt. Als die
Verfolgung des Römischen Reiches vorbei war und das Christentum eine
Machtposition einzunehmen begann, fing man an, sich ganz auf das irdische, ja
auf das weltliche Leben einzustellen.
Es kann noch ein zweiter Grund angeführt werden, warum die christliche
Hoffnung verlorengegangen ist, und dieser hat mit der Auslegung der Schrift zu
tun. In den ersten drei Jahrhunderten des Christentums glaubten viele noch an
eine geistliche Wiederherstellung des jüdischen Volkes und an ein zukünftiges,
1000-jähriges Reich. Hierzu gab es, nachdem die Kirche sich einen Platz im
Römischen Reich erworben hatte, eine radikale Wendung. Mit durch den Einfluss
der veränderten Position der Kirche glaubte man, schon im 1000-jährigen Reich zu
leben. Die alttestamentlichen Propheten legte man nicht mehr bezüglich Israel in
der Endzeit aus, sondern wandte sie vergeistlichend auf die Kirche an. Man fing
an, die Kirche als das geistliche Israel zu betrachten. Ein Abschnitt wie
Offenbarung 20,1-6 sah man nicht mehr als eine Fortsetzung dessen, was in
Kapitel 19 beschrieben wird, sondern als eine Zusammenfassung der ganzen
Kirchengeschichte. Die Auslegung jedes Details dieses Bibelabschnitts wurde
dabei angepasst.
Oben stehende Wendung hat sich bereits unter dem Einfluss von Augustinus
vollzogen. Dieser Kirchenvater hatte großen Einfluss auf die Reformatoren. Was die
Errettungslehre betrifft, war das ein Segen, und was die Zukunftslehre angeht,
war es eine Plage. Man baute die Geistliches-Israel-Theorie weiter aus,
entwickelte eine universale Bundestheologie, in der für Israel überhaupt kein
Platz war, und verteidigte mit Nachdruck, dass wir jetzt im 1000-jährigen Reich
leben. Man ließ dieses Reich mit der Auferstehung von Christus beginnen oder
aber mit dem Ende der letzten offiziellen Christenverfolgung. Die ganze
Zukunftslehre schrumpfte zur Erwartung des Jüngsten Tages zusammen, an dem alle
zukünftigen Ereignisse stattfinden würden.
Wiewohl man Bibelabschnitte wie Johannes 14,1-3 und 1. Thessalonicher 4,15-18
kannte und also ein Wissen über die Aufnahme der Gläubigen hatte, funktionierte
diese Angabe in der Zukunftslehre nicht, denn sie war mit anderen Ereignissen
eigentlich nicht vereinbar. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist das Problem, wie
man die Aufnahme der Gläubigen mit Matthäus 25,31-46 in Einklang bringen muss.
In diesem Abschnitt ist von dem Sohn des Menschen die Rede, der in Herrlichkeit
erscheint. Es werden alle Völker vor Ihm versammelt, die dann in zwei Gruppen
verteilt werden: Schafe und Böcke. Wenn Schafe die Gläubigen aus dieser Zeit
darstellen, gehen diese dann vor dieser Zeit dem Herrn entgegen in die Luft?
Kommen sie anschließend sofort mit Ihm zurück? Werden sie danach unter die
Völker vermischt, um anschließend sofort wieder aussortiert zu werden? Das ist
natürlich eine unmögliche Konstruktion von Tatsachen. Genauso wenig kann man die
Aufnahme nach diesem Ereignis setzen, denn dann würde der Herr erst kurz in den
Himmel verziehen müssen, um danach zurückzukehren, um die Gläubigen aufzunehmen.
In der genannten Kirchenvision ist schlussendlich kein Platz für die Aufnahme
der Gläubigen als eine selbständige Heilstatsache. Wenn die Kirche weiterhin
auf der Erde bis zum Ende der Welt besteht, kann man die Aufnahme nur als ein
einigermaßen unbedeutendes Detail des Jüngsten Tagen besehen. Von einer
besonderen Heilstatsache eines selbständigen, gewaltigen Ereignisses ist dann
keine Rede mehr.
Wenn man jedoch gemäß der Schrift die Gemeinde erst mit dem Pfingsttag
beginnen lässt, dann steht man auch dem Gedanken offen gegenüber, dass die
Gemeinde nicht notwendigerweise bis ans Ende der Welt auf der Erde bleiben muss.
Das große Problem in der kirchlichen Ansicht ist nämlich, dass man außerhalb der
Kirche keine Seligkeit kennt. Die logische Konsequenz dieser Auffassung ist,
dass man alle Gläubigen zur Kirche zählen muss. Diejenigen, die die Kirche mit
dem Pfingsttag anfangen lassen, haben dieses Problem nicht. Genauso wie es vor
dem Pfingsttag Gläubige gab, die auch nicht zur Kirche gehörten, genauso gut
können nach der Aufnahme wieder Gläubige auf der Erde sein, die keine Kirche
bilden.
Gegen den Gedanken, dass neben der Kirche noch andere (z.B.
alttestamentliche) Gläubige existieren, führt man in der Regel an, dass es nur
ein Heil gibt. Eins ist klar: Es gibt nur ein Heilsfundament für alle Menschen,
und das ist das Opfer, das Jesus Christus auf dem Kreuz von Golgatha gebracht
hat. Aber das bedeutet nicht, dass keine verschiedenen Gruppen von Gläubigen da
sein werden, die einen unterschiedlichen Heilsplatz einnehmen werden. Einen
Beweis dafür können wir Offenbarung 21 und 22 entlehnen. Wir lesen dort von
einer Stadt, die die Braut des Lammes ist, von Sklaven, die in der Stadt dienen,
aber auch von Völkern, die im Licht dieser Stadt leben und ihre Herrlichkeit zu
ihr bringen. In welche Zeit in der Zukunft man diesen Abschnitt auch immer
einordnet, es ist unverkennbar, dass von verschiedenen Personengruppen die Rede
ist, die einen unterschiedlichen Platz einnehmen. Übrigens, das Wort von
Christus: „Unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer aufgestanden als
Johannes der Täufer; der Kleinste aber im Reich der Himmel ist größer als er“ (Mt
11,11), zeigt an, dass die Stellung dieses Predigers des Königreiches eine andere
ist als die derjenigen, die in das Königreich eingehen. Das spricht also klar
von Diversifizierung.
Dass die Aufnahme der Gläubigen der Erscheinung des Herrn in Herrlichkeit
vorausgeht, ist vollkommen sicher. Ob man die Ereignisse nun an ein und
demselben Tag stattfinden lässt oder ob man an einen größeren Zeitabschnitt
dazwischen denkt, macht keinen großen Unterschied. Nur so kann in Erfüllung gehen, dass der Herr bei seinem Erscheinen in
Herrlichkeit begleitet wird, nicht nur durch Engel, sondern auch durch die
auferstandenen und verherrlichten Gläubigen.
Dass die Engel Jesus Christus begleiten, ist zu lesen in: Matthäus 16,27; 25,31;
Markus
8,38; Lukas 9,26; 2. Thessalonicher 1,7. Aber die Engel sind nicht die einzigen Gefährten des Herrn.
Auch die Gläubigen, die vor der Zeit aufgenommen wurden, werden mit dem Herrn
sein. Wir sehen das in 1. Thessalonicher 3,13, und das stimmt überein mit 1.
Thessalonicher 4,14. Der letzte Vers sagt ja, dass die Entschlafenen Christus
begleiten werden, wenn Er kommt. Des Weiteren gibt es noch das Zeugnis von Kolosser 3,4. Dieser Vers zeigt
auf, dass, wenn Christus in Herrlichkeit offenbart wird, wir mit Ihm offenbart
werden.
Noch klarer ist das Wort in Offenbarung 17,14. Dort wird über den großen
Krieg gesprochen, den die Völker der Erde gegen das Lamm führen werden. Das Lamm
ist Jesus Christus, und gemäß Offenbarung 19,11-21 kommt Er vom Himmel auf die
Erde. Nun, in Offenbarung 17 ist die Rede von denen, die mit Ihm sind: Berufene,
Auserwählte und Treue. Diese drei Ausdrücke deuten unverkennbar auf Gläubige hin
und nicht auf Engel.
Schließlich liefert Offenbarung 19 noch einen Hinweis. Wir lesen dort ebenso
von dem Krieg, den die Völker gegen das Lamm führen (V. 19). Das Lamm wird von
Heeren begleitet, und von denen wird gesagt, dass sie mit „feiner Leinwand, weiß
und rein“ bekleidet sind (V. 14). Etwas weiter vorn wird gesagt (V. 8), dass die
weiße, feine Leinwand „die Gerechtigkeiten der Heiligen“ sind. „Gerechtigkeiten“
sind die gerechten Taten der Heiligen, das heißt der Gläubigen. Gläubige
sind also Teil des Heeres, das das Lamm begleitet, und sie werden mit Ihm das
Gericht über die Völker ausüben.
Dass die Aufnahme der Gläubigen der Erscheinung des Herrn in Herrlichkeit
vorausgeht, kann also nicht geleugnet werden. Die Frage ist nur, wie viel früher
die Aufnahme stattfindet. Nun, es gibt diverse Hinweise, die die Bibel gibt, die
dafür sprechen, dass das vor der großen Drangsal der Fall sein wird, nämlich:
-
Die Texte, die über diese schreckliche Periode sprechen, haben in erster
Linie Bezug auf das Volk Israel. Diese Periode wird in Jeremia 30,7 „eine Zeit
der Drangsal für Jakob“ genannt.
-
Auch Daniel 12,1.2 spricht von einer Zeit der Drangsal in Verbindung mit
der Geschichte Israels.
-
In Matthäus 24,21 und Markus 13,19 wird ebenso dieselbe Zeit gemeint, und
auch hier wird diese Periode mit dem jüdischen Volk in Verbindung gebracht.
-
In Offenbarung 3,10 begegnen wir dem Ausdruck „Stunde der Versuchung“.
Hier wird nicht über Israel gesprochen, sondern wir haben hier mit der
Gemeinde zu tun. Es wird der Gemeinde jedoch versprochen, dass sie vor der
Stunde der Versuchung bewahrt bleibt. Der Ausdruck entspricht dem aus Johannes
17,15: „Bewahren vor dem Bösen“, das heißt, bewahre sie, dass sie nicht durch
die Macht des Bösen angetastet werden. Bewahren vor der Stunde bedeutet also ein
Bewahren, damit sie nicht in die Stunde kommen. Über diese Versuchung oder
Verführung spricht Offenbarung 13, siehe vor allem Vers 14.
-
Schließlich enthält Offenbarung 7 noch einen Hinweis. Wir begegnen dort
wieder dem Ausdruck „große Drangsal“. Dieses Kapitel beschreibt uns zwei
unterschiedliche Gruppen von Gläubigen, und zwar eine Gruppe von 144.000
Versiegelten aus allen Stämmen von Israel und eine große Schar aus den
Völkern. Hier zeigt sich deutlich, dass die Kirchenperiode dann beendet sein
wird, denn in der Zeit der Gemeinde gehören alle Gläubigen zu der Gemeinde, und
alle nehmen denselben Platz ein, denn sie bilden einen Leib.
Diese zwei Gruppen kann man nicht miteinander vereinen, ohne der Schrift
Gewalt anzutun, und unter der zweiten Gruppe alle Gläubigen aus allen Zeiten zu
verstehen, ist klar im Widerspruch zu der Erklärung, dass sie aus der großen
Drangsal kommen, denn das ist eine Periode von beschränkter Dauer in der
Endzeit.
Es gibt noch mehr Argumente. Es ist nämlich von Bedeutung, zu sehen, dass ab
Offenbarung 4 die Kirche nicht mehr auf der Erde als sesshaft angesehen wird.
Die Einteilung des Buches der Offenbarung wird uns in Kapitel 1,19 gegeben. Wir
lesen dort die folgenden drei Ausdrücke:
- was du gesehen hast
- was ist
- was nach diesem geschehen wird.
Das Erste gilt der Beschreibung von Christus in Kapitel 1. Die Beschreibung
des dritten Punktes beginnt in Kapitel 4, denn dort lesen wir: „Komm hier
herauf, und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss.“ Der zweite
Teil, „was ist“, umfasst also Kapitel 2 und 3. Diese zwei Kapitel geben in der
Form von sieben Briefen eine prophetische Beschreibung der Ereignisse der Kirche
im Lauf ihres Bestehens auf der Erde.
Argumente für diese Behauptung sind die folgenden Punkte:
-
In Kapitel 1,3 wird das ganze Buch Prophetie genannt. Die Briefe in
Offenbarung 2 und 3 haben also einen prophetischen Charakter und unterscheiden
sich darin von den Briefen der Apostel, wie z.B. der Brief an die Römer,
Korinther etc.
-
Alle sieben Briefe mussten zusammen mit dem Rest des Buches an sieben
Gemeinden geschickt werden. Die Briefe bilden also ein Ganzes mit dem Buch.
-
Es gab mehr als sieben Gemeinden in Asien. Es wurde also eindeutig eine
Auswahl getroffen, um auf die Zahl der Vollkommenheit (sieben) zu kommen. So
wie die sieben Geister vor dem Thron (Off 1,4) ein Abbild von dem einen
Heiligen Geist sind, so sind die sieben Gemeinden in dem Zustand, in dem sie
verkehren, ein Bild von der Geschichte der einen Kirche.
-
Der identische Aufbau jedes dieser Briefe untermauert die Auffassung, dass
die sieben Briefe einen ganz besonderen Charakter tragen.
-
In diesen Briefen ist die Rede von dem Kommen des Herrn für die
betreffenden Gemeinden. Im ersten Brief könnte man noch an ein Kommen in
Vorsehung, in Regierung denken, aber ab dem dritten oder vierten Brief geht es
in jedem Fall um das persönliche Kommen des Herrn für die betreffenden
Gemeinden. Das beinhaltet, dass der Herr den Zustand dieser örtlichen
Gemeinden über die Jahrhunderte hinweg fortbestehen sieht — bis Er kommt —,
und
das als eine Typisierung des Zustands der Gemeinde im Allgemeinen.
-
Es existiert auch eine Linie in den Beschreibungen. In großen Zügen ist
das eine Linie des Abfalls. Es fängt an mit dem Verlassen der ersten Liebe und
endet in einem derartigen geschmacklosen, lauen Zustand, so dass die Gemeinde
aus dem Mund des Herrn ausgespuckt wird. Allerdings wird ein Aufleben durch
die Gemeinde in Philadelphia vorgestellt, was aber die allgemeine Linie nicht
durchbricht. Diese Fortentwicklung finden wir auch auf andere Weise
vorgestellt. In dem dritten Brief ist die Rede von Bileam und im vierten
begegnen wir Isebel. Unter Israel traten diese nacheinander auf, wobei Bileam
das Böse von außen einführte und Isebel von innen heraus. Eine derartige
Fortentwicklung des Bösen wird hier auch vorgestellt.
Wenn die Auffassung richtig ist, dass mit Kapitel 3 die Kirchengeschichte
abgeschlossen ist, bringt das drei Folgen mit sich.
-
Nach Kapitel 3 kann keine Rede mehr von einer Kirche auf der Erde
sein. Nun, das haben wir in dem Vorhergehenden schon gesehen. Es geht in
dem dritten Teil um Gläubige aus Israel, die gesondert von den Gläubigen aus
den Völkern gesehen werden (Off 7). Des Weiteren hören wir von dem Tempel in
Jerusalem und dem besonderen Ort der Stadt, wo Gott seine Zeugen hat (Off 11).
Auch die Frau aus Offenbarung 12 ist ein Bild von Israel. Aus diesem Volk ist
nämlich der Christus entsprossen. Von diesem Kind wird berichtet: „Ihr Kind
wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron.“ Dem Ausdruck Gemeinde begegnen
wir im dritten Teil der Offenbarung auch nicht mehr.
-
Eine zweite Konsequenz ist, dass, wenn die Gemeinde aufgenommen ist, auf
der Erde Namenschristen zurückbleiben werden. Man darf erwarten, dass auf die
eine oder andere Weise über dieses Namenschristentum auf der Erde etwas
mitgeteilt wird. Nun, dem ist auch so. Das große Babylon, das in Kapitel 17
und 18 genannt wird, entspricht dem. Denke an diesen Vergleich: Das Volk
Israel wird in guten Zeiten als die Frau Gottes dargestellt, doch als das Volk
abweicht, wird über Hurerei und Ehebruch berichtet. Dabei wird Israel als
ehebrecherische Frau bezeichnet (siehe Hos 1 und 2). Nun, dasselbe finden wir
in Offenbarung 17,1ff., verglichen mit Offenbarung 21,9ff. Beachte dabei die
Einleitungsworte beider Visionen. Jerusalem, der Frau des Lammes, oder der
Gemeinde steht die Hure, das große Babylon gegenüber, die abgefallene
Christenheit.
-
Schließlich gibt es eine dritte Konsequenz. Wenn die Gemeinde in der
Epoche, die in Offenbarung 4-19 beschrieben wird, aufgenommen ist, dann können
wir während dieser Periode erwarten, eine Beschreibung von auferstandenen und
verherrlichten Gläubigen zu finden. Auch dieser Konsequenz wird entsprochen,
denn die 24 Ältesten, die in diesem Abschnitt genannt werden, entsprechen
diesen Kennzeichen.
Der Vollständigkeit halber gebe ich noch eine Zusammenfassung der
Zukunftslehre, so wie diese m.E. in der Bibel zu finden ist:
-
Nach der Aufnahme befindet sich die Gemeinde bei ihrem Herrn und Heiland
im Vaterhaus. In dieser Zeit nimmt Gott auf der Erde den Faden der Geschichte
mit Israel wieder auf, und die vielen Prophezeiungen, die auf die Zeit der
großen Drangsal Bezug nehmen, werden ihre Erfüllung finden. Anders gesagt,
werden die Ereignisse, die mit dem Öffnen des Buches mit den sieben Siegeln
verbunden sind, stattfinden.
-
Nach dieser Periode wird Christus mit den Engeln und mit seiner Gemeinde
erscheinen, um die versammelten Heere der Völker zu schlagen und Israel zu
erlösen aus der Macht seiner Belagerer (Off 16,16; 19,19-21; Sach 14,1-7).
-
Nach diesem „Kriegsgericht“ über die feindlichen Heere, wird das
„Throngericht“ über die Völker stattfinden (Mt 25,31ff.).
-
Danach wird Christus das messianische Königreich aufrichten, in dem die
Gemeinde und alle, die zur ersten Auferstehung gehören, mit Ihm 1000 Jahre
regieren werden (s. Lk 22,29.30; Off 2,27; 3,21).
-
Am Ende des 1000-jährigen Reiches wird Satan in den Feuersee geworfen
werden, und es findet das Gericht über die Toten vor dem großen, weißen Thron
statt (Off 20,7-15). In dieses Gericht ist die Gemeinde einbezogen, wie sich
aus 1. Korinther 6,1-3 zeigt.
-
Wenn schließlich der letzte Feind, der Tod, Christus unterworfen wurde,
wird Er das Königreich Gott, dem Vater, übergeben, damit der dreieine Gott
alles in allem ist (1Kor 15,24-28). Dann wird die Christologie zur Theokratie
übergehen, und es bricht der glückselige, ewige Zustand an. Herrliche
Aussicht!
Die Absicht dieses Artikels war, die Zukunftsansicht im Bezug auf die
Gemeinde zu beleuchten sowie den Unterschied zwischen der Ansicht, die viele in
evangelischen Kreisen haben, und der allgemeinen kirchlichen Auffassung, wie sie
in den Bekenntnisschriften zu finden ist.
Dabei muss berücksichtigt werden, dass dieser Unterschied der Ansichten keine
Trennung unter Christen bewirken muss. Die kirchliche Auffassung darf nämlich
nicht als Irrlehre besehen werden. Es geht nur um einen Unterschied in der
Ansicht, während wir uns dennoch als Christen akzeptieren.
Wohl steht dabei auf dem Spiel, ob und wie wir den Herrn erwarten. Diese
Erwartung kommt in der hier verteidigten Ansicht viel mehr zu seinem Recht als
in der kirchlichen Auffassung.
Aber … was ich eine bessere Ansicht nenne, ist noch keine Garantie für ein
wirkliches Erwarten des Herrn. Darum schließe ich mit der Bemerkung, dass wir
alle wie die Thessalonicher sein sollten, von denen gesagt wird, dass sie sich
bekehrt haben, „um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen“ — dies im Hinblick
auf unser Leben hier und jetzt — und um „seinen Sohn aus den Himmeln zu
erwarten“. Dies im Hinblick auf unsere Zukunft.
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