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Inhalt
Einleitung Ein Gedankenexperiment
Die Forschung ignoriert
Das sind Menschennamen
Was es nicht gibt
Das Alte Testament
ist älter
Außerbiblische Quellen
Der Streit ums Kamel
Vorläufer des
Münzgeldes
Die Bibel ist authentisch
Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat pünktlich zu Weihnachten wieder
einmal versucht, das ewige Wort Gottes und Gott selbst in Misskredit zu bringen
(„Die Erfindung Gottes“ in Nr. 52/02). Letztlich hat „Der Spiegel“
dadurch nur einmal mehr seine eigene Unglaubwürdigkeit erwiesen.
Deutschlands führendes Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ titelte im
seiner Weihnachtsausgabe „Die Erfindung Gottes — Archäologen auf den Spuren
der Heiligen Schrift“. Pate bei diesem Artikel stand das
populärwissenschaftliche Buch „Keine Posaunen vor Jericho“ vom umstrittenen
jüdischen Archäologen Israel Finkelstein von der Universität Tel Aviv. Er
behauptet, er könne durch seine archäologischen Forschungen zum ersten Mal die
wahre Geschichte des antiken Israel präsentieren. Dabei entsteht beim Leser der
Eindruck, als sei die Archäologie eine exakte Wissenschaft, deren Funde nur ein
ganz bestimmtes Bild der Geschichte Israels abgeben können. Finkelstein
repräsentiert eine extreme Außenseiterposition unter den Archäologen.
Außerdem ist einer der häufigsten Fehler, zu dem besonders Theologen bei der
Auswertung archäologischer Daten neigen, die Auffassung: „Weil man etwas
Bestimmtes nicht gefunden hat, gibt es das nicht.“
Dazu ein einfaches Gedankenexperiment: Würden wir nach 3000 Jahren noch
geschichtliche Aufzeichnungen aus der Nazizeit vor uns haben und sagen: Wir
wollen einmal nachgraben und schauen, ob das wirklich stimmt — was würden wir
finden? So gut wie nichts: Fast alle großen Nazibauten wurden im Krieg
zerstört, alle Naziembleme wie Hakenkreuze etc. wurden beseitigt, Gräber der
großen Nationalsozialisten werden kaum gepflegt. Archäologen könnten dann, in
3000 Jahren, den Eindruck haben, als seien die Geschichtsbücher gefälscht,
denn nach ihren Grabungsergebnissen zu urteilen, haben die Nazis nicht die Rolle
gespielt, die ihnen in den geschichtlichen Überlieferungen zugeschrieben wird.
Wenn man also aus der Zeit Salomos und Davids nur sehr wenige Dinge findet,
heißt das noch lange nicht, dass der biblische Bericht darüber falsch ist. Dass
man, wie im „Spiegel“ behauptet, noch nicht einmal den Grundriss des
salomonischen Tempels habe, ist schlichtweg Ignoranz. Denn der britische
Archäologe Leen Ritmeyer ist seit einigen Jahren erfolgreich dabei, auf der
Grundlage umfangreicher Vermessungsarbeiten am Tempelberg zunächst den Grundriss
des herodianischen Tempels und davon ausgehend auch den Grundriss des
salomonischen Tempels zu rekonstruieren.
Aber die Spiegel-Journalisten lehnen sich noch viel weiter aus
dem Fenster. So behaupten sie einfach: „Gott besaß im Anfang eine nackte
Begleiterin“, und Jahwe, der Gott des AT, sei ursprünglich ein Wettergott
gewesen. Wo ist der Beweis? Nirgends. Solche Behauptungen beruhen nur auf
Spekulationen. Man hat zwar eine Inschrift gefunden, auf der steht „Für Jahwe
und seine Göttin Aschera“ oder „Für Jahwe und seinen Ascherapfahl“. Aber
diese Inschrift sagt überhaupt nichts darüber aus, ob sie aus einer Zeit
stammt, in der die israelitische Religion sich gerade vom Polytheismus zum
Monotheismus entwickelte. Interessanterweise haben sich nämlich bei diesen
Inschriften auch einige Israeliten verewigt — und zwar mit ihrem eigenen
Namen. In diesen Namen ist oft der alttestamentliche Gottesname enthalten (so
wie wir noch heute in Anklang an Christus Kinder Christiane oder Christoph
nennen). Die Leute also, die auf einen Tonkrug gekritzelt haben „Für Jahwe
und seine Aschera“, verraten uns gleichzeitig über ihren Namen, dass damals,
im 9. Jahrhundert v.Chr., traditionell Jahwe als ihr Gott angesehen wurde.
Die Israeliten verehrten also
traditionell den Gott Jahwe, aber in der alltäglichen Praxis haben sie allen
möglichen Göttern gehuldigt, auch z.B. der Göttin Aschera. Das beschreibt ja
auch das AT. Wenn man jedoch behauptet, der monotheistische Glaube an den einen
Gott Jahwe habe sich erst aus einem Polytheismus heraus entwickelt, dann müsste
es in der Frühzeit Israels jede Menge Namen geben, in denen der Gott Baal oder
die Göttin Aschera vorkommt. Das gibt es aber gerade nicht; wir kennen aus der
Archäologie aus Inschriften, Siegeln, Tonscherben usw. mehr als 1000
israelitische Personennamen aus der vorexilischen Zeit. Über 90% dieser Namen,
in denen ein Gottesname (wie Joel, Elia, usw.) vorkommt, sind mit dem Namen des
aus dem AT bekannten Gottes Jahwe gebildet.
Viele andere Dinge werden im „Spiegel“ polemisch verdreht
oder verfälschend wiedergegeben. So sei „die Endredaktion der Heiligen
Schriften des AT womöglich erst nach Christi Geburt“ erfolgt. Genau das
stimmt nicht: Wir haben die Schriften aus Qumran in unserer Hand, in denen wir
frühe Texte finden, die von unserem AT heute nur in ganz unwesentlichen Details
abweichen. Und wir haben darüber hinaus in Qumran und Umgebung auch schon genau
den Text, den es noch heute gibt, den sogenannten masoretischen Texttyp. Das AT
war ohne Zweifel zur Zeit von Qumran, also etwa 100 v.Chr., fertig.
Weiter schreibt der „Spiegel“, in den alttestamentlichen
Büchern der Könige würden „insgesamt 42 Könige unter Angabe ihrer
Regierungszeit“ genannt. Dann heißt es: „Gezielt durchsuchten die Forscher
die mesopotamischen Keilschriftarchive. Und tatsächlich: Insgesamt 5 der
biblischen Urkönige tauchen auch dort namentlich auf.“ Das ist ebenso falsch.
Tatsächlich werden bereits zehn Könige der Bibel in den mesopotamischen
Quellen genannt. Durch indirekte Erwähnungen und nichtmesopotamische Quellen
steigt diese Zahl sogar auf 20 — also viermal so viele, wie der „Spiegel“
angibt!
Fehldeutungen des AT sind eine weitere Säule des „Spiegel“-Artikels.
So heißt es da: „Abraham reitet ständig auf Kamelen herum. Wie war ihm das
möglich? Als Lastenträger kamen diese Tiere erst nach 1000 v.Chr. zum Einsatz.“
Tatsache ist, dass es schon seit einigen Jahren als sicher gilt, dass das Kamel
lange vor 1000 v.Chr. im Nahen Osten domestiziert wurde. Viele Funde von
Kamelbestattungen aus ältester Zeit sprechen sogar dafür, dass das Kamel
möglicherweise schon vor dem 3. Jahrtausend v.Chr. als Lasttier verwendet wurde.
Es ist peinlich, wenn der „Spiegel“ auf schlecht recherchierte
Scheintatsachen die Behauptung aufbaut, das AT sei an dieser Stelle gefälscht.
Ein paar Zeilen später heißt es über die Zeit Josephs: „Warum
zahlen die Juden in 1. Mose 42 ihr Getreide mit Metallgeld? Die ältesten Münzen
stammen aus Kleinasien und wurden erst im 7.Jh. v.Chr. erfunden.“ Daraus
schließen dann die Autoren, dass das AT erst sehr viel später geschrieben
worden sei, also nach dem 7. Jahrhundert v.Chr., nachdem Münzgeld schon üblich war. Wie
sehen die Tatsachen aus? Das in 1. Mose 42,25 verwendete hebräische Wort
entspricht unserem deutschen Wort für Silber, nur dass es in der Mehrzahl
steht. Wörtlich übersetzt heißt es so viel wie „Silberstücke“; meistens
wird es mit „Geld“ übersetzt. Würde man die Logik des „Spiegel“
weiterverfolgen, dann waren wahrscheinlich auch die Keilschrifttexte aus der
antiken Stadt Ugarit des 14. Jahrhunderts v.Chr. in Wirklichkeit erst im 7. Jahrhundert
v.Chr. geschrieben, denn in diesen Texten (im Keret-Epos) taucht die dem AT
genau vergleichbare Form auf, nämlich „Silberstücke“. Aber mit
Silberstücken ist weder in Ugarit noch in 1. Mose Münzgeld gemeint, sondern
Gewichtseinheiten von Silber, die fest definiert waren und als Bezahlungseinheit
dienten — sozusagen die Vorstufe unserer Münzen.
Es ließen sich noch mehr Stellen aufzeigen, in denen der „Spiegel“
mit inhaltsleeren Argumenten das AT zu demontieren versucht. Diese Argumente
offenbaren sich bei näherem Hinsehen als abenteuerliche Spekulationen über
das, was angeblich „wirklich“ zur Zeit des AT geschah. Den authentischen
Bericht über die Königreiche Israels haben wir nach wie vor, verfasst von
Augenzeugen, in der Bibel selbst.
Der Autor, Prof. Heide,
arbeitet an der Universität München und an der Staatsunabhängigen Theologischen
Hochschule Basel. Er ist Orientalist und Experte für semitische Sprachen.
Ein ausführlicherer Artikel folgt in Kürze im Magazin „factum“.
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