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Der „Spiegel“ und die Bibel - M. Heide
      

 

 

 

 

Der „Spiegel“ und die Bibel
Zum Artikel: „Die Erfindung Gottes“ (in Nr. 52/02)
M. Heide
© idea    Zugriffe: 7357    seit: 13.02.2003  
Foto: CI

 


Inhalt

Einleitung

Ein Gedankenexperiment

Die Forschung ignoriert

Das sind Menschennamen

Was es nicht gibt

Das Alte Testament ist älter

Außerbiblische Quellen

Der Streit ums Kamel

Vorläufer des Münzgeldes

Die Bibel ist authentisch

Einleitung

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat pünktlich zu Weihnachten wieder einmal versucht, das ewige Wort Gottes und Gott selbst in Misskredit zu bringen („Die Erfindung Gottes“ in Nr. 52/02). Letztlich hat „Der Spiegel“ dadurch nur einmal mehr seine eigene Unglaubwürdigkeit erwiesen.

Deutschlands führendes Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ titelte im seiner Weihnachtsausgabe „Die Erfindung Gottes — Archäologen auf den Spuren der Heiligen Schrift“. Pate bei diesem Artikel stand das populärwissenschaftliche Buch „Keine Posaunen vor Jericho“ vom umstrittenen jüdischen Archäologen Israel Finkelstein von der Universität Tel Aviv. Er behauptet, er könne durch seine archäologischen Forschungen zum ersten Mal die wahre Geschichte des antiken Israel präsentieren. Dabei entsteht beim Leser der Eindruck, als sei die Archäologie eine exakte Wissenschaft, deren Funde nur ein ganz bestimmtes Bild der Geschichte Israels abgeben können. Finkelstein repräsentiert eine extreme Außenseiterposition unter den Archäologen. Außerdem ist einer der häufigsten Fehler, zu dem besonders Theologen bei der Auswertung archäologischer Daten neigen, die Auffassung: „Weil man etwas Bestimmtes nicht gefunden hat, gibt es das nicht.“ 

Ein Gedankenexperiment

Dazu ein einfaches Gedankenexperiment: Würden wir nach 3000 Jahren noch geschichtliche Aufzeichnungen aus der Nazizeit vor uns haben und sagen: Wir wollen einmal nachgraben und schauen, ob das wirklich stimmt — was würden wir finden? So gut wie nichts: Fast alle großen Nazibauten wurden im Krieg zerstört, alle Naziembleme wie Hakenkreuze etc. wurden beseitigt, Gräber der großen Nationalsozialisten werden kaum gepflegt. Archäologen könnten dann, in 3000 Jahren, den Eindruck haben, als seien die Geschichtsbücher gefälscht, denn nach ihren Grabungsergebnissen zu urteilen, haben die Nazis nicht die Rolle gespielt, die ihnen in den geschichtlichen Überlieferungen zugeschrieben wird.

Die Forschung ignoriert

Wenn man also aus der Zeit Salomos und Davids nur sehr wenige Dinge findet, heißt das noch lange nicht, dass der biblische Bericht darüber falsch ist. Dass man, wie im „Spiegel“ behauptet, noch nicht einmal den Grundriss des salomonischen Tempels habe, ist schlichtweg Ignoranz. Denn der britische Archäologe Leen Ritmeyer ist seit einigen Jahren erfolgreich dabei, auf der Grundlage umfangreicher Vermessungsarbeiten am Tempelberg zunächst den Grundriss des herodianischen Tempels und davon ausgehend auch den Grundriss des salomonischen Tempels zu rekonstruieren.

Das sind Menschennamen

Aber die Spiegel-Journalisten lehnen sich noch viel weiter aus dem Fenster. So behaupten sie einfach: „Gott besaß im Anfang eine nackte Begleiterin“, und Jahwe, der Gott des AT, sei ursprünglich ein Wettergott gewesen. Wo ist der Beweis? Nirgends. Solche Behauptungen beruhen nur auf Spekulationen. Man hat zwar eine Inschrift gefunden, auf der steht „Für Jahwe und seine Göttin Aschera“ oder „Für Jahwe und seinen Ascherapfahl“. Aber diese Inschrift sagt überhaupt nichts darüber aus, ob sie aus einer Zeit stammt, in der die israelitische Religion sich gerade vom Polytheismus zum Monotheismus entwickelte. Interessanterweise haben sich nämlich bei diesen Inschriften auch einige Israeliten verewigt — und zwar mit ihrem eigenen Namen. In diesen Namen ist oft der alttestamentliche Gottesname enthalten (so wie wir noch heute in Anklang an Christus Kinder Christiane oder Christoph nennen). Die Leute also, die auf einen Tonkrug gekritzelt haben „Für Jahwe und seine Aschera“, verraten uns gleichzeitig über ihren Namen, dass damals, im 9. Jahrhundert v.Chr., traditionell Jahwe als ihr Gott angesehen wurde.

Was es nicht gibt

Die Israeliten verehrten also traditionell den Gott Jahwe, aber in der alltäglichen Praxis haben sie allen möglichen Göttern gehuldigt, auch z.B. der Göttin Aschera. Das beschreibt ja auch das AT. Wenn man jedoch behauptet, der monotheistische Glaube an den einen Gott Jahwe habe sich erst aus einem Polytheismus heraus entwickelt, dann müsste es in der Frühzeit Israels jede Menge Namen geben, in denen der Gott Baal oder die Göttin Aschera vorkommt. Das gibt es aber gerade nicht; wir kennen aus der Archäologie aus Inschriften, Siegeln, Tonscherben usw. mehr als 1000 israelitische Personennamen aus der vorexilischen Zeit. Über 90% dieser Namen, in denen ein Gottesname (wie Joel, Elia, usw.) vorkommt, sind mit dem Namen des aus dem AT bekannten Gottes Jahwe gebildet.

Das Alte Testament ist älter

Viele andere Dinge werden im „Spiegel“ polemisch verdreht oder verfälschend wiedergegeben. So sei „die Endredaktion der Heiligen Schriften des AT womöglich erst nach Christi Geburt“ erfolgt. Genau das stimmt nicht: Wir haben die Schriften aus Qumran in unserer Hand, in denen wir frühe Texte finden, die von unserem AT heute nur in ganz unwesentlichen Details abweichen. Und wir haben darüber hinaus in Qumran und Umgebung auch schon genau den Text, den es noch heute gibt, den sogenannten masoretischen Texttyp. Das AT war ohne Zweifel zur Zeit von Qumran, also etwa 100 v.Chr., fertig.

Außerbiblische Quellen

Weiter schreibt der „Spiegel“, in den alttestamentlichen Büchern der Könige würden „insgesamt 42 Könige unter Angabe ihrer Regierungszeit“ genannt. Dann heißt es: „Gezielt durchsuchten die Forscher die mesopotamischen Keilschriftarchive. Und tatsächlich: Insgesamt 5 der biblischen Urkönige tauchen auch dort namentlich auf.“ Das ist ebenso falsch. Tatsächlich werden bereits zehn Könige der Bibel in den mesopotamischen Quellen genannt. Durch indirekte Erwähnungen und nichtmesopotamische Quellen steigt diese Zahl sogar auf 20 — also viermal so viele, wie der „Spiegel“ angibt!

Der Streit ums Kamel

Fehldeutungen des AT sind eine weitere Säule des „Spiegel“-Artikels. So heißt es da: „Abraham reitet ständig auf Kamelen herum. Wie war ihm das möglich? Als Lastenträger kamen diese Tiere erst nach 1000 v.Chr. zum Einsatz.“ Tatsache ist, dass es schon seit einigen Jahren als sicher gilt, dass das Kamel lange vor 1000 v.Chr. im Nahen Osten domestiziert wurde. Viele Funde von Kamelbestattungen aus ältester Zeit sprechen sogar dafür, dass das Kamel möglicherweise schon vor dem 3. Jahrtausend v.Chr. als Lasttier verwendet wurde. Es ist peinlich, wenn der „Spiegel“ auf schlecht recherchierte Scheintatsachen die Behauptung aufbaut, das AT sei an dieser Stelle gefälscht.

Vorläufer des Münzgeldes

Ein paar Zeilen später heißt es über die Zeit Josephs: „Warum zahlen die Juden in 1. Mose 42 ihr Getreide mit Metallgeld? Die ältesten Münzen stammen aus Kleinasien und wurden erst im 7.Jh. v.Chr. erfunden.“ Daraus schließen dann die Autoren, dass das AT erst sehr viel später geschrieben worden sei, also nach dem 7. Jahrhundert v.Chr., nachdem Münzgeld schon üblich war. Wie sehen die Tatsachen aus? Das in 1. Mose 42,25 verwendete hebräische Wort entspricht unserem deutschen Wort für Silber, nur dass es in der Mehrzahl steht. Wörtlich übersetzt heißt es so viel wie „Silberstücke“; meistens wird es mit „Geld“ übersetzt. Würde man die Logik des „Spiegel“ weiterverfolgen, dann waren wahrscheinlich auch die Keilschrifttexte aus der antiken Stadt Ugarit des 14. Jahrhunderts v.Chr. in Wirklichkeit erst im 7. Jahrhundert v.Chr. geschrieben, denn in diesen Texten (im Keret-Epos) taucht die dem AT genau vergleichbare Form auf, nämlich „Silberstücke“. Aber mit Silberstücken ist weder in Ugarit noch in 1. Mose Münzgeld gemeint, sondern Gewichtseinheiten von Silber, die fest definiert waren und als Bezahlungseinheit dienten — sozusagen die Vorstufe unserer Münzen.

Die Bibel ist authentisch

Es ließen sich noch mehr Stellen aufzeigen, in denen der „Spiegel“ mit inhaltsleeren Argumenten das AT zu demontieren versucht. Diese Argumente offenbaren sich bei näherem Hinsehen als abenteuerliche Spekulationen über das, was angeblich „wirklich“ zur Zeit des AT geschah. Den authentischen Bericht über die Königreiche Israels haben wir nach wie vor, verfasst von Augenzeugen, in der Bibel selbst.

Der Autor, Prof. Heide, arbeitet an der Universität München und an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel. Er ist Orientalist und Experte für semitische Sprachen.
Ein ausführlicherer Artikel folgt in Kürze im Magazin factum.

© 2002 by idea spektrum

 


 

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