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Leitverse: Matthäus 24,14; Apostelgeschichte 20,24; 1Timotheus 1,11;
Offenbarung 14,6.7
Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel ist ein
Auszug aus dem Buch „Der
vergessene Reichtum“ (Daniel-Verlag). Die Hinweise auf bestimmte Kapitel in
diesem Artikel beziehen sich jeweils auf das Buch.
Frage: Wurden und werden zu unterschiedlichen Zeiten verschiedene
Evangelien verkündet, das heißt, gibt es Unterschiede in den Inhalten der
verkündigten Botschaften?
Antwort: Die Schrift verbindet mit dem Wort „Evangelium“ unübersehbar
verschiedene Aspekte. Je nachdem mit welchem Zusatz das Wort „Evangelium“
gebraucht wird, werden unterschiedliche Aspekte der Evangeliumsbotschaft betont.
Hier lediglich von einer Zwei-Evangelien-Lehre [1]
zu sprechen, ist viel zu kurz gegriffen. Denn man könnte nicht nur das
„Evangelium des Reiches“ (Mt 24,14) von dem „Evangelium der Gnade Gottes“ (Apg
20,24) unterscheiden, sondern auch das „Evangelium der Herrlichkeit des
Christus“ (2Kor 4,4), das „Evangelium der Herrlichkeit des seligen Gottes“ (1Tim
1,11) , das „Evangelium des Friedens“ (Eph 6,15) oder das „ewige Evangelium“
(Off 14,6.7). Darüber hinaus spricht die Schrift noch von dem „Evangelium
Gottes“ (Röm 1,1–4), dem „Evangelium des Christus“ (Phil 1,27) sowie dem
„Evangelium der Vorhaut“ und dem „Evangelium der Beschneidung“ (Gal 2,7). In
einem Punkt stimmen diese „Evangelien“ alle überein: Sie sind die gute Botschaft
über eine ganz bestimmte Seite der Offenbarung Gottes.
Wenn Gott uns eine gute Botschaft mitteilt, dann müssen wir uns den
unmittelbaren Zusammenhang ansehen, in dem dieses Evangelium genannt wird, und
jeweils nach dem Empfänger fragen. Bereits dem Volk Israel in der Wüste war ein
Evangelium, eine gute Botschaft (griech. euaggelion) verkündigt worden: In
Hebräer 4,2 wird die Absicht Gottes, Israel aus Ägypten zu befreien und sie „in
die Ruhe“ nach Kanaan zu bringen, „gute Botschaft“ genannt. Der Herr Jesus
verkündete zu Beginn seines Dienstes „das Evangelium des Reiches“ (Mt 4,23). Der
Zusammenhang mit Vers 17 desselben Kapitels zeigt, dass dies geschah, indem Er
dieses Reich als „nahe gekommen“ predigte (Mt 4,17). Diese Botschaft richtete
sich zweifellos an die Juden, denn sie erwarteten ein Reich des Friedens auf der
Erde, und zu ihnen war der Herr gesandt (Mt 15,24).
Diese beiden Beispiele zeigen, dass wir nicht jedes Evangelium unmittelbar
auf uns Christen beziehen dürfen und dass „Evangelium“ nicht notwendigerweise
etwas spezifisch Christliches ist. Deshalb sollte es nicht verwundern, dass das
„Evangelium des Reiches“ in Matthäus 24,14 nicht für uns Christen bestimmt ist.
Denn der Zusammenhang verdeutlicht, dass die Juden angesprochen sind. In diesen
Versen geht es um die Vollendung des Zeitalters und um die Zeit kurz vor dem
sichtbaren Wiederkommen des Herrn auf die Erde: Wiederum ist die Zeit „nahe
gekommen“, das Reich öffentlich aufzurichten, da der König im Begriff steht, zu
seinem Volk zurückzukehren. [Im Buch „Der
vergessene Reichtum“ weisen wir unter § 18 und § 17.4.1.3 nach, dass wir im
Zusammenhang mit der 70. Jahrwoche bei dieser guten Botschaft an das jüdische
Volk denken müssen.]
Mit der Steinigung des Stephanus hatte Israel die Gelegenheit verwirkt, dass
das Reich hätte aufgerichtet werden können (siehe Buch § 3.7). Nun konnte das
Evangelium des Reiches in dieser Form nicht mehr verkündet werden. Paulus sprach
wohl über das „Reich“ (Apg 14,22; 19,8; 20,25; 28,23.31), doch wir lesen nicht,
dass er das „Evangelium des Reiches“ verkündigt hätte; im Zusammenhang mit dem
Wort „Reich“ benutzt der Heilige Geist bei Paulus das Wort „Evangelium“ nicht.
Dennoch wurden „die Dinge des Reiches Gottes“ weiter verkündigt (Apg 19,8),
insbesondere in seiner geheimnisvollen Form (siehe Buch § 3 und § 17.5): Unser
Herr hat ein unsichtbares Reich hier auf der Erde, wo Er Gehorsam seinem Wort
gegenüber erwartet und das einen kostbaren Schatz für Ihn beinhaltet. Auch wir
predigen heute Dinge, die das Reich in seinem moralischen Aspekt betreffen, wo
„Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ gefunden werden (Röm
14,17).
Als Philippus nach der Steinigung des Stephanus evangelisierte (Apg 8,12),
finden wir im Griechischen nicht denselben Ausdruck für „das Evangelium des
Reiches“ wie in Matthäus 4,23, sondern hier steht die Verbform „er-verkündigte-gute-Botschaft“,
gefolgt von demselben Ausdruck peri tes basileias tou theou, den Paulus in
Apostelgeschichte 19,8 verwendet (dort mit „von den Dingen des Reiches Gottes“
übersetzt).
Wenn wir dagegen von dem „Evangelium der Herrlichkeit des Christus“ lesen
(2Kor 4,4), dann denkt der Heilige Geist offensichtlich nicht an die gute
Botschaft über ein Reich auf der Erde. Vielmehr ist es die gute Botschaft, dass
Christus jetzt hoch erhoben zur Rechten Gottes sitzt und Er mit Herrlichkeit und
Ehre gekrönt ist. Dennoch ist in gewisser Weise in diesem „Evangelium der
Herrlichkeit“ auch das „Evangelium des Reiches“ inbegriffen, denn auch wenn
Christus sein Reich noch nicht sichtbar auf der Erde empfangen hat und noch
nicht „auf seinem Thron der Herrlichkeit“ auf der Erde sitzt (Mt 25,31), so
sitzt Er jetzt doch zur Rechten Gottes auf dem Thron seines Vaters (Off 3,21).
Er hat als der außer Landes gereiste Herr ein Reich empfangen (vgl. Mt 25,15),
das Er abwesend vom Himmel her regiert; in Matthäus 13,11 nennt der Herr Jesus
dieses Reich ein Geheimnis. Das Besondere daran ist, dass wir zu diesem
verborgenen, geheimnisvollen Reich Gottes hier auf der Erde gehören und zugleich
mit Christus in seiner Herrlichkeit in himmlischen Örtern verbunden sind (Eph
2,6).
Wie groß ist auch der Unterschied zwischen dem „Evangelium der Herrlichkeit
des Christus“ (2Kor 4,4) bzw. dem „Evangelium der Herrlichkeit des seligen
Gottes“ (1Tim 1,11) und dem „ewigen Evangelium“ (Off 14,6.7)! Das Erstere hat
die Verherrlichung des Herrn bzw. Gottes im Blick, und zwar in ihrer vollen
Tragweite, wie sie nach dem vollbrachten Werk am Kreuz möglich wurde. Während
der Drangsal verkünden Engel das „ewige Evangelium“. Darin geht es nur noch
darum, Gott als Schöpfer anzuerkennen.
Der Apostel Paulus macht deutlich, wie weit sich das Evangelium, das er
verkündigte, von dem Evangelium der zwölf Apostel unterschied. Er nennt das
Evangelium, das er durch Offenbarung empfangen hatte, „mein Evangelium“ (Röm
16,25; siehe Buch § 4.2) und „meine Lehre“ (2Tim 3,10) und legt das Evangelium,
das er „unter den Nationen“ predigte (Gal 2,2), sogar den anderen Aposteln vor.
In dieser Hinsicht davon zu sprechen, Paulus und die Apostel hätten ein und
dasselbe Evangelium verkündigt — obwohl die Grundlage von 1. Korinther 15,1–5
sicher identisch war —, wäre unbedacht und hieße die Unterschiede zwischen den
Inhalten der Botschaften völlig aus dem Auge zu verlieren. Das Evangelium des
Paulus schließt alle anderen Evangelien ein. Insofern konnte Paulus auch
schreiben: „Aber wenn auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als
Evangelium verkündigte außer dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben:
Er sei verflucht!“ (Gal 1,8).
Die Tatsache, dass jeweils unterschiedliche Aspekte des Evangeliums betont
werden, darf aber nicht dazu führen, sie zu stark voneinander zu trennen. In
jeder Form bringt das Evangelium Segen für diejenigen, an die es gerichtet ist,
wenn sie darauf achten. Wenn wir heute das Evangelium verkündigen, so wie es der
Apostel Paulus empfangen hatte, wollen wir dabei nicht vergessen, dass Paulus
nicht nur das Evangelium der Gnade Gottes und das Evangelium der Herrlichkeit
des Christus predigte, sondern auch das Reich Gottes (Apg 20,25), in dem
Christus der Herr ist (Apg 28,31). Solche allerdings, die bereits heutzutage mit
Absicht das „ewige Evangelium“ verkündigen, bringen aufgrund ihres fehlenden
Verständnisses der dispensationalen Wahrheit leider ein sehr verkürztes
Evangelium.
Das „Evangelium“ nur auf die Bedeutung einzuschränken, es sei lediglich die
gute Botschaft davon, wie man der Hölle entgehen kann, bedeutet, die anderen
Inhalte der guten Botschaft Gottes aus den Augen zu verlieren. Die Botschaft des
Evangeliums umfasst weit mehr, und der Heilige Geist gebraucht, wie oben
gesehen, verschiedene Ausdrücke, um bestimmte Aspekte dieser Botschaft besonders
hervorzuheben.
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Anmerkungen:
[1] Vgl. H.-W. Deppe auf:
http://www.betanien.de/verlag/material/material.php?id=127
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