Anmerkung der
Redaktion
Dieser Artikel stammt aus der Zeit vor dem Jahr 2000. Er spiegelt
nicht zwingend die heutige Meinung des Autors wieder, da der Autor seine
Gedanken in den letzten Jahren auf etlichen Gebieten sehr verändert hat,
siehe dazu auch unsere
FAQ. Dennoch haben wir diesen Artikel aufgenommen, da er sehr wohl die
Meinung der Redaktion wiedergibt. |
Leitverse: Sprüche 8,22-31
Spr 8,22-26: 22 Der HERR besaß mich im Anfang seines
Weges, vor seinen Werken von jeher. 23 Ich war eingesetzt von Ewigkeit
her, von Anbeginn, vor den Uranfängen der Erde. 24 Ich war geboren, als
die Tiefen noch nicht waren, als noch keine Quellen waren, reich an Wasser.
25 Bevor die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln war ich geboren; 26
als er die Erde und die Fluren noch nicht gemacht hatte, und den Beginn der
Schollen des Erdkreises.
(Auszug aus einem Vortrag)
In Sprüche 8 wird über die Weisheit gesprochen, wie sie seit der Ewigkeit bei
Gott war. Wir haben in den Versen 22 bis 26 zum ersten Mal die Weisheit vor
Grundlegung der Welt.
Vers 22: „Der HERR besaß mich.“ — Viele bezweifeln, dass das Wort „besaß
mich“ hier richtig übersetzt ist. Es ist nicht völlig unmöglich, aber besser
könnte man doch „Der HERR bildete mich“ übersetzen. Aber ich verstehe,
dass das sogleich eine Gefahr bedeutet. Allerdings ist die Gefahr in
Wirklichkeit nicht so groß. Es heißt ja auch in Vers 23: „Ich war eingesetzt“,
und in Vers 24 und 26: „Ich war geboren.“ Also, das Problem bleibt doch,
und das Problem ist, dass schon in der frühen Kirchengeschichte viele
Kirchenväter in diesen Versen zu Recht den ewigen Sohn Gottes sehen wollten und
dass andere wiederum sagten: Aber Er kann gar nicht der ewige Sohn sein, denn es
heißt ja hier, dass Er geboren, dass Er eingesetzt und in Vers 22
ins Dasein gerufen oder gebildet worden ist. Fazit: Den ewigen
Sohn gibt es nicht.
Das ist jedoch ein Fehlschluss! Denn die einfache Frage ist: Wie lange ist
Gott denn schon weise? Ist die Weisheit Gottes nicht genauso ewig, wie Gott ewig
ist? Hier müsste doch eigentlich jeder verstehen, dass die Weisheit so lange
bestanden hat wie Gott. Mal abgesehen davon, ob man den Herrn Jesus hier sehen
möchte oder nicht. Deshalb heißt es auch in Vers 23: „Ich war eingesetzt von
Ewigkeit her.“ Das heißt, diese Weisheit ist von Ewigkeit her geboren, so
wie ein altes Glaubensbekenntnis der frühen Kirche auch von dem Herrn Jesus
sagt, dass Er von Ewigkeit her aus dem Vater geboren war. Allerdings
haben wir keinen direkten Hinweis in diese Richtung, außer dieser Schriftstelle.
Aber jedenfalls bleibt dann die Wahrheit des ewigen Sohnes aufrechterhalten: von
Ewigkeit her aus dem Vater geboren, von Ewigkeit ins Dasein gerufen; das ist ja
für uns völlig unverständlich, denn von Ewigkeit ins Dasein gerufen heißt, dass
Er ewig existiert hat.
„Im Anfang war das Wort.“ Nicht „ist das Wort geworden“,
sondern „war es“. Welchen Anfang man hier auch nimmt, das Wort war schon
da. Es heißt in Vers 22: „Der HERR besaß mich im Anfang seines Weges“;
auch hier ist die Übersetzung, die die Elberfelder Bibel in der Fußnote angibt,
besser: „als Anfang seines Weges“, das heißt nicht, dass Er der Erste
war, der erschaffen worden ist, so wie es zum Beispiel die Zeugen Jehovas
behaupten. Überhaupt nicht, denn der Herr Jesus ist nicht erschaffen worden, Er
ist der Schöpfer selbst. [1] Das Wort „als Anfang“ in Sprüche 8,22 ist aktiv
gemeint, so wie in Offenbarung 3,14 der Herr Jesus auch „der Anfang der
Schöpfung Gottes“ genannt wird, das heißt nicht, dass Gott mit Ihm angefangen
hat, zu schaffen, dass Er also das erste Geschöpf wäre, sondern Anfang
heißt dort aktiv, dass Er der Urheber der ganzen Schöpfung ist. Aus Ihm
ist die ganze Schöpfung hervorgegangen, und das ist hier so einleuchtend.
„Der HERR besaß mich als Anfang seines Weges“, das heißt, Er war bei dem
HERRN (Jahwe), die Weisheit war bei Ihm als Urheber all seiner Werke, das heißt,
alle Werke des HERRN sind aus der Weisheit hervorgegangen oder sind durch seine
Weisheit erschaffen worden. [2] Man kann auch sagen: „eingesetzt von Ewigkeit“ vor
Grundlegung der Welt, so können wir all diese Verse zusammenfassen in Vers
22-26. Wenn irgendetwas erschaffen war oder wurde, da war schon längst die
Weisheit vorhanden. Was der Geist Gottes hier klarmacht, ist, dass durch die
Weisheit Gottes, das ist durch den Herrn Jesus, alles erschaffen worden ist,
aber das diese Weisheit selbst von Ewigkeit bei Gott war. Nun, ich glaube sehr,
dass Johannes genau daran gedacht hat, als er Johannes 1 schrieb.
[3]
Was steht nun in Johannes 1? Johannes gebraucht nicht das Wort „Weisheit“ und
auch nicht „Torah“, sondern „Logos“: das Wort. Aber er meint genau dasselbe. „Im
Anfang war das Wort“, das heißt, im Anfang der Schöpfung war das Wort
schon längst da. Welchen Anfang man auch nimmt: Wenn man auch noch weiter
zurückgeht, das Wort war schon immer da. In einigen wenigen Worten fasst
Johannes alle diese Worte aus Sprüche 8 zusammen. Dann sagt er: „Das Wort war
bei Gott“, so wie in Sprüche 8 die Weisheit als Person gesehen wird, die „bei
Gott“ war, sogar als Schoßkind bei Ihm, und so wie Johannes 1,18 sagt: „… der
eingeborene Sohn, der in dem Schoß des Vaters ist.“
Und dann sagt Johannes: „Und das Wort war Gott.“ Denn wie könnte man
Gottes Weisheit von Ihm selbst trennen? Wenn die Weisheit hier personifiziert
wird, dann müssen wir doch immer bedenken, dass es die göttliche Weisheit ist,
dass es Gott selbst ist, der sich in dieser Weisheit offenbart. Das Wort war bei
Gott, Schoßkind in seinem Schoß und zur gleichen Zeit: „Das Wort war Gott.“ Denn
in der Weisheit Gottes ist es Gott selbst, der sich offenbart, es ist seine
Weisheit, und die Person, die hier in dieser Weisheit dargestellt wird, der Herr
Jesus, ist genauso Gott, wie der Vater Gott und wie der Heilige Geist Gott ist.
Das ist die Weisheit, das ist die Torah, das ist der Logos (das Wort). Der
Ausdruck „Wort“ ist eine unglückliche Übersetzung, wie könnte das deutsche Wort
zum Ausdruck bringen, was alles in dem Wort Logos enthalten ist? Das Wort Logos
beinhaltet kurz gesagt alles, was im Wort Weisheit und Torah steckt. Ich möchte
das jetzt nicht sprachlich alles erklären. Jedenfalls ist das der Reichtum des
Wortes in Johannes 1,1: „Im Anfang war der Logos“, oder: „war die Weisheit, die
Torah, als Schoßkind bei dem Vater.“
Spr 8,27-31: 27 Als er die Himmel feststellte, war
ich da, als er einen Kreis abmaß über der Fläche der Tiefe; 28 als er
die Wolken droben befestigte, als er Festigkeit gab den Quellen der Tiefe;
29 als er dem Meer seine Schranke setzte, dass die Wasser seinen Befehl
nicht überschritten, als er die Grundfesten der Erde feststellte — 30 da
war ich Werkmeister bei ihm und war Tag für Tag seine Wonne, vor ihm mich
ergötzend allezeit, 31 mich ergötzend auf dem bewohnten Teil seiner Erde;
und meine Wonne war bei den Menschenkindern.
In Sprüche 8,22-26 geht es also darum, dass die Weisheit ewig ist. In Vers
27-31 geht es jetzt um einen anderen Gedanken, nämlich dass die Weisheit da war,
als Gott schuf. In Vers 22-26 geht es um das, was vor Grundlegung der
Welt war; Vers 27-31: bei der Grundlegung der Welt. „Als er die Himmel
feststellte, war ich da“ — natürlich war Er da, Er ist ja der Anfang der Wege
Gottes in der Schöpfung. „Als Gott die Himmel feststellte“ — wie tat Er das?
Gott ist der große Architekt, aber wer war der Baumeister? Der, der die Pläne
des Architekten ausgeführt hat? Das ist die Weisheit. Das Wort Schoßkind in
Sprüche 8 kann auch mit „Künstler/Werkmeister“ übersetzt werden. Die Meinungen
sind verschieden, beides ist möglich, und was man bevorzugen möchte, das hängt
von den Auslegern ab, aber vielleicht neige ich eher dazu, das Wort Künstler
oder Werkmeister hier zu bevorzugen. Das heißt, Gott ist hier der große
Architekt, aber Er hat alles gebaut durch die Weisheit.
Die Weisheit ist hier der Anfang der Schöpfung Gottes (Off 3,14). Sie ist
der Urheber dieser Schöpfung, durch die Weisheit hat Gott erschaffen, durch den
Sohn hat Gott die Welt erschaffen, durch den Logos, auch das haben wir ja in
Johannes 1, das hatte ich fast vergessen. In Johannes 1,3 heißt es: „Alle Dinge
sind durch das Wort geworden“, das ist genau das, was wir hier in Sprüche 8
finden. Sprüche 8 wird in Johannes 1 Zeile für Zeile erklärt. Durch Ihn sind
alle Dinge geworden, und derselbe Johannes hat Offenbarung 3,14 geschrieben und
schreibt in Kapitel 19 der Offenbarung von dem Herrn Jesus: „Und auf ihm steht
geschrieben: der Logos Gottes“ — die Weisheit Gottes, die Torah Gottes. Denn
durch Ihn hat Gott alles erschaffen, aber durch Ihn wird Gott alles neu
erschaffen, denn das ist ja die Bedeutung von Offenbarung 3,14, es handelt sich
dort um die neue Schöpfung. Ist der Herr Jesus der Werkmeister, der Künstler der
alten Schöpfung, der künstlerisch die Pläne Gottes alle ausgeführt hat? So ist
Er auch der Künstler der neuen Schöpfung. Wenn wir schon an dieser neuen
Schöpfung teilhaben, dann ist Er der Künstler, der uns neu erschaffen hat und
auch tagtäglich mit uns beschäftigt ist, damit wir immer besser ausgestattet
werden, um die Absichten Gottes zu beantworten oder dem Zweck Gottes zu
entsprechen. Das ist seine Absicht. Die Absicht des großen Künstlers, der sich
jeden Tag mit uns beschäftigt, damit wir nach den Gedanken Gottes auf dieser
Erde sein würden.
Er ist der Anfang der alten Schöpfung, Er ist der Künstler und der
Werkmeister der neuen Schöpfung. Er hat alles erschaffen, die Wolken, die Fläche
der Tiefe, als Er Festigkeit gab der Quellen der Tiefe, als Er dem Meer seine
Schranken setzte, als die Wasser seinen Befehl nicht überschritten, als Er die
Grundfesten der Erde feststellte: Alles, was Gott gemacht hat, geschah durch
Ihn. Und in dieser Hinsicht ist vielleicht das Wort Künstler oder Werkmeister
etwas zu bevorzugen, weil es deutlicher zum Ausdruck bringt, dass Gott alles
durch die Weisheit erschaffen hat, und weil die Weisheit hier als Person
dargestellt wird, kann man sagen, dass durch diese Person, durch diesen
Werkmeister, der große Architekt alles ausgeführt hat. Er ist Künstler und
Werkmeister.
Aber auch diese Übersetzung, die wir hier finden, ist durchaus möglich und
aus sprachlichen Gründen nach anderen Auslegern etwas zu bevorzugen, obwohl
beide möglich sind. „Da war ich Schoßkind bei ihm“ oder „Pflegekind/Liebling“.
Die Frage ist natürlich, was hätte der Jude sich dabei denken können? Das sind
Fragen, die sich nur beantworten lassen im Licht des Neuen Testamentes. Ich habe
gesagt, dass hier die Weisheit so sehr die Weisheit Gottes ist, man kann sie ja
nicht von Gott trennen, und trotzdem wird sie hier als eine Person, die von Gott
geliebt wird, dargestellt. Kann man sagen, dass Gott seine eigene Weisheit
liebt? Das scheint wohl sinnlos, das zu sagen. Aber hier ist die Weisheit eine
Person, die im Schoß Gottes sitzt und von Ihm geliebt wird. Schoßkind heißt ja
„Liebling“ oder „Pflegekind“ — tagtäglich seine Wonne. Wie ist das zu verstehen?
Das ist außerhalb des Lichtes des Neuen Testamentes nicht zu verstehen. Das Wort
war bei Ihm und das Wort war Gott: Das kann man auch kaum verstehen, obwohl es
schon das Neue Testament ist, da bleibt man vor Tiefen stehen, die man nicht
ergründen kann. Das Wort war bei Gott, der Sohn war im Schoß des Vaters, zur
gleichen Zeit war der Sohn Gott, so wie der Vater Gott ist und war.
Schoßkind bei Gott, durch Ihn, oder eigentlich ganz buchstäblich müsste man
ständig sagen, durch sie. Denn die Juden sagten auch, dass die Torah eine
Tochter Gottes ist. Durch sie, Frau Weisheit, hat Gott alles erschaffen, und sie
war Tag für Tag seine Wonne. Das Wort „seine“ steht nicht da, man kann das auch
im Text der Elberfelder Übersetzung sehen. Persönlich glaube ich, dass die
Bemerkung es richtiger hat. Die Weisheit sagt, als ich alles erschuf, „war ich
lauter Wonne“. Es geht nicht so sehr darum, dass Er die Wonne Gottes war, das
wird schon in dem Wort Schoßkind genügend zum Ausdruck gebracht.
Aber hier sehen wir den Werkmeister, der Freude an seiner Arbeit hat, so wie
der Baumeister sieht, wie das Werk unter seinen Händen wächst. Er freut sich an
der Arbeit. Er war lauter Wonne, sein ganzes Herz war entzückt über das, was da
heranwuchs unter seinen Händen, als Er die Welten erschuf. Tag für Tag — man
könnte fast an die sechs Schöpfungstage denken — war ich lauter Wonne, habe ich
mich ergötzt, so wie es hier heißt, vor Ihm, also in Bezug auf Ihn; buchstäblich
so sagt es das Hebräische: spielend. Es ist ein Kind, ein Schoßkind, es ist ein
spielendes Kind vor seinem Vater, das sich ganz wohl fühlt in der Nähe des
Vaters und das lauter Wonne ist in seinem Spiel. Ist das nicht herrlich? Wir
hätten das nie ersonnen, aber die Weisheit selbst spricht so, so wie ein Kind
spielt und sich ein Häuschen baut und daran Freude erlebt, so war der Sohn im
Schoß des Vaters. Vor Ihm spielend, dieses ernste, aber freudevolle Spielen der
Schöpfung, wie hat Gott und wie hat der Herr Jesus Freude gehabt, in diesem
Spiel der Schöpfung, bauend an dem großen Haus des Weltalls, mich ergötzend
spielend vor seinem Angesicht. „Allezeit mich ergötzend auf“ — und auch
hier möchte ich lieber lesen: „mich ergötzend an dem bewohnten Teil seiner
Erde“, an dem Erdreich, mich ergötzend an allem, was Er baute, was aus seinen
Händen hervorging.
Aber wenn ich gesagt habe, dass wir hier noch eine größere Tiefe haben, wenn
wir an die neue Schöpfung denken, dann wird auch dieses Ergötzen noch viel
tiefer. Denn buchstäblich hat Er sich nur ergötzt an der Schöpfung bis zu dem
Sündenfall und nachher? Hat Er sich dann noch ergötzen können an der Schöpfung?
Ja! Indem Er von dem Sündenfall an in dem Menschen einen neuen Grund zur Freude
sah. Er sah sie als die möglichen Gegenstände der Erlösung. Hätte doch dieses
Sich-Ergötzen bei dem Sündenfall aufgehört, wo wären wir geblieben? Wenn der
Herr Jesus in diese Welt geboren wird, da sagen die Engel, dass Gott ein
Wohlgefallen an den Menschen hat. Nicht weil sie so vollkommene Geschöpfe sind
(sie sind in die Sünde gefallen), und doch Wohlgefallen, doch Wonne, wie es hier
heißt: „Meine Wonne war bei den Menschenkindern.“ Das Wort „war“ steht nicht da,
man kann auch sagen „sind“ oder „ist“ mit den Menschenkindern. Das hat nicht bei
dem Sündenfall aufgehört. Seine Wonne ist immer noch mit den Menschenkindern.
Seine Wonne wird immer mit den Menschenkindern sein, das haben die Engel
sozusagen in Lukas 2,14 versprochen.
Und dann habe ich gesagt, dass wir hinter der alten Schöpfung dann schon den
Schatten der neuen Schöpfung sehen. Hinter der alten Schöpfung sehen wir das,
was wir in 1. Korinther 2,6-8 haben, diese Weisheit Gottes vor Grundlegung der
Welt. Denn nicht nur die Weisheit der ersten Schöpfung ist eine Sache von vor
Grundlegung der Welt, auch die Weisheit für die neue Schöpfung bestand schon
dort. Deshalb habe ich gesagt, wir haben einen doppelten Boden, die Weisheit vor
Grundlegung der Welt beschäftigte sich auch schon mit der neuen Schöpfung,
obwohl das in Sprüche 8 nicht geschrieben werden konnte. Das ist die Weisheit,
die die Welt nicht verstanden hat, denn sonst hätten die Menschen den Herrn der
Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Aber jetzt nach dem Kreuz, nach der Auferstehung,
nach der Himmelfahrt, hat sich diese Weisheit offenbart. Und die Engel und die
Obrigkeiten und die Mächte und Gewalten in den himmlischen Örtern schauen jetzt
die mannigfaltige Weisheit Gottes (Eph 3,10). Epheser 3,11 sagt, dass sich das
auf den Vorsatz der Ewigkeiten bezieht, das ist die ewige Weisheit vor
Grundlegung der Welt, die sich zuerst manifestierte in der alten Schöpfung.
Schon damals haben die Engel gejubelt (Hiob 38,7), aber jetzt schauen die Engel
auf die gar mannigfaltige Weisheit Gottes, als der Herr Jesus anfing, zum
zweiten Mal als Künstler, als Werkmeister Gottes aufzutreten.
1. Korinther 8 sagt uns, dass alles aus Gott ist. Er ist der Architekt und Er
hat alles erschaffen durch den Herrn Jesus, durch den Sohn, durch unseren Herrn.
Er ist der Baumeister auch der neuen Schöpfung. Und wir, die wir an Ihn glauben,
sind schon die Erstlinge der neuen Schöpfung, die ersten Werke aus seinen
Händen. Und aufs Neue ergötzt Er sich an diesem Werk, so wie Er sich einmal
ergötzen wird an der ganzen neuen Schöpfung, wenn es einen neuen Himmel und eine
neuen Erde geben wird. Darauf geht es hin, denn Epheser 1 sagt uns, dass Gott
uns dieses Geheimnis schon anvertraut hat. Wir dürfen es wissen, wir erzählen es
nicht weiter, wir behalten es unter uns Gläubigen, denn die anderen verstehen es
doch nicht; wir können es ruhig weiterzählen, aber keiner versteht es, es bleibt
ein Geheimnis: das Geheimnis seines Willens, das wir in Weisheit und Einsicht
verstehen können (Eph 1,8).
Und was ist diese große Weisheit? Es ist nicht nur die Versammlung/Gemeinde,
sondern auch diese Tatsache, dass einmal in der Fülle der Zeiten alles unter
seine Füße zusammengebracht wird. Dann werden wir als Erben mit Ihm regieren,
das ist ein Geheimnis. Da wird die Weisheit Gottes auf das Herrlichste
offenbart. Wenn dann die Versammlung Gottes mit Ihm verbunden sein wird, mit dem
Herrn Jesus, die ganze Kirche, alle wahren Gläubigen, vom Pfingsttag bis zur
Wiederkunft des Herrn, dann werden sie alle mit Ihm herrschen über das Weltall.
Dann wird Er nicht nur alles erschaffen haben, alles neu erschaffen haben,
sondern Er wird über alles herrschen, alles wird unter seine Füße gebracht
werden, dann wird er herrschen als die Weisheit Gottes und die Kraft Gottes, und
dann werden wir mit Ihm verbunden sein und ewig die Gegenstände seiner Wonne
sein.
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Anmerkungen:
[1] Das geht auch aus Johannes 1,3 deutlich
hervor: „Alles ward durch dasselbe, und ohne dasselbe ward auch nicht eines, das
geworden ist.“
[2] In Wirklichkeit heißt es hier Frau Weisheit,
denn die Weisheit ist weiblich, das macht natürlich die Anwendung für uns etwas
schwierig, aber es ist Frau Weisheit, das heißt, Gott hat durch Frau Weisheit,
durch diese Weisheit alle Dinge erschaffen.
[3] Besonders weil die jüdische Überlieferung von
dieser Schriftstelle in Sprüche 8 sagt, dass die Torah, also das Gesetz, vor
Grundlegung der Welt, also noch vor dem Sinai, im Schoße Gottes war. Das Wort
„Gesetz“ ist eigentlich keine gute Übersetzung. Die Übersetzung von Martin Buber
ist sehr schön: Die Torah wird bei ihm mit Weisung übersetzt. Das deutsche Wort
Weisung hängt ja mit Weisheit zusammen. Die Torah war Schoßkind bei Gott. Die
Torah ist ja die alttestamentliche Offenbarung der Weisheit Gottes an den
Menschen. Es ist das ganze Gesetz, und ich habe schon öfters gesagt, das ist der
Grund, dass wir in diesem Buch der Sprüche so viele Gebote behandelt finden,
besonders in den ersten neun Kapiteln. Das Gesetz ist der Ausdruck des Willens
Gottes im Alten Bund. Und die Juden sagten, bevor die Torah in die Hände Israels
gegeben wurde, war sie Schoßkind bei Gott, aufgrund dieser Schriftstelle.
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