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Leitverse: Römer 7
Frage:Mich interessiert besonders die Auslegung von Römer 7: Wenn der Mensch dort
wiedergeboren, aber noch nicht versiegelt ist — ist er dann überhaupt
errettet? Was fehlt ihm noch? Sagt Epheser 1,13 nicht aus, dass mit dem
Gläubigwerden auch die Versiegelung erfolgt?
Inhalt
Einleitung
Ist der Mensch in
Römer 7 von neuem geboren? Indiz Nr. 1: Indiz Nr. 2 Indiz Nr. 3 Quintessenz Verschiedene Wachstumsphasen War Kornelius errettet? Schlussfolgerung Römer 7 und 8 War der Mensch in Römer 7 mit dem Heiligen Geist versiegelt? Probleme der Auslegung Aus einer Betrachtung über den Römerbrief von H.P.
Medema Noch eine Zusatzbemerkung
Die Frage „Ist der Mensch in Römer 7 mit
dem Heiligen Geiste versiegelt oder nicht, ist er errettet oder nicht?“ hat schon
viele Bibelausleger beschäftigt.
Eines müssen wir in Römer 7 von Anfang an klarstellen: Der Heilige Geist ist
gerade der große Abwesende in diesem Kapitel — im Gegensatz zu Kapitel 8. Das muss
jedoch nicht automatisch heißen, dass der Mensch in Römer 7 den Geist noch
nicht hatte. Wir meinen nur, dass diese Tatsache jede Auslegung schwierig macht.
Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, müssen wir vielleicht eine
Gegenfrage stellen:
Nun, diese Frage könnte man durchaus mit Ja beantworten. Denn es heißt:
Röm 7,15: … denn was ich vollbringe, billige ich nicht; denn nicht, was ich will,
das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus.
Kommentar:
Kann ein nicht von neuem Geborener das Gute wollen? Welches Ich sagt: „… billige
ich nicht“, oder: „… was ich hasse“, oder: „… was ich will“? Diese Worte kann nur das
erneuerte und von neuem geborene„Ich“ sagen. (Es heißt ja auch: „Der natürliche
Mensch nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist“; 1Kor 2,14.)
Röm 7,18-19: Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem
Fleisch,
nichts Gutes wohnt;
denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen dessen, was recht
ist, [finde ich] nicht. Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern
das Böse, das ich nicht will, dieses tue ich.
Kommentar:
Weiß ein nicht von neuem Geborener wirklich, dass in ihm nichts Gutes wohnt? Das
lernen viele Christen sogar erst spät, nachdem sie von neuem geborenen wurden!
Ungläubige sind hingegen geradezu blind für diesen Punkt, da sie an das Gute im
Menschen glauben.
Röm 7,22: Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren
Menschen;
Kommentar:
Hat ein nicht von neuem Geborener Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes? Noch
einmal: „Der natürliche Mensch nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist“
(1Kor 2,14).
Es ist also unmöglich anzunehmen, dass es
sich in Römer 7 um einen Ungläubigen oder um eine nicht von neuem geborene Seele
handelt. Dieser Mensch trägt die Kennzeichen eines von neuem Geborenen — er will
das Gute und er hat Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes und er hasst das Böse. Denn
ohne eine neue Natur, ohne Wiedergeburt, wird kein Mensch das Reich Gottes sehen
können (Joh 3). Ohne Wiedergeburt sind wir völlig unpassend für den Himmel und
haben auch keine Freude an den Gedanken (dem Gesetz, wie es in Vers 22 heißt)
Gottes, die der Mensch in Römer 7 ja durchaus hatte; wir würden uns im Himmel
nicht einmal wohlfühlen. Das wäre das Gleiche, als wenn wir einen Fisch aus dem
Wasser nehmen, ihn auf ein goldenes Tablett legten, schöne grüne Kräuter um ihn
legten, einen schönen Duft um ihn hüllten, eine „bezaubernde“ Musik laufen
lassen würden und ihn dann fragten: „Ist es nicht herrlich hier?“ Gib dem Fisch
aber eine neue Natur, mit der er in der Lage ist, ohne Wasser auszukommen, und ihm
wird seine neue Atmosphäre vielleicht gefallen.
Nachdem wir nun annehmen müssen, dass der
Mensch in Römer 7 ein Mensch ist, der die neue Geburt erlebt hat, müssen wir uns
fragen, in welchem Zustand, in welcher Phase seines geistlichen Wachstums er
sich befindet. Und wir müssen der Frage nachgehen, ob es sein kann, dass dieser
Mensch noch nicht mit dem Heiligen Geist versiegelt ist.
Dabei müssen wir noch einen grundsätzlichen Unterschied machen zwischen einem
von neuem Geborenen und einem Erretteten (siehe auch: „Kann
man glauben, ohne mit dem Heiligen Geist versiegelt zu sein?“). Das hört sich vielleicht etwas
eigenartig an, weil man landläufig davon ausgeht, dass ein von neuem Geborener
schließlich auch gerettet ist und das stimmt auch, wenn man lediglich unter
Errettung verstehen will, dass jemand für die Ewigkeit sichergestellt ist und
nicht mehr verloren gehen kann.
Die Bibel benutzt allerdings den Begriff „Errettung“ anders (siehe auch: „Was ist Errettung?“ von W. Kelly), und wir tun
gut daran, dies zu beachten. Vielleicht wirft gerade dieser Aspekt auch Licht
auf die Stelle in Römer 7.
Apg 10,1-2: Ein gewisser Mann aber in Cäsarea, mit Namen Kornelius, ein Hauptmann von der
sogenannten italischen Schar, fromm und gottesfürchtig mit seinem
ganzen Haus, der dem Volk viele Almosen gab und allezeit zu Gott betete …
Kornelius war, wie die Schrift es in
Apostelgeschichte 10,1-2 mitteilt, ein gottesfürchtiger und frommer Mann. Mehr
noch, er betete allezeit zu Gott und gab den Armen Almosen. Aber er kannte zu
diesem Zeitpunkt weder Petrus noch kannte er schon die Sicherheit, die man
in Christus haben konnte. Wir müssen davon ausgehen, dass dieser Mann ein
wiedergeborener Mensch war, der niemals verloren gegangen wäre, wenn Christus
gekommen wäre oder er gestorben wäre, denn der Heilige Geist selbst bezeichnet
ihn als „fromm und gottesfürchtig“. Aber war er auch errettet im Sinne der
Schrift? „Klar“, sagen die einen, „wenn er nicht verloren gegangen wäre, dann muss
er doch errettet gewesen sein“, und: „Moment mal!“, sagen die anderen. Denn es heißt
dort, wo Petrus seine Geschichte erzählte, die er bei
Kornelius erlebte:
Apg 11,14: Und er erzählte uns, wie er den Engel gesehen habe in seinem
Haus stehen und
[zu ihm] sagen: Sende nach Joppe und lass Simon holen, der Petrus genannt
ist; der wird Worte zu dir reden, durch welche du errettet werden wirst,
du und dein ganzes Haus.
Dies ist eine Schlüsselstelle für unsere Betrachtung. Denn wenn Kornelius
wirklich erst errettet wurde, nachdem er die Worte des Petrus gehört
hatte — in welchem Zustand war dann seine Seele, als er in Apostelgeschichte 10,1-2 in seinem
Haus war, wo er allezeit zu Gott betete und den Armen Almosen
gab?
Die Schlussfolgerung kann nur sein, dass es
einen Unterschied gibt zwischen „von neuem geboren“ und „errettet“ sein. Wie
gesagt, auch der von neuem geborene Mensch ist für den Himmel sichergestellt.
Aber er befindet sich noch in einem Zustand, wo er noch nicht die volle Gewissheit seiner Errettung hat. Er ist wie ein über Bord
Gefallener im
Sturmwind auf der See, der sich zwar im Rettungsboot, aber noch in der
aufgepeitschten See befindet und noch nicht am Ufer ist. Völlig „sicher“ ist er
schon im Rettungsboot, „errettet“ im Sinn der Schrift ist er aber erst am Ufer.
Nun dürfen wir aber auch den Unterschied nicht allzu groß machen, denn im
Normalfall wird heute beides kurz nacheinander stattfinden. Jemand wird durch
die Gnade Gottes wiedergeboren und empfängt neues Leben und Heilsgewissheit. Auch
wird er versiegelt mit dem Heiligen Geist, denn es heißt ja in Epheser 1,13: „…
nachdem
ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils (= eurer
Rettung), in welchem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt,
versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geist der Verheißung.“ Es sind fast
die gleichen Worte wie bei Kornelius. Er hörte das Wort (durch Petrus) des
Evangeliums, er glaubte und so bekam er den Heiligen Geist (Apg 10,44).
Wenn man dieses Evangelium der Rettung geglaubt hat, ist man errettet, und dann „beeilt“
sich Gott, einen solchen zu versiegeln.
Der Mensch in Römer 7 ist in einem elenden
Zustand. Der Zustand ist so elend, dass er sogar selbst zu der Überzeugung kommt:
„Ich elender Mensch! Wer wird mich retten …“ An diesem Ausspruch können wir
erkennen, dass hier ein Gläubiger spricht, der noch nicht die Sicherheit und Ruhe
im Herrn Jesus gefunden hat, die uns sein Blut gebracht hat; jemand, der noch aus
eigener Kraft versucht, gegen das Fleisch anzukämpfen, und dabei feststellt, dass
ihm das nicht gelingen kann, und der daher Sorge hat, was mit ihm passieren
wird. Im Gegensatz zu jemanden, der in dem Herrn Jesus ruht, der die völlige
Kraftlosigkeit des Fleisches erlebt hat und anerkannt hat, wird wohl kaum
ausrufen: „Ich elender Mensch! Wer …“ Denn dieser wird wissen, wer der
„Wer“
ist.
Der Mensch in Römer 7 kommt in seinem geistlichen Wachstumsprozess zu einer
hervorragenden Einsicht. Zum einen dankt er Gott durch Jesus Christus. Denn er
weiß, dass es nur eine Rettung gibt: Jesus Christus. Jesus Christus wird seine
„Arche“, denn wir lesen:
Röm 8,1: Also ist jetzt keine Verdammnis für die, welche
in Christus Jesus sind.
„Für die, welche in Christus Jesus sind“ — das ist der Punkt. Das ist die
Einsicht, zu der jeder Christ kommen sollte. Warum? Weil der Herr Jesus durch seinen Tod
„die Sünde im
Fleisch“ verurteilte. Dort auf Golgatha hat Er die
Sünde im Fleisch, die den Leib zu einem Leib des Todes macht, gerichtet. Und wer
war der Initiator? Gott! Denn es heißt: „… weil es durch das Fleisch kraftlos war,
tat Gott, indem er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches
der Sünde und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleisch verurteilte …“
Unsere Sicherheit und unsere Kraftquelle ist in Christus, weil Gott uns nicht
mehr im Fleisch sieht, sondern in Christus. Sollte Er uns verwerfen, dann müsste
Gott, in Ehrfurcht gesprochen, seinen Sohn verwerfen. Auf dem Kreuz musste Gott seinem Sohn tatsächlich den Rücken zukehren, als Er in den drei Stunden der
Finsternis unsere Schuld, unsere Sünden auf sich nahm. Der Herr Jesus musste
klagen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Aber Gott nahm
dieses Opfer, diese Selbstaufgabe (Joh 10) an und gibt uns den größtmöglichen
Beweis, indem Er seinen Sohn aus den Toten auferweckte und Ihm einen Platz zu seiner Rechten gab. Zu dieser Einsicht sollte jeder Gläubige gebracht werden.
Also wir halten fest: Wenn der Mensch in
Römer 7 ein von neuem Geborener war, dann kann er nicht verloren gehen. Nach
Epheser 1,13 (zu einer Auslegung dieses Verses siehe: „Was
bedeutet der Heilige Geist als Siegel?“) wird man jedoch erst versiegelt, nachdem
man das Evangelium
der Rettung (des Heils) gehört und geglaubt hat, und demnach scheint es, dass der
Mensch in Römer 7 noch nicht versiegelt war, weil er ausrief: „Wer wird mich
retten …?“, und somit den Retter noch nicht kannte. Er hatte also das volle
frei machende Evangelium noch nicht vollends geglaubt, war also ein von neuem Geborener, der noch nicht im vollsten Sinne der Schrift errettet war.
Aber, wie oben erwähnt, der große Abwesende in diesem
Kapitel ist ja gerade der Heilige Geist. Es wird gar nicht von dem Heiligen Geist gesprochen. Im
Gegenteil, es wird viel von „meiner“, „mir“, „mich“ und „ich“ geschrieben.
Siehe auch zu dem Thema „Römer 7 und Versiegelung“: „Versiegelt
ohne gekannte Befreiung?“
Wenn wir sagen, dass der Mensch in Römer 7
nicht versiegelt war, heißt das denn nicht, dass er am Ende doch noch in einem
verlorenen Zustand war, da es ja in Römer 8,9b heißt: „Wenn aber jemand Christi
Geist nicht hat, der ist nicht sein“?
Diesem Gedanken muss man entgegenhalten, dass die Gläubigen aus dem Alten
Testament auch nicht den Geist Gottes „innewohnend“ hatten und doch Gläubige
waren und nicht verloren gingen. Der Ausdruck „ist nicht sein“ hat hier nichts
mit der ewigen Annahme und Sicherheit zu tun, sondern mit einer bestimmten
Position, die wir in Christus gemäß gerade den Belehrungen der Verse 1-8
einnehmen. Er ist, obwohl kein Ungläubiger, kein Christ im biblischen Sinn,
nicht in Christus, das heißt nicht in der wahren christlichen Stellung, obwohl
er neues Leben hat. Es ist bemerkenswert, dass der Geist hier „Christi Geist“
genannt wird, was Ihn besonders kennzeichnet als den, der Christus im Christen
gestaltet. Es ist wie bei dem verlorenen Sohn in Lukas 15, als dieser sich
aufmachte, um zu seinem Vater umzukehren. Er war erst „seines Vaters“, als er in den
Armen des Vaters lag, obwohl ihm nach seiner Umkehr die Aufnahme im Haus des
Vaters schon völlig sicher war.
Vielleicht kann man hier eine Anwendung machen auf das 2. Buch Mose. Die Kinder
Israel wurden „gerettet“ (2Mo 12,27) oder besser „bewahrt“ vor dem Gericht,
indem sie Schutz fanden hinter dem Blut des Lammes. Sie waren aber noch in dem
Zustand jenes Menschen, der sich, wie oben erwähnt, noch im Sturmwind auf hoher
See befindet. Sie wussten noch nicht, ob sie nicht am Ende doch noch von den
Ägyptern eingefangen und geschlagen wurden. Sie wurden erst befreit, erlöst und
vollends errettet von den Ägyptern, als sie trockenen Fußes durch das Rote Meer
gegangen waren, am anderen Ufer des Meeres standen und die Ägypter allesamt
ertrunken sahen. Sie brauchten fortan keine Furcht und keine Angst mehr zu
haben. Gott hatte sie errettet aus Ägypten. Dieser Zustand würde dann Römer 8
entsprechen, einem Zustand ohne Furcht und Angst und in der Gewissheit, bei Gott
alles zu finden, was an Kraft und Sicherheit nötig ist.
Was ist mit dieser Person los? Sie ist
wiedergeboren. Das neue göttliche Leben wohnt in ihr. Sie möchte nichts lieber
tun als das Gute, und sie weiß auch, dass sie das zu tun hat. Es ist eine
Situation, die wohl jeder Christ durchgemacht haben wird. Man stellt sich selbst
eine Reihe von Regeln auf, seien es die Zehn Gebote oder die Lebensregeln des
Neuen Testaments und sagt sich: So und so muss mein christliches Leben aussehen.
Dann stellt man bei sich selbst fest, dass nichts davon gelingt. Man versucht es
noch einmal. Und wieder scheitert das Ganze. So geht das immer weiter. Wie in
einer Spirale dreht man sich verzweifelt um sich selbst: ich (V. 14), ich, ich,
ich, ich, ich (V. 15), ich, ich, ich, (V. 16), ich, mir (V. 17), ich, mir,
meinem, mir, ich (V. 18), ich, ich, ich, ich (V. 19), ich, ich, ich, mir (V. 20), ich, mich, mir (V. 21), ich (V. 22), ich, meinen, meines, mich, meinen (V. 23), ich, mich (V. 24). Es hilft alles nichts, denn man kann sich selbst nicht
an seinen eigenen Haaren aus dem Morast ziehen wie der Baron von Münchhausen.
Das ist das Prinzip des Gesetzes oder noch allgemeiner gesagt, es ist das
Prinzip „Gesetz“, welches besagt, dass man selbst etwas tun muss. Dieses Prinzip
bringt uns nicht weiter. Im nachfolgenden Kapitel wird der Apostel über den
Heiligen Geist sprechen, der die wahre Kraftquelle ist. Er ist der Motor eines
christlichen Überwinderlebens.
Man kann, wenn man recht früh durch gute
Belehrung die Befreiung von Römer 8 kennengelernt hat und versiegelt ist, doch
noch in der Praxis oft nachträglich ähnliche Erfahrungen wie in Römer 7 (nur in
einem modifizierten Sinn — in jedem Fall ohne die Angst des Verlorengehens)
mitmachen, wenn man das Fleisch noch nicht richtig kennengelernt hatte.
Siehe auch:
Kann man glauben, ohne
mit dem Heiligen Geist versiegelt zu sein?
Von neuem geboren, ohne
versiegelt zu sein?
Was bedeutet der Heilige
Geist als Siegel?
Versiegelung ohne
gekannte Befreiung?
Was ist Errettung?
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