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Lieber Bruder,
ich bin noch nicht ganz fertig, um wieder nach England zurückzukehren, und
der Herr hat mich geschont und mich aufrechterhalten. Ich habe gerade eine
Eisenbahnfahrt gemacht - 96 Stunden ohne anzuhalten - und ich fühle mich ganz
gut. Meine Gedanken wenden sich nach England, sobald ich hier fertig bin. Wäre
ich jung und hätte menschlich gesprochenen das Leben noch vor mir, würde es
Grund geben zu bleiben, denn die Türen für das Werk öffnen sich. Es ist in
vieler Hinsicht auf einer neuen Grundlage, und die Frage dieser Stellung und die
Wahrheiten der Schrift in Bezug auf die volle Stellung und den Wandel des
Christen ist überall bekannt. Aber ich bin nicht jung und kann nicht daran
denken, das Werk selber auszuführen; und Gott, so vertraue ich, wird Werkzeuge
aufwecken, und Er hat auch einige wenige. Es ist nicht nach Seinen Gedanken, so
glaube ich, [uns, d.i. die Kirche; Anm. d. Red.] aus Schwachheit herauszubringen.
Der Zustand der Kirche ist so, dass es sich für uns gehört, an ihrer Trauer
teilzunehmen.
Gastweise Teilnahme
Was deine erste Frage betrifft, so denke ich, dass hier ein Fehler gemacht
wird in Bezug auf die Stellung der Versammlung, sowohl bei der Schwester als
auch bei dem Bruder, der widersprochen hat, vielleicht bei allen. Wenn Leute Brot
brechen, dann sind sie in der einzigen Gemeinschaft, die ich kenne - sind
anerkannt als Glieder des Leibes Christi. In dem Moment, in der du eine andere
"volle Gemeinschaft" aufbaust, machst du die Leute zu Gliedern deiner
Versammlung, und die ganzen Grundsätze des Zusammenkommens werden verdreht. Die
Versammlung muss zufriedengestellt werden in Bezug auf die teilnehmende Person,
aber, in Bezug auf den Empfang zum Brotbrechen sollte sie zufrieden
sein mit dem Zeugnis der Person, die sie einführt. Diese Person ist
natürlich in dieser Hinsicht der Versammlung verantwortlich. Dieses
Verfahren oder zwei oder drei, die einen Besuch machen - für mich ist das eine
Frage des passenden Zeugnisses für das Gewissen der Versammlung. Im Anfang
war es nicht so, das heißt, es gab solch eine Untersuchung nicht. Jetzt, glaube
ich, ist es eine Pflicht nach 2. Timotheus 2. Niemand kommt herein als nur als
Gläubiger. Das macht den Unterschied aus zu der Mitgliedschaft bei einer
speziellen Versammlung [oder Kirche; Anm. d. Red.].
Doch glaube ich nicht, dass solch eine Praxis, wie diese Schwester sie
ausgeübt hat, zufriedenstellend ist. Ich gestehe voll ein, dass jeder Fall
nach Lage der Dinge beurteilt und entsprechend behandelt werden muss. Wo die
Teilnahme am Brotbrechen unterbrochen wird, dann sollte man das ruhig erwähnen,
obwohl es auch in einigen Fällen nicht nötig ist, wenn die Versammlung
darüber Bescheid weiß und zufrieden ist. Aber wenn Leute gelegentlich
Brot brechen, sind sie genauso der Zucht unterworfen, als wenn sie immer dort
wären, weil es die Kirche Gottes ist, um die es geht, obwohl sie repräsentiert
wird durch zwei oder drei [Mt 18,20; Anm. d. Red.]: Christus ist dort. Wenn es nur eine
gelegentliche Sache ist, dass jemand als Fremder kommt, und die Person nicht
bekannt ist, dann sollte man das wohl erwähnen.
Was nicht zufriedenstellend in solchen Fällen ist, ist
-
die Person durch die Versammlung [in einer Weise;
Anm. d. H.] zuzulassen, als
wenn es noch eine weitere Gemeinschaft neben der Gliedschaft am Leibe
Christi gäbe. Dies erkenne ich überhaupt nicht an.
-
habe ich Angst, dass solche eine Abneigung haben, wirklich ehrlich die
Schmach der Stellung einzunehmen - der wahrhaft abgesonderten Stellung der
Heiligen - und man will vielleicht anderen sagen können, ich gehöre nicht
zu denen, ich gehe nur als ein Gläubiger - ich gehe [zwar auch; Anm.
d. Red.] nur als Gläubiger, nur ich akzeptiere auch die Stellung. Wenn man
in solchen Fällen wartet, dass sie das einsehen, ist ganz in Ordnung.
Ein wahrer Gläubiger hat ein Anrecht an den Tisch; aber wenn man
zusammenkommt als Glieder des Leibes Christi, sind alle ein Leib, als solche die
teilhaben an dem einen Brot. Ich selbst kann niemanden das Recht dazu geben. Ich
erkenne ihr Anrecht an und warte auf ihren Wunsch, Licht darüber zu bekommen,
aber werde ihnen nicht erlauben, mich in die Stellung einer Sekte zu bringen
(und "volle Gemeinschaft" bedeutet das). Ich stehe ihnen Ihre
Unwissenheit zu und warte ab. Sie kommen nicht wirklich, um das Brot mit uns zu
brechen auf der Grundlage der Einheit des Leibes, wenn sie denken, dass sie
nicht eins mit uns sind, wenn sie kommen. Denn wenn wir wahrhaftig sind und
richtig stehen [und sie dann nicht eins sind mit uns, Anm. d. Red.], sind sie nicht
eins mit dem Leib Christi, und das ist das einzige Prinzip des Zusammenkommens,
das ich überhaupt kenne. Ich wiederhole, im gegenwärtigen Zustand der Kirche
müssen wir Geduld haben, denn ihre Gedanken sind geformt worden in der
Kirchen-Mitgliedschaft. Aber ich sollte nicht meine eigene Stellung verfälschen
und auch nicht das unterstützen, was die anderen darüber denken mögen. Wenn
die Person allen bekannt ist und bekannt ist, dass sie dort ist, um Brot zu
brechen, dann ist eine [offizielle, Anm. d. Red.] Bekanntgabe nicht nötig; es
ist ein Zeugnis von der Einheit des Leibes: Wenn es eine gelegentliche Sache
ist, ist die Person, die die Einführung vornimmt, verantwortlich.
Ich
erinnere mich an einen Fall, wo jemand, der in der Wahrheit wuchs, manchmal kam,
um in einer Sonntagschule zu helfen. Er kam von der anderen Seite Londons und
fragte die Brüder, ob er nicht, wenn er dort bei ihnen wäre, wohl Brot brechen
könnte – allein die Zeit erlaubte ihm nicht, zurückzugehen zu seinen
Baptisten–Zusammenkünften, und er genoss die Gemeinschaft der Heiligen. Die
Brüder erlaubten ihm das freudig; und, wenn meine Erinnerung richtig ist, wurde
er nicht wieder neu vorgeschlagen, wenn er danach noch einmal kam. Sehr bald
war er ganz unter den Brüdern, aber seine Gemeinschaft war so vollständig wie
zu der Zeit, als er noch nicht dabei war und wenn er dazu Anlass gegeben hätte,
wäre er unter Zucht gestellt worden, gerade so, als wenn er jeden Sonntag da
gewesen wäre.
Teilnahme ohne Versiegelung
Die andere Frage ist für mich schon heikler, weil es dabei um den Zustand
der Seele geht wie auch von der Kirche, wenn Dunkelheit sie bedeckt. Viele
Seelen rufen 'Abba, Vater' (das heißt, sie haben den Geist der Sohnschaft), aber,
obwohl sie Vertrauen auf Christus und nur auf Sein Werk haben, besitzen sie
keine Klarheit: Und da Zweifel in der Kirche gelehrt wird und ein klares, volles
Evangelium unbekannt ist und selbst abgewiesen wird durch die Lehrer, ist
dieser Zustand eine natürliche Konsequenz davon. Und es erfordert oft
Geistlichkeit zu entscheiden, wie der wahre Zustand Seele ist, ob er wirklich
noch unbefreit unter Gesetz steht oder ob er durch Belehrung gesetzlich geprägt
ist. Hartes, kaltes Wissen der Lehre ist nicht, was ich suche. Dann gibt
es die Gefahr, eine Seele zurückzuwerfen, gerade dann, wenn sie Ermunterung
braucht. Zweifel, die durch Zwiespalt kommen, wenn eine Seele wirklich 'Abba' sagen kann, sind nicht ein Grund, jemand zurückzuweisen, obwohl sie
zeigen, dass eine Seele nicht gut gegründet ist. Aber eine geübte Seele,
die noch nicht ruht auf dem Werk Christi, ist nicht in dem richtigen Zustand
für Gemeinschaft. So ist es mit jungen Bekehrten: Es ist weit besser
für sie zu warten, bis sie Frieden haben; nur man muss sorgfältig aufpassen,
dass man ihnen klarmacht, dass man sie nicht zurückweisen will, sondern dass
es zu ihrem eigenen Nutzen ist. Ich suche nicht ein Verständnis über die
Befreiung, sondern dass jemand wirklich fähig ist, 'Abba, Vater' zusagen. Das
Wissen über die Befreiung ist die Konsequenz der Versiegelung. Aber wenn jemand
nicht versiegelt ist, ist er nicht in der christlichen Stellung: "Wer Christi
Geist nicht hat, ist nicht sein". Frieden durch Vergebung ist, in Bezug
auf das Werk Christi, der Beweis des Glaubens an das Werk Christi, und dieses Werk
durch den Glauben aufzunehmen, ist die Grundlage der Versiegelung: Dann ist man
befreit. Aber das Wissen über diese Sache ist eine andere Geschichte. Als
Israel aus Ägypten heraus zu Gott gebracht war, waren sie befreit. Durch den
Jordan traten sie in das Land ein, wurden beschnitten und aßen das Korn des
Landes. Aber nur eine versiegelte Person allein ist in der wahren christlichen
Stellung und die ist gegründet auf die Besprengung mit dem Blut - das heißt
Glaube an das Werk Christi, durch welches wir die Erlösung haben,
nicht das Wissen um die Befreiung: Das ist die Auswirkung.
San Francisco, August 1875
J.N. Darby: Letters, Band 2, S. 349 (1875)
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