Kurzbiographie von William
Kelly
Kapitel 21
Es ist praktisch unmöglich, die Offenbarung Jesu am
See Tiberias von den beiden vorhergehenden Szenen zu trennen, denn sie ist die
Ergänzung dazu; dies zu sagen, berechtigt uns Vers 14 eindeutig. Es ist deshalb
ganz unrichtig, von dem Kapitel als einem Anhang zu sprechen, oder sogar
anzunehmen, daß es erst einige Zeit nach dem übrigen Evangelium geschrieben
worden sei: eine Folgerung, die hauptsächlich, wenn nicht sogar ganz, auf ein
Mißverständnis der beiden abschließenden Verse von Kap. 20 zurückzuführen ist,
wie schon herausgestellt worden ist.
Der Leser wird bemerken, daß die Verbindung
unmittelbar und deutlich mit den beiden vorhergehenden Offenbarungen des
auferstandenen Herrn besteht. Als erstes haben wir gesehen, wie Er (nachdem Er
Sich Selbst Maria Magdalene zu erkennen gab und sie mit der charakteristischen
Botschaft zu den Jüngern sandte) in ihrer Mitte stand, als sie versammelt
waren, ohne daß sie Ihn eintreten sahen, und zwar war dies am ersten oder
Auferstehungs-Tag der Woche, wo sie sich des Friedens freuten und Er sie mit
der Botschaft des Friedens in der Kraft des Geistes sandte, um Sünden in Seinem
Namen zu vergeben oder zu behalten. Als zweites haben wir Ihn acht Tage,
nachdem Er Seine Jünger getroffen hatte, wiederum gesehen, wo Thomas da war,
der das errettete Israel der letzten Zeit darstellt, das nur glaubt, wenn es
Ihn auferstanden sieht. Jetzt haben wir das wunderbare Bild des Tausendjährigen
Reiches, wenn Er von allen Meeren die Heiden sammelt, was der Zeit folgt, wo
die Juden als solche zu dem Herrn zurückkehren, so wie die ganze Weissagung es
uns zeigt. Die dritte Szene folgt in der richtigen Reihenfolge auf die zweite,
von der die Wahrheit, die damit gezeigt wird, als eine Folge abhängt, wie es
hiermit "nach diesem" ausgedrückt wird.
„Nach diesem offenbarte
Jesus sich wiederum den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber
also: Simon Petrus und Thomas, genannt Zwilling, und Nathanael, der von Kana in
Galiläa war, und die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern
waren zusammen. Simon Petrus spricht zu ihnen: Ich gehe hin fischen. Sie
sprechen zu ihm: Auch wir gehen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das
Schiff; und in jener Nacht fingen sie nichts. Als aber schon der frühe Morgen
anbrach, stand Jesus am Ufer; doch wußten die Jünger nicht, daß es Jesus sei.
Jesus spricht nun zu ihnen: Kindlein, habt ihr wohl etwas zu essen? Sie
antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werfet das Netz auf der rechten
Seite des Schiffes aus, und ihr werdet finden. Da warfen sie es aus und
vermochten es vor der Menge der Fische nicht mehr zu ziehen.“ (Verse 1-6)
Petrus schlägt mit seiner ihm eigenen Energie vor,
fischen zu gehen, und sechs andere begleiten ihn. Aber das Ergebnis ist nicht
besser als da, wo einige von denselben Jüngern mit demselben Petrus vor seiner
und ihrer Berufung versuchten zu fischen. Selbst in den Tagen des Reiches muß
die Macht offenbar von dem Herrn sein, nicht von den Menschen und auch nicht
von den Heiligen selbst; und Petrus mußte und sollte die Lektion lernen, wenn
auch die röm.-kath. Kirche das in falschem Stolz für Petrus ablehnt. Das Reich
ist noch nicht in Macht und Herrlichkeit offenbart, sondern insgeheim für
solche, die Ohren haben zu hören. Und wenn auch die Gnade ihre Wunder wirkt, so
brechen die Netze entzwei, und die Boote drohen zu sinken, sogar wo ihre
Genossen kommen, um ihnen beim Einholen der großen Fischmengen zu helfen. Hier
ist Jesus nicht an Bord, und sie fahren nicht auf die Weite des Sees hinaus,
sondern, als schon der frühe Morgen anbrach, stand Er am Ufer. Er war noch
unbekannt, und Er stellte ihnen eine Frage, die ihnen das Bekenntnis über ihren
Mißerfolg abverlangte. Dann kam das Wort: Werfet das Netz auf der rechten Seite
des Schiffes aus, und ihr werdet finden. Und so war es. Denn als sie es so
auswarfen, waren sie jetzt nicht in der Lage, das Netz vor der Menge der Fische
zu ziehen. Das ist ein Bild für den großen Fischzug aus den Nationen heraus,
und zwar während des Tausendjährigen Reiches, wenn die Rettung von ganz Israel
sich als unvergleichlich segensvoll für die Heiden erweisen wird. Wenn ihr
"Fall" durch göttliche Gnade so zum Guten gewandt worden ist, wieviel
mehr ist das dann der Fall bei ihrer "Fülle" (Röm 11,12), wofür
diese sieben Israeliten das Pfand sein mögen? Der einst verworfene, aber jetzt
auferstandene Christus soll das Haupt der Heiden sein, nicht nur der Kirche
jetzt droben, sondern später auch der Nationen auf Erden, und das bislang
ungläubige Israel wird anerkennen, daß Er ihr Herr und ihr Gott ist. Dann wird
der Jude singen: Gott wird uns segnen; und alle Enden der Erde werden Ihn
fürchten. Und wiederum: Es werden kommen die Großen aus Ägypten, Äthiopien wird
eilends seine Hände außtrecken zu Gott. Ihr Königreiche der Erde, singet Gott,
besinget den Herrn. Bei dem Gleichnis für jene Zeit brechen die Netze nicht
entzwei. Auch besteht kein Denken daran, die Fische in das Boot zu holen. Noch
weniger aber wird daran gedacht, die Guten in Gefäße zu sammeln und die faulen
Fische wegzuwerfen. Die Schwachheit des Menschen und der irdischen Verhältnisse
schwindet vor der gegenwärtigen Macht des Herrn, Der alles leitet.
Augustinus mag mit Recht als der Fähigste und am
meisten Erleuchtetste der frühen Schreiber über dieses Zeichen betrachtet
werden, das er mit dem vergleicht, das der Berufung des Simon Petrus und der
Söhne des Zebedäus vorausgeht. Er hatte recht, indem er den Fischzug, der der
Auferstehung folgte, von dem wunderbaren Fischzug vorher unterschied. Auch fügt
keiner von den anderen alten Schreibern etwas zu der Wahrheit seiner
Beobachtungen hinzu. Gregor der Große trübt vielmehr die Kraft unserer
Schriftstelle durch seine Anstrengung, aus der Rolle des Petrus viel zu machen,
um den päpstlichen Anmaßungen, die da gerade rasch anstiegen, zu helfen. Das
frühere Wunder betrachtet er als kennzeichnend für das Gute und Böse in der
Kirche, so wie sie jetzt ist; das letztere kennzeichnend nur für das Gute, das
sie in Ewigkeit haben soll, wenn die Auferstehung der Gerechten am Ende dieses
Zeitalters vollendet ist (Serm. ccxlviii-cclii etc.).
Es ist vielleicht schon genug gesagt worden, was
schon im voraus eine so irrige Interpretation des Zeichens vor uns verbessert.
Es besteht kein Denken an eine Fischzugsszene in der Auferstehung der Gerechten
oder Ungerechten. Es ist nicht wahr, wenn man die Juden oder Menschen für das
Versammeln in den auferstandenen Gerechten zu ihrer himmlischen und ewigen Ruhe
gebraucht. Die Väter sahen nichts von der zukünftigen Wiederaufrichtung des
Reiches Israels, auch nichts von dem allgemeinen Segen aller Völker als solcher
unter der Herrschaft des Herrn in dem zukünftigen Zeitalter. Die Modernen sind
im allgemeinen nicht weniger unwissend; denn wenn auch einige die
Wiederaufrichtung Israels in ihrem Land und die Erfüllung der so lange und so
reichlich im Alten Testament verheißenen Herrlichkeit sehen und anerkennen, so
vermischen sie doch irgendwie mit seltsamer Ungereimtheit alles in diese Zeit.
Sie begreifen nicht, daß dies die Merkmale von den zukünftigen Zeitalter sind,
vor dem ewigen Zustand, wenn es absolut keinen Unterschied mehr zwischen Jude
und Heide geben wird, so wie es jetzt schon für den Christen und die
Versammlung keinen mehr gibt.
Aber hier ist noch eine andere Quelle dieses tiefen,
langwährenden und weitverbreiteten Mißverständnisses. Menschen und sogar guten
Menschen gelingt es nicht, die wahre Natur der Versammlung zu sehen, wie sie
nicht an die besonderen Merkmale des Tausendjährigen Reiches auf der anderen
Seite glauben. Wieviel Irrtum würde vermieden werden, wenn sie den besonderen
Charakter und das beispiellose Vorrecht des Leibes Christi in der Gemeinschaft
mit seinem himmlischen Haupt seit der Erlosung, während Er zur Rechten Gottes
sitzt, erkennen würden! Wieviel mehr noch, wenn sie auf Seine Rückkehr mit Seiner
Braut, die dann schon vollendet und entrückt ist, um bei Ihm droben zu sein,
warten würden, wenn Er dann Seine Feinde zu Seinem Fußschemel legen wird und
Juda zu Seinem Pferd machen wird in dem Streit, der Jehova-Jesus als König über
die ganze Erde einführt - an jenem Tage sind Jehova und Sein Name eins. Es ist
ebenso unerhört, diesen ganzen deutlichen Segen für Israel und die Nationen auf
Erden unter der Herrschaft des Herrn mit der Versammlung, worin es weder Jude
noch Grieche gibt, zu vermischen, wie es unverzeihlich ist, beides am Ende der
Zeitalter oder in der Ewigkeit, die, wie sie annehmen, darauf folgt, zu
verschmelzen. Sie rücken das neue zukünftige Zeitalter beiseite, das durch die
Herrschaft des zweiten Menschen, des Herrn Jesus, durch die Abwesenheit des
Satans, durch die Erhöhung der verherrlichten Heiligen in Macht droben und
durch den Segen für alle Familien auf Erden hier unten charakterisiert wird.
Aber all dies steht unzerstörbar in der Schrift
geschrieben; und keine Anstrengungen des Unglaubens können eine Wahrheit
loswerden, die für den Stolz der Natur und des menschlichen Sinnes anstößig
sein mag und anstößig ist, während sie sich voller Hilfe und Wert für die
Christen erweisen will, die oft durch ihr eigenes falsches Lesen der Offenbarung
und ihre daraus folgenden falschen Auffassungen von dem, was in dieser
gegenwärtigen Zeit gesucht oder erwartet werden soll, verwirrt werden. Denn es
gibt keinen Irrtum, der nicht seine eigenen giftigen Früchte trägt; und der
Irrtum, um den es hier geht, beeinflußt, wenn er auch nicht grundsätzliche
Wahrheit angreift, sehr weitgehend das rechte Verständnis von Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft. So werden die hauptsächlichen charakteristischen
Unterschiede verschwommen gemacht und etwas nicht mehr zu unterscheidendes
Vages wird präsentiert; dagegen spendet das Wort Gottes das vollste Licht auf
die verschiedenen Zeitepochen und auf jenes Geheimnis in Bezug auf Christus und
die Versammlung, was dazwischen kommt und was alles überragt.
Die Liebe, die von Gott ist, macht das Auge
einfältig, und dadurch ist der ganze Leib voller Licht. Johannes erkannte
schnell den Herrn.
"Da sagt
jener Jünger, welchen Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr. Simon Petrus
nun, als er hörte, daß es der Herr sei, gürtete das Oberkleid um (denn er war
nackt) und warf sich in den See. Die anderen Jünger aber kamen in dem
Schifflein, (denn sie waren nicht weit vom Lande, sondern bei zweihundert
Ellen) und zogen das Netz mit den Fischen nach. Als sie nun ans Land ausstiegen, sehen sie ein Kohlenfeuer liegen
und Fisch darauf liegen und Brot. Jesus spricht zu ihnen: Bringet her von den
Fischen, die ihr jetzt gefangen habt. Da ging Simon Petrus hinauf und zog das
Netz voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig, auf das Land; und wiewohl ihrer
so viele waren, zerriß das Netz nicht. Jesus spricht zu ihnen: Kommt her,
frühstücket. Keiner aber von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? da
sie wußten, daß es der Herr sei. Jesus kommt und nimmt das Brot und gibt es
ihnen, und gleicherweise den Fisch. Dies ist schon das dritte Mal, daß Jesus
sich den Jüngern offenbarte, nachdem er aus den Toten auferweckt war."
(Verse 7-14)
Aber wenn Johannes der erste war, der erkannte, wer
es war, der zu ihnen redete, so ist Petrus mit seinem charakteristischen
Temperament der erste, der handelt, um in Seine Gegenwart zu kommen, jedoch
nicht nackt, sondern in geziemender Kleidung. Er hatte elendig und tief und
wiederholt versagt, aber nicht sein Glaube; denn sogar der Heiland hatte für
ihn gebeten, daß dieser Glaube nicht wanken solle. Verzweiflung wegen des
schwersten Unrechtes ist nicht mehr Glauben als die Gleichgültigkeit, die die
Stimme des Heilands nicht hört und niemals Seine Herrlichkeit oder Seine Gnade
erkennt und nie das Bewußtsein der eigenen Schuld hat. Er lernt hier aus
Erfahrung auf den Herrn zu vertrauen, nachdem er zu sehr auf seine eigene Liebe
zu seinem Meister vertraut hatte; und Christus muß für sein Herz, der er seine
Brüder stärken soll, alles werden.
Der Herr jedoch verachtet niemanden, und die anderen
Jünger folgen in dem kleinen Boot und ziehen das Netz, das voller Fische ist,
ans Land. Denn Er hatte ihnen nicht solch einen Fischzug gegeben, um ihn hinter
sich zurückzulassen. Die Gnade läßt uns anders werden, aber sie läßt uns
niemals uns unziemend betragen. Petrus begab sich in angemessener Art zu dem
Herrn; so taten auch die anderen es an ihrem Platz. Denn sie hatten wirklich
alle ein Herz und eine Absicht, dem Herrn zu gefallen.
So wird es sein, wenn des Meeres Fülle sich zu Zion
wenden wird. Was wird nicht die Wirkung davon sein, daß ganz Israel gerettet
wird? Denn wenn ihr Fall der Reichtum für die Welt ist und ihr Verlust der
Reichtum für die Heiden, wie viel mehr bringt dann ihre Fülle? Was wird ihre
Aufnahme anderes sein als Leben aus den Toten? Jehova wird den Schleier
wegziehen, der über allen Nationen liegt; Israel wird nicht nur das Instrument
göttlicher Rache über ihre Feinde sein, sondern auch das Mittel göttlicher
Gnade und göttlichen Segens für alle Familien auf Erden. Und der Überrest
Jakobs wird inmitten vieler Völker sein wie ein Tau von Jehova, wie
Regenschauer auf das Kraut, der nicht auf Menschen wartet und nicht auf
Menschenkinder harrt. Und der Überrest Jakobs wird unter den Nationen, inmitten
vieler Völker, sein wie ein Löwe unter den Tieren des Waldes, wie ein junger
Löwe unter den Schafherden, der, wenn er hindurchgeht, zertritt und zerreißt,
und niemand errettet.(Mich. 5,6-7)
Es ist herausgestellt worden und ist beachtenswert,
daß, als die Jünger ans Land ausstiegen, sie ein Kohlenfeuer liegen und Fisch
darauf liegen und Brot sahen. Der Herr hatte vor ihnen und ohne sie gearbeitet,
wenn Er ihnen auch Gemeinschaft mit den Früchten der Tätigkeit Seiner Gnade
geben wollte. Er wird einen heidnischen Überrest für sich selbst bereit gemacht
haben, bevor Er Sein Volk gebraucht, um den großen Fischzug der Heiden im
Tausendjährigen Reich zu tun. Die Gnade Gottes wird nach einer ganz anderen und
kräftigeren Art wirken, als die Menschen es denken; und während Er geruht. Sein
Volk zu gebrauchen, ist es gut für sie, zur gleichen Zeit zu lernen, daß Er von
ihnen unabhängig handeln kann und handeln tut. 0 Tiefe des Reichtums, sowohl
der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind Seine Gerichte
und unausspürbar Seine Wege! Wie hat sich beides in Israel und bei den Heiden
gezeigt!
Doch wollte der Herr, daß die Seinen in die
Gemeinschaft dessen eindrangen, was Er erwirkt hatte, und daß sie sich
gleichzeitig aber auch über ihre eigenem Arbeit freuen sollten. "Jesus
spricht zu ihnen: Bringet her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt. Da
ging Simon Petrus hinauf und zog das Netz voll großer Fische,
hundertdreiundfünfzig, auf das Land; und wiewohl ihrer so viele waren, zerriß
das Netz nicht. Jesus spricht zu ihnen: Kommet her, frühstücket".
Der Gegensatz zu allem, was das gegenwärtige Werk
Seiner Knechte charakterisiert, ist sehr deutlich. Das Gleichnis in Matth. 13
zeigt uns, daß selbst bis zum Ende des Zeitalters gute und faule Fische in dem
Netz bewahrt werden und daß es dann die besondere Aufgabe der Fischer ist, die
guten Fische in Gefäße zusammenzulesen und die faulen wegzuwerfen. Dagegen
erfüllen die Engel, wie wir wissen, bei der Erscheinung des Herrn, wenn das
Gericht kommt, die umgekehrte Arbeit der Trennung der Bösen von den Gerechten.
Der wunderbare Fischzug in Luk. 5, der den gegenwärtigen Dienst beschreibt,
zeigt uns, daß die Netze zerreißen und die Boote, in die die Fische geladen
wurden, zu sinken begannen. Nichts dergleichen erscheint hier, wo die Tage des
Reiches dargestellt werden, wenn der Herr mit den Seinen auf Erden ist. Da
werden viele große Fische genannt, aber keine faulen Fische. Es wird besonders
zum Ausdruck gebracht, daß das Netz nicht zerriß; es ist kein Gedanke daran,
daß das Boot sinkt, und das Netz wird gezogen, anstatt daß das Boot damit
gefüllt wird. So wird ein vollkommen anderer und zukünftiger Zustand der Dinge
beschrieben, nachdem dieses Zeitalter zuende ist und die Ewigkeit noch nicht
beginnt.
Der Herr wird dann sicherlich Seine Verbindung mit
Seinem Volk auf Erden erneuern: ich spreche nicht von dem Haus des Vaters
droben und von den himmlischen Beziehungen, sondern von denen, die mit einem
Segen auf Erden gesegnet werden sollen. Es ist ohne Frage ein schriftgemäßer
Ausblick, der so froh macht, daß gerade diese Erde von ihrer gegenwärtigen
Verderbtheit und ihrer Knechtschaft zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder
Gottes befreit werden soll. Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet
auf die Offenbarung der Söhne Gottes, wenn jetzt auch, wie wir wissen, die
ganze Schöpfung noch seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber das wird nicht
immer der Fall sein. Der Herr Selbst kommt, und der Tag Seiner Erscheinung wird
die Schöpfung befreit sehen, natürlich nicht so, wie wir, die wird die Erstlingsfrüchte des Geistes haben und jetzt
in die Freiheit der Gnade durch den Glauben befreit sind, sondern die Schöpfung
selbst wird auch durch Macht in die Freiheit der Herrlichkeit befreit werden.
Es wird das Reich Gottes sein, und es ist dann nicht mehr ein Geheimnis für den
Glauben, sondern es wird in Macht und in all seinem Ausmaß des Segens offenbar,
mit seinen irdischen und mit seinen himmlischen Dingen, wie der Herr es
Nikodemus mitteilte und wie wir in Eph. 1 und Kol. 1 in Verbindung mit der
Tatsache, daß Christus das Haupt ist, und mit Seiner Versöhnung lernen. Hier
gab der Herr an jenem Tag das Pfand für den zukünftigen großen Segen, wenn die
heidnische Welt an der allgemeinen Freude teilhaben wird und wenn Seine
Auferstehungsmacht und Gegenwart Seinem Volk geoffenbart werden wird. Keiner
außer Ihm konnte oder wollte so handeln wie Er. Seine Gnade ist unbeirrbar.
"Keiner aber von den Jüngern wagte ihn zu
fragen: Wer bist du? Da sie wußten, daß es der Herr sei. Jesus kommt und nimmt
das Brot und gibt es ihnen, und gleicherweise den Fisch. Dies ist schon das
dritte Mal, daß Jesus sich den Jüngern offenbarte, nachdem er aus den Toten
auferweckt war". Das ist der Tag, den die Weissagung vorhergesehen hat und
den die Heiligen alter Zeit erwartet haben, wenn sie Ihn alle erkennen werden
vom Geringsten bis zum Größten, und keiner mehr zu sagen braucht: Erkenne den
Herrn! "In jener Zeit wird man Jerusalem den Thron Jehovas nennen, und
alle Nationen werden sich zu ihr versammeln wegen des Namens Jehovas in
Jerusalem; und sie werden nicht mehr dem Starrsinn ihres bösen Herzens
nachwandeln. In Jenen Tagen wird das Haus Juda mit dem Hause Israel ziehen, und
sie werden miteinander aus dem Lande des Nordens in das Land kommen, welches
ich euren Vätern zum Erbteil gegeben habe" (Jer. 3, 17 u. 18).
Da wurde eine große Lücke für diese Welt und die
Herrlichkeit Gottes in ihr sein, eine Lücke, die durch nichts sonst gefüllt
werden konnte für den, der Gottes Handeln mit der Welt gut und ernsthaft
beobachtet, wenn es nicht eine Zeit göttlichen Segens für Israel und die
Nationen durch die Gnade und zum Lobe des auferstandenen Herrn Jesus geben
würde. Das überschneidet sich nicht im geringsten mit den Dingen, die tiefer
und höher als die Welt sind, wozu der Christ und die Versammlung berufen sind.
Im Gegenteil, wenn die Wirklichkeit und der wahre Charakter des Reiches bei der
Erscheinung Christi nicht gesehen werden, werden sie mit den richtigen
Hoffnungen der Versammlung vermischt, was für den bestimmten Segen der
Versammlung auf der einen Seite und Israels mit den Heiden auf der anderen
Seite verderblich ist.
Aber unser Evangelium offenbart ja in voller Weise
Gott in Christus auf Erden, und es zeichnet in diesen abschließenden Kapiteln
Seine Wege in dem auferstandenen Christus, zuerst für den Christen und die
Versammlung, als nächstes für Israel und als letztes für die Heiden. Aber
niemals wird die Gnade, die an der einzelnen Seele wirkt, aus den Augen
gelassen. So mußte Petrus ganz wiederzurechtgebracht und öffentlich
rehabilitiert werden: so wollte der Herr es haben. Er war schon in einem
Augenblick besonders einzeln genannt worden (Mark. 16,7), wo solch eine
Unterscheidung von größter Bedeutung war, sowohl für ihn selbst als auch für
seine Brüder, die natürlich den Mann, der so betrüblich und trotz der
ernstesten Warnung seinen Meister verleugnet hatte, mit tiefem Mißtrauen
betrachtet hatten. Und bevor die Elfe den Herrn in der Mitte stehen hatten, war
Er Simon erschienen (Luk. 24,34; 1. Kor. 15,5). Aber Er wollte das gnadenreiche
Werk tief im Herzen des Petrus weiterführen, und Er führt uns in die
Geheimnisse dieser wahrlich göttlichen Zucht ein.
"Als sie nun gefrühstückt
hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn Jonas', liebst du mich mehr
als diese? Er spricht zu ihm: Ja, Herr. du weißt, daß ich dich lieb habe.
Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmlein. Wiederum spricht er zum zweiten Male
zu ihm: Simon, Sohn Jonas', liebst du mich? Er spricht zu ihm: Ja, Herr du weißt,
daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Hüte meine Schafe. Er spricht zum
dritten Male zu ihm: Simon, Sohn Jonas', hast du mich lieb? Petrus wurde
traurig, daß er zum dritten Male zu ihm sagte: Hast du mich lieb? und sprach zu
ihm: Herr, du weißt alles; du erkennst, daß ich dich lieb habe. Jesus spricht
zu ihm: Weide meine Schafe" (Verse 15-17).
Der Herr greift die Sache bei der Wurzel an. Er
spricht nicht von der Verleugnung des Petrus Ihm gegenüber, sondern dringt zu
ihrer Ursache vor. Petrus fiel aus Selbstvertrauen, wenigstens aus dem
Vertrauen auf seine eigene Liebe zu seinem Meister. Er dachte, daß er da gehen
konnte, wo andere nicht sicher gehen konnte, und daß er zu dem Bekenntnis
Seines Namens angesichts von Gefängnis und Tod stehen würde. Er kennen alle
selbst das Ergebnis nur zu gut. Der Größte der Zwölf verleugnete den Herrn zu
wiederholten Malen, und schwor sogar trotz der kürzlichen und ernsten Warnung.
Aber die Wiederherstellung ist nicht vollständig,
wenn wir auch die Frucht ganz voll anerkennen. Um durch und durch segnen zu
konnten, wollte der Herr, daß wir, wie Petrus hier, den verborgenen Ursprung
erkennen. Das hatte Er bis jetzt nicht erreicht: der Herr macht ihn seinem
Knecht bekannt. Da ist keine Eile; Er wartet, bis sie ihr Mahl eingenommen
hatten, und dann sagt Er zu Simon Petrus: "Simon, Sohn Jonas', liebst du
mich mehr als diese?" Er ruft ihn mit seinem natürlichen Namen; denn Er
wußte wohl, worin das Geheimnis bestand, daß der Feind bei Petrus eine Handhabe
hatte; und Er wollte in der Seele des Apostels ein echtes Gefühl dafür wecken.
Durch die Meinung von seiner eigenen größeren Liebe hatte er nicht bloß auf
sich selbst vertraut im Verhältnis zu anderen, sondern er war auch den Worten
des Herrn gegenüber nachlässig gewesen. Hätte er sich Seine Worte im Gebet zu
Herzen genommen, so wäre er nicht gefallen, als er versucht wurde, sondern er
hätte der Versuchung standgehalten und sie überwunden. Aber es war nicht so. Er
war sicher, daß er den Herrn mehr liebte als die übrigen; und wenn sie in solch
einer Prüfung nicht stehen konnten, so wollte er es zeigen; und dieses
Vertrauen auf seine eigene überragende Liebe zu Christus war genau der Grund
seines Falles, sowie die Befragung der um ihn Herumstehenden die Gelegenheit
für den Fall bot. Und jetzt liegt die Wurzel vor Petrus durch die Führung des
Herrn offen da, wo Petrus schon über die Frucht geweint hatte.
Aber zuerst erkennt Petrus nicht das Ziel des Herrn.
Er vermeidet unweise Vergleiche mit anderen; er appelliert einfach an das
innere Bewußtsein des Herrn: "Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb
habe". Der Herr ist weit davon entfernt, dieses Bekenntnis von großer
Liebe abzulehnen, und Er beweist Seine eigene Wertschätzung dieses
Bekenntnisses und Sein Vertrauen in Petrus. Denn Er, der große Hirte, Der im
Begriff ist, die Welt zu verlassen, vertraut Seinem Knecht das an, was
unaussprechlich kostbar in Seinen Augen ist und was am allermeisten Seiner
Fürsorge bedurfte: "Weide meine Lämmlein". So prüft Er unsere Liebe,
indem Er dem Schwächsten der Heiligen mit Seiner Liebe antwortet. "Jeder,
der den liebt, welcher geboren hat. liebt auch den, der aus ihm geboren
ist". Wir lieben, weil Er uns zuerst geliebt hat; aber es ist nicht so, daß wir Ihn allein lieben, sondern
die, die Sein sind, nicht die, die uns natürlicherweise lieben, sondern die,
die Er göttlich liebt. "Wer da sagt: Ich kenne ihn. und hält seine Gebote
nicht, ist ein Lügner, und in diesem ist die Wahrheit nicht"; und
"wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und haßt seinen Bruder, so ist er ein
Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, wie kann der
Gott lieben, den er nicht gesehen hat? Und dieses Gebot haben wir von ihm, daß,
wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebe".
Fühlte nicht Petrus tief innerlich und in steigendem
Maße, wie das liebevolle Vertrauen des Herrn so auf ihm ruhte, noch viel mehr
als bevor er fiel? Die Verwaltung des Reiches der Himmel, die Schlüssel (nicht
der Kirche oder des Himmels) des Reiches waren Petrus verheißen worden und erfüllten
sich zur entsprechenden Zeit. Hier ist es etwas Zarteres und Innerlicheres,
wenn auch kein Grund besteht, die Herde, die ihm hier anvertraut wird, über die
Menschen der Beschneidung hinaus auszudehnen (s.Gal.21). Erinnerte er sich
nicht an Jes. 40,11 im Zusammenhang mit dem gelobten Messias in Seinem Werk,
wie Er jene Herde wie ein Hirte weidet, wie Er die Lämmer in Seinen Arm nimmt
und in Seinem Busen trägt und wie Er die Säugenden sanft leitet?
Der Herr fängt noch einmal an, aber Er läßt jeden
Bezug auf andere fallen. "Simon, Sohn Jonas' liebst du mich? Er spricht zu
ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Hüte meine
Schafe". Es ist eine schmerzliche Lehre, daß sogar solch ein reifer
Gelehrter wie Grotius sich einer so unwürdigen Meinung verschreibt, daß diese
bemerkenswerten Unterschiede im Ausdruck keine wichtigen Unterschiede in der
Wahrheit darstellten. Aber Petrus, wenn er auch nicht mehr herabsetzend von
anderen denkt, kann doch seine Gewißheit nicht augeben, daß der Herr im Inneren
von seiner wirklichen Liebe zu Ihm überzeugt sei. Und der Herr trägt ihm jetzt
auf, Seine Schafe zu hüten, so wie vorher Seine Lämmer. So sagt es Petrus zu
einem späteren Zeitpunkt eindringlich zu den Ältesten unter den jüdischen Christen,
die er anredete, Menschen aus der Zerstreuung in Pontus und in anderen Gebieten
von Kleinasien: "Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist, indem ihr die
Aufsicht nicht aus Zwang führet, sondern freiwillig, auch nicht um schändlichen
Gewinn, sondern bereitwillig, nicht als die da herrschen über ihre Besitztümer,
sondern indem ihr Vorbilder der Herde seid" (1. Petr. 5.2 u. 3).
In den Worten des Herrn und in den Worten des
Apostels können wir zu unserem eigenen Gewinn feststellen, wie sorgfältig gesagt
wird, daß die Lämmer und die Schafe Christus gehören, und nicht den Altesten
oder sogar dem Apostel. Die Herde ist Gottes Herde. Der, der Christen als seine
Versammlung betrachtet, ist derselben Vergeßlichkeit göttlicher Gnade und
göttlicher Autorität schuldig wie die Gemeinde, die den Geistlichen als ihren
Diener betrachtet anstatt den Diener Christi. Wenn welche denken, daß dies
kleine Unterschiede seien, so ist es klar, daß sie kein rechtes Verständnis von
einem Unterschied haben, der so tief in der Wahrheit ist, wie er auch voller
höchst wichtiger Konsequenzen für Gut und Böse in der Praxis ist. Nur dies gibt
moralische Erhöhung, da nur dies allein aus dem Glauben kommt; dies allein
befreit von dem Ich und gibt denen, die dienen, genau wie auch denen, denen
gedient wird, die echte Beziehung und den echten Charakter zueinander und sogar
Christus.
Aber der Herr spricht noch einmal zu ihm. "Er
spricht zum dritten Male zu ihm: Simon, Sohn Jonas', hast du mich lieb?"
Hier erreichte der Schnitt den Grund. Nicht ein Wort des Tadels oder des
Vorwurfs; aber der Herr fragt ihn zum dritten Mal, und zum ersten Mal greift Er
den Ausdruck von Petrus von der besonderen Liebe auf. Erschien nicht seine
dreifache Verleugnung in dem Licht des dreifachen Appelles und vor allem in dem
Licht jenes Wortes, das so eine große Liebe ausdruckt ? "Petrus wurde
traurig, daß er zum dritten Male zu ihm sagte: Hast du mich lieb? und sprach zu
ihm: Herr, du weißt alles; du erkennst, daß ich dich lieb habe. Jesus spricht
zu ihm: Weide meine Schafe" oder, wenn man die Lesart der
Alexandrinischen, der vatikanischen und der Pariser Fassung etc. bevorzugt,
"Weide meine Lämmer", eine Verkleinerung von Zartheit und Liebe
getragen. Das Werk der Wiederzurechtbringung war jetzt voll geschehen.
Petrus läßt jeden Gedanken an das Ich fallen und kann
nur in der Gnade Zuflucht finden. Nur
Er, Der von Sich aus alles ohne eine Anstrengung erkennt, nur Er konnte dem
Herzen des Petrus trotz seines Mundes und aller Erscheinungen Glauben schenken;
doch wußte nicht Er, daß Sein armer
leugnender Diener Ihn so lieb hatte? Die Antwort des Herrn, mit der Er
ihm aufs neue das anvertraute, was Ihm auf Erden am liebsten war, die Gabe der
Liebe des Vaters an Ihn, besiegelt die Wiederzurechtbringung des Petrus, nicht
nur in der Seele, sondern auch in seinem Verhältnis zu den Schafen Seiner
Weide. Weide sie, sagte der Herr. Sie
zu hüten oder sie als Hirte zu beaufsichtigen, wird nicht vergessen; aber die
positive Pflege, so wie bei den Lämmern am Anfang, bleibt bis zum Ende, die
bleibende Aufgabe des Hirten, das gewöhnliche Bedürfnis der Schafe; aber das
erfordert anhaltende und tiefe Liebe, daß man nicht vielleicht schimpft oder
herrscht, sondern weidet, und zwar nicht an letzter Stelle die Geringsten von
allen Schafen Christi. Nur die Liebe Christi kann das bewirken.
Aber dies ist nicht alles. Es ist dem Herrn nicht
genug, die Seele des Petrus ganz wiederzurechtzubringen und ihm noch mehr zu
geben, als ihn in seiner Beziehung zu den Schafen wieder einzusetzen, die sonst
hätte bloßgestellt erscheinen mögen. Die Gnade wollte ihm zu Gottes
entsprechender Zeit das geben, was er nicht nur verloren hatte, sondern auch zu
seiner eigenen Schande und zur Unehre seines Meisters umgedreht hatte, das
Bekenntnis Seines Namens bis zum Gefängnis und zum Tod.
"Wahrlich, wahrlich, ich sage
dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wohin du
wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände außtrecken, und
ein anderer wird dich gürten und hinbringen, wohin du nicht willst. Dies aber
sagte er, andeutend, mit welchem Tode er Gott verherrlichen sollte. Und als er
dies gesagt hattet spricht er zu ihm: Folge mir nach" (Verse 18 -19).
Hierbei sind Handlungen und Worte verschleiert und
doch kennzeichnend, so wie bei dem, was vorausgeht, und bei dem, was folgt. Es
war die Absicht, eine wichtige und interessante Wahrheit zu zeigen, aber nur
für solche, die alles durchdachten und über die richtige Bedeutung der Worte
und Handlungen des Herrn nicht hinausgingen. Petrus stand damals in der Blüte
seiner natürlichen Kraft. In seiner Jugend (und er war noch weit davon
entfernt, ein alter Mann zu sein) war er zu energischem Handeln bereit, und er
neigte dazu, seine Freiheit mit allzu viel Selbstvertrauen zu gebrauchen. Er
hatte es gerade gewagt, dorthin zu gehen, wohin er wollte, nämlich in das Haus
des Hohenpriesters; und soweit es seine beherzten Worte verhießen, konnte man
gedacht haben, daß er seine Lenden gürtete wie ein Mann, um größte, tapfere
Heldentaten zu tun oder um einen großen Kampf von Anfeindungen für seinen
verratenen und getroffenen Meister zu tun. Das Ergebnis kennen wir alle nur zu
gut; und Petrus war mehr und mehr dahin geführt worden, das zu sehen und zu
erkennen, bis er jetzt bis zu der Wurzel vorgestoßen war und das Ganze vor Gott
richtig beurteilte. Und jetzt läßt ihn auch der Herr wissen, daß die Gnade ihm
zurückgeben wollte, was ihm für ewig verloren schien, die Gemeinschaft der
Leiden Christi und die Gemeinsamkeit mit Seinem Tod, und zwar weit mehr in der
Tat, als Petrus es in seiner eigenen selbstvertrauenden Liebe und Kraft, bevor
er elendig zusammengebrochen war, angenommen hatte.
Wir sehen, wie die Gnade jeden Grund zum Rühmen
ausschließt, während sie für Ehre sorgt, die über das hinausgeht, was wir in
unseren eigenen fleischlichen Wünschen jemals geahnt haben. Ist das nicht
Gottes würdig und ist es nicht für die Heiligen passend? Als Petrus seinen
eigenen Worten entsprechend losmarschierte, kam nichts Gutes dabei heraus; er als
ein so begnadeter Diener verleugnete den Heiligen und Gerechten, seinen eigenen
gnädigen Meister. Es war die tiefste Erniedrigung, und doch war er ein wahrer
Heiliger und ein liebender Jünger. Aber so war es, weil er sich auf eigene
Veranlassung hin in die Versuchung begeben hatte, anstatt sie Gottes Willen
entsprechend zu erdulden, wenn er von ihr versucht wurde. So war sein Fall
unvermeidlich; denn keiner kann der Versuchung widerstehen außer im Glauben und
im Selbstgericht. Ein Gläubiger zu sein und den Herrn glühend zu lieben, wird
nicht im geringsten unter solchen Umständen bewahren, so seltsam dies auch
vielen klingen mag, die wenig daran denken, wie oft und wie tief sie den Herrn
praktisch in großen und in kleinen Dingen, mit denen Sein Name verbunden ist,
verleugnen. Wir müssen uns schämen, worauf auch immer wir stolz sind; und wie
viel besser ist sogar dieser Gewinn, als daß Er uns in uneingeschränkter
Selbstgefälligkeit weiter gehen läßt?
Aber der Herr verheißt Petrus, daß, wenn er alt sein
würde, er seine Hände außtrecken sollte und daß ein anderer ihn gürten und ihn
hinbringen würde, wohin er nicht wollte. So würde Petrus, wenn es ihm nicht
länger möglich war, sich seiner eigenen Kraft oder seines eigenen Mutes zu
rühmen, als ein hilfloser alter Mann sich des einzigartigen Vorrechtes von Gott
erfreuen, nicht nur des Todes um Christi willen, was er in jüngeren Tagen auf
sich zu nehmen versucht hatte und wobei er schmählich gescheitert war, sondern
des Vorrechtes, genau jenen Tod zu erdulden, den der Herr mit seinem langen
Todeskampf und seiner Schmach erlitten hatte. Denn der Herr, wie ausdrücklich
betont wird, sagte dies, andeutend, (nicht daß Petrus überhaupt für Ihn sterben
sollte, sondern) mit welchem Tode er Gott verherrlichen sollte; und nachdem Er
dies gesagt hatte, sprach Er zu ihm: Folge mir nach!
Die Andeutung war kaum mißverständlich. Wenn in jenen
Tagen solch eine Exekution für die geringsten Sklaven und schuldigsten
Verbrecher gemeinhin verbreitet war, so verstand jeder die Bedeutung des
"Erhöhtwerdens" oder des die Arme Außtreckens durch die Kraft eines
anderen. Wiederum machte die Handlung, daß Er Petrus berief, Ihm zu folgen, so
wie Er einige Schritte am Ufer wandelte, die ernste Absicht, die darin lag,
deutlich. Doch sogar da und so beweist die Tatsache, daß ein anderer ihn dahin
bringen sollte, wohin er nicht wollte, wie wenig vom Ich in dem Tod des Petrus
am Kreuz sein sollte, im Gegensatz zu denen, die in späteren Zeiten den Tod
eines Märtyrers suchten, um diese Krone zu gewinnen. Nein! Das Ende des Petrus
auf Erden sollte Leiden und Sterben für Christus sein. Der ihm die Gnade geben
wollte, zum entsprechenden Augenblick auszuhalten. Nicht Heroismus oder Askese
ist das Merkmal des Christen, sondern
Gehorsam.
Die Lektion von dieser überragenden Gnade bleibt für
uns bestehen, die wir denselben Heiland lieben und die wir eine Natur haben,
die nicht besser ist als die des Jüngers. Haben wir das gelernt? Kann man es
sicher und klar lernen, außer wenn man Christus nachfolgt? "Wenn mir
jemand dient, so folge er mir nach; und wo ich bin, da wird auch mein Diener
sein. Wenn mir jemand diente so wird der Vater ihn ehren". Petrus sollte,
als er berufen war, dem Meister nachfolgen; und so tat er es. Möge dieselbe
Gnade uns stärken und leiten auf demselben Pfad zum Leben oder Tod! Christus zu
folgen, so wie Er uns beruft, ist unser bester Dienst.
Der feurige Geist des Petrus, den die ernste
Mitteilung des Herrn dazu anregte, ergreift die Gelegenheit, um wegen eines
Menschen zu fragen, der so eng mit ihm verbunden war wie der geliebte Jünger.
Es ist schwer, bei dieser Frage die Eifersucht des Aktiven für das Besinnliche
zu entdecken, von der früher und mittelalterliche Schreiber so viel sagen. Aber
der Herr gibt ihm die Berichtigung, die er nötig hat.
"Petrus wandte sich um und
sieht den Jünger nachfolgen, welchen Jesus liebte, der sich auch bei dem
Abendessen an seine Brust gelehnt und gesagt hatte: Herr, wer ist es, der dich
überliefert? Als nun Petrus diesen sah, spricht er zu Jesu: Herr, was soll aber
dieser? Jesus spricht zu ihm! Wenn ich will. daß er bleibe. bis ich komme, was
geht es dich an? Folge du mir nach. Es ging nun dieses Wort unter die Jünger
aus: jener Jünger stirbt nicht. Und Jesus sprach nicht zu ihm; daß er nicht sterbe,
sondern: wenn ich will. daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich
an?" (Verse 20 - 23).
Es war wirklich liebevolles Interesse hinsichtlich
eines Menschen, der noch enger mit ihm verbunden war als sein eigener Bruder
Andreas, und zwar durch das Band einer gemeinsamen Liebe zu Jesus und von
Jesus. Dies machte Petrus neugierig, über Johannes etwas zu erfahren, jetzt, wo
sein eigenes irdisches Schicksal gerade enthüllt worden war. Aber wenn der
gnädige Herr in Seiner eigenen sanften Art den neugierigen Geist Seines
Knechtes tadelte, so bot Er doch reichlich Stoff zum Nachdenken in dem Rätsel,
das Er Petrus vorsetzte. Man kann leicht erkennen, wie oberflächlich die
Meinung von Augustinus und vielen seither ist, daß der Herr nicht mehr gemeint
habe, als daß Johannes ein langes und sanftes Leben führen sollte im Gegensatz
zu Petrus, der im Alter ermordet werden sollte, so wie sein eigener Bruder
Jakobus schon in seiner Jugend. Es wurde ausdrücklich betont, daß Petrus dem
Herrn sogar in Seinem Tod folgen sollte, soweit dies möglich war. Nicht so
Johannes, der bleiben sollte nach dem Willen des Herrn, bis Er kam. "Wenn
ich will, daß er bleibe" etc.
Es ist nicht nötig zu sagen, daß ein offensichtliches
und beabsichtigtes Geheimnis in der Art liegt, wie das ausgesprochen wird; und
einige haben angenommen, daß hier auf die Zerstörung Jerusalems und das Bericht
über das jüdische Volk angespielt wird; denn es steckt gewiß mehr hinter solch
einem Gedanken als ein bloßer friedlicher Tod im vorgerückten Alter. Denn der
Tod ist im wahren Sinne nicht das Kommen des Herrn, sondern vielmehr das
Umgekehrte, unser Gehen zu Ihm. Wir wissen in jedem Fall, daß es Johannes
gegeben war, den Sohn des Menschen als Richter der Versammlungen zu sehen und
nicht nur Visionen von Gottes Handeln mit der Welt, seien es Juden oder Heiden,
entsprechend Seiner Vorsehung, zu habe] sondern auch Visionen von der
Wiederkunft des Herrn im Gericht über die gotteslästerlichen Mächte der Erde
und des Menschen der Sünde, um das lange verkündigte Reich Gottes und die
Zeiten der Wiederzurechtbringung aller Dinge aufzurichten mit der noch größeren
Herrlichkeit im neuen Jerusalem.
Aus den Worten des Herrn heraus, die sehr rasch
verkehrt gedeutet wurden, scheint die Synagoge ihre Fabel von dem wandernden
Juden entnommen zu haben, und die Christenheit ihren "Prester" (?)
Johannes, um die Herzen, die die Wahrheit verloren hatten, entweder dahin zu
führen, Christus zu verwerfen, oder alles in Aberglauben zu kehren.
Aber dies wird uns von Vers 23 mit großer praktischer
Bedeutung klar gemacht, nämlich, wie gefährlich es ist, auf Tradition zu
vertrauen, sogar auf die früheste, und wie gesegnet es ist, den unbeirrbaren
Standort des geschriebenen Wortes Gottes einzunehmen. Die Gerüchte, die unter
den Brüdern in den apostolischen Zeiten umhergingen, sind eine ganz natürliche,
wenn nicht sogar notwendige Folgerung aus den Worten den Herrn dem Anschein
nach. Aber wir tun nicht gut daran, eine Feststellung aus verstandesmäßigen
Schlußfolgerungen vorbehaltlos anzunehmen, und noch weniger in ein System
hineingezogen zu werden, das sich auf solchen Ableitungen aufbaut. Wir haben
das Wort des Herrn, und der Glaube beugt sich dem Wort zu seiner Freude und
Ruhe und zur Ehre Gottes. Der Irrtum schmuggelt leicht die erste Entfernung von
dem, was Er sagt, ein, wie der Apostel uns hier lehrt, nämlich daß der Herr
nicht gesagt hatte, daß jener Jünger nicht sterben sollte, sondern: "wenn
ich will, daß er bleibe, bis ich komme". Doch diejenigen, die diesem
kleinen Fehler Einlaß gaben, waren nicht Feinde, waren keine schrecklichen
Wölfe oder Menschen, die die Dinge verdrehten, um die Jünger von der Wahrheit
abzuziehen. "Unter den Brüdern" verbreitete sich die Tradition, die
unbegründet und irreführend ist. Wunder oder Gaben oder Kräfte oder die Einheit
waren kein Hindernis. Der Fehler entstand aus dem Überlegen, anstatt sich an
das Wort des Herrn zu klammern. Die Brüder gaben aus Mangel an Unterwerfung
gegenüber Gott und an Mißtrauen gegenüber sich selbst den Worten eine Bedeutung,
anstatt ihre wahre Bedeutung aus den Worten einfach zu entnehmen. Kein Wunder,
daß ein anderer großer Apostel uns Gott und dem Wort Seiner Gnade anbefiehlt;
denn wenn wir vollen Nutzen aus Seinem Wort in einfacher Abhängigkeit von Ihm
ziehen, können wir nicht Ihn gebührend ehren, wenn wir gleichzeitig Sein Wort
nachlässig behandeln. Und obwohl der Heilige Geist uns so bewahrt und segnet,
ist sogar Er in keiner Weise der Maßstab der Wahrheit (während Er in jeder
Weise die Macht ist), sondern Christus, so wie Er in dem geschriebenen Wort
offenbart wird.
An allerletzter Stelle kommt das persönliche Siegel
oder die Bezeugung des Schreibers.
"Dieser ist der Jünger, der von
diesen Dingen zeugt und der dieses geschrieben hat; und wir wissen, daß sein
Zeugnis wahr ist. Es sind aber auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat,
und wenn diese alle einzeln niedergeschrieben würden, so würde, dünkt mich,
selbst die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen" (Verse 24 u. 25).
Es war Johannes und kein anderer. Jeder
inspirierte Schreiber bewahrt nichtsdestoweniger seinen eigenen Stil und seine
eigene Art, und zwar keiner mehr unmißverständlich als der, der das vierte Evangelium
schrieb. Doch das,
was geschrieben wurde, ist
nur ein Beispiel,
in göttlicher Weisheit
ausgewählt und mit einem
besonderen Plan zur
Abrundung des großen
Umfanges und der Absicht
göttlicher Offenbarung. Wenn
alles, was Jesus tat,
geschrieben worden wäre,
so nimmt der
Gott verehrende Evangelist
an, daß die
Welt selbst zu
klein für die benötigten Bücher sein würde.
Es
mag beachtet werden,
wie auffallend das
Ende des Evangeliums dem Anfang entspricht
oder wenigstens dem
letzteren Teil der Kapitel
1 und 2. Denn obwohl
der Gegenstand die Person
des Sohnes als
auf Erden offenbart
und dann den Heiligen Geist bei Seiner
Rückkehr zu dem
Vater herabsendend ist, wobei
dieses Evangelium vor
allen anderen die
ewige Wahrheit und das
höchste Vorrecht offenbart, so wird doch sorgfältig, bevor und nachdem
dies historisch geschieht, darauf geachtet, zu zeigen,
daß die alles
fügenden Wege in keiner
Weise vernachlässigt werden.
Der letztere Teil
von Kap. 20 und
der Anfang von
Kap. 21 und
das Gegenstück zu der
frühen Notiz. Wir
dürfen hinzufügen, daß
die Briefe des Johannes
natürlich der tieferen
Aufgabe gewidmet sind, das
ewige Leben und
die Gemeinschaft zu
zeigen, die dasselbe mit dem Vater und
dem Sohn gibt,
wovon das Wort
durch die Apostel die
Offenbarung und der
Heilige Geist die
Kraft ist. Das Buch
der Offenbarung ist
auf der anderen
Seite die volle und
endgültige Enthüllung der
Wege Gottes nach
der Vorsehung; aber es
offenbart auch das,
was über diesem allem steht, und ihre
Verbindung mit Himmel
und Ewigkeit, die uns
dort vollständiger und
lebendiger vor Augen
geführt wird als irgendwo
sonst in dem
Zeugnis Gottes.
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