|
Leitverse: Johannes 1
Joh 1,1: Im
Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Das Wort, die Äußerung der Gottheit, hat
ewiges Sein, hat eigene Persönlichkeit und ureigne Gottheit, nicht bloß
qeio,thj
= "Göttlichkeit" (Röm 1,20)
sondern qeo,thj = "Gottheit" (Kol 2,9). Wir sehen
Einen, der war, bevor die Zeit begann. Es ist nicht einmal der Anfang der
Schöpfung, sondern vorher, als das Wort bei Gott war, bevor alle Dinge durch
Ihn gemacht wurden. Wir können bis vor den Beginn der Schöpfung
zurückblicken: Das Wort evge,neto = "wurde" nicht, wie etwas, was angefangen hat zu existieren, sondern das Wort
Wort h=n = "war"
das schöpferische Wort, ja, der Schöpfer.
Weiter: Er "war bei Gott" - nicht bei dem Vater; denn die
Schrift spricht niemals von solcher Wechselbeziehung. "Das Wort war bei Gott". Vater, Sohn und Heiliger Geist waren da; aber das Wort war bei
Gott, "und das Wort war Gott". Er war kein Geschöpf, sondern dem
Wesen nach göttlich, obwohl nicht nur Er allein göttlich war. Es gab noch
andere Personen in der Gottheit.
Joh 1,2: Dieses war im Anfang bei
Gott.
Nicht zu einem späteren Zeitpunkt, sondern
"im Anfang", als noch kein Geschöpf angefangen hatte zu existieren, war das
Wort bei Gott.
Für diese Wahrheit sind wir Gott außerordentlich dankbar. Wer außer Gott konnte
von solchen Dingen sprechen? Er ist es, der Johannes gebraucht, um es
niederzuschreiben, und alles,
was Er sagt, ist es wert, bedingungslos geglaubt zu werden. Das Wort "war
im Anfang bei Gott". Seine Persönlichkeit war ewig, genauso wie Seine Natur oder
Seine Existenz. Er war nicht eine bloße Emanation [1], eine "Ausströmung".
Diese Vorstellung hatten zu Beginn die Indo-Arianer. Demgemäß war Gott nicht wirklich erhaben und
uneingeschränkt und frei, sondern Einschränkungen und Zwang unterworfen. Dies
ist mit Seiner Souveränität jedoch unvereinbar und führt letztendlich zu jenem Pantheismus, der das Universum zu Gott macht und dadurch den einen
wahren Gott verleugnet. Nach dieser Vorstellung wäre Er bloß Tad (Das), eine abstrakte Kraft,
die dennoch nicht unabhängig und in sich selbst genügsam ist, sondern sich
nach anderen sehnt, um in ihnen auszuströmen - Brahma, Vishnu und Shiva, den Schöpfer,
den Erhalter und den Zerstörer. In dem sich später entwickelnden Hindusystem
war die Gottheit folgerichtig schöpferisch zurückzuführen auf Ausströmungen
und das Universum selbst war pantheistisch eher eine Ausströmung als eine durch
göttlichen Willen, Macht und Plan entworfene Schöpfung. Alles ist im Fluss und ist Täuschung.
Welch einen Kontrast bildet diese
Dreiheit zu der Dreieinigkeit Vater, Sohn und Heiliger Geist, die ein Gott
sind! Und die Avataras [2] dieser Dreiheit, sogar
das von Krishna - die Legende entstand erst spät
- wie weit entfernt sind diese von der Fleischwerdung! Durch diese sind Gott und Mensch für ewig
in einer Person vereint und zwar in Ihm, der durch Seinen Tod der Versöhner der ganzen
Schöpfung ist, sowohl der himmlischen als auch der irdischen, und der Versöhner
derer, die durch Gnade mit Ihm über alles herrschen sollen, zur Verherrlichung
Gottes des Vaters.
Dann wird uns hier im Anschluss mitgeteilt, dass ...
Joh 1,3: ... alles durch dasselbe
ward; und ohne dasselbe ward auch nicht eines, das geworden ist.
Das Wort wurde nicht geschaffen, sondern
schuf Selbst alles *. Das Wort ist der Schöpfer von allem, was ein abgeleitetes
Sein hat. Er hat alles geschaffen. Kein Geschöpf hat ein Leben empfangen, das
nicht von Ihm kommt. Das Wort war der Urheber. Wenn Er nicht Gott
gewesen wäre, wäre das für Ihn etwas Unmögliches gewesen. Wäre Er nicht
"im Anfang bei Gott" gewesen, hätte es nicht in irgendeiner
besonderen Weise Ihm zugeschrieben werden können, Ihm, dem Ewigen Wort. Aber
die Schöpfung wird hier als Sein Werk bestätigt, nicht nur in positiver Art
und Weise, sondern ohne Ausnahme für jedes Geschöpf. So wird uns in Kolosser 1,16-17 gesagt,
dass "durch ihn ... alle Dinge geschaffen worden [sind], die in den Himmeln und
die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder
Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alle Dinge sind durch ihn und
für ihn geschaffen. Und er ist vor allen, und alle Dinge bestehen durch
ihn". Welch neuerliche und
unwiderlegbaren Beweise der Gottheit!
* Ich halte die Bemerkung,
dass das Böse selbst (und nicht nur die Materie) ohne Weiteres durch das Wort geschaffen wurde, nicht nur für
unpassend, sondern auch für verwerflich. Das ist falsche Philosophie; es ist Hegelianismus
[3], selbst bei solchen, die Hegel ablehnen. Das Böse hat nichts mit der Schöpfung
zu tun, denn es steht in innerem Widerspruch zu ihr und ist mit ihr unvereinbar. Es geht jetzt nicht um das Böse im Sinne
körperlicher Bestrafung, denn diese wird vorrangig von Gott gesandt. Aber
moralisch Böses in irgendeinem Geschöpf ist ein Widerspruch zu der Beziehung, in
die Gott dieses Geschöpf hineingestellt hat. Es ist deshalb weder in Gott noch von
Gott, da es ein Versagen ist hinsichtlich dessen, was früher als die
Frucht des Wohlgefallens Gottes existierte, der es dennoch in Anbetracht von Herrschaft und Erlösung duldet. So verließen die Engel ihren ersten Zustand.
Satan stand (oder steht) nicht in der Wahrheit, und Adam fiel aus seiner
ursprünglichen Unschuld heraus. Dies ist in keiner Weise eine Begrenzung der
göttlichen Macht; sondern ganz im Gegenteil: der Irrtum, gegen den
ich hier ankämpfe, beschränkt Seine Güte oder Seine Wahrheit. Es ist unmöglich,
dass es in oder von Gott das Gegenteil dessen gibt, was Er ist, und Er ist gut, Er allein; in der Schöpfung kann das leicht so sein, und es ist
dort so, wo die Schöpfung nicht von Gott erhalten oder durch Seine Gnade erlöst
wird.
Jede dieser Schriftstellen gibt uns klare Anweisungen der höchsten Art. Sogar
1. Mose 1 beginnt erst mit Johannes 1,3, wenn es auch in den beiden ersten Versen
auf Zustände in der Schöpfung weist, die unbestimmt weit vor Adam
liegen. Aber über die Einzelheiten, die zur
rechten Zeit folgten, gibt uns keine Schriftstelle solch vollständige Information. Was vor der Schöpfung lag, wird im
1. Buch Mose ganz ausgelassen. Johannes 1,1-2 zeigt uns die Ewigkeit vor der
Schöpfung und die Schöpfung selbst (V. 3) in der deutlichsten Weise.
Aber da ist viel mehr als die Kraft eines ewigen Wesens. Denn wir kommen jetzt
zu etwas Höherem und Persönlicherem; nicht zu dem, was durch Ihn ins Dasein gerufen
wurde, sondern zu dem, was in Ihm war. "Dieser ist der wahrhaftige Gott
und das ewige Leben" (1. Joh 5,20). "In ihm war Leben" *. Das
einzige Leben, das hier Beachtung findet, ist jenes, - weil es ewig ist - das fähig
ist, Gott zu kennen, sich an Ihm zu erfreuen, Ihm zu dienen und Ihn anzubeten
und dabei passend ist für Seine Gegenwart ist und passend, um ewig bei Ihm zu sein.
Gläubige haben Leben; aber Leben in dem Sohn, nicht in sich selbst, sondern in
Ihm. Hier jedoch wird das Leben nicht über seinen Ursprung in Ihm hinausgehend
betrachtet. Im weiteren Verlauf dieses Evangeliums werden wir dann noch hören,
wie dieses Leben anderen mitgeteilt wird. Der Geist ist
mit dem Wesen Seiner Person beschäftigt. Nur Er fügt an dieser Stelle die
höchst interessante Feststellung an: "und das Leben war das Licht der
Menschen" (V. 4).
* Die Anordnung der Verse 3 und 4, die Lachmann, Tregelles und Westcott
und Hort ["Notes on Select Reading." p. 73f.] vorziehen (teilweise weil die Interpunktion in einigen ganz alten
Fassungen fehlt und teilweise well einige Kopien, Fassungen und Väter es
ausdrücklich so setzen), lautet o] ge,gonen evn auvtw/| zwh. h=n..
(Nach ACpmDGpml, Vulg. Syrcu Sahid). Aber ebenso wie Tischendorf und zehn
andere [unter ihnen Weiss und Blass] entscheide
ich mich uneingeschränkt für ein Semikolon oder sogar einen Punkt nach ge,gonen
und beginne einen neuen Satz bei evn auvtw/| zwh. h=n . Es wird mit Absicht unterschieden zwischen dem, was durch das
Wort geschaffen oder ins Dasein gerufen wurde, und dem Leben in Ihm; und diese Unterscheidung geht verloren, wenn
der neue Satz bei o] ge,gonen beginnt.
Ist es nicht eine falsche Lehre, in dieser Weise das Leben in dem Wort zu
verringern? Weiterhin ist es grammatisch gesehen nicht die Art von Johannes, ge,gonen evn
auvtw '
für "durch Ihn
gemacht" zu gebrauchen. Wiederum muss dann dieses Leben, das das lebende
Universum bedeuten würde (in sich selbst ein seltsamer, unschriftgemäßer und
sinnloser Satz), das Licht der Menschen sein, im Gegensatz zu der
ausdrücklichen Lehre unmittelbar danach, dass ausschließlich das Wort das Licht
war. Auf der anderen Seite ist der Satz, wie er gewöhnlich gesehen wird, in
vollster Harmonie mit dem Stil des Evangelisten, wie er anderswo auftaucht. Das
hat Dean Alford gezeigt.
Joh 1,4: Und das Leben war das
Licht der Menschen.
Nicht Engel, sondern Menschen waren das Ziel.
Er sagt nicht: Leben, sondern: Licht der Menschen. Das Leben war nur für jene da,
die an Seinen Namen glauben; das Licht aber geht weit darüber hinaus. Das, was
offenbar macht, ist Licht. So finden wir in Sprüche 8 die schöne Einführung der
Weisheit, die der HERR am Anfang Seines
Weges und vor Seinen Werken von alters besaß, und die Seine Wonne war, genauso
wie auch die Wonne der Weisheit bei den Menschenkindern war.
Aber der Mensch war in der Tat in einem gefallenen Zustand und
von Gott getrennt; und so wird hier angekündigt, dass eine schlimmere Finsternis
herrschte als die Finsternis, die über der Tiefe herrschte, bevor das Werk der
sechs Tage begann.
Joh 1,5: Und das Licht scheint in der
Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Weder ist die Finsternis die Mutter aller Dinge, wie die Heiden sagten,
noch der böse Dämon, der niemals aufhörende Gegenspieler des guten Herrn des
Lichtes. Eigentlich ist der moralische Zustand des gefallenen Menschen eine Verwerfung des Lichtes;
er unterscheidet sich völlig von
der physikalischen Wirklichkeit, insofern als er selbst vom Licht nicht
beeinflusst
wird. Nur die Gnade kann, wie wir nach und nach sehen werden, wirksam mit dieser
Schwierigkeit fertig werden.
Hier mag beachtet werden, dass Johannes durchaus nicht über das Leben spricht, sondern über das Leben in dem Wort, von dem versichert wird,
dass es das Licht der Menschen ist. Es lässt andere Dinge außer Acht, die
Sache geht nicht über den Menschen hinaus. So wird in Kolosser 1 gesagt,
dass Christus das Bild des unsichtbaren Gottes ist, der hier nur im
Menschen und für die Menschen vollkommen geoffenbart worden ist. Er ist das Licht der
Menschen, und es gibt kein anderes; denn wenn der Mensch das hat, was die
Schrift Licht nennt, hat er es nur in dem Wort, das das Leben ist. Fraglos ist Gott Licht und in Ihm ist gar keine Finsternis; aber Er wohnt in einem
unzugänglichen Licht, und kein Mensch hat Ihn gesehen oder kann Ihn sehen. So ist
es nicht mit dem Wort, von dem wir lesen. "Das Licht scheint in der
Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.'' Beachte die auffallende
Präzision der Sätze. Es scheint in der Finsternis - das ist seine Natur;
"es scheint", nicht "es schien"; dagegen wechselt die abstrakte Form in die
historische über, wenn uns gesagt wird, dass die Finsternis es nicht erfasst hat.
So haben wir die Darlegung des Geistes über das Wort gehabt, erst in Bezug
auf Gott, dann in Bezug auf die Schöpfung und letzten Endes in Bezug auf die
Menschen mit einem ernsten Urteil über ihren moralischen Zustand hinsichtlich
des Lichtes und nicht bloß des Lebens.
Wir werden als Nächstes mit Johannes bekannt gemacht, der von Gott gesandt
wurde, um von dem Licht zu zeugen.
Joh 1,6-8: Da war ein Mensch von Gott
gesandt, sein Name Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, auf dass er zeugte von dem
Lichte, damit alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern auf dass
er zeugte von dem Lichte.
Gott, der die Liebe ist, war in Seiner Güte
am Werk, um die Aufmerksamkeit auf das Licht zu lenken; denn die Not des
Menschen war groß. Deshalb wurde ein Mensch von Ihm gesandt - sein Name
Johannes. Wie uns anderswo gesagt wird, war er die brennende und leuchtende
Lampe (o` lu,cnoj);
aber
das Wort war das Licht (to. fw/j), dessentwegen
er kam, um
von Ihm Zeugnis abzulegen. Denn sein Auftrag wird hier nicht im Zusammenhang
mit dem Gesetz oder irgendeiner gesetzlichen Absicht gesehen, sondern im
Zusammenhang mit dem Licht (und deshalb geht sein Radius weit über Israel
hinaus), auf dass er zeugte von dem Lichte, damit alle durch ihn glauben
könnten. Es geht um persönlichen Glauben an den Heiland, nicht nur um die
moralische Ermahnung der Menge, der Zöllner und Soldaten und irgendwelcher
anderen Leute wie im Lukasevangelium. Jede Schriftstelle ist vollkommen und
perfekt dem göttlichen Zweck angepasst, um Jesus zu verherrlichen.
Das Licht ist hier der Gegenstand von Gottes gnädiger Absicht. Johannes ist nur ein
Instrument und ein Zeuge; er war nicht das Licht, sondern sollte von
dem Licht zeugen.
Joh 1,9: Das war das wahrhaftige Licht,
welches, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet.
Dass das Licht jeden Menschen erleuchtet, schließt
Philonismus [4] und Platonismus [5] aus ,
wie wir es vorher bei dem Ewigen und dem Manichäismus [6] gesehen haben.
Das Gesetz
wirkte an denen, die unter dem Gesetz waren, d.h. an Israel; das Licht wirft
bei Seinem Kommen in die Welt - ein
Grundthema in der Lehre unseres Apostels (1. Joh 1,1-4; 2,8.14 etc.) - Seinen Schein auf jeden
Menschen .
"In die Welt kommen "oder" einer, der in die Welt
kommt" wird von den Rabbinern als Begriff für die menschliche Geburt gebraucht; aber
gerade deshalb wäre es die reinste Tautologie, wenn man es dann im Zusammenhang
mit pa,nta
a;nqrwpon
[nqr. = "jeder Mensch"]
sieht.* Der Relativsatz wird näher bestimmt, und es heißt,
dass das wahre Licht jeden Menschen nach seiner Inkarnation beleuchtet, d.h.
dass es Sein Licht auf ihn
wirft.
* Es scheint nicht zwingend
nötig, h\n
mit evrco,menon
gleichbedeutend mit der Vergangenheitsform "kam" zu setzen, selbst wenn ein unabhängiger Satzteil wie wie o] fwti,zei pa,nta a;nqrwpon folgerichtig zwischen das Verb und das Partizip eingefügt werden
könnte. Dieses wird,
soweit ich weiß, nirgendwo gemacht, wobei Markus 2,18 in keiner Weise
ein gleichartiger Fall ist (diese Stelle zieht Lücke heran, und Alford billigt
es). Aber wenn es so wäre, wo ist dann die Schicklichkeit dafür, uns in diesem
wunderbaren Prolog - in dem dem jeder kurze Satzteil, ja, jedes Wort, von der
größten Wahrheit erfüllt ist - zu sagen, dass das wahre Licht, das jeden Menschen
erleuchtet, im Begriff war, in die Welt zu kommen (nicht: Sich zu offenbaren,
was etwas ganz anderes ist)? Auf der anderen Seite scheint der Aufbau, wie ihn
die A.V. [7] gibt, wenn er auch durch alte westliche und östliche Übersetzungen und
selbst durch griechische Väter verbürgt wird, nicht wirklich zulässig zu sein.
Er würde den Artikel bei bei evrco,menon
erfordern. Das Partizip bedeutet
nicht "das kommt", sondern "beim Kommen", was keinen
richtigen Zusammenhang in Verbindung mit a;nqrwpon haben
könnte. Denn wie seltsam ist die sich dann daraus
ergebende Lehre, dass jeder Mensch beim Kommen in die Welt der Finsternis das
Licht Christi hat oder empfängt! Mit o] lehrt es eine bedeutsame Wahrheit und dies erstickt die
Quäker-Vorstellungen und empfiehlt sie nicht. Denn es ist das Wort in
Seiner eigenen Natur und nicht ein inneres Licht, das das Licht auf jeden
Menschen wirft. Er allein, der hierher kommt, ist das wahre Licht für den
Menschen und lässt Seinen Schein auf alle fallen, auf die Hohen und die
Niedrigen, auf Juden und Griechen. Es ist wie das Licht der Sonne für die ganze
Menschheit - aber geistlich gesehen.
Das Ergebnis in sich selbst bedeutet jedoch
Verdammung aufgrund des Widerstandes der Natur -
denn uns wird gesagt:
Joh 1,10-13: Er war in der Welt, und die
Welt ward durch ihn und die Welt kannte ihn nicht. Er kam in das Seinige, und
die Seinigen nahmen ihn nicht an; so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das
Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, welche
nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des
Mannes (avndro.j), sondern aus Gott geboren sind.
Welch unendliches und liebendes Herabneigen, dass Er, das Ewige Wort, das wahre Licht, in der Welt war - in der Welt, die ihr
Dasein von Ihm hatte! Wie ungeheuer ist ihre Unwissenheit, dass die Welt Ihn nicht
kannte, Ihren Schöpfer! Aber Er hatte einen Platz auf Erden, den Er gerne als
Seinen eigenen (ta. i;dia) Platz
betrachtete: dorthin kam Er; und (oi` i;dioi) Sein eigenes Volk (es heißt nicht: es kannte Ihn nicht, sondern) nahm
Ihn nicht auf! Es war Verwerfung und nicht Unwissenheit.
Dies machte die Bahn für die Offenbarung von etwas Neuem frei. Menschen wurden
aus dieser verfallenen Welt heraus zu einer neuen und unvergleichlich engeren
Gemeinschaft mit Gott abgesondert. Und diesen - soweit sie Christus aufnahmen
(denn hier steht nichts von "jeder Mensch") - gab Er das Recht, den
Platz der Kinder Gottes einzunehmen, denen, die an Seinen Namen glauben. Auch
ist dies nicht eine bloße äußerliche Ehrenstellung, zu der Souveränität
verhilft, gleichsam um durch Adoption Familienname, Würde und Größe zu bewahren. Es
ist eine wirkliche Verbindung von Leben und Natur, ein lebendiges Geburtsband.
Sie waren te,kna
qeou, Gottes Kinder.
Nicht dass sie besser gewesen waren als andere. Sie waren einst fern gewesen und
dem Geist nach Feinde aufgrund ihrer bösen Werke. Sie glaubten an den Namen
Christi; sie waren von Gott geboren. Es war ein Werk göttlicher Gnade durch
Glauben. Sie nahmen das Wort auf und wurden dadurch von Gott geboren. Es war ein
Werk göttlicher Gnade durch Glauben. Hier
hatte keine natürliche Abstammung von irgendeiner Seite, keine eigene
Anstrengung und kein Einfluss eines anderen, so würdevoll dieser auch war, einen
Platz.
Johannes beschreibt nirgendwo Gläubige als ui`oi., sondern als
te,kna, denn sein Ziel ist das Leben in Christus und
weniger die Ratschlüsse Gottes durch die Erlösung. Paulus wiederum nennt uns (wie in Röm 8) sowohl
ui`oi. und
te,kna qeou, denn er stellt
sowohl den erhabenen Platz heraus, der uns im Gegensatz zur Knechtschaft
unter dem Gesetz gegeben ist, als auch die Innigkeit unserer Verbindung als
Kinder Gottes. Andererseits ist es beachtenswert, dass Jesus niemals te,knon (obwohl Er als Messias pai/j oder Knecht
genannt wird), sondern ui`o,j genannt wird.
Er ist der Sohn, der eingeborene Sohn in dem Schoße des
Vaters, aber nicht der te,knon,
als wenn Er wie wir von Gott geboren wäre. So ist es der Name allernächster,
aber immerhin abgeleiteter Verwandtschaft. Dies wird voll durch die unmittelbar
folgende Feststellung des Johannes bestätigt: "... welche ... aus Gott
geboren sind". So wird es ausnahmslos gesehen werden, trotz der A.V. [7], die fälschlicherweise im 1. Brief des Johannes, Kapitel 3,
te,kna durch
"Söhne" wiedergibt. Sie glauben an
Seinen Namen nach der Offenbarung dessen, was das Wort ist. Jeder Ursprung aus
der Schöpfung ist ausgeschlossen, und jede frühere Verbindung ist beendet und
abgetan; eine neue Rasse wird eingeführt. Sie waren natürlich Menschen und
hören in der Tat nicht auf, Menschen zu sein; aber sie sind geistlich von neuem
geboren, im wahrsten Sinne aus Gott geboren, sie sind Teilhaber der göttlichen
Natur (2Pet 1) in diesem Sinn, da sie ihr neues Leben von Gott ableiten.
Leben ist, wie wir überall in den Schriften von Johannes und Paulus feststellen
können, von der einfachen Existenz gänzlich verschieden. Leben ist der Besitz
jener göttlichen Natur des Daseins, das in dem Sohn niemals einen Anfang hatte, denn Er
war das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns geoffenbart worden ist. Er
ist unser Leben; wir leben, weil Er lebt. Es ist wahr in Ihm und wahr in uns:
in Ihm ursprünglich - in uns abgeleitet durch die Gnade; und doch ist es für
keinen Moment unabhängig von Ihm, sondern es ist in Ihm. Doch wir haben das
Leben jetzt; es wird nirgendwo gelehrt, dass wir aus Gott geboren werden sollen,
sondern nur, dass wir als Gläubige aus Gott geboren sind. "Eingeboren"
jetzt anzuwenden, um es von "geboren" zu unterscheiden, ist falsch und
absurd und kann nirgendwo durch die Schrift erhärtet werden.
Wir wenden uns jetzt von der Offenbarung des Wortes in Seiner
eigentlichen Natur zu
Seiner Offenbarung als Mensch hier unten. Die Inkarnation wird vor unsere Augen
gestellt, die volle Offenbarung Gottes an den Menschen und im Menschen.
Joh 1,14: Und das Wort ward Fleisch und
wohnte unter uns. Und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut. eine
Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Hier handelt es sich nicht um das, was das
Wort war, sondern was Es wurde. Es war Gott; Es wurde Fleisch und wohnte unter
uns, voller Gnade und Wahrheit.
Es war keine vorübergehende, vergängliche Vision wie auf dem heiligen Berg, so erhaben sie auch
sein mag. Seinen Zeugen wurde gnädig eine Betrachtung Seiner Herrlichkeit gewährt - es
war nicht die Herrlichkeit eines irdischen Eroberers, ja, nicht einmal eine
messianische Herrlichkeit, sondern die Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom (para. patro,j) Vater. Er trägt kein Schwert an Seinen Lenden, Er reitet nicht zum Sieg, es
geschehen keine schrecklichen Dinge in Gerechtigkeit; das Fleisch gewordene Wort
wohnte unter uns, voller Gnade und Wahrheit. So ist Er, der im und vor dem
Anfang war und so wurde Er bekannt. Er war ohne Zweifel der König, aber so
wird Er hier nicht skizziert. Er ist unendlich mehr als ein König, Er ist Gott
und doch Gott auf Erden - ein Mensch, der unter den Menschen wohnt, voller
Gnade und Wahrheit. So nur konnte Gott geoffenbart werden außer im Gericht,
das keine Hoffnung gelassen hatte, sondern am bitteren Ende nur Vernichtung in
unbeschränktem Maße gebracht hatte. Er war mit unendlich anderen Absichten
gekommen, wie dieser Abschnitt hier selbst zur rechten Zeit erklärt, wobei das
umfassende Böse des Menschen schon vollkommen gekannt und empfunden wurde. Er
wohnte unter uns voller Gnade und Wahrheit. Es war kein Besuch oder eine
Theophanie [= Gotteserscheinung], wie bei den entsprechenden Gelegenheiten im Alten Testament. So
offenbarte Er hier Gott, der Liebe ist. Aber Gnade ist mehr; Gnade ist Liebe
inmitten des Bösen, die sich darüber erhebt, die sich darunter begibt und die
das Böse mit Gutem überwindet.
Und so war Jesus, als Er auf der Erde weilte, voller Wahrheit; denn
sonst wäre Gnade keine Gnade mehr, sondern eine niederträchtige Nachahmung und sowohl
für Gott als auch für den Menschen verderblich. So war Jesus nicht, sondern Er
war voller Gnade und Wahrheit - und das auch in dieser Reihenfolge. Denn die
Gnade bringt die Wahrheit und macht Seelen fähig, die Wahrheit aufzunehmen und
sie zu ertragen, denn sie selbst werden als Sünder von ihr gebrandmarkt. Er -
und Er allein war voller Gnade und Wahrheit. Er kam, um das bekannt zu machen, um
Gott Selbst so bekannt zu machen. Denn so wie die Gnade die Tätigkeit göttlicher
Liebe inmitten des Bösen ist, so ist die Wahrheit die Offenbarung aller Dinge,
wie sie wirklich sind: von Gott Selbst und Seinen Wegen und Ratschlüssen herab
zu dem Menschen und jedem Denken und Fühlen, zu dem Wort und Werk des Menschen,
ja, zu jeder unsichtbaren Tätigkeit für Gut oder Böse durch alle Zeiten und alle
Ewigkelten. So wohnte Er unter uns, voller Gnade und Wahrheit.
Auch hat Gott es nicht versäumt, Zeugnis über Ihn laut werden zu lassen.
Joh 1,15: Johannes zeugt von ihm
und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: 'Der nach mir Kommende
ist mir vor, denn er war vor mir'.
Auffallenderweise wird Johannes in jedem der
großen Abschnitte dieses Kapitels mit seinem Zeugnis eingeführt. Vorher war es
die abstrakte Offenbarung des Lichtes. Hier ist es Seine gegenwärtige Gegenüberstellung
mit der Welt, auf die das Zeugnis sich bezieht. Und weil das eine historische
Angelegenheit ist, haben wir das überliefert, was Johannes ausruft und nicht
nur eine Beschreibung dessen wie vorher. Er sagt: "Dieser war es, von dem
ich sagte etc.". Das Kommen Jesu nach Johannes war keine Beeinträchtigung
Seiner Herrlichkeit, sondern das genaue Gegenteil. Unter den von Frauen Geborenen ist kein größerer Prophet als
Johannes der Täufer. Aber Jesus ist Gott. Wenn es
Ihm also gefiel, zeitlich nach Johannes zu kommen, hatte Er ihn doch an Ort und
Rang unvergleichlich übertroffen und war vor ihm. Ja, Er war wirklich vor ihm,
aber nur, weil Er göttlich ist.
Der letzte Vers (15) scheint ein Einschub zu sein, wenn auch
sehr lehrreich.
Aber die direkte Linie der Wahrheit verläuft so:
Joh 1,16: Voller Gnade und
Wahrheit ... denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um
Gnade.
Eine erstaunliche Wahrheit! Er ist die Gabe
und der Geber - voller Gnade und Wahrheit; und aus Seiner Fülle haben wir alle
empfangen. * Das ist das Teil des geringsten Gläubigen. Der Stärkste ist nur
der Stärkere, weil er Ihn besser ehrt. Denn es gibt außerhalb von Ihm keinen
Segen, und demnach gibt es auch keinen Mangel für die Seele, die Jesus besitzt.
Wenn die Heiligen zu Kolossä oder andere versuchen, etwas anderes zu dem Herrn
hinzuzutun zu versuchen, ist es ein wirklicher Verlust und kein Gewinn. Es wird nur etwas
hinzugefügt, was von Ihm weglenkt. Denn Christus ist alles (ta. pa,nta)
und in allen.
* Bevor unser Apostel starb, säte der Gnostizismus
[8] seinen verderblichen
Samen aus - ja, wahrscheinlich sogar schon vor dem Tod des Paulus. Zu Beginn
des zweiten Jahrhundert erfahren wir, dass Basileides das System so weit entwickelt hatte,
um Jesus von Christus zu trennen. Das Letztere war für ihn eine Emanation
[=Ausströmung] von
Gott, die sich bei Seiner Taufe mit Jesus vereinte und vor Seinem Tod am Kreuz
zu der Fülle in der Höhe zurückkehrte. So wurde sowohl die Inkarnation als auch
die Versöhnung abgelehnt. Aber sogar Christus ist in dieser ruchlosen Träumerei
nicht der wirkliche Gott, sondern bloß eine Ausströmung, die ausgesandt ist, um
den großen Gott bekannt zu machen und Satan Demiurg [9] [Jehova] zu entlarven, der die Welt mit all
ihren Übeln untrennbar hiermit zusammengebracht hatte. Man sieht leicht, wie
die Lehre der Apostel im Voraus diese unehrerbietige und zersetzende falsche
Lehre beiseite schiebt, indem die einfache Wahrheit von der Person Christi und
Seinem Werk festgestellt wird, wenn auch wohl zu der Zeit erst die Keime dieser
Lehre [des Gnostizismus] erkennbar waren.
Der Ausdruck "Gnade um Gnade" hat
viele Leute verwirrt, ohne viel Grund allerdings; denn ein ähnlicher Ausdruck
taucht sogar bei weltlichen Autoren nicht selten auf, der jeden Fragenden
dahingehend beruhigen sollte, dass es einfach bedeutet: Gnade über Gnade, das
eine nach der anderen folgt ohne Einschränkung oder Versagen - ein Überfülle an Gnade und nicht eine bloße
nüchterne Kenntnisnahme von der Gnade in uns als
Antwort auf die Gnade in Ihm. Es wird weiter bemerkt werden, dass die
Schriftstelle von Gnade um Gnade spricht, nicht von Wahrheit um Wahrheit, denn
das letztere würde ganz unpassend sein; denn die Wahrheit ist etwas Einmaliges
und man kann nicht so von ihr sprechen. Derselbe Apostel schrieb an die
Kindlein, nicht weil sie die Wahrheit nicht kannten, sondern weil sie sie kennen und
dass keine Lüge aus der Wahrheit kommt. Die Salbung, die sie in der
Tat von Ihm anfingen, lehrt sie in allen Dingen und ist wahr und ist keine
Lüge. Aber so wie die Gnade die Wahrheit bringt, so wirkt die Wahrheit in der
Gnade. Wie segensvoll ist es, dass wir aus Seiner Fülle alle empfangen haben,
und zwar Gnade um Gnade!
Auf Sinai gab es etwas vollkommen anderes,
Joh 1,17: ... denn das Gesetz wurde
durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesum Christum
geworden.
Nicht, dass das Gesetz Sünde war. Dieser
Gedanke sei ferne. Das Gesetz ist heilig; und die Gebote sind heilig und
richtig und gut. Aber das Gesetz ist im Ganzen nicht in der Lage, den Menschen
zu erlösen oder Gott zu offenbaren. Weder kann es Leben geben, noch hat es
einen Gegenstand bekannt zu machen. Es fordert vom Menschen, was er im Hinblick auf Gott
und im Hinblick auf seine Mitmenschen schuldigermaßen tun müsste; aber die
Forderung ergeht umsonst an den Menschen, der ja schon ein Sünder war, bevor
das Gesetz gegeben wurde. Denn so sicher wie das Gesetz durch Mose gegeben
wurde, so sicher kam die Sünde durch Adam in
die Welt. Der Mensch fiel und war
verloren; keiner konnte ewiges Leben bringen außer dem Herrn Jesus Christus.
Ewiges Leben war dem Menschen nicht zugänglich ohne Seinen Tod als Sühne für die
Sünde. Hier sind wir jedoch noch nicht zu dem Werk Christi gekommen oder der Botschaft
der Gnade, die in die Welt ausgeht, welche darauf im Evangelium eine Grundlage
findet, sondern es geht um Seine Person in der Welt; und dieser wird
das Zeugnis ausgestellt: "Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum
geworden (evge,neto)". Dort und
dort allein war die göttliche Liebe dem Bösen des Menschen überlegen; dort
und dort allein wurde alles geoffenbart und befand sich in seiner richtigen
Beziehung zu Gott, denn das ist die Wahrheit. Jesus ist wirklich ein göttlicher
Heiland.
Aber da ist noch mehr als das. Gott Selbst musste bekannt
gemacht werden, nicht
nur die Fülle des Segens in Christus erscheinen. Auch mussten Seelen nicht
allein durch die Erlösung in den Stand des Segens gebracht werden. Doch der
Mensch als solcher ist nicht in der Lage, Gott zu erkennen. Wie soll dieses
Problem gelöst werden ?
Joh 1,18: Niemand hat Gott
jemals gesehen: Der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn
kundgemacht.
So allein kann Gott erkannt werden, wie Er
ist, denn Christus ist die Wahrheit, der Offenbarende und die Offenbarung
Gottes von allem, was mit Gott zusammenhängt. Niemals sagt die Schrift, wie die
Rationalisten und - bedauerlicherweise - wie die Theologen sagen, dass
Gott die Wahrheit ist. Sondern so: Gott ist der "Ich bin", der aus und
in Sich Selbst Bestehende; Er ist Licht, Er ist Liebe. Aber Christus ist
wirklich die Wahrheit, so wie der Geist die Macht hat und an den Menschen
wirkt. Und Christus hat Gott kundgemacht, als Einer, der als der Sohn in des
Vaters Schoß ist - nicht als Einer, der in des Vaters Schoß war,
als wenn Er ihn
verlassen hätte; so wie Er die Herrlichkeit verließ und jetzt wieder als Mensch
in die Herrlichkeit zurückgekehrt ist. Er verließ niemals den Schoß des Vaters.
Das ist Sein ständiger Platz und Seine besondere Art der Verbindung und
Gemeinschaft mit dem Vater. Deshalb haben wir durch den Heiligen Geist in Gnade
das Vorrecht, Gott zu erkennen, so wie der Sohn Ihn kundgemacht hat, der die
Liebe jener Gemeinschaft von Ewigkeit zu Ewigkeit in vollkommener und
unbegrenzter Weise genoss. O, in was für einen Kreis göttlicher Verbindung führt
Er uns hinein! Nicht das Licht der Menschen oder das wirkende oder Fleisch
werdende Wort, sondern der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß
ist, macht Ihn gemäß Seiner eigenen Zuständigkeit von Natur aus und der Fülle
Seines eigenen innigen Verhältnisses zum Vater bekannt. Sogar Johannes der
Täufer war von der Erde und redete von
der Erde, da er seinen Ursprung auf Erden hatte. Allein von Jesus als Einzigem unter den Menschen konnte gesagt werden, dass
Er aus dem Himmel kam und über allem war und dass Er das bezeugte, was Er
gesehen und gehört hatte, so wie der Heilige Geist es auch tut. Es war Seine
Aufgabe, Gott kundzumachen und zwar aufgrund Seiner eigenen Gemeinschaft mit
Ihm.
Wenn die vorangehenden Verse das göttliche Vorwort umfassen, so können die
folgenden Abschnitte als eine Art Einleitung angesehen werden. Der Täufer gibt
als Antwort auf die sich erkundigende Abordnung eine Erklärung ab, die in
erster Linie negativ ist, die aber ein Zeugnis für den Herrn Jesus ist. Als
einmalig würdiges Gefäß des Zeugnisses für den Messias, erfüllt mit dem Geist
von Mutterleibe an, wurde er, wie kaum ein anderer vorher, nur in der Aufgabe
gestärkt, dem HERRN den Weg zu bereiten.
Joh 1,19-28: Und dies ist das Zeugnis des
Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten sandten, damit sie
ihn fragen sollten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht, und er
bekannte: Ich bin nicht der Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du
Elias? Und er sagt: Ich
bin's nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein. Sie sprachen nun zu
ihm: Wer bist du? auf dass wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben; was
sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin die Stimme eines Rufenden in der
Wüste: Machet gerade den Weg des Herrn, wie Jesaja, der Prophet, gesagt hat.
Und sie waren abgesandt von den Pharisäern. Und sie fragten ihn und sprachen zu
ihm: Was taufst du denn. wenn du nicht der Christus bist, noch Elias, noch der
Prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser: mitten
unter euch steht, den ihr nicht kennet, der nach mir Kommende, dessen ich nicht
würdig bin, ihm den Riemen seiner Sandale zu lösen. Dies geschah zu Bethanien,
jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.
So sorgte Gott dafür, dass eine allgemeine Erwartung des Messias in den Herzen
Seines Volkes geweckt wurde und dass ihnen das vollste Zeugnis zuteil wurde. Und
es gab niemals einen wirklich unabhängigeren Zeugen als Johannes, der geboren
und aufgezogen wurde und lebte, alles im Hinblick auf den geeigneten
Augenblick, wo er den Messias bezeugen konnte.
Denn während die genauen Fragen
derer, die von den Juden zu Jerusalem gesandt wurden, zeigen, wie ihre Herzen
beunruhigt waren, wie sie sich des
wirklichen Charakters und Zieles jenes geheimnisvollen Israeliten - selbst
aus priesterlichem Geschlecht und deshalb, wie sie hätten wissen müssen, vom
Titel des Messias ausgeschlossen - vergewissern wollten, blieb
die Antwort nicht unklar. Johannes war nicht der Gesalbte. Das war das
Hauptanliegen ihrer Untersuchung; und unser Evangelium gibt sehr einfach und
vollständig seine Antwort wieder.
Es besteht eine gewisse Schwierigkeit bei der nächsten Antwort.
Denn als er
gefragt wird: 'Bist du Elia?', sagt er: 'Ich bin's nicht'. Wie vereint sich
dieses Ableugnen aus dem Mund des Johannes mit dem eigenen Zeugnis des Herrn,
das Er Seinem Diener in Matthäus 17,11-12 ausstellt? "Elia ist schon
gekommen, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern an ihm getan, was irgend sie
wollten. Also wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden. Da verstanden
die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen sprach". Und sie
hatten Recht. Der Schlüssel scheint in Matthäus 11,14 zu liegen: "Und wenn
ihr es annehmen wollt" ( sagt der Herr und verteidigte damit Johannes zu
einer Zeit, wo er, wenn überhaupt, in seinem Zeugnis zu schwanken schien; denn
wer außer Einem ist der treue Zeuge?) "er ist Elia, der kommen
soll". Solch ein Wort jedoch hatte Ohren nötig, die hörten. Wie bei dem
Herrn (Sohn des Menschen und ebenso Messias), sollte sein Zeugnis und sein
Schicksal mit einem Kommen in Schmach und Not und auch in Kraft und
Herrlichkeit verbunden sein. Die Juden dachten natürlicherweise nur an das Letztere. Aber um nicht nur Gott Genüge zu leisten, sondern auch den wahren
Bedürfnissen des Menschen, musste Jesus vorher leiden, bevor Er verherrlicht
wurde und bevor Er in Macht zurückkommt. So kam Elia im Glauben ("wenn ihr
es annehmen wollt") in dem Täufer, der sein Zeugnis in Niedrigkeit abgab und mit
Ergebnissen, die in den Augen der Menschen geringfügig und verschwindend klein
waren. Aber Elia wird auch in einer Art kommen, die zu der Wiederkehr
des Herrn passt, der kommt, um Israel zu befreien und die Welt unter Seiner
Herrschaft zu segnen. Für solche Juden, die nur auf das Äußere sahen, war er nicht
gekommen; auf den Täufer zu weisen, wäre Spott gewesen; denn wenn sie kein
Verständnis für Gottes Geheimnisse oder Seine Wege hatten, wenn sie in dem
erniedrigten Meister keine Schönheit erblickten - was konnte es dann nützen,
von dem Diener zu sprechen? Wenn die Jünger auch schwach sein mochten, sie
dringen dennoch in die Wahrheiten, die vor den Menschen verborgen sind, ein, und es
wird ihnen gegeben, hinter dem Äußeren den wahren
Charakter des Dieners und des Meisters für den Glauben zu sehen.
Nichtsdestoweniger nimmt Johannes der Täufer seinen Platz
ein als Zeuge für Jesus, für Seine
persönliche und göttliche Herrlichkeit und am Ende, wo er herausgefordert
wird, wendet er in jedem Evangelium auf sich das prophetische Wort an, das sich
auf ihn bezieht: "Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Machet
gerade den Weg des Herrn". Jesus war der HERR - Johannes war nicht mehr als
eine Stimme in der Wüste der Erde, ja, in der Wüste Israels, um Ihm den Weg zu
bereiten.
Sie fragen weiter, warum er denn tauft, wenn er weder der Messias, noch Elia
ist
(d.h. der unmittelbare Vorläufer des Reiches in Kraft und Herrlichkeit auf
Erden - Mal 4), noch der Prophet (d.h. entsprechend 5. Mose 18 - was jedoch
der Apostel Petrus in Apostelgeschichte 3 ebenso klar auf den Herrn Jesus bezieht,
wie es die Juden vom Messias getrennt zu haben scheinen). Dies gibt
Johannes die Gelegenheit, ein weiteres Zeugnis für die Herrlichkeit Christi
abzulegen; denn seine Antwort ist, dass er selbst mit Wasser tauft; aber da
steht, zwar noch unerkannt, Einer unter ihnen, der nach ihm kommt, dessen er
nicht würdig ist, Ihm den Riemen Seiner Sandale zu lösen.
Es ist offensichtlich, dass die Taufe des Johannes in den Herzen der Menschen
eine ernsthafte Rolle spielte, da sie ohne ein einziges Zeichen oder ein anderes
Wunder die Frage aufwarf, ob der Täufer der Christus war. Sie machte das Ende
des alten Zustandes und eine neue Stellung deutlich anstatt ein familiärer
Ritus zu sein, zu der die Anhänger der Tradition sie machen möchten. Auf der
anderen Seite macht die Schrift ebenso deutlich, dass sie ganz von der
christlichen Taufe verschieden ist: und zwar so sehr verschieden, dass Jünger,
die vorher mit der Taufe des Johannes getauft worden waren, auf Christus
getauft werden mussten, wenn sie die volle Wahrheit des Evangeliums aufgenommen
hatten (Apg 19). Die Reformatoren und andere sind seltsam dumm und beschränkt,
wenn sie diesen Unterschied ableugnen, der nicht nur wichtig,
sondern auch klar und eindeutig ist. Man denke an Calvin, der es einen
törichten Irrtum nennt, in den einige geführt worden seien, dass sie annehmen,
dass die Taufe des Johannes von unserer Taufe verschieden sei! Das Bekenntnis
eines kommenden Messias unterscheidet sich sehr von dem Seines Todes und Seiner
Auferstehung; und das ist die Wurzel von Unterschieden, die gewichtige Folgen
haben.
Von Vers 19 bis 28 erhebt sich Johannes der Täufer nicht über das, was jüdisch
war und jener Haushaltung entsprach. Der nächste Abschnitt stellt uns das Zeugnis vor Augen,
das er ablegte, als er Jesus herannahen sah. Und hier wird das Werk Christi in
dem ganzen Ausmaß der gnädigen Macht gesehen, die man in dem Evangelium
erwarten konnte, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Herrlichkeit Seiner
Person zu zeigen.
Joh 1,29: Des folgenden Tages
sieht er Jesum zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, welches die
Sünde der Welt wegnimmt!
Es gab kein Bild, das einem Juden vertrauter
war als das Bild des Lammes. Das war das tägliche Opfer Israels, am Morgen und
am Abend. Außerdem war das Passahlamm das Pfand für den grundsätzlichen Frieden
im Jahr; besonders da seine erste Einsetzung mit dem Auszug der Kinder Israels
aus dem Haus der Knechtschaft zusammenfiel. Wir können deshalb verstehen,
welche Gedanken und Gefühle die Herzen derer bestürmt haben müssen, die jetzt
auf einen Heiland warteten, als Jesus so von Seinem Vorläufer bezeugt wurde:
"Siehe, das Lamm (avmno.j) Gottes". Im Buch der Offenbarung wird Er häufig als das Lamm
geschaut, aber dort mit einem betont anderen Wort (to. avrni,on), als der heilige, auf Erden verworfene
Leidende im
Gegensatz zu den wütenden, wilden Untieren, den politischen und religiösen
Mitteln der Macht Satans in der Welt (Kap. 13). Hier scheint der Gedanke nicht
so sehr auf den Geschlachteten und Erhöhten als auf das Opfer gerichtet zu sein:
"Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt".
Johannes sagt nicht: "das wegnehmen
wird", und noch weniger: " das weggenommen hat"; auch scheint der Gedanke
überhaupt nicht haltbar, dass Er damals die Sünde hinwegnahm. Es ist, wie oft
bei Johannes und anderswo, die schwer verständliche Form der Sprache; und die Bedeutung
sollte in ihrem vollsten Ausmaß verstanden werden, ungeachtet der Zeit
ihrer Erfüllung. Da war die Person, und dies war Sein Werk. So blickt das
Zeugnis auf die Wirkungen des Todes Christi im Ganzen; aber diese sollten nicht
alle auf einmal erscheinen. Das erste Ergebnis sollte das Evangelium sein, die
Botschaft von der Vergebung der Sünden für jeden, der glaubt. Statt dass nur
die Sünde der Welt vor Gott ist, wird das Blut des Lammes vor Gott gestellt und
Gott konnte deshalb der Welt in Gnade und nicht in Gericht begegnen. Es war
nicht nur die Liebe gekommen in der Person Christi, wie sie sich während Seines
Lebens zeigte, sondern jetzt war auch das Blut vergossen, wodurch Gott den
Schlechtesten reinigen konnte; und das Evangelium ist Gottes Erklärung an jedes
Geschöpf, dass Er bereit sei, alle anzunehmen und alle vollkommen zu reinigen,
die Christus annehmen. In der Tat nehmen nur solche, die jetzt Sein sind - die
Versammlung - Ihn an; aber das Zeugnis wird der ganzen Schöpfung weitergegeben.
Wenn Christus in Seinem Reich wiederkommt, wird es ein weiteres Ergebnis geben;
denn die ganze Schöpfung wird dann von der Knechtschaft des Verderbens befreit,
und Israel wird am Ende den Messias schauen, den sie in blindem Unglauben
durchstochen haben. Das segensreiche Ergebnis des Opfers Christi wird dann weit
ausgedehnt sein, aber es wird noch nicht vollständig sein. Erst der neue Himmel
und die neue Erde (und dies übersteigt den begrenzten Bereich der jüdischen
Propheten, aber es ist die volle Bedeutung, die die christlichen Apostel den
Worten geben) werden die letzte Erfüllung schauen; und dann wird es wirklich
sichtbar sein, dass Jesus wirklich "das Lamm Gottes war, das die Sünde der Welt
hinwegnimmt". Denn dann - und nicht vorher - wird die Sünde absolut
verschwunden sein und mit ihr all ihre Folgen. Die Bösen sind gerichtet und für
immer in den Feuersee geworfen, ebenso wie Satan und seine Engel. Dann wird
Gerechtigkeit die Grundlage der Beziehung Gottes mit der Welt sein, nicht
Sündlosigkeit wie am Anfang, und auch nicht das Handeln in Christus im
Hinblick auf die Sünde wie hier und jetzt, sondern alles wird dann neu gemacht sein.
Man beachte jedoch, dass der Täufer nicht von den "Sünden" der
Welt spricht. Welch einem verhängnisvollen Irrtum verfallen die Menschen, wenn
sie es wagen, die Wahrheit Gottes nach menschlicher Art zu deuten! Nicht nur in
Predigten und Büchern findet man diesen weit verbreiteten und schweren Fehler.
Die feierlichen Liturgien der katholischen und evangelischen Kirche
gleichermaßen irren in
diesem Punkt. Sie verändern und verfälschen unbewusst das Wort
Gottes, wenn sie sich direkt auf diese Schriftstelle beziehen. In Bezug auf die
Gläubigen zeigen Paulus und Petrus beide, dass der Herr Selbst unsere Sünden am
Kreuz trug. Ohne dieses könnte kein Frieden für die Seele sichergestellt
werden und es gäbe auch keine gerechte Grundlage für die Anbetung Gottes
entsprechend der Wirksamkeit des Werkes Christi. Der Christ wird ermuntert,
durch das Blut Jesu Freimütigkeit zum Eintritt in das Heiligtum zu haben.
Das Blut hat
zur gleichen Zeit seine Sünden abgewaschen und ihn neu gemacht; aber
das gilt nur für den Gläubigen. Die Stellung und der Zustand des Ungläubigen
steht ganz im Gegensatz dazu. Das gilt für jeden natürlichen Menschen. Er ist
weit davon entfernt, er ist in Schuld, in Finsternis, im Tode. Die Sprache der
Liturgien vermischt all dies, was natürlich der Praktik ihrer Anbetung
entspricht; denn die Welt wird wie die Kirche behandelt und die Kirche wie die
Welt. Wenn Christus das Lamm wäre, das die Sünden der Welt wegnimmt, würden
alle Menschen erlöst vor Gott stehen und könnten deshalb mit Freimütigkeit
herannahen und anbeten; aber das ist nicht der Fall. Das Blut ist jetzt für die
Sünde der Welt vergossen, so dass der Evangelist fortfahren und das Evangelium
predigen kann und allen, die glauben, die Vergebung Gottes zusichern kann;
aber alle, die das ablehnen, müssen in ihren Sünden sterben und können nur umso
schrecklicher gerichtet werden, als sie die Botschaft von der Gnade abgelehnt
haben.
Aber Gott vergisst hier nie die persönliche Würde des Herrn Jesus. Deshalb fügt
Johannes der Täufer hinzu:
Joh 1,30-31: Dieser ist es, von dem ich
sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war vor
mir". * Und ich kannte ihn nicht; aber auf dass er Israel offenbar
werden möchte, deswegen bin ich gekommen, mit (evn eijn)
Wasser taufend.
Hier wird nicht auf Sein messianisches
Gericht Bezug genommen, wie in anderen Evangelien, die andererseits
nichts hinsichtlich eines solchen Zeugnisses wie dieses über Seine Herrlichkeit
berichten. Ohne Zweifel rief auch Johannes Seelen in Israel, im Hinblick auf
das nahe Reich Buße zu tun; aber hier ist die Offenbarung Jesu an Israel der
einzige Blickpunkt.
Es ist das umfassende Thema dieses Evangeliums überhaupt.
Die Tatsache, dass der Täufer Jesus vorher nicht kannte, machte sein Zeugnis
umso feierlicher und nachdrücklicher von Gott bestimmt; und welche innerste
Überzeugung auch immer er hatte, als der Herr zur Taufe kam, so hinderte das
nicht das äußere Zeichen oder das Zeugnis, das er von Seiner Person und Seinem
Werk ablegt, wie er es vorher getan hatte.
* Es ist interessant und lehrreich zu beobachten,
dass Johannes den
Pharisäern gegenüber (V. 27) hinsichtlich Christi Präexistenz in Ewigkeit
als Grundlage dafür, dass Er vor ihm bestand, wenn Er auch nach ihm geboren
wurde, schweigt. Vgl. Verse 15 u. 30.
Deshalb lesen wir:
Joh 1,32-34: Und Johannes zeugte und sprach: Ich schaute den Geist wie eine Taube aus dem Himmel
herniederfahren,
und er blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht: aber der mich gesandt hat, mit
Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst, den Geist
herniederfahren und auf ihm bleiben, dieser tat es, der mit Heiligem Geiste
tauft. Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist
Das war das passende Zeichen für den
Heiland. Raben mochten in Gottes Weisheit gebraucht worden sein, um den
ausgehungerten Propheten an einem anderen dunklen Tag zu speisen; aber so war
nicht das Erscheinen des Geistes, der vom Himmel herabkam, um auf Jesus zu
bleiben. Die Taube allein konnte die richtige Form sein, denn sie ist das
Symbol für die makellose Reinheit dessen, auf den Er kam. Doch kam Er auf Ihn
als Menschen, aber Jesus war ein Mensch ohne Sünde; Er war genauso richtig
Mensch wie jeder andere - aber doch wie anders war Er als alle vor und nach
Ihm! Er war der zweite Mensch im klaren Gegensatz zu dem ersten Menschen. Und
Er ist der letzte Adam: der Unglaube wartet vergebens auf eine höhere
Entwicklung, wenn er Ihn übersieht, in dem die ganze Fülle der Gottheit
leibhaftig wohnte.
Man beachte wiederum, dass der Geist vor dem Tod des Herrn Jesus kam. Wenn
Christus starb, so starb Er für andere. Wenn Er litt und ein Opferlamm wurde,
so war es nicht für Ihn Selbst. Jesus brauchte kein Blut, damit er
anschließend mit dem heiligen
Öl gesalbt werden könnte. Er war Selbst der Heilige Gottes in genau jener Natur, die in jedem anderen Fall Gott verunehrt hatte.
Aber wenn der Geist auf Ihm als Menschen ruhte, ist Er es, der mit dem Heiligen
Geist tauft. Niemand konnte so taufen außer Gott. Es wäre Gotteslästerung,
etwas anderes zu sagen. Es ist das vollste Vorrecht einer göttlichen Person, so
zu handeln; und deshalb verkündigte Johannes der Täufer dies deutlich; und er
weist in jedem Evangelium auf Jesus nur als auf den, der mit dem Heiligen Geist
tauft, im Gegensatz zu ihm, der mit Wasser taufte. Es ist das mächtige Werk
Jesu vom Himmel, so wie Er das Lamm Gottes am Kreuz war.
Obwohl das unmittelbare Ziel seines Auftrages, zu dem die
Taufe gehörte, die Offenbarung Jesu für Israel war, weist Johannes auf Ihn hin als das
Lamm Gottes in Bezug auf die Welt. Er bezeugt Ihn als den Ewigen, zu
welcher Zeit auch immer Er kam (und sicherlich war es der richtige Augenblick,
"die Fülle der Zeit", wie uns der große Apostel in Galater 4,4 versichert), der nicht
nur der Gegenstand des herabkommenden Heiligen Geistes ist, welcher auf Ihm
bleibt, sondern der Selbst mit dem Heiligen Geist tauft.
Joh 1,34: Und ich habe gesehen und habe
bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist.
Das war Seine ewige Verbindung: nicht der
Sohn des Menschen, der erhöht werden musste, wenn wir ewiges Leben haben sollten,
sondern das Lamm Gottes und der Sohn Gottes. Auf der anderen Seite wird hier
nicht der Vater von Seinem eingeborenen Sohn bekannt gemacht oder offenbart, sondern
Gott im Hinblick auf die große Tatsache der Sünde der Welt, und Jesus als
Sein Lamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. So ist die Taufe des Heiligen
Geistes nicht lebendig machend, sondern jene Kraft des Geistes, die an dem
Leben wirkt, das der Gläubige schon besitzt, sondert von allem ab, was vom
Fleisch und von der Welt ist und bringt in Gemeinschaft mit Gottes Natur und
Herrlichkeit, wie sie sich in Christus offenbart. Er war als Mensch auf Erden,
nicht nur als Sohn Gottes, doch war Er Sich immer dessen bewusst; wir, die so
durch den Glauben an Ihn werden, werden unserer Gemeinschaft durch den Heiligen
Geist, der uns gegeben ist, bewusst gemacht. Aber das Herabkommen des Geistes, der Ihn salbte, brachte sogar Ihn in eine neue Stellung hier unten, wie die
Evangelien zeigen. Alles hier ist öffentliche Verkündigung und erreicht
folglich die Welt.
Wir haben vorher das Zeugnis des Johannes gehabt, das weit über den Messias in
Israel hinausragte; wir sehen jetzt die Wirkung seines Dienstes:
Joh 1,35-39: Des folgenden Tages stand
wiederum Johannes und zwei von seinen Jüngern, und hinblickend auf Jesum, der
da wandelte, spricht er: Siehe, das Lamm Gottes! Und es hörten ihn die zwei
Jünger reden und folgten Jesu nach. Jesus aber wandte sich um und sah sie
nachfolgen und spricht zu ihnen: Was suchet ihr? Sie aber sagten zu ihm: Rabbi
(was verdolmetscht heißt: Lehrer) wo hältst du dich auf ? Er spricht zu ihnen:
Kommet und sehet! Sie kamen nun und sahen, wo er sich aufhielt, und blieben
jenen Tag bei ihm. Es war um die zehnte Stunde.
Nicht die vollste und klarste Darlegung der
Wahrheit wirkt am meisten auf andere. Nichts wirkt so machtvoll wie der Ausdruck
der Freude und des Entzückens des Herzens an einem Gegenstand, der es wert ist.
So ist es hier. "Hinblickend auf Jesum, der da wandelte, spricht er:
Siehe, das Lamm Gottes!" Der Größte der von Frauen Geborenen erkennt den
Heiland mit ungeheuchelter Huldigung an, und seine eigenen Jünger, die ihn hörten, folgen Jesus nach. "Er
muss wachsen, ich aber abnehmen". Und
so sollte es sein. Nicht Johannes, sondern Jesus ist der Mittelpunkt:
ein Mensch, jedoch Gott, denn kein anderer konnte ein Mittelpunkt sein ohne
Herabsetzung
Seiner göttlichen Herrlichkeit. Jesus hat diesen Platz inne, jedoch als Mensch
ebenso. Welch wunderbare Wahrheit und wie ist sie kostbar und ermutigend für
den Menschen! Johannes war der Knecht, der Gottes Absicht diente, und sein
Auftrag war damit am besten erfüllt, dass seine Jünger Jesus nachfolgten. Der
Geist Gottes verdrängt menschliche und irdische Motive. Wie konnte es in der
Tat anders sein, wenn man wirklich glaubte, dass Er in Seiner Person Gott auf
Erden war? Er muss für alle, die Ihn kennen, der eine, ausschließliche und
anziehende Mittelpunkt sein; und es war die Aufgabe des Johannes, Ihm den Weg
zu bereiten. So sammelt hier sein Dienst Menschen für Jesus, er sendet sie von
sich zu dem Herrn.
Aber wenn der Herr im Evangelium des Matthäus eine Stadt, wenn nicht ein
Haus
hatte, das wir nennen können, so bleibt hier bei Johannes unklar, wo Er wohnte.
Die Jünger hörten Seine Stimme, sie kamen und sahen, wo Er wohnte und sie
blieben den ganzen Tag bei Ihm; aber für andere ist es ungenannt und unbekannt.
Wir können verstehen, dass es so bei dem Einem sein sollte, der nicht nur Gott im
Menschen auf Erden war, sondern dies als ganz von der Welt verworfen. Und so
wirkt göttliches Leben an denen, die Sein sind: "Deswegen erkennt uns die
Veit nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat" (1. Joh 3,1).
Auch hört das Werk dort und zu der Zeit nicht auf.
1. Joh.
1,40-42: Andreas, der Bruder des Simon
Petrus, war einer von den zweien, die es von Johannes gehört hatten und ihm
nachgefolgt waren. Dieser findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon und spricht
zu ihm: Wir haben den Messias gefunden (was verdolmetscht ist: Christus). Und
er führte ihn zu Jesu. Jesus blickte ihn an und sprach: Du bist Simon. der Sohn
Jonas; du wirst Kephas heißen (was verdolmetscht wird: Stein).
Sehr interessant wird es, wenn man betrachtet, wie die die
erste Begegnung Jesus mit denen war, die, als sie Ihn aufnahmen, ewiges Leben in
Ihm empfingen. Diese werden später die Stützen des neuen
Gebäudes genannt, die das alte ersetzen sollte, Gottes Behausung im Geist.
Aber alles konzentriert sich auf die Person Jesu, zu dem Simon von seinem Bruder
gebracht wird, einer der beiden ersten, deren Seelen zu Ihm gezogen
wurden, wenn sie auch noch sehr wenig Seine Herrlichkeit erkannten. Und doch
war es ein göttliches Werk, und das Kommen des Simon wurde mit einer Kenntnis
von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beantwortet, die aussagte,
wer und was Er war, der jetzt zu den Menschen auf Erden in Gnade redete.
Hier zeigt sich wieder der gleiche Grundsatz. Jesus, das Bild des unsichtbaren
Gottes, die einzig vollkommene Offenbarung Gottes, ist der anerkannte
Mittelpunkt über alle Konkurrenz hinaus. Wie das Evangelium in Kapitel 11
berichtet, sollte Er sterben, um die zerstreuten Kinder Gottes zu versammeln und
eins zu machen; so wie Er demnächst alle Dinge im Himmel und auf Erden unter
Sein Haupt zusammenbringen wird (Eph 1,10).
Aber dann konnte Seine Person nur
der eine Mittelpunkt der Anziehung sein für jeden, der im Glauben sah, was
Er für
jedes Geschöpf zu sein berechtigt ist. Allein Er war gekommen, nicht nur, um
Gott zu offenbaren und uns den Vater in Sich, dem Sohn, zu zeigen, sondern um
alles auf die Grundlage Seines Todes und Seiner Auferstehung zu stellen, indem
Er Gott vollkommen verherrlicht hatte hinsichtlich der Sünde, die alles
zerstört hatte. Danach sollte Er Seinen Platz im Himmel einnehmen, Er, das
verherrlichte Haupt über alles für die Versammlung, Seinen Leib auf Erden, wie
wir jetzt wissen. Auf dies wollen wir jedoch nicht näher eingehen, denn es
schließt die Offenbarung der Ratschlüsse Gottes und des Geheimnisses ein,
welches
von Zeit und Ewigkeit her verborgen war und es würde uns eher zu den Briefen
des Apostels Paulus führen. Dieser war das auserwählte Gefäß, diese
himmlischen Wunder zu offenbaren.
Nun haben wir es mit Johannes zu tun, der uns den Herrn auf Erden sehen
lässt
als Menschen und doch als wahren Gott, der so die Herzen all derer zu sich
zieht, die von
Gott gelehrt wurden. Wäre Er, Jesus, nicht Gott gewesen, wäre es nicht
nur ein Raub an Gott gewesen, sondern manchmal auch am Menschen. Jedoch: Die ganze Fülle wohnte in Ihm - wohnte in Ihm leibhaftig. Er war
deshalb von Anfang an der göttliche Mittelpunkt für die Heiligen auf Erden,
ebenso wie
später, als der erhöhte Mensch der Mittelpunkt in der Höhe war. Zu Ihm als Haupt
vereinte der Geist sie als Glieder Seines Leibes. Letzteres konnte erst dann
geschehen, als die Erlösung es entsprechend der Gnade, jedoch nur auf Grundlage
der Gerechtigkeit, möglich machte. Was wir bei Johannes
sehen, bezieht sich auf die Herrlichkeit Seiner göttlichen Person: sonst hätte
das Zu-Jesus-Bringen bedeutet: von Gott trennen, und nicht für Ihn absondern,
wie es wirklich ist. Aber Er war und ist in Wahrheit der einzige geoffenbarte
Mittelpunkt, so wie Er der Einzige ist, der Gott offenbart, weil
Er der wahre Gott und das ewige Leben ist, wenn Er auch im Fleisch
geoffenbart wurde und so dem Menschen begegnete und ihn durch Seinen Tod für
Gott gewann.
Joh 1,43-44: Des folgenden Tages wollte er
aufbrechen nach Galiläa, und er findet Philippus; und Jesus spricht zu ihm:
Folge mir nach. Philippus war von Bethsaida aus der Stadt des Andreas und Petrus
Es ist etwas Ungeheures, von Jesus von der
Wüste des eigenen Willens befreit zu werden oder von der Bindung des
Herzens an den Willen eines Menschen, der stärker ist als wir selbst; es ist
etwas Ungeheures, dass wir in Ihm nicht nur den Heiland/Messias gefunden haben, sondern
auch den Mittelpunkt aller Offenbarungen, Absichten und Ratschlüsse Gottes, so
dass wir uns mit Ihm versammeln, weil wir uns zu Ihm versammeln. Alles andere -
welcher Vorwand und welche Behauptung auch immer zugrunde liegt - ist bloß ein
Zerstreuen und deshalb vergebliche Mühe, wenn nicht noch Schlimmeres.
Aber wir brauchen mehr und finden mehr in Jesus, der nicht nur unser
Mittelpunkt, sondern in der Tat unser "Weg" auf Erden sein will, aber
nicht von der Welt, weil Er nicht von der Welt ist. Denn Er ist der Weg
und die Wahrheit und das Leben. Welch ein Segen liegt in solch einer Welt! Sie ist
jetzt eine Wüste, wo es keinen Weg gibt. Er ist der Weg. Haben wir Angst, wohin
wir gehen sollen, welchen Schritt wir tun sollen? Hier gibt es Fallen, die uns
verführen, dort sind Gefahren, die uns erschrecken wollen. Über allem sagt die
Stimme Jesu: "Folge mir nach". Kein anderer Weg ist sicher. Der Beste
Seiner Knechte kann irren, wie alle es getan haben. Aber selbst wenn es nicht
so wäre, sagt Er: "Folge mir nach". Christ, zögere nicht länger!
Folge Jesus nach. Du wirst eine tiefere und bessere Gemeinschaft mit denen
finden, die Sein sind; aber dies nur in Seiner Nachfolge, denn sie folgen Ihm
nach. Nur achte gut darauf, dass es entsprechend dem Wort ist und nicht
entsprechend deinen eigenen Gedanken und Gefühlen; denn sind sie besser als die
der anderen? Suche deine Motive entsprechend dem Licht, wo du wandelst.
"Wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht
sein". Aber diese Einfältigkeit wird dadurch gesichert, dass wir auf Jesus
schauen und nicht auf uns selbst oder auf andere. Wir haben von uns genug
gesehen, wenn wir uns vor Gott gerichtet haben. Lasst uns Jesus nachfolgen: Ihm
einzig und absolut, Ihm, einer göttlichen Person auf Erden, gebührt dies. Es
ist die wahre Würde eines Heiligen; es ist die einzige Sicherheit für ihn, der
sich noch in Acht nehmen muss vor der Sünde, die in ihm ist; es ist der Pfad
echter Demut und wirklicher Liebe und der Pfad des Glaubens. Hierin sollen wir
uns der Leitung des Heiligen Geistes gewiss sein, der hier ist, um Ihn zu
verherrlichen, indem Er von den Seinen nimmt und sie uns zeigt.
Wer Christus gefunden hat und Ihm nachfolgt, sucht und findet bald andere. Aber
diese sind nicht immer bereit, sogleich zu folgen. So beweisen es hier Philippus
und der Sohn des Talmai, der hier nicht Bartholomäus, sondern Nathanael genannt
wird. Und von dieser Stelle her lernen wir auch, dass ein Mensch, der auf
anderen Gebieten herausragend ist, durch ein nicht geringes Maß an Vorurteilen
gehemmt werden kann. Es ist eine heilsame Lektion, dass wir weder in unseren
Erwartungen vorschnell sind und dass wir auf der anderen Seite auch nicht
entmutigt werden, wenn jemand langsam zum Hören ist, wie wir oft erleben können.
Joh 1,45: Philippus findet den Nathanael
und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Moses in dem Gesetz
geschrieben und die Propheten, Jesum, den Sohn des Joseph, den von Nazareth.
Nathanael war nicht im Geringsten
darauf vorbereitet. Ganz gewiss wartete sein Herz auf den, von dem Mose und die
Propheten geschrieben hatten; aber dass der Christus der Jesus von Nazareth, der
Sohn des Joseph, war, musste er erst noch lernen. Er glaubte an die Herrlichkeit
der Person des Messias, soweit sie das Alte Testament vorher geoffenbart hatte:
es kam ihm niemals der Gedanke, dass der Messias "aus Nazareth" sein
konnte, um von dem "Sohn des Joseph" ganz zu schweigen. Denn diese
Stadt war sogar in den Augen eines verachteten Galiläers verachtenswert, der
ohne Zweifel ihren erbärmlich schlechten moralischen Ruf aufgrund seiner
eigenen praktischen Frömmigkeit umso mehr fühlte. Wenn Philippus gesagt hätte:
'von Bethlehem, der Sohn Davids', denn wäre nicht ein solcher Schock über den
wartenden Juden gekommen. Aber der Herr wird hier in Wahrheit als solcher
geschaut, der über allen irdischen Verhältnissen steht; nur deshalb konnte Er
auch zu den Niedrigsten herabkommen. Denn Er war der Sohn Gottes, der nach
Nazareth kam, und nur so konnte gesagt werden, dass Er "von Nazareth" sei
und "der Sohn Josephs".
Wie dem auch sei, Nathanael hält mit seinen Zweifeln nicht zurück.
Joh 1,46: Und Nathanael sprach zu ihm:
Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh!
Aber da sollte noch jemand anders sehen.
Denn Jesus, der Nathanael zu Sich kommen sah, ließ ihn Worte der Gnade über
sich hören, die Nathanael wohl überraschten haben, als er so begrüßt wurde.
Joh 1,47: Siehe, wahrhaftig ein
Israelit, in welchem kein Trug ist.
Wenn der Geist der Weissagung entsprechend
Psalm 32 wirkte, sollte er bald den Geist der Annahme und der Freiheit
erfahren, womit der Sohn frei macht.
Joh 1,48: Nathanael spricht zu ihm:
Woher kennst du mich ? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe Philippus dich
rief; als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.
Er ist immer und überall in diesem
Evangelium Gott. Selbst unbemerkt, hatte Jesus Nathanael gesehen. Er hatte ihn
dort gesehen, wo er sich bestimmt von niemandem beobachtet geglaubt hatte; aber
Er, der das Denken seines Herzens an jenem Fleckchen "unter dem
Feigenbaum" hörte, sah ihn auch dort! Das ist der unwiderstehliche Beweis Seiner
eigenen Herrlichkeit, Seiner Allwissenheit und Seiner Allgegenwärtigkeit. Und
doch war Der, der ihn sah, offensichtlich ein Mann von Fleisch und Blut. Er
konnte kein anderer als der verheißene Messias sein - als der Immanuel, der
Mitgenosse des HERRN, "der Herrscher über Israel, dessen Ausgänge von der
Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her sind" (Micha 5,2). Sein Vorurteil ist sofort
verschwunden, so wie Nebel vor der Sonne in ihrer vollen Kraft vergeht. Er wäre
nicht in der Lage gewesen, sich die Verbindung mit Nazareth oder mit Joseph
zu erklären; aber ein guter Mensch würde nicht - nur ein schlechter
Mensch konnte es - dem positiven Licht Dessen widerstehen, der alle Dinge
kannte und sie in Gnade aussprach, um das Herz Nathanaels und das Herz jedes
Menschen zu gewinnen, der Sein Wort hört und Gott fürchtet. Und das gilt von
damals an bis heute.
Aber es wird hier noch mehr mitgeteilt. Sicherlich ist der Feigenbaum nicht nur
eine Tatsache oder ein ganz für sich bestehender Umstand, sondern er enthält
auch hier die Bedeutung, die ihm, wenigstens in der Schrift, gemeinhin
zugeteilt wird. In der großen Weissagung unseres Herrn wird der Feigenbaum als
das Symbol der Nation gebraucht; und man kann nicht bezweifeln, dass das auch
hier der Fall ist. Wenn Nathanael dort vor Gott in seinem Herzen über den erwarteten Messias und die Hoffnungen des auserwählten
Volkes nachdachte, wie es
viele, ja alle, zu jener Zeit taten, angeregt durch Johannes den Täufer - ja,
sie dachten schon, ob er der Christus sei oder nicht (Lk 3,15) - dann können
wir umso besser begreifen, mit welch ungeheurer Kraft die Worte Jesu das Herz
und Gewissen des unbescholtenen Israeliten getroffen haben müssen. Das scheint
machtvoll durch sein eigenes Bekenntnis bestätigt zu werden!
Joh 1,49: Nathanael antwortete und
sprach zu ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels.
Es war ein Bekenntnis, das haargenau auf den
Messias passte, entsprechend Psalm 2. Er mochte Jesus von Nazareth, der Sohn
Josephs, sein; aber Er konnte sein und war niemand anderes als "mein (des HERRN)
König" und "der Sohn" (V. 6 u. 12), wenn Er auch noch nicht
auf Zion, dem Berg der Heiligkeit des HERRN, gesalbt war. Nathanael war jetzt
ebenso bereitwillig und entschieden, wie er vorher langsam und vorsichtig gewesen war.
Auch stoppte der Herr nicht den Strom der Gnade und Wahrheit und Nathanael
musste sich nicht wenige Gefäße leihen, bis es keines mehr gab, um den Segen
aufzunehmen, der noch überfließen würde.
Joh 1,50-51: Jesus antwortete und sprach zu
Ihm: Weil ich dir sagte: Ich sah dich unter dem Feigenbaum, glaubst du? Du
wirst Größeres als dieses sehen. Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich
sage euch! Von nun an werdet ihr den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes
auf- und niedersteigen auf den Sohn des Menschen
War messianische Herrlichkeit der Horizont dessen, was Nathanaels Seele sah und in Jesus bekannte? Nicht
"später", sondern "von jetzt an", "von heute"
sollten die Jünger, wo irdische Macht noch auf sich warten ließ, den geöffneten
Himmel und die Huldigung seiner herrlichen Bewohner gegenüber dem verworfenen
Messias, dem Sohn des Menschen, sehen. Ihm sollten alle Völker, Nationen und
Zungen dienen, wenn Er Seine ewige Herrschaft antreten würde, die nicht
vergehen würde, und die ein Reich darstellte, das nicht zerstört werden würde.
Dies war wirklich "Größeres"; das Pfand dafür sah Nathanael dann in
dem Ruhen der Engel Gottes auf Ihm, den der Mensch verachtete und die Nation zu
ihrer eigenen Schande und ihrem Verderben verabscheute, was aber zur
Auswirkung göttlicher Ratschlüsse führte und zu einem unvergleichlich höheren
Maß an Segen und Herrlichkeit als in Israel oder in ihrem Land. Das mag der
Leser in Psalm 8 sehen, besonders wenn er berücksichtigt, wie das in 1. Korinther
15, Epheser 1 und Hebräer 2 verarbeitet wird.
____________________
Anmerkungen des SoundWords-Teams:
[1] Emanation: das Hervorgehen aller Dinge aus dem
unveränderlichen, vollkommenen, göttlichen Einen (neoplatonische und
gnostische Lehre); Welt und Lebewesen sind demnach in in einem stufenweisen Prozess ("Emanation") aus Gott hervorgegangen.
[2] Avatara: (Sanskrit, m., wörtl.: "der
Herabsteigende") im Hinduismus die
körperliche Manifestation eines Gottes in Menschen oder Tiergestalt.
[3] Hegelianismus: Strömung in der Philosophie nach Hegel,
der den Grundsatz vertrat "Das Wahre ist das Ganze".
[4] Philonismus: Verschmelzung griechischer Philosophie mit jüdischer
Theologie:
- dieselbe Wahrheit findet sich bei Juden und Griechen
- allegorische Umdeutung des AT.
[5] Platonismus: Strömung in der Philosophie nach Platon.
[6] Manichäismus: gnostische Weltreligion der Spätantike und des frühen Mittelalters, die von einem radikalen Dualismus ausging: Dem Herrscher des Lichtreichs (oft mit dem Gott des Alten Testaments gleichgesetzt) steht der König der Finsternis (der Teufel oder
Ahriman) gegenüber.
[7] Authorised Version = King-James-Übersetzung, engl. Bibelübersetzung
von 1611.
[8] Gnostizismus: von griech. gnósis =
"die Erkenntnis",
religiöse esoterische Lehre des 2. und 3. Jahrhunderts, lehnt die Inkarnation
ab, beurteilt die materielle Welt und auch den Körper negativ.
[9] Demiurg: von griech.: demiourgós =
"Schöpfer, Handwerker";
in der Gnosis eine mythologische Figur.
|