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Leitverse: 2. Korinther 3
Inhalt
Eine Decke - nicht auf der Herrlichkeit Gottes, höchstens auf uns Ein Brief - graviert durch den heiligen Geist Das Gesetz - mit Barmherzigkeit, aber ohne Sühnung Das Gesetz - der Dienst des Todes Die Offenbarung Gottes - furchtbarer noch als das Gesetz Das Gesetz - in seiner subtilen Form Der Höhepunkt der Sünde - die Ablehnung der Güte Gottes in der Person Jesu Die höchste Sünde offenbart die höchste Gnade Das Evangelium der Herrlichkeit - mein Sündenträger ist in der Herrlichkeit Eine Gerechtigkeit, die mich in die Herrlichkeit bringt
Der Apostel stellt fest, dass nun keine Decke mehr die Herrlichkeit Gottes
verdeckt. Wenn jetzt noch eine Decke vorhanden sein sollte, liegt sie auf
unseren Herzen. Dies ist eine ernste Wahrheit. Die ganze Herrlichkeit, alles was
Gott ist, leuchtet im Angesicht Jesu und wird von keiner Decke verdeckt. Die
Decke liegt auf uns. Dies finden wir im nächsten Kapitel: "Wenn
aber auch
unser Evangelium verborgen ist, ist es in denen verdeckt, die verloren gehen, in
denen der Gott dieser Welt den Sinn der Ungläubigen verblendet hat, damit
ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des
Christus (denn das ist es wirklich, nicht ein "herrliches Evangelium")", "der das Bild Gottes
ist" (2Kor 4,3). Wenn die Herrlichkeit
Christi verborgen ist, dann liegt die Decke liegt auf unseren Herzen. So sagt
der Apostel: "Wir alle aber mit aufgedecktem" (oder unverschleiertem)
"Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend". Dies ist die
Herrlichkeit Gottes, die sich in Christus zeigt.
Wir werden nun sehen, was der Christ ist, welchen Platz er in der Welt
einnimmt und wie er diesen erlangen kann. Der Apostel zeigt uns all dies im
Gegensatz zum Gesetz. Die Korinther hatten die Apostelschaft des Paulus infrage
gestellt, da er ja keiner der zwölf Auserwählten wäre. Der
Apostel hatte im vorherigen Kapitel ein wenig über sich selbst gesprochen, wozu
sie ihn gezwungen hatten. Nun hatten die Korinther einen schlechten Lebenswandel,
aber nachher ging es besser mit ihnen, und Paulus konnte schreiben, dass sein Mund
für sie geöffnet sei und sein Herz sich ihnen gegenüber geweitet habe. Er gab
ihnen viele Zeichen seiner Apostelschaft, aber im Grunde war es nicht notwendig.
Er brauchte keine Empfehlungsbriefe für sie oder von ihnen, wie andere sie
verlangten und wie wir es heute auch tun; denn sie selbst waren sein Brief, der
von allen Menschen gekannt und gelesen wurde. Sie waren die Zeugen der
Wahrhaftigkeit seines Dienstes; und sie waren offenbar als der Brief Christi
bekanntgemacht - geschrieben nicht mit Buchstaben, sondern mit dem Geist des
lebendigen Gottes; nicht in steinerne Tafeln, sondern in fleischerne Tafeln des
Herzens. Der Christ ist eine Person, in der die Welt Christus lesen kann, weil
Christus in sein Herz eingraviert ist durch den Heiligen Geist. Wir wollen uns
daran erinnern, dass nicht gesagt wird, dass dies so sein sollte, sondern dass
es so ist, egal, ob er so handelt, dass das auch offenbar wird oder nicht. Ein
Kind ist ein Kind, egal ob es der Beziehung gemäß handelt oder nicht. Der
Christ ist der Brief Christi, der von allen Menschen gelesen werden soll; dies
ist sein Platz - das ist genauso wahr wie die Tatsache, dass das Gesetz auf
steinerne Tafeln geschrieben worden war. Er muss es zur Kenntnis nehmen. Und
mehr noch: Wenn wir mit unverschleiertem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn
anschauen, dann werden wir in dasselbe Bild verwandelt; er wächst ebenso darin.
Es geht von Herrlichkeit zu Herrlichkeit und durch den Geist; dies ist der
Christ im Gegensatz zum Gesetz. Das Gesetz zeigt, was ein Kind Adams sein
sollte. Der Christ ist der lebendige Brief Christi. Der Heilige Geist graviert
Christus in unsere Herzen und das kommt dann in unserem Leben zum Vorschein.
Darin besteht der größtmögliche Gegensatz zwischen Gesetz und Evangelium.
Paulus nennt das eine den Dienst des Todes und der Verdammnis und das andere den
Dienst des Geistes und der Gerechtigkeit. Ich schlage vor, dass wir uns dies nun
anschauen.
Als Mose zum ersten Mal die steinernen Tafeln erhalten hatte und vom Berg
heruntergestiegen war, hören wir nichts von der Herrlichkeit seines
Angesichtes. Diese ersten Tafeln brachte er niemals in das Lager hinein. Er
hört, wie das Volk sich verhält und setzt sich bei Gott für es ein um Seines
großen Namens willen, als Gott ihm anbietet, das Volk zu vertilgen und aus ihm
selbst eine große Nation zu machen. Als Mose jedoch unten angekommen war und
den Tanz um das Kalb sah, warf er die Tafeln zu Boden und zerbrach sie am Fuß
des Berges. Wie konnte er Gottes Gesetz mitten unter das Volk bringen, wo es
doch das allererste dieser Gebote schon gebrochen hatte? Als Mose den Herrn
hinsichtlich Seiner momentanen Regierung bittet, vergibt der Herr die Sünde des
Volkes. Mose konnte keine Sühne erwirken und so wurden sie zurück unter das
Gesetz gestellt - die Seele, die sündigte, sollte sterben.
Dann nahm Mose zwei andere Tafeln, die genauso waren wie die ersten, und
ermutigt von Gottes Güte fragt er Gott, ob er Seine Herrlichkeit sehen dürfte.
Dies durfte nicht sein, aber Er lässt Seine Güte an Mose vorüberziehen
und Seinen gnädigen Namen vor ihm ausrufen und stellt sie zurück unter das
Gesetz. Mose hatte vorgeschlagen, sich selbst für sie als Sühne zu geben, aber
er konnte es nicht; und Gott Selbst proklamiert Sich als der Eine, der
keinesfalls den Schuldigen für schuldlos erklären würde. Danach, als Mose
heruntergekommen war, hatte der Umgang mit Gott sein Gesicht zum Leuchten
gebracht. Das Volk konnte die Widerspiegelung der Herrlichkeit Gottes nicht
ertragen, sodass Mose sein Angesicht mit einer Decke verhüllte. Hier lernen
wir, dass Gott mit Seinem Volk zwar in Barmherzigkeit handelt, aber dass es
keine vollkommene Sühnung gab. Die Verheißung eines Erlösers kam von Anfang
an, sogar schon im Garten Eden; aber es gab nur Einen, der diese Sühnung
bewirken konnte. In all der Offenbarung der Güte fehlte ein wichtiger Punkt und
das ist die Reinigung des Schuldigen. Das schuldige Israel wollte, dass eine
Decke auf Moses Gesicht liegt, und bis zum heutigen Tag liegt eine Decke
auf ihren Herzen; aber wenn sie zum Herrn zurückkehren werden, wird die Decke hinweggenommen. Das Gesetz konnte in vielen Opfern nur auf das eine
vollkommene Lamm hinweisen und Israel konnte durch die Bilder nicht
hindurchsehen zu dem Gegenstand, der dargestellt werden sollte; aber in Christus
ist die Decke hinweggetan. Nun liegt keine Decke mehr über den Gedanken
Gottes, die uns betreffen, obwohl der Gott dieser Welt sie immer noch auf den
Herzen der Menschen festhalten kann. Der Grund dafür, dass das Evangelium das
Evangelium der Herrlichkeit genannt wird, ist, dass die Decke weggetan ist.
Wir sehen, dass Gott den zwei großen Grundsätzen entsprechend handelt -
Gesetz und Gnade. Durch das Gesetz fordert Gott, was der Mensch sein sollte. Es
betrifft alle Beziehungen, die Gott zwischen Gott und Mensch gestaltet hat. Die
Pflichten waren schon da, bevor das Gesetz gegeben wurde, aber das Gesetz gab den
Pflichten die Richtschnur, den Grundsatz, und verknüpfte Gottes ausdrückliche
Zustimmung damit. Das Gesetz kam und forderte den Gehorsam des Menschen. Unser
Herr fasste das ganze Gesetz in zwei Sätzen zusammen: "Du sollst den Herrn
deinen Gott von ganzen Herzen lieben", etc. und "Du sollst deinen
Nächsten lieben wie dich selbst." Das Gesetz kam und forderte vom
Menschen, was er sein sollte. Es gab kein Leben, keine Kraft, keine Erlösung
oder einen Gegenstand, der ein Beweggrund sein könnte; weder konnte es den
Schuldigen reinigen, noch war es Hilfe oder Kraft, obwohl Gott Seinem Volk zu
allen Zeiten hilft. Aber das Gesetz selbst konnte nichts anderes als Gehorsam
verlangen; und da der Mensch ein Sünder war und unfähig, einem heiligem Gesetz
zu gehorchen, war es der Dienst des Todes und der Verdammnis. Im Gesetz liegt
keine Gnade (Gnade und Gesetz sind einander entgegengesetzt), aber Gottes Gnade
handelte mit Einzelnen. Das Gesetz war der Dienst des Todes und der Verdammnis,
weil es von Gott her vorgab, was der Mensch sein sollte und was der Mensch nicht
ist. Wenn das Herz eines Menschen nicht auf Gott ausgerichtet ist, beunruhigt
ihn das Gesetz nicht besonders. Er denkt, dass er nichts besonders Schlimmes
getan hat; er ist nicht schlechter als seine Nachbarn; er hat keine schweren
Sünden begangen. Außerdem sagt er sich, dass Gott barmherzig ist; ein bisschen
Barmherzigkeit werde schon übrig sein, um seiner Not zu begegnen; denn tief im
Herzen empfindet jeder Mensch, dass er gesündigt hat. Es gibt keinen Grund zur
Beunruhigung und es ist alles ganz gut, solange es eine Frage des natürlichen
Gewissens ist und Gottes Augen nicht Herz und Gedanken treffen. Wenn das Gesetz
sagt: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", sind wir
uns sofort der Sünde bewusst; wir wissen, dass wir es nicht tun. Wer fühlt
Kummer über den Verlust des Nachbarn, so als wäre es sein eigener Verlust?
Aber wenn wir zu dem Gesetz eine wenn auch noch so kleine Offenbarung Gottes
bekommen, sind wir sofort völlig verdammt, denn kein Fleisch kann vor Seinen
Augen bestehen. Nun wird eins von zwei Dingen geschehen: Entweder wird man versuchen,
sich vor Gott zu verstecken, wie Adam es im Garten Eden tat, oder man wird versuchen, Gott vor
sich zu verbergen. Genau dies tat Israel, als sie Mose
anflehten, sein Angesicht zu verhüllen: Denn wenn ein Mensch nur einen Blick
auf Gott wirft, kann er mit Hiob sagen: "Wenn ich mich mit Schnee wüsche und meine Hände mit Lauge
reinigte, dann würdest du mich
in die Grube tauchen, und meinen eigenen Kleidern würde vor mir ekeln." Was
immer ich auch vorher über mich selbst gedacht haben mag, ich erkenne, dass ich
in Gottes Augen nur wie jemand bin, der aus einem Graben gezogen worden ist -
völlig verdreckt. Unter dem Gesetz mag die Seele fühlen, dass alles in Ordnung
ist, wenn sie nicht geübt ist, auf Gott ausgerichtet zu sein; aber in Seiner
Gegenwart kann niemand bestehen. Im Herzen ist Begierde.
Der Grundsatz des Gesetzes ist: Das, was Gott für mich ist, hängt davon ab,
was ich für Ihn bin. Aber Gott hat ans Licht gebracht, dass ich ein Sünder
bin; denn durch das Gesetz kommt die Erkenntnis der Sünde. Es ist eine
Offenbarung des Todes und der Verdammnis und nichts anderes. Das Gesetz wird mir
keinen Frieden geben. Es ist nicht Gnade. Es sieht nicht darauf, was der Herr
für mich tut, sondern auf das, was ich in mir selbst für Ihn finde; und ich
kann sogar unter dem Gesetz sein, wenn ich auf das Kreuz selbst schaue. Am Kreuz
sehe ich eine Demonstration der vollkommenen Liebe zu mir, und wenn ich in mein
Herz schaue, sehe ich eine klägliche Antwort auf Seine Liebe, so dass ich zu
zweifeln beginne, ob ich Ihn überhaupt liebe. Es ist völlig richtig, dass ich
den Wunsch haben sollte, Ihn zu lieben; aber das ist nicht das Evangelium, und
man kann auf diesem Weg niemals Frieden finden. Ich stelle dann meine
Kindesbeziehung aufgrund meines Verhaltens in Frage; und zu welcher Verwirrung
würde es führen, wenn die Kinder anfangen würden zu fragen, ob sie Kinder
ihres Vaters sind oder nicht. Ich darf fragen: 'Gehe ich den Weg, der meiner
Beziehung entspricht?' Aber ich darf nicht fragen, ob ich ein Kind bin oder
nicht. Dies ist alles Gesetz, wenn auch in einer subtilen Form. Dann versuche
ich, Frieden in dem zu finden, was ich für Gott bin und nicht in dem, was Er
für mich ist. Dies ist der Zustand eines Christen, der keinen Frieden gefunden
hat; wie der verlorene Sohn, der, weit entfernt vom Vater, fragt, ob er
bezahlter Knecht werden darf. Wenn er dann in die Gegenwart des Vaters kommt,
ist davon keine Rede mehr: Er kannte seine Beziehung. Vorher hatte er nur daran
gedacht, was er für seinen Vater war und nicht, was der Vater für ihn war. In
den ersten zwei Gleichnissen in Lukas 15 sehen wir, wie die Gnade hinausgeht um
zu suchen, was verloren war, danach sehen wir die Aufnahme bei der Rückkehr;
und der Herr zeigt, wie das Werk im Herzen weitergeht, wie die Seele oft auf dem
Grundsatz des Gesetzes verharrt: Sie behauptet, nicht das zu sein, was sie sein
möchte. Sie schauen in sich hinein, um zu sehen, ob sie Gott lieben und wenn
dafür keine Anzeichen zu sehen sind, beginnen sie zu zweifeln, ob Er sie liebt.
Dies ist eine subtilere Form des Gesetzes; aber es ist immer noch der gleiche
Grundsatz - ich schaue darauf, was ich für Gott bin und nicht was Er für mich
ist.
Der Höhepunkt der Sünde - die
Ablehnung der Güte Gottes in der Person Jesu
Nun wende ich mich dem Evangelium der Herrlichkeit zu. Mitten in eine Welt,
die das Gesetz bricht, erscheint Gott in Gnade. Bevor Jesus kam, war Gott nicht
zu den Menschen gekommen, und die Menschen konnten nicht zu Gott kommen. Er gab
den Menschen Gesetz und Verheißungen, aber Er kam nicht Selbst zu den Menschen.
Aber die große Tatsache, die wir nun vor uns haben, ist, dass Gott gekommen
ist: "Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns" und der
Mensch ist hineingegangen - direkt in die Gegenwart Gottes. Wenn ich sage
"Mensch", dann meine ich Christus Selbst, der als Vorläufer für uns
hinter den Vorhang gegangen ist. Ich entdecke, dass Gott in vollkommener Güte
und nicht in einer Offenbarung Seiner Herrlichkeit kam. Er kam, als wir Sünder
und Gesetzesbrecher waren, als wir weit entfernt waren. "So sehr hat Gott
die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab." Wir sehen eine
Erscheinung der reinsten Liebe im Leben unseres Herrn auf der Erde. Seine Wunder
waren nicht nur Macht, sondern Macht in Liebe, um jedem Mangel in jedem Menschen
zu begegnen. Er beseitigte jede Auswirkung der Sünde; Er war der Ausdruck von
Gottes vollkommener Güte; und die Folge war, dass der Mensch in Sein Gesicht
spuckte und Ihn zurückwies. Möge der Herr uns alle immer wieder daran
erinnern, dass wir in einer Welt leben, die Ihn zurückgewiesen hat, als Er in
Gnade kam! Die Welt ist jetzt genauso schlecht wie sie damals war; sie ist
nicht enger in Verbindung mit Gott als damals; die Seelen sind von Natur nicht
näher bei Gott als sie es waren. Wenn wir uns umschauen, sehen wir, dass die
Zustände tatsächlich schlechter sind als sie waren. Die Sünde hat ihren
Höhepunkt erreicht. Es ist nicht nur so, dass Gott den Menschen aus dem Garten
Eden hinausgeworfen hat, sondern als Gott in diese Welt kam, warf der Mensch Ihn
hinaus. Wie Jesus selbst sagt: "Wenn ich nicht die Werke unter ihnen getan
hätte, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; jetzt aber
haben sie gesehen und doch gehasst sowohl mich als auch meinen Vater."
(Joh 15,24). Er ging
in Güte durch diese Welt, heilte alle, die vom Teufel unterdrückt wurden; denn
Gott war mit Ihm. Der Sohn Gottes war in der Welt und wurde von der Welt
abgelehnt. Gott offenbarte Sich Selbst in der Person Seines Sohnes, als wir
Sünder waren. Er zeigte Seine vollkommene Heiligkeit in Seinem Leben. Dies
zeigt sich in beeindruckender und bewegender Weise, als der arme Aussätzige zu Ihm kommt. Er war mit Sündern zusammen, unbefleckt von ihnen,
aber in vollkommener Liebe. Hier war einer, der Seine Macht anerkennt, aber an
Seiner Liebe zweifelt. Und was ist Seine Antwort? Macht Er ihm Vorwürfe? Nein,
Seine Antwort ist: "Ich will, sei gereinigt"; und Er berührt ihn mit
Seiner Hand. Wer einen Aussätzigen berührte, wurde unrein wie dieser;
aber Christus wird beim Kontakt mit den Menschen nicht unrein, sondern reinigt
sie in Gnade. Es war göttliche Macht, die die Sünde berührt und vertreibt:
ein schöner Ausdruck dessen, was Gnade ist. Aber so wie Er war, lehnten sie Ihn
ab, und in dieser Tat offenbarte sich die Sünde vollkommen, denn es war die
Ablehnung der Güte Gottes.
Aber Gott nutzt den höchsten Akt der Sünde des Menschen für seine
Rettung; Christus war das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinwegnimmt:
Und hier kommen wir nun zum Kreuz. Das Werk war Ausdruck und Ausführung der
verdammungswürdigsten Tat aufseiten des Menschen; aber es zeigte die höchste
Gnade aufseiten Gottes. Mir wird Gottes Gerechtigkeit gegen die Sünde
aufgezeigt, aber noch mehr als das: Gott ist vollkommen verherrlicht. Die ganze
Macht Satans ist weggenommen und bringt dem verlorenen Sünder Gottes
vollkommene Liebe. Dort, wo die Sünde überfließend war, wurde die Gnade noch
überfließender; wie gesagt ist: "Wenn einer für alle stirbt, dann sind
alle tot." Wenn du nicht zu Christus kommen willst, dann ziehst du andere
Dinge Ihm vor. Doch solltest du ernsthaft bedenken und dir die Frage
beantworten: 'Wo wirst du die Ewigkeit verbringen?' Diese Frage muss in diesem Leben
entschieden werden. Der Mensch schreckt vor dem Gedanken an die Ewigkeit
zurück; und wo es ungläubige Gedanken über Gott gibt, leugnen sie eben
einfach die Ewigkeit oder hoffen wenigstens, dass es keine gibt.
Wenn ich zum Kreuz komme und weiß, dass meine Sünden Christus
hierhergebracht haben - finde ich Ihn dort am Kreuz? Nein; wenn ich zum Kreuz
gehe, ist Er nicht da. Und weiß mein Glaube, wo Er ist? Ich weiß, dass meine
Sünden Ihn hierhergebracht haben, aber mein Glaube sieht Ihn zur Rechten
Gottes. Aus diesem Grund wird es das Evangelium der Herrlichkeit genannt, denn
Er ist für mich hier hineingegangen. Nun sitzt Er zur Rechten Gottes, aber
meine Sünden sind nicht mehr auf Ihm. Er sitzt dort, weil meine Sünden
für immer bereinigt sind. Mit einem Opfer hat Er eine vollkommene Rettung
geschaffen. Wenn ich einmal Rechenschaft ablegen muss, wen finde ich dann als
Richter? Den Einen, der Selbst meine Sünden hinweggetan hat. Für eine Seele,
die vollkommen in der Gnade gegründet ist, gibt es keinen glücklicheren
Gedanken als den an den Richterstuhl Christi: Wenn ich vor Ihm erscheine, wird
es in einem verherrlichten Leib sein, der dem des Herrn Selbst gleich sein wird.
Er sagte, dass das Werk vollendet ist, und die Person, die mich richtet, ist der
Eine, der für mich alle meine Sünden fortgetragen hat. Das Evangelium der
Herrlichkeit bedeutet, dass der Eine, der für meine Sünden gestorben ist, dort
in der Herrlichkeit ist und meine Sünden für immer weggetan sind; und dort ist
es, wo das Evangelium in seiner Fülle beginnt. Erst nachdem Christus Sich zur
Rechten Gottes gesetzt hatte, kam der Heilige Geist herab. Erst dann konnten die
Jünger in der Kraft des Heiligen Geistes hinausgehen. Gerechtigkeit hat den
Einen, der meine Sünden trug, zur Rechten Gottes gesetzt, und Er ist dort, ohne
dass meine Sünden auf Ihm liegen. Und indem Er sie getragen hat, hat Er Gott
verherrlicht. Es ist der Dienst des Geistes - der Heilige Geist bezeugt im
Evangelium, dass der Eine, der all dies getan hat, nun einen erhabenen Platz zur
Rechten Gottes hat. Ich sehe einen Menschen in der Herrlichkeit, der als
Vorläufer für mich dort hineingegangen ist. Wir hatten keinen Anteil an diesem
wundervollem Werk, außer unseren Sünden und dem Hass, der Ihn zu Tode gebracht
hat. Er starb und Gott versetzte Ihn in die Herrlichkeit, weil Er ein Werk getan
hatte, das Gott vollkommen zufriedenstellte. In Johannes wird vom Heiligen Geist
gesagt: Er wird die Welt von Gerechtigkeit überzeugen "weil ich zu meinem
Vater gehe." Er sitzt dort in der Herrlichkeit, weil das Werk vollkommen
getan ist - die Sünden derer, die glauben, sind für immer hinweggetan. Es
bringt auch die Sünde zum Bewusstsein, weil es meine Sünde war, welche Ihn an
das Kreuz gebracht hat, wo Er alles trug und die Gerechtigkeit Gottes vollkommen
zufriedenstellte.
Das Gesetz kann kein Leben geben; es kann nur von der Sünde überzeugen. Das
Werk geschah zwischen Gott und Christus. Die ganze Frage der Sünde war damit
entschieden und beseitigt. Er ist meine Gerechtigkeit vor Gott. Gottes
Gerechtigkeit zeigt sich, indem Er den Menschen, der meine Sünden trug, zu
Seiner Rechten in die Herrlichkeit setzte. Der Heilige Geist kommt zur mir und
sagt: 'Du hast keine Gerechtigkeit vor Gott'. Dann versuche ich, heiliger zu
werden. Es ist natürlich richtig, dass ich mich nach Heiligkeit sehne; aber
Heiligkeit als Mittel, um Frieden zu erlangen - das geht nicht. Jedoch habe ich
hier in Christus eine göttliche Gerechtigkeit, die geeignet ist, mich in die
Herrlichkeit zu bringen. Die, die vom Heiligen Geist Gottes geleitet werden, sie
sind Söhne Gottes. Das Kreuz Christi bedeutet nicht nur, dass meine Schuld
bezahlt ist. Das wäre zwar schon etwas, aber wenn das alles wäre, hätte ich
nichts, aufgrund dessen ich leben könnte. Aber Gott hat mich zu einem Mit-Erben
mit Christus gemacht; und solange ich nun noch hier unten auf der Erde lebe,
warte ich darauf, dass Er mich zu Sich nimmt, damit ich für immer bei Ihm in
der Herrlichkeit bin, wo Er ist.
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