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Leitverse: 2. Thessalonicher 2,1-10
2Thes 2,1-10: Wir bitten euch aber, Brüder, wegen
der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unseres Versammeltwerdens zu ihm
hin, dass ihr nicht schnell erschüttert werdet in der Gesinnung {o. außer
Fassung gebracht werdet} noch erschreckt, weder durch Geist, noch durch Wort,
noch durch Brief als durch uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. Lasst euch von
niemand auf irgendeine Weise verführen, denn dieser Tag kommt nicht, es sei
denn, dass zuerst der Abfall komme und geoffenbart worden sei der Mensch der
Sünde, der Sohn des Verderbens, welcher widersteht und sich selbst erhöht über
{o. gegen} alles, was Gott heißt oder ein Gegenstand der Verehrung ist {o. was
Gott oder Gegenstand der Verehrung heißt}, so dass er sich in den Tempel {das
Heiligtum; vgl. die Anm. zu Mt 4,5} Gottes setzt und sich selbst darstellt,
dass er Gott sei. Erinnert ihr euch nicht, dass ich dies zu euch sagte, als ich
noch bei euch war? Und jetzt wisset ihr, was zurückhält, dass er zu seiner Zeit
geoffenbart werde. Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur
ist jetzt der, welcher zurückhält, bis er aus dem Wege ist, und dann wird der
Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus verzehren {o. nach and. Lesart:
hinwegtun, töten} wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die
Erscheinung seiner Ankunft, ihn, dessen Ankunft nach der Wirksamkeit des Satans
ist, in aller Macht und allen Zeichen und Wundern der Lüge und in allem {d.h. in
jeder Art von} Betrug der Ungerechtigkeit denen, die verloren gehen, darum dass
sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen, damit sie errettet würden.
Inhalt
Hintergrund Lehrmäßiger Teil Abfall vom Glauben ist noch nicht gekommen Der Mann der Sünde ist noch nicht offenbart Der „Zurückhalter“ ist noch nicht beseitigt Praktische Anwendung
Der Tag des Herrn ist das Thema des Apostels Paulus in der ersten Hälfte von
2. Thessalonicher 2. Besonders betont er drei Zeichen, die mit dem Tag des Herrn
verbunden sind. In seinem ersten Brief an die Thessalonicher hat Paulus
unterschieden zwischen der „Entrückung“ und dem „Tag des Herrn“. Beide
Ereignisse sind nahe gelegene Endzeitereignisse, aber sie sind nicht identisch.
Bei der Entrückung kommt der Herr Jesus, um alle wahren Gläubigen zu holen, um
dann mit ihnen in der Herrlichkeit zu sein. Diese Lehre wird in der zweiten
Hälfte von 1. Thessalonicher 4 erörtert. Der Tag des Herrn, der in der ersten
Hälfte von 1. Thessalonicher 5 zu finden ist, beinhaltet die Ereignisse rund um
die Wiederkehr des Herrn zur Erde, um sein ruhmreiches Königreich zu gründen,
sowie um die Drangsal (die der Entrückung folgt), die Wiederkehr des Herrn im
Gericht und die Zeit des Königreiches des Herrn auf der Erde.
Der Begriff „Entrückung“ erscheint nicht in der Bibel. Er ist abgeleitet von
dem lateinischen Wort mit der Bedeutung „entreißen“; so wird das Kommen des
Herrn, um seine Kirche von dieser Erde zu „entreißen“, „Entrückung“ genannt. Die
Entrückung wird in 1. Korinther 15 ein „Geheimnis“ genannt. Es ist eine Lehre,
die im Alten Testament nicht offenbart worden war, aber sie ist nun offenbart
und bringt neues Licht in das Neue Testament. Tatsache ist, dass diese Wahrheit
dem Apostel Paulus direkt von Gott offenbart worden ist: „Denn dieses [die Lehre
von der Entrückung] sagen wir euch im Worte des Herrn“ (1Thes 4,15). Jedenfalls ist der zukünftige Tag des Herrn kein Geheimnis. Er ist deutlich
im Alten Testament enthüllt, und unser Herr führt diese offenbarten Wahrheiten
in seiner Rede auf dem Ölberg aus. Diese betreffen zukünftige Ereignisse (Mt
24-25; Mk 13; Lk 21).
Die Entrückung kann jederzeit passieren. Sie steht nahe bevor! Es gibt keine
prophetischen Zeichen, die in Erfüllung gehen müssten, bevor der Herr in der
Luft wiederkommt, um die Christen zu sich zu holen. Andererseits müssen die
Zeichen, die mit dem Tag des Herrn in Verbindung stehen, geschehen, bis der Tag
des Herrn in Erscheinung tritt.
Das ist genau das Argument des Paulus in 2. Thessalonicher 2. Die Gläubigen
in Thessalonich ertrugen Verfolgung und Versuchung (1Thes 1,6; 2,14; 2Thes
1,4). Einige der Gläubigen waren zu der falschen Vermutung gekommen, dass
vielleicht der Tag des Herrn schon gekommen war, weil sie diese Drangsale
erlebten. Ab Vers 2 unseres Abschnittes sieht es darüber hinaus so aus, dass
einige falsche Lehren, einige falsche Prophezeiungen und sogar ein falsches
Sendschreiben, als wäre es vom Apostel Paulus, die falsche Meinung
unterstützte, dass der Tag
des Herrn schon begonnen habe. So verbesserte Paulus dieses
Missverständnis und falsche Darstellung, und er sagte ihnen die Wahrheit: „Thessalonische Gläubige, seid nicht besorgt im Bezug auf die Wiederkehr des
Herrn. Im Hinblick auf die Entrückung seid nicht beunruhigt, dass der Tag des
Herrn schon gekommen ist, beachtet nicht, was irgendjemand euch erzählt! Er ist
noch nicht gekommen! Er ist noch nicht da! Erst muss die Entrückung stattfinden,
und die Zeichen im Hinblick auf den Tag des Herrn sind noch nicht eingetroffen.“
Welche Zeichen? Es gibt drei Zeichen in diesem Kapitel: das Kommen des
Abfalls vom Glauben oder Rebellion, die Enthüllung des „Mannes der Sünde“ oder
des „Mannes der Gesetzlosigkeit“ und die Beseitigung dessen, der die Rebellion
gegen Gott zurückhält.
1. Der Tag des Herrn kann nicht kommen, bis der Abfall vom Glauben da ist.
Abfall vom Glauben bedeutet ein „Sichabwenden“ von der einst eingehaltenen
Wahrheit. Es ist eine Verleugnung und Preisgabe des Glaubens. Es gab überall in
der Kirchengeschichte Abfall vom Glauben und Abtrünnige, aber 2. Thessalonicher
2 spricht über ein großes Abwenden vom einst gehabten Glauben und einer großen
aktiven Rebellion gegen Gott — ein Abfallen und Rebellieren, das die ganze
Christenheit beeinflusst.
Der Apostel Paulus sagte den thessalonischen Gläubigen, dass dieser Abfall da
sein muss in der Zeit, in der der Tag des Herrn sein wird. Und weil diese große
Rebellion und dieses Sichabwenden vom Glauben noch nicht eingetreten ist, ist
der Tag des Herrn auch noch nicht gekommen. Er ist noch nicht gekommen! Obwohl sehr viele Abweichungen von der Wahrheit
und viel Sektiererei in 2000 Jahren Kirchengeschichte passiert sind, hat aber
die massenhafte Verleugnung und Aufgabe des christlichen Glaubens noch nicht
stattgefunden. Aber diese Zeit wird kommen! Irgendwann in der Zukunft,
vielleicht bald, wird die Christenheit die Grundlagen des christlichen Glaubens
verwerfen, und die Christenheit wird, wie wir in Vers 4 sehen, einen Mann
anbeten, der vorgibt, Gott zu sein.
Was wird diese Rebellion gegen Gott verursachen? Rate einmal! Besteht
irgendein Zweifel, dass der Grund die Entrückung der wahren Kirche ist? Bei der
Entrückung werden alle wahren Gläubigen diese Erde verlassen, aber das „Christentum“ wird bleiben. Es wird immer noch
„Kirchen“ und „Werke“ geben, aber
es werden alles abtrünnige Kirchen und Werke sein. Wenn die treuen Gläubigen das
Geschehen verlassen, wird es nichts als Abfall vom Glauben geben. Das ist ein
starkes Argument für die Position, dass die Entrückung stattfinden wird, bevor
die prophezeite große Drangsal auf der Erde stattfinden wird.
2. Der Tag des Herrn kann nicht kommen, bis der „Mann der Sünde“ offenbart
worden ist.
Wer ist dieser „Mann der Sünde“ oder „Mann der Gesetzlosigkeit“?
Er ist der Antichrist, der Führer der Macht des Bösen. Er ist nicht Satan, weil
er in Vers 9 von ihm unterschieden wird. Obwohl er nur ein Mensch ist, wird
dieser kommende Antichrist den Anspruch erheben, Gott zu sein. In der
griechischen Sprache zeigt die Zeitform des Verbs „offenbart“ in Vers 3, dass
seine wahre Identität als „Mann der Sünde“ verborgen ist, bis er seine Macht
erreicht, aber er wird im entscheidenden Moment als Antichrist offenbart. Aber
das ist noch nicht geschehen!
Vers 4 zeigt, dass der zukünftige Antichrist sich im wiedererrichteten Tempel
aufstellen wird und lästernd behaupten wird, er sei Gott. Er wird ein Götzenbild
im Tempel aufstellen und jeden dazu bringen, es anzubeten (Off 13,14). Dies ist
der „Gräuel der Verwüstung“, wie er vom Propheten Daniel prophezeit worden ist
(Dan 9,27; 12,11) und worauf sich unser Herr in Matthäus 24,15 bezieht. Offenbarung 13,15 stellt klar, dass der Antichrist in der Lage ist, dem
Götzenbild lebensechte Charaktereigenschaften zu geben. Dies wird eins der „gefälschten Zeichen und
Wunder“ des Antichristen sein, wie es in Vers 9 in unserem
Abschnitt erwähnt ist.
Beachte, dass der „Mann der Sünde“ zur Vernichtung verurteilt ist
(V. 3). Trotz seiner scheinbaren Stärke und Autorität wird er vernichtet, wenn
der Herr in Macht und Majestät auf diese Erde zurückkehrt: „… den der Herr Jesus
verzehren wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die
Erscheinung seiner Ankunft“ (V. 8)! Die Tage der Macht und der Herrschaft des
Antichristen werden nur kurz andauern. Wir wissen nicht, ob er heute schon am
Leben ist, aber wir können mit Sicherheit sagen, dass der Tag des Herrn nicht
eher kommen kann, als bis der Mann der Sünde offenbart worden ist.
3. Der Tag des Herrn kann nicht kommen bevor derjenige, „der
zurückhält“,
beseitigt ist.
Wer oder was ist dieser „Zurückhalter“ oder „der, der es zurückhält“? Zahlreiche Vorschläge wurden gemacht, einschließlich dass es
verschiedene menschliche Gesetze oder Regierungen seien. Es sieht jedenfalls so
aus, als ob der „Zurückhalter“ niemand anders ist als der Heilige Geist.
Gegenwärtig hält die Anwesenheit des Heiligen Geistes „das schon jetzt wirkende
Geheimnis der Gesetzlosigkeit“ (V. 7) zurück. Wie hält der Heilige Geist das Böse in der heutigen Welt zurück? Es ist durch
die wahre Kirche, durch seine Anwesenheit in jedem wahren Gläubigen in Jesus
Christus. Der Heilige Geist bewohnt die Kirche (1Kor 3,16), und Er bewohnt
auch jeden wahren Gläubigen (1Kor 6,19). Die Christen sollen das Salz der
Erde sein, damit der moralische Verfall und die Korruption verlangsamt werden
(Mt 5,13). Aber die Christen werden bei der Entrückung diese Erde verlassen. Zu dieser
Zeit wird der Heilige Geist, der im Augenblick Rebellion und Böses zurückhält,
„aus dem Weg geräumt“ (V. 7), weil die wahre Kirche von der Erde weit
weggenommen sein wird. Dann wird eine Zeit der Drangsal kommen, wie sie die Welt
noch nie gesehen hat, wie es unser Herr gesagt hat (Mt 24,21).
An Pfingsten, als die Kirche gegründet wurde, kam der Heilige Geist, um in
den Gläubigen und in der Kirche zu wohnen. Der Heilige Geist ist auf dieser
Welt, um den Gläubigen zu helfen (Joh 14,15-18.26-27), und Er wird bei der
Entrückung mit den Gläubigen diese Erde verlassen. Offensichtlich wird der
Heilige Geist als dritte Person der Dreieinigkeit nach der Entrückung noch
allgegenwärtig sein, aber als derjenige, der die Gesetzlosigkeit zurückhält,
wird Er weggenommen sein, wenn die Kirche entrückt worden ist. Dies ist ein Teil
des „Geheimnisses der Gesetzlosigkeit“, das Gott in seinem Wort offenbart.
Obwohl die Gesetzlosigkeit schon jetzt existiert, wird es zu einem schrecklichen
Höhepunkt kommen, bevor unser Herr glorreich zurückkehrt, um diese Erde zu
regieren. So kann der Tag des Herrn erst kommen, wenn der „Zurückhalter“
beseitigt ist.
Du bist nie zu jung, um die Prophetie zu studieren! Für gewöhnlich sagen
wir: „Du bist niemals zu alt für dieses oder jenes“, nicht wahr? Gut, hier haben wir
den Gegensatz für unsere praktischen Anwendung: Du bist niemals zu jung, um
Prophetie zu studieren! Es gibt eine schwerwiegende prophetische Wahrheit in 2. Thessalonicher 2.
Vielleicht denkst du, dieser Teil der Wahrheit sei zu schwer für junge Gläubige,
aber der Apostel Paulus denkt darüber anders! Diese thessalonischen Gläubigen
waren jung im Glauben — viele von ihnen waren nur einige Monate alt im Herrn.
Die meisten von ihnen waren noch nicht geistlich ausgebildet und ohne Kenntnis,
und — keiner von ihnen besuchte die Sonntagsschule! Aber schau, was Paulus
ihnen in seinem ersten Brief schreibt: „… und wie ihr euch von den Götzenbildern
zu Gott bekehrt habt, dem {o. einem} lebendigen und wahren Gott zu dienen und
seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat,
Jesus, der uns errettet {o. befreit} von dem kommenden Zorn“ (1Thes 1,9-10). In seinen zwei kurzen Briefen an die Thessalonicher schrieb Paulus
viel über zukünftige Ereignisse. Paulus vertrat nicht den Standpunkt — und wir
sollten ihn auch nicht vertreten —, dass junge Gläubige nicht mit schweren Lehren
umgehen könnten! Unser prophetisches Lehren sollte ausgewogen sein. Wir sollten
sie nicht überbetonen zu Lasten anderer Wahrheiten; wir sollten uns jedoch auch
nicht scheuen, sie zu lehren. Du bist niemals zu jung, um Prophetie zu
studieren!
Übersetzung: Ruben Isenberg
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