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Leitverse: Josua 3,4; Johannes 13,36
Jos 3,4: Ihr seid den Weg früher nicht gezogen.
Joh 13,36: Wohin ich gehe, kannst du mir jetzt nicht folgen.
Als die Kinder Israel im Begriff standen, in das verheißene Land zu gehen,
flossen die Wasser des Jordan zwischen ihnen und dem Gegenstand ihrer Hoffnung.
Der Jordan ist ein Vorbild des Todes, der zwischen der Wüste und Kanaan liegt,
während das Rote Meer jenen Tod vorbildlich darstellt, der Ägypten von der
Wüste trennt. Die Israeliten gingen durch das Meer in die Wüste und durch den
Jordan in das Land Kanaan. In Ägypten, in der Wüste und in dem Land Kanaan
sehen wir die drei verschiedenen Stellungen des Volkes Gottes. Tatsächlich
befinden wir uns in Ägypten, bezüglich unserer Erfahrungen sind wir in der
Wüste, und durch Glauben sind wir im Geist und dem Grundsatz nach in Kanaan.
Wir wandeln durch die Welt, die für die neue Natur moralisch eine Wüste ist.
Unsere Heimat ist droben, wo Jesus unser Haupt und Vorläufer ist.
Nun musste der Jordan durchschritten werden, bevor das Volk sein verheißenes
Erbe antreten konnte. Zu ihren Füßen dehnte sich der drohende Grenzfluss aus,
der wohl nie drohender den Weg versperrte als in dem Augenblick, da der
lebendige Gott im Begriff stand, für sein Volk zu handeln, denn „der Jordan
… ist voll über alle seine Ufer die ganze Zeit der Ernte hindurch“ (Jos
3,15). Nie war der Tod drohender, schrecklicher und fürchterlicher als in dem
Augenblick, als der Fürst des Lebens diese Macht für uns zerstörte und den
Tod in den Weg verwandelte, der uns zu unserer himmlischen Heimat führt. Für
Israel war das tiefe Bett des Jordan ein ungebahnter Weg. Sie mussten daher
warten, bis die von den Priestern getragene Lade des lebendigen Gottes vor ihnen
herging, um ihren Weg zu bereiten. „Und es geschah am Ende von drei Tagen, da
gingen die Vorsteher mitten durch das Lager, und sie geboten dem Volk und
sprachen: Sobald ihr die Lade des Bundes des HERRN, eures Gottes, seht, und die
Priester, die Leviten, sie tragen, so sollt ihr von eurem Ort aufbrechen und ihr
nachfolgen. Doch zwischen euch und ihr soll eine Entfernung von etwa zweitausend
Ellen an Maß sein. Ihr sollt ihr nicht nahe kommen, damit ihr den Weg wisst,
auf dem ihr gehen sollt; denn ihr seid den Weg früher nicht gezogen … Und
Josua sprach zu den Kindern Israel: Tretet herzu und hört die Worte des HERRN,
eures Gottes! Und Josua sprach: Hieran sollt ihr erkennen, dass der lebendige
Gott in eurer Mitte ist und dass er die Kanaaniter usw. … gewiss vor euch
vertreiben wird. Siehe, die Lade des Bundes des Herrn der ganzen Erde zieht vor
euch her in den Jordan“ (Jos 3,2–4.9–11).
Hier haben wir ein herrliches Vorbild davon, wie der Herr Jesus Christus die
Macht des Todes für sein Volk überwunden hat. Er begegnete dem Tod in seiner
erschreckendsten Form. Der Jordan sah drohend aus, als die Bundeslade seine
mächtigen Fluten zurückdrängte und einen Weg für den Übergang der Erlösten
des Herrn bahnte. „Und die Priester, die die Lade des Bundes des HERRN trugen,
standen festen Fußes auf dem Trockenen in der Mitte des Jordan; und ganz Israel
zog auf dem Trockenen hinüber, bis die ganze Nation vollends über den Jordan
gegangen war“ (V. 17). Es war ein vollständiger Sieg des Lebens über den
Tod. Die Macht des lebendigen Gottes verwandelte den Tod in einen Weg des
Lebens. Die Füße der Erlösten Gottes durften die finsteren Wasser des Todes
nicht berühren. Diese Wasser sahen in der Entfernung drohend aus. Für das
natürliche Auge waren sie auch wirklich erschreckend, aber in dem Augenblick,
als sich das Volk näherte, war statt einer schrecklichen Flut ein trockener
Fußweg zu finden. Gott, der lebendige Gott, war da in Gnade und Wahrheit, was
seinen Ausdruck in den Priestern und der Bundeslade fand. Alles wird dadurch
verändert. Der Tod verliert seine Existenz, wenn Gott gegenwärtig ist. Die
Sünde brachte den Tod in die Welt. Die Sünde ist der wirkliche Stachel des
Todes, aber die Gnade ist erschienen und hat alles verändert, so dass der
Gläubige sagen kann: „O Herr! Durch dieses lebt man, und in jeder Hinsicht
ist darin das Leben meines Geistes.“ Das ist der sittliche Triumph jener
Gnade, die „herrschte durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus
Christus, unseren Herrn“. In und durch Christus hat die Gnade so gewirkt, dass
der Tod in einen Diener des Gläubigen umgewandelt ist. Statt ein furchtbarer
Feind zu sein, ist er ein wirklicher Teil unseres Eigentums (siehe 1Kor 3,22);
anstatt ein unübersteigbarer Schlagbaum zu sein, ist er ein Fußweg geworden.
In Johannes 13 haben wir ein Gegenbild von dem, was wir im Buch Josua gesehen
haben. Dort belehrt der Herr seine Jünger, dass Er vor ihnen her durch den
Jordan des Todes gehen, dass eine „Entfernung“ zwischen Ihm und ihnen sein
müsse, und dass sie Ihn nicht begleiten könnten, während Er diesen
furchtbaren Weg ging. „Kinder, noch eine kleine Weile bin ich bei euch; ihr
werdet mich suchen, und wie ich den Juden sagte: Wohin ich gehe, dahin könnt
ihr nicht kommen, so sage ich jetzt auch euch“ (V. 33). Diesen Weg zu gehen,
war für die Jünger ebenso unmöglich wie für die Juden. Jesus musste ihn ganz
allein betreten. Wer hätte Ihn begleiten können? Wer hätte dem schrecklichen
Heer aller Mächte der Finsternis, der List Satans, der Wut der Hölle und vor
allem dem Zorn begegnen können? Wer konnte diesen Dingen widerstehen? Wer
außer Ihm, dem Gott-Menschen?
Petrus verstand dies nicht. Er glaubte, dem Tod begegnen zu können. Er
wollte es wagen, die göttlich bezeichnete „Entfernung“ — die
geheimnisvollen „zweitausend Ellen“ — zu überspringen. Der arme Petrus!
Wie wenig dachte er daran, dass das ferne Rauschen der fürchterlichen Fluten
des Jordan ihn so sehr erschrecken würde, dass er mit Flüchen und Schwüren
seinen Herrn und Meister verleugnen würde. „Herr“, fragt er, „wohin gehst
du?“ Jesus antwortete ihm: „Wohin ich gehe, kannst du mir jetzt nicht
folgen; du, wirst [mir] aber später folgen“ (V. 36). Mit anderen Worten, der
Herr Jesus sagt seinem armen Diener, dass Er ihm vorausgehen müsse, um ihm
durch die finsteren Wasser des Todes einen trockenen Fußpfad zu öffnen, auf
dem Petrus in Gemeinschaft mit allen Erlösten unverletzt zur Herrlichkeit
eingehen könne. Welche Gnade! Er ging allein in die finstere,
schreckenerregende Einsamkeit. Wehrlos trat Er dem mit seiner ganzen Macht
ausgerüsteten und mit allen Schrecken bewaffneten Tod entgegen. Da gab es kein
Ufer, das den wahren Jordan in sein Bett gezwungen hätte. Nur öde, durch
keinen Lichtstrahl erhellte Finsternis zeigte sich dem Auge. Dort zeigte sich
die Bosheit Satans, des Feindes der Menschen, und die Feigheit seiner nächsten
Freunde: sie flohen. Nachdem endlich Menschen und Teufel ihr Äußerstes
versucht hatten, öffnete sich vor dem Fürsten des Lebens eine so dunkle und
schaurige Region, dass weder ein Mensch noch ein Engel dort einzutreten
vermochte. Dort musste Er den Kelch des gerechten Zornes Gottes über die Sünde
trinken, und — was uns unmöglich gewesen wäre — Er musste es ertragen, dass
das Antlitz Gottes sich von Ihm abwandte.
Das war die Antwort auf die Frage des Petrus: „Wohin gehst du?“ Wer
hätte es verstehen können? Niemand; daher sagt der Herr statt jeder weiteren
Erklärung einfach: „Wohin ich gehe, kannst du mir jetzt nicht folgen; du
wirst mir aber später folgen.“ Wenn der Weg gebahnt war, sollte Petrus
folgen, denn dann konnte er es. Wie gnädig ist der Herr Jesus! Er wollte den
Schrecken des Todes begegnen, damit wir die Freude des ewigen Lebens genießen
könnten.
Doch Petrus versteht die Andeutungen des Herrn immer noch nicht. „Herr“,
sagt er, „warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich
lassen. Jesus antwortet: Dein Leben willst du für mich lassen? Wahrlich,
wahrlich, ich sage dir, der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal
verleugnet hast“ (V. 37.38). Der arme Petrus kannte weder sich selbst noch den
Weg, den er im Selbstvertrauen zu unternehmen bereit war. Aber Jesus — gelobt
sei sein Name! — kannte beides. Mit festen Schritten ging Er den Pfad allein,
und dann führte Er seinen armen Diener auf demselben Pfad zur Herrlichkeit. Mit
welcher Güte sucht Er bei Petrus und den anderen Jüngern jeden Gedanken zu
entfernen, der sie mutlos und traurig machen könnte! Er sagt: „Euer Herz
werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich. In dem Haus
meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch
gesagt; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe
und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen,
damit, wo ich bin, auch ihr seiet“ (Joh 14,1–3).
aus Things New and Old V. 7 (1864) S. 101, „The untrodden way“
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