Frage:
Es wird immer wieder gesagt, es entspräche nicht der Heiligen Schrift, zum
Heiligen Geist zu beten. Warum eigentlich nicht? Ist der Heilige Geist nicht
ebenso Gott wie der Vater und der Sohn?
Antwort:
Zweifellos ist der Heilige Geist eine Person der Gottheit, ist Gott. Und wenn
wir uns in unseren Gebeten an Gott als solchen wenden, ohne auf eine bestimmte
Person in der Gottheit Bezug zu nehmen, ist mit dem Vater und dem Sohn auch der
Heilige Geist eingeschlossen. Aber im Neuen Testament wird nicht von einem Beten
zum Heiligen Geist gesprochen, wohl aber von einem Beten im Heiligen Geist, das
heißt in dessen Kraft (vgl. Eph 6,18; Jud 20, Röm 8,26.27).
Am Tage der Pfingsten in Apostelgeschichte 2 ist der Heilige Geist als Siegel
des vollbrachten Erlösungswerkes Christi auf die Erde gekommen. Seitdem sind
alle Gläubigen in einem Geist zu einem Leib getauft (1Kor 12,13), so dass sie
gemeinsam den Tempel Gottes bilden, in dem der Geist Gottes wohnt (1Kor 3,16–27).
Er wohnt darüber hinaus auch in dem Körper jedes einzelnen Gläubigen (1Kor
6,19). Das alles sind unermessliche Vorrechte, die auch unseren Gegenstand
berühren. In Epheser 2 wird nämlich gezeigt, dass wir durch diesen (oder: in
diesem) einen Geist Zugang zu dem Vater haben (Eph 2,18). Der Geist Gottes
befähigt uns also dazu, das Vorrecht, dem Vater praktisch in unseren Gebeten zu
nahen, wahrzunehmen. Dieses Vorrecht besitzen wir „durch ihn“, durch den
Herrn Jesus, der durch das Blut Seines Kreuzes Frieden gemacht und uns zu Gott
gebracht hat. Aber wir gebrauchen dieses Vorrecht „in einem Geist“, das
heißt in der Kraft des einen Geistes. Und wenn wir durch den Geist leben
dürfen und durch den Geist wandeln und geleitet werden sollen (Gal 5,16.18.25),
dann will Gott auch, dass wir im Geist beten (Jud 20).
Es geht bei dieser Frage nicht darum, dass der Heilige Geist nicht aller
Anbetung und Gebete würdig wäre: Er ist Gott. Aber es hat Ihm gefallen, Seinen
Platz während dieser Zeit der Gnade in dem Gläubigen zu nehmen. So ist Er
nicht der Gegenstand unserer Gebete, sondern deren Kraft.
Wir finden eine schöne Parallele hierzu in den Grüßen der
neutestamentlichen Briefe. Inspiriert durch den Heiligen Geist, grüßen die
Apostel die Heiligen oder die Versammlungen an den entsprechenden Orten. Sie
grüßen sie von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Aber
sie grüßen sie nicht von dem Heiligen Geist. Und warum nicht? Weil Er, in den
Heiligen und in der Versammlung wohnend, diese Grüße bewirkt und sie sendet.
Das ist derselbe Grundsatz.
Wenn jemand aus Unwissenheit, aber in Aufrichtigkeit zum Heiligen Geist
betet, wird Gott ihm zu Hilfe kommen. Doch das eigentliche Gebet des Christen
geschieht in der Kraft des Heiligen Geistes, und das ist ein beglückendes
Vorrecht.
aus dem Buch Antwort auf Fragen
zu biblischen Themen, CSV-Verlag, Hückeswagen
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