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Leitverse: Galater 1,4-5
Gal 1,4-5: ... [der Herr Jesus] der sich selbst für unsere Sünden
hingegeben hat, damit er uns herausnehme aus der gegenwärtigen bösen Welt, nach
dem Willen unseres Gottes und Vaters, welchem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit
zu Ewigkeit! Amen.
1. Vorwort
Der Herr Jesus ist geboren, um König zu sein; dazu ist Er in die Welt
gekommen, um der Wahrheit Zeugnis abzulegen. Da Ihn aber die Seinen nicht
aufgenommen haben, so entsagt Er für einige Zeit, hier auf der Erde zu regieren
und, in den Himmel zurückgegangen, sammelt Sich von dort aus eine Versammlung,
die als Seine Frau mit Ihm das Reich ererben soll. Diese Zeit der
Abwesenheit Jesu ist für uns der gegenwärtige böse Zeitlauf.
Wenn diese Versammlung vollständig und zu Ihm aufgenommen ist, so wird Er mit
ihr kommen, um Seine Rechte geltend zu machen; und als wahrer Melchisedek wird
Er Seinem Zepter der Gerechtigkeit und des Friedens alle Reiche, welche unter
allen Himmeln sind, unterwerfen. Dies wird das Reich Gottes sein oder der
zukünftige Zeitlauf [1].
Der gegenwärtige Zeitlauf und der zukünftige Zeitlauf — dies ist in wenigen
Worten der Gegenstand, den wir in diesen Aufsätzen erforschen möchten, indem wir
besonders den Charakter und die Berufung der Versammlung Jesu Christi durch
diese beiden Haushaltungen hindurch zu unterscheiden suchen.
Wie könnten wir, die Glieder dieser Versammlung, unserer Berufung würdig
wandeln, wenn wir nicht zuerst einen klaren und bestimmten Begriff davon haben?
Lasst uns deshalb das Licht der Prophezeiung nicht verachten, welches unseren
Weg beleuchten kann, indem es mit seinen Strahlen das herrliche Ziel unserer
Pilgerschaft erhellt und unsere Schritte durch den dunklen Ort dieser Welt,
durch welche wir zu gehen haben, leitet und sicher macht.
Gebe der Herr in Seiner Gnade, dass diese einfachen Forschungen einigermaßen
zu diesem Zweck dienen.
2. Die Natur der Versammlung
Die Versammlung ist keineswegs die Gesamtheit aller Heiligen seit Anbeginn
der Welt bis zum Ende der Welt. Sie ist der Leib des Christus, am Tage der
Pfingsten durch Seinen Geist gebildet und seitdem gesammelt, um zu ihrem Haupt
versammelt zu werden, ehe Er kommt, um über die Welt Gericht zu halten und Sein Reich aufzurichten. Sie ist sogar ein Geheimnis, welches in früheren Zeiten
nicht offenbart worden ist.
Dies lehrt uns das Wort, und insbesondere Paulus, der Diener der Versammlung
und Verwalter dieses Geheimnisses (Eph 3,1-12; Kol 1,18—27). Deshalb:
1. Ist die Versammlung gänzlich unterschieden sowohl von Israel in den
vergangenen Zeiten als auch von Israel und den Nationen im zukünftigen
Zeitalter?
- Israel war ein Volk nach dem Fleisch, äußerlich von allen anderen Völkern
getrennt, in einem besonderen ihm zur Wohnung angewiesenen Land. Die
Versammlung ist ein Volk, welches aus allen anderen genommen ist, obschon es
mitten unter ihnen wohnt. Sie ist auf der ganzen Erde zerstreut; und aller
nationaler Unterschied ist darin gänzlich ausgelöscht (Gal 3,26; Eph
2,11-12; Kol 3,11; Apg 15,14).
- Israel war ein Volk nach dem Fleisch. Wer von israelitischen Eltern
geboren und am achten Tag beschnitten wurde, war Israelit. Die Versammlung
ist ein Volk nach dem Geist. Weder die Geburt nach dem Fleisch noch
irgendeine Zeremonie macht zum Christen, sondern nur der Glaube und die Geburt
nach dem Geist (Joh 1,12-13).
- Nicht nur dies, sondern die Versammlung ist ein „Haus Gottes im Geist“,
„der Tempel Gottes“, so wie dies auch jedes Glied derselben ist (1Kor 3,16;
4,17; 2Kor 6,16; Eph 2,20-22; 1Pet 2,5). „Der Leib Christi“, in welchem
folglich Sein Geist lebt, wie der Geist des Menschen im Menschen lebt (Eph.
1,22-23; 4,4 usw.). Deshalb ist auch die Gottesverehrung der Versammlung
bezeichnet durch „im Geist und in der Wahrheit“ (Joh 4,21), im Gegensatz zur
jüdischen, welche in „Schatten und Satzungen des Fleisches“ bestand (Kol 2,17;
Heb 9,1.10). Israel hatte wohl eine Wohnung Gottes bei sich in seiner
Stiftshütte oder in seinem Tempel; da aber dieser Tempel selbst von „dieser
Schöpfung“ war, so war er nur ein Schatten der himmlischen Güter, und die
Opfer, die man dort darbrachte, waren in Beziehung mit den Segnungen, welche
Israel verheißen waren, d.h. wieder von dieser Schöpfung: Lämmer, Früchte,
Wein, Öl usw., nicht geistliche Opfer wie in der Versammlung.
- Das Königtum und das Priestertum in Israel gehörten von Rechts wegen einer
Familie und waren demgemäß Rechte nach dem Fleisch. Jeder Sohn Aarons war
bei erreichtem Alter, wie sein Charakter im Übrigen auch sein mochte, Priester
(2Mo 28,1; 3Mo 8). Die Leviten allein konnten im Tempel dienen und das
Volk belehren (5Mo 33,10; 2Chr 35,3). Die Versammlung hat einen einzigen Hohenpriester in dem Himmel, Jesus, wie es der Brief an die Hebräer
zeigt. Alle Glieder der Versammlung sind Könige und Priester durch den Geist,
der in ihnen ist (1Pet 2,5.9). Der Dienst ist nicht das Recht einer
Familie und ist an keine Stellung nach dem Fleisch gebunden, sondern hängt
einzig von den Gaben ab, welche der Geist jedem zuteilt, wie es Ihm gefällt (Röm
12,3-8; 1Kor 12,6.11; 1Pet 4,10-11).
- In Israel wollte Gott, dass man Ihm nur an einem Ort diene, den Er Sich
Selbst erwählt hatte und wo Sein Name wohnte (5Mo 12,11; 16,5-6). In der
Versammlung gibt es keine heiligen Örter. Da, wo zwei oder drei in dem Namen
des Herrn versammelt sind, ist Er in ihrer Mitte (Mt 18,20). Dies ist
ebenfalls eine Folge der Innewohnung des Geistes in den Gläubigen. Da dieser
Geist in Ihnen ist, so sind sie selbst der Tempel Gottes.
- Der Bund, den Gott mit Israel, wenigstens als Volk, gemacht hatte, war ein
Bund des Gesetzes und unter der Bedingung des Gehorsams (3Mo 18,5; 2Mo 19,5-6; 5.
Mo. 27,12-26.28). Die Versammlung aber steht vor Gott
auf dem Grund einer unbedingten und unabhängigen Gnade (Joh 3,16-17.36; Eph
2,4-6).
- Die an den Bund mit Israel geknüpften Segnungen waren alle irdisch (3Mo 26,3-12; 5.
Mo. 7,12-15; 8,7-18; 11,8-15.21; 28,1-14). Die Versammlung
ist mit geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern gesegnet (Eph 1,3;
Kol 3,1-4; Phil 3,18-21). Auf der Erde hat sie Trübsal und Kreuz zu
erwarten (Joh 12,25-26; 15,18-21; 16,1-4; 2Tim 3,11-12 usw.)
- Israel war von Gott berufen, seinen Feinden den Krieg zu machen und sie
auszurotten (3Mo 10,9; 5Mo 7,12.16-26). Die Waffen der Versammlung aber
sind nicht fleischlich; sie soll kein anderes Schwert kennen als das des
Geistes. Und wenn es sich um Feinde Gottes handelt, so soll der Christ sie
tragen, wie auch sein Heiland tat (2Kor 10,4; Eph 6,10-17; Mt 13,30; Lk 9,54-55).
Können zwei Haushaltungen [2], deren Charakterzüge so
verschieden sind, eine und dieselbe Haushaltung bilden? Mit anderen Worten, kann
die Versammlung nur die Fortsetzung von Israel sein?
Man wird sagen, dass die Versammlung, so wie sie heutzutage besteht, ein
Fortschreiten der Gemeinde von Israel sei und dass die Versammlung der letzten
Tage, in welchen ganz Israel errettet und die Erde mit der Erkenntnis des Herrn
bedeckt sein wird, wieder ein Fortschreiten der jetzigen Versammlung sei. Aber
kann man wohl das Ersetzen gewisser Grundsätze durch andere, oft ganz
entgegengesetzter Grundsätze ein Fortschreiten nennen? Was wird endlich die
Idee einer einzigen Versammlung durch alle Haushaltungen hindurch werden, wenn
die hauptsächlichsten Charakterzüge der vergangenen Haushaltung wieder in der
zukünftigen Haushaltung erscheinen? Das ist es aber, was uns gerade das Wort
zeigt, mit Ausnahme zweier oder dreier Fälle, in welchen Verschiedenheit, sogar
Gegensatz zwischen dem alten Israel und dem Israel der letzten Tage ist.
Um nun mit den Verschiedenheiten anzufangen, so war der Bund, den Gott einst
mit Israel auf Sinai gemacht hatte, wie wir gesehen haben, nach dem Gesetz, und
die Segnungen hingen vom Gehorsam ab. Der Bund, den Gott mit Israel in den
letzten Zeiten machen wird, wird im Gegenteil ein Bund der unbedingten Gnade
sein. In diesem ist er neu im Vergleich mit dem Bund auf Sinai. Deshalb werden
auch die Segnungen dieses Bundes so lange währen wie Himmel und Erde, während
die Segnungen des Bundes des Gesetzes ein Ende genommen haben (Jer 31,31-37;
33,11-26; Hes 37,25-28).
Übrigens hat dieser Bund der unbedingten Gnade seinen Grund in dem Bund,
welcher (mit Abraham) schon vierhundert Jahre vor dem Gesetz gemacht war; ein
Bund, auf welchen sich die Heiligen in Israel immer vor Gott berufen und nie
auf den Bund des Sinai (Ps 105,8 usw.; Mich 7,20 in Verbindung mit dem
ganzen Kapitel; Lk 1,72-73). Dies macht uns auch begreiflich, warum Jesus
„der Mittler des neuen Bundes“, Sein Blut „das Blut des neuen Bundes“ und der
Kelch des Abendmahls „der neue Bund im Blute Jesu“ genannt wird (Heb 9,15;
Mt 26,28; Lk 22,20). Es macht uns ferner die Anwendung von Jeremia 31,31-37
in Hebräer 8,8-12 und 10,16-17 verständlich.
Ehe die Versammlung bestand, war auch Israel das einzige Volk auf der Erde,
mit welchem Gott einen Bund machte und dessen Gott Er Sich nannte. Im
zukünftigen Zeitlauf wird es nicht so sein; denn es werden im Gegenteil „viele
Nationen sich dem HERRN anschließen, und sie werden mein Volk sein“; „Ihre
Brand- und Schlachtopfer sollen wohlgefällig sein auf meinem Altar. Denn mein
Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Völker“ (Sach 2,11; Jes 56,3.6-7).
Jedoch lasst uns jetzt auf die Beziehungen zwischen dem alten Israel und dem
der letzten Tage zurückkommen.
- Der Herr sagt zu der Tochter Zion allein: „Siehe, ich komme, und will
in dir wohnen; … denn der HERR wird Juda erben als sein Teil in dem heiligen
Lande, und wird Jerusalem wieder erwählen“ (Sach 2,10.32). Kurz, unter
den alsdann gesegneten Völkern, wird Israel eine Vorrangstellung einnehmen.
Wer könnte daran zweifeln, nachdem er Stellen, wie Jesaja 14,1-2; 49,22-23;
54,3; 60,3-16 usw. gelesen hat?
- Wie vormals die Heiligen in Israel zur Austilgung ihrer Feinde berufen
waren, so wird es wieder der Fall sein. Während „ihr Mund erhöhet, werden
sie zweischneidige Schwerter in ihren Händen haben, dass sie die Rache üben
unter den Heiden, Strafe unter den Völkern“ (Ps 149,6-9). Die, welche den
Herrn fürchten, „werden die Gottlosen zertreten wie Asche unter den Füßen“,
„wie Kot auf der Straße“ (Mal 4,3; Mich 4,13; 5,8-9; 7,10).
- Wie Gott in der vorherigen Haushaltung einen einzigen Ort auf der Erde
erwählt hatte, um Seinen Namen darauf zu legen und um dort die Verehrung der
Heiligen anzunehmen, so wird Er es wieder tun, und der Ort wird derselbe sein,
nämlich Jerusalem, „die Stadt des großen Königs“, von welchem Er gesagt
hat: „Meine Augen und mein Herz werden immer dort sein.“ Da wird Er
wieder mitten unter Israel wohnen, da wird nicht nur das wiederhergestellte
Israel, sondern es werden alle Nationen hinkommen, um „den Herrn der ganzen
Erde“ anzubeten (Jes 2,2-3; Jer 3,17; Mich 4,1-2; Hes 20,40- 41;
43,7; Sach 8,1-3; 20-23; 14,16-21).
- Der Gottesdienst wird, wenigstens in manchen Beziehungen, den
fleischlichen und irdischen Charakter annehmen, den er früher in Israel hatte.
Man wird wieder Brand- und Schlachtopfer, Kuchen und Weihrauch opfern, und
man wird wieder das Laubhüttenfest halten. Seht die vorherigen Stellen und
Jeremia 33,17-18.
- Wie vor dem Bestand der Versammlung die Segnungen, mit welchen Gott Seine
Heiligen belohnte, irdische Segnungen waren, so wird es in der letzten Zeit
wieder der Fall sein (Jes 60;61,4-6; 64,11-25; Jer 31,12-14.23-28; Hes
36,24; Hos 2,18-22; Amos 9,13-15).
Nun frage ich, wie kann man aus diesen Charakterzügen der Heiligen der
letzten Zeit diejenigen der Versammlung machen, ohne die bestimmtesten
Belehrungen des Wortes über die Versammlung und der Berufung ihrer Glieder
umzuwerfen? — Können die Christen je den Rockzipfel eines Juden fassen, um Gott
in Jerusalem zu suchen und um dort das Laubhüttenfest zu halten (Sach 8,23),
sie, die von ihrem Meister gelernt haben, dass man in der Versammlung den Vater
weder auf dem Berg von Samaria noch in Jerusalem anbeten wird; sondern dass
Gott wahrhaftige Anbeter verlangt, welche Ihn im Geist und in der Wahrheit
anbeten? — Werden sie je das Schwert nehmen können, um sich an ihren Feinden zu
rächen — sie, denen gesagt ist: „Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen,
tut wohl denen, die euch hassen, und betet für die, welche euch beeinträchtigen
und verfolgen“ (Mt 5,44)? — Können die Christen je, ohne untreu zu sein,
ihre Segnungen auf der Erde erwarten — sie, denen gesagt ist, „zu trachten
nach dem, was droben ist und nicht nach dem, was auf der Erde ist“ (Kol 3,2)? — Sollen sie endlich einmal die Knechte und Mägde Israels sein, seine
Ackersleute und Weingärtner, und sich damit beschäftigen, die zerstörten Mauern
wieder aufzubauen — sie, welche gelernt haben, dass in der Versammlung „weder
Jude, noch Grieche ist“ (Kol 3,11)?
Das ist aber noch nicht alles. Der Herr hat gesagt: „Und wer überwindet
und meine Werke bewahrt bis ans Ende, dem werde ich Gewalt über die Nationen
geben; und er wird sie weiden mit eiserner Rute, …“ (Offb 2,26-27). Und
wir sehen diese Verheißung in Offenbarung 20 erfüllt, wo die Glieder der
Versammlung, nachdem sie die Begleiter des Herrn geworden sind, mit Ihm, wenn Er
kommt, um den Boshaftigen zu zerstören, leben und regieren werden tausend Jahre
über Nationen, welche Satan nicht mehr verführt. Diese vor den Verführungen
Satans geschützten Nationen beziehen offenbar die Heiligen dieser glücklichen
Zeiten, wo die Erde mit der Erkenntnis des Herrn bedeckt sein wird, in sich.
Wenn aber die Heiligen nur eine Fortsetzung der Versammlung sind, wenn sie
wieder die Versammlung selbst sind, wie es einige sagen, was geht daraus hervor?
Dass ein Teil der Versammlung von dem Himmel aus über einen anderen Teil der
Versammlung auf der Erde, regieren wird? Ist aber das annehmbar? Ist das die
Einheit des Leibes, welche uns Paulus lehrt, wenn er sagt: „Ein Leib, und ein
Geist, wie ihr auch in einer Hoffnung eurer Berufung berufen seid“ (Eph 4,4)?
Wenn einmal eine einzige Wahrheit angenommen ist, so macht sie alle diese
Unmöglichkeiten aufhören, und diese Widersprüche verschwinden. Die Versammlung
ist der Leib des Christus, der seit Pfingsten durch Seinen Geist gesammelt wird;
und wenn er einmal vollständig ist, wird er mit seinem Haupt vereinigt, und zwar
ehe Er kommt, um über die Welt das Gericht zu halten und Sein Reich
aufzurichten. Wenn diese Versammlung aus der Welt entrückt ist, so nimmt Gott
Seine unterbrochenen Beziehungen zu Israel wieder auf, und nachdem Er es
gerichtet hat, erfüllt Er in Seiner Gnade alle dem Abraham und den Vätern
gemachten Verheißungen. Da sehen wir, weshalb wir Israel in den letzten Zeiten
in vielen Beziehungen in ähnlichen Stellungen und Charakterzügen finden, wie
diejenigen, welche es ehemals hatte. Nur konnte es ehemals, unter dem Bund des
Gesetzes, seine Segnungen, die ihm dargestellt waren, verlieren; in den letzten
Zeiten, unter dem (mit Abraham gemachten) Bund der Gnade wird es die Segnungen,
die ihm beigelegt werden, nicht verlieren.
Doch wir kommen darauf zurück. Jetzt wollen wir unsere Forschungen über die
Natur der Versammlung fortsetzen.
weiter zu Teil 2
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Anmerkung:
[1] Wir sagen, der gegenwärtige Zeitlauf sei
die Zeit der Abwesenheit des Herrn, und es ist dies in jedem Falle für uns wahr.
Aber wann hat denn dieser Zeitlauf angefangen? Vielleicht bei der Sintflut.
Deshalb wären dann die Zeiten des Herrn und Seiner Apostel „die letzten Zeiten
oder die letzten Tage“ genannt (Heb 1,1).
Wäre Jesus aufgenommen worden, so wären es wirklich die letzten Tage gewesen,
weil Sein herrliches Reich den zukünftigen Zeitlauf eingeführt hätte.
Obwohl übrigens der Anfang dieses Zeitlaufes nicht genau angegeben ist, so ist
es doch sein Charakter. Der Christ ist aus einem bösen Zeitlauf herausgenommen
(Gal 1,4); aus einem Zeitlauf der Finsternis, dessen Weltbeherrscher und Gott
der Teufel ist (Eph 6,12; 2Kor 4,4), dessen Kinder den Kindern des Lichtes entgegengestellt sind
(Lk 16, 8). Die, welche diesen Zeitlauf lieb
gewinnen, verlassen Gott und Seine Kinder (2Tim 4,10). Auch soll man nicht
diesem Zeitlauf gemäß handeln (Röm 12,2).
Der zukünftige Zeitlauf fängt offenbar mit der Ankunft des Herrn an und
entspricht der Zeit Seines Reiches. Dieses Reich ist ein herrliches und
wünschenswertes, weil diejenigen, welche „würdig gehalten werden, jenes
Zeitlaufes und der Auferstehung aus den Toten teilhaftig zu sein, nicht mehr
sterben können“ (Lk 20,35-36). Es ist der Zeitlauf der Vergeltung (Mk 10,30;
Lk 18,30), und zwar offenbar derjenigen, welche bei der Auferstehung der
Gerechten stattfinden wird (Lk 14,14). Endlich ist es der Zeitlauf der
Auferstehung, des Lebens und der Herrlichkeit.
Oft verwechselt man die Welt und den Zeitlauf, was zu großen Irrtümern führt.
Die Welt, kosmos oder oikumene, ist die Erde, welche wir bewohnen. Der Zeitlauf
aion ist ein bestimmter Zeitlauf dieser Welt oder eine Zeitspendung Gottes
gegen diese Welt und ihre Bewohner. Sie sind gleichsam wie zwei gleichlaufende
Linien, die sogar manchmal in gleicher Entfernung von denselben Ereignissen
durchschnitten und doch immer unterschiedlich sind.
Wenn der gegenwärtige Zeitlauf bei der Sintflut angefangen hat, so entspricht er
in seiner Dauer dem, was man die jetzige Welt nennen kann, im Gegensatz zur
alten Welt, das heißt der vorsintflutlichen Welt.
Der durch die Ankunft des Herrn eingeführte zukünftige Zeitlauf entspricht auch
der zukünftigen Welt oder dem zukünftigen Erdkreis (Ps 8; Heb 2,5), d.h.
Der durch den Herrn hergestellten Welt, auf welcher alle Kreaturen Ihm
unterworfen sein werden.
Ferner entsprechen sich auch die Charakterzüge der jetzigen Welt und des
jetzigen Zeitlaufes. Wenn dieser Zeitlauf „böse“ ist, so „liegt auch die ganze
Welt im Argen“ und „alles, was in der Welt ist. — „Die Lust des Fleisches, die
Lust der Augen und der Hochmut des Lebens ist nicht aus dem Vater, sondern
aus der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust.“ Wie man deshalb den
jetzigen Zeitlauf nicht lieben noch ihm gemäß handeln soll, so soll man auch
die Welt nicht lieben noch was in der Welt ist (1Joh 2,15-17; Jak 4,4).
Wenn der Teufel der Weltbeherrscher dieses Zeitlaufes ist (Eph 2,2), so ist er
auch der Fürst dieser Welt genannt (Joh 12.31; 14,30; 16,11). „Wenn man nach
dem Zeitlauf dieser Welt wandelt, so wandelt man nach dem Fürsten der Gewalt der
Luft, des Geistes, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirksam ist“ (Eph 2,2); auch ist jetzt das Reich des Herrn Jesus weder von diesem Zeitlauf noch von
dieser Welt (Joh 18,36). Dass es nicht von diesem Zeitlauf ist, wird durch das
Wort „jetzt“ bezeichnet, und dass es nicht von dieser Welt ist, durch das Wort
„von hier“; aber es wird sich im zukünftigen Zeitlauf über eine erneuerte Welt
erstrecken.
Ungeachtet dieser Beziehungen ist Welt und Zeitlauf nicht dasselbe und sollen
nicht verwechselt werden. Man tut es aber in Matthäus 13,39-40.49 und 24,3, wenn
man anstatt „Ende des Zeitlaufes“ „Ende der Welt“ liest, was glauben macht,
dass es sich dort um Zerstörung von Himmel und Erde handle und um das Gericht,
das dann stattfinden wird (Offb 20), während es sich in diesen Stellen, so wie
in Matthäus 25, das nur eine nähere Entwicklung davon ist, keineswegs um das Ende der
Welt handelt, sondern um das Ende des jetzigen bösen Zeitlaufes und um das
Gericht, welches dann vom Herrn ausgeführt wird, um den zukünftigen Zeitlauf
einzuführen.
[2] Anmerkung des
Herausgebers
des Botschafters: Das Wort „Haushaltung“ ist in seiner eigentlichen Bedeutung,
nach meiner Meinung, auf die Versammlung als solche nicht anwendbar; allein
ein anderer Ausdruck, etwa „Periode“, würde hier weniger für Israel passend
sein.
entnommen aus Botschafter des
Heils in Christo — Jahrgang 1857
aus dem Französischen übersetzt
von der Redaktion sprachlich leicht angepasst
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