|
Leitverse: Matthäus 13,31-32
Mt 13,31-32: Ein anderes Gleichnis legte er ihnen
vor und sprach: Das Reich der Himmel ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch
nahm und auf seinen Acker säte, das zwar kleiner ist als alle Samenkörner,
aber wenn es gewachsen ist, ist es größer als die Kräuter und wird ein Baum,
sodass die Vögel des Himmels kommen und sich niederlassen in seinen Zweigen.
Unmittelbar
im Anschluss an das Gleichnis vom Unkraut im Acker, noch während der Herr
Jesus draußen am Ufer des Sees saß, erzählte Er zwei weitere Gleichnisse über
das Reich der Himmel. In der dreimaligen Wiederholung der Einführungsworte
"Ein anderes Gleichnis ..." (V. 24.31.33) kommt die Zusammengehörigkeit
dieser beiden Gleichnisse mit dem vorigen zum Ausdruck; denn alle drei
beschreiben die negative Entwicklung des Reiches der Himmel auf der Erde, während
der rechtmäßige König von Seinem Volk verworfen und abwesend ist. So ergänzen
sie einander in wunderbarer Weise.
Eine
den beiden Gleichnissen vom Senfkorn und Sauerteig gemeinsame Besonderheit
ist, dass in ihnen nicht mehr wie in den vorigen die einzelnen Menschen
betrachtet werden, sondern das Reich der Himmel als Ganzes. Das wird manchmal
übersehen. Gerade die beiden Gleichnisse, mit denen wir uns jetzt beschäftigen
wollen, werden in der Christenheit meistens positiv als Bilder von der
Ausbreitung des Evangeliums erklärt, obwohl sie ganz im Gegenteil die
negativen Einflüsse des Bösen auf das Reich der Himmel beschreiben.
Das
Gleichnis vom Senfkorn ist das dritte, das vom Säen handelt, allerdings jetzt
in einem etwas anderen Sinn. Zwar ist auch hier der Acker ein Bild der Welt
(vgl. V. 38). Aber der Vergleichspunkt ist nicht wie in den beiden vorigen der
Sämann, der den guten Samen ausstreut, sondern die geringe Größe des
Samenkorns: "Das Reich der Himmel ist gleich einem Senfkorn, welches ein
Mensch nahm und auf seinen Acker säte; das zwar kleiner ist als alle Samen
..." (V. 31-32). Das Senfkorn steht im Mittelpunkt, und die einzige Tätigkeit
des Menschen ist, dass er es auf seinen Acker sät. Das Wesentliche ist hier
nicht die gute Qualität des ausgestreuten Samens, sondern seine
Unscheinbarkeit, ein Bild davon, dass auch das Reich der Himmel klein und
unbeachtet begann.
Das
Senfkorn ist zwar nicht der absolut kleinste Same, aber doch wesentlich
kleiner als Getreidekörner und Samen von anderen Nahrungspflanzen. In der
Bibel wird es als beinahe sprichwörtlicher Ausdruck für etwas sehr Kleines
und Geringes verwendet. So sagt der Herr in Kapitel 17,20 zu Seinen Jüngern:
"Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn ..." Aber während Er dort nur
die mögliche Größe der Glaubenskraft beschreibt, geht es Ihm hier auch um
das, was sich aus kleinsten Anfängen entwickelt: "... wenn es aber
gewachsen ist, so ist es größer als die Kräuter und wird ein Baum" (V.
32). Die aus dem Samen des schwarzen Senfs aufschießende strauchartige
Pflanze kann eine Höhe von zwei bis drei Metern erreichen. Im Vergleich zu Kräutern
und anderen Gartengewächsen erscheint sie wirklich wie ein Baum, auf dessen
Zweigen die Vögel sich niederlassen können.
Ein
Baum ist in der Bibel oft ein Sinnbild für eine große irdische Macht. Assur (Hes 31,3) und Nebukadnezar (Dan 4,10ff.) werden z.B. mit großen Bäumen
verglichen. Wie ganz anders ist dagegen der Glückselige in Psalm 1, der einem
an Wasserbächen gepflanzten Baum gleicht, dessen Blatt nicht verwelkt und
der seine Frucht bringt zu seiner Zeit!
Der
Baum, der sich aus dem kleinen Senfkorn entwickelt, ist dagegen kein
positives, sondern ein negatives Bild. Das Reich der Himmel, das doch einen
himmlischen Charakter tragen soll, wird zu einer irdischen Macht! Beachten
wir, dass der Herr hier nicht die gottgewollte Entwicklung beschreibt, sondern
auf dessen äußere Entfaltung als Folge Seiner Verwerfung hinweist. Dies wird
durch den Schlusssatz bestätigt: "... sodass die Vögel des Himmels kommen
und sich niederlassen in seinen Zweigen" (V. 32). Schon im ersten
Gleichnis erklärt der Herr, dass die Vögel, die die auf den Weg gefallenen
guten Samenkörner fressen, ein Bild des Teufels sind, der das Wort aus den
Herzen der Hörer wegreißt (V. 4.19). Dieselbe Macht des Bösen, die zuerst
das Werk Gottes vernichten wollte, nistet sich hier ein!
Vögel
sind in der Bibel sehr häufig Bilder von teuflischen Einflüssen (vgl. 1. Mo.
15,11; 40,17; Jer 5,27). Besonders deutlich kommt dies in Offenbarung 18,2
zum Ausdruck, wo die große Hure Babylon, das Bild der zukünftigen
Christenheit ohne Christus, als "Gewahrsam jedes unreinen Geistes und ...
jedes unreinen und gehassten Vogels" bezeichnet wird.
Das
Reich der Himmel in seiner äußeren Form entspricht heute der Christenheit
(nicht der Versammlung Gottes, d.h. der Gesamtheit aller Erlösten!). Das
Gleichnis vom Sämann (Mt 13,3-9) zeigt, dass Satan immer versucht, die
Ausbreitung des Wortes Gottes zu verhindern. Da ihm dies unmöglich ist, setzt
er alles daran, eine Vermischung des Guten mit dem Bösen zustande zu bringen,
wie wir es im Gleichnis vom Unkraut im Weizen sehen (V. 24-30). Im Gleichnis
vom Senfkorn hat das Reich der Himmel seinen himmlischen Charakter verloren
und hat sich zu einem beachtlichen Machtfaktor in der Welt entwickelt (obwohl
natürlich immer wahre Gläubige da sind). Durch Einmischung in die weltliche
Politik, Aufnahme philosophischen Gedankengutes und immer deutlicheres
Abweichen von Gottes Wort ist die in den großen Kirchen organisierte
Christenheit zu einem "Baum" geworden, der heute allen möglichen
Gedanken und deren Trägem Unterschlupf bietet.
|