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Einleitung zur Hebräerbriefbetrachtung
Inhalt
Vorwort des Verfassers Die Hebräer Datierung Die Leser (Empfänger) Ihre Geschichte Eine entzweite Nation Entweder - Oder? Zurückgehen? Wahre Gläubige?
Dieses Buch geht auf einige in England gehaltene Vorträge zurück. Diese
wurden aufgenommen, getippt und dann in leicht überarbeiteter Form durch Herrn
George Brady und seine Freunde vervielfältigt. Ihre Absicht war, die Vorträge
Missionaren auf dem Missionsfeld zugänglich zu machen. Seither haben viele, die
diese Vorträge nützlich fanden, eigene Ausgaben erstellt und sich für eine
weitere Verbreitung eingesetzt.
Das Buch erhebt keineswegs den Anspruch, ein Kommentar zu sein. Der
umgangssprachliche Stil sowie die ungleiche Behandlung der verschiedenen Teile
des Briefes lassen erkennen, was es ist: die schriftliche Wiedergabe von
Vorträgen, die aus Zeitmangel sich darauf beschränken mussten, einige der
Hauptgedanken des Briefes zu beleuchten. Wenn aber gerade die Anspruchslosigkeit
der Vorträge einer kommenden Generation zum Erfassen der besonderen Atmosphäre
und Stimmung des Briefes verhilft und sie ermutigt, unter Beiziehung von
Kommentaren den Brief im Detail zu studieren, ist das Erscheinen des Buches
gerechtfertigt.
Die Veröffentlichung bietet mir Gelegenheit, meine bleibende Dankbarkeit den
zahlreichen Geschwistern im Nordosten Englands auszudrücken, die mir mit so
außergewöhnlicher Freundlichkeit begegneten, während ich dort wohnte. Besonders
Jack und Ada Hartburn schulde ich mehr, als ich in Worte fassen kann. Ihnen sei
dieses Buch gewidmet.
Belfast im November 1975
David Gooding
Der Brief an die Hebräer erinnert uns an eine Reihe von herrlichen Wahrheiten
über die Person unseres Herrn Jesus Christus: Seine Gottheit, Seine Menschheit,
Sein triumphales Glaubensleben, Seine herrliche Auferstehung und Himmelfahrt und
die Gewissheit Seines Kommens. Aber gleichzeitig enthält dieser Brief seine
düsteren und ernsten Abschnitte. Wir finden hier längere und ernstere Warnungen
als vielleicht in irgendeinem anderen Brief des Neuen Testaments. Und gerade
diese Warnungen sind es, die im Lauf der Jahrhunderte so manches Kind Gottes
verwirrt und beunruhigt haben.
Es wird das Beste sein, wenn wir in der ersten unserer zehn Studien den Brief
in seinem allgemeinen Charakter untersuchen um festzustellen, an wen er
geschrieben ist, mit welcher Absicht und unter welchen Umständen. Wenn wir erst
erfasst haben, was der Hebräerbrief zum Leben und zu den Umständen der
eigentlichen Empfänger zu sagen hatte, werden wir besser verstehen, was die
besondere Botschaft dieses Briefes für unsere Umstände ist. Ein geduldiges
Studium am Anfang wird unsere Fähigkeit nur mehren, uns an den wunderbaren
Dingen, die über den Herrn Jesus gesagt werden zu freuen. Gleichzeitig werden
dabei unsere Herzen zugerüstet, den ernsten Dingen offen ins Gesicht zu schauen.
Wir müssen uns fortwährend in Erinnerung rufen, dass wir es mit Gottes heiligem,
unwandelbarem Wort zu tun haben. Wir dürfen also nicht all die herrlichen und
ermunternden Wahrheiten wie Rosinen aus dem Kuchen picken und die düsteren
Seiten des Briefes unterschlagen. Wenn wir mit Freude alles, was über den Herrn
Jesus gesagt wird, gründlich auslegen, müssen wir auch alle an uns gerichteten
Warnungen gründlich auslegen. Zugleich wollen wir versuchen, konsequent
auszulegen; d. h. dass wir nicht einige dieser Warnungen auf Christen anwenden,
andere auf Ungläubige.
Nein, wir wollen uns um eine konsequente Handhabung des Stoffes bemühen;
unser einziges Anliegen soll sein, Gottes Wort recht zu verstehen.
Wer waren nun die Empfänger dieses Briefes? Diese Frage lässt sich leicht
beantworten. Die Überschrift, die wir in den Handschriften finden, „an die
Hebräer“, ist gewiss zutreffend. Der Brief wurde an Hebräer geschrieben,
Hebräer, die ihren Glauben an den Herrn Jesus als ihren Messias und Retter
bekannt hatten. Beim sorgfältigen Lesen muss uns auffallen, wie viele Dinge
einen Hebräer viel direkter ansprechen als einen Heiden. Der Brief ist voll von
Hinweisen auf das Priestertum, die Stiftshütte, ihre Einrichtungen und Opfer.
Öfter spielt er auf jüdische Geschichte und auf die großen Gestalten des Alten
Testamentes an. Der Hebräerbrief wurde nicht an einstige Heiden geschrieben, die
jetzt zum Glauben an Jesus Christus gekommen waren, nein, an Juden, die im
jüdischen Glauben groß geworden waren und die zudem Jesus als ihren Messias
bekannten.
Einzelne verstreute Hinweise lassen uns auf die Zeit der Abfassung dieses
Briefes schließen. Wir lesen beispielsweise im Kapitel 13 die Aufforderung: „Gedenkt
eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben. Schaut den Ausgang
ihres Wandels an und ahmt ihren Glauben nach!“ Hier werden die Empfänger
aufgefordert, sich der frommen Männer zu erinnern, die ihnen einst in den
Versammlungen vorgestanden hatten und inzwischen heimgegangen waren. Somit
erfahren wir, dass eine gewisse Zeit verstrichen sein musste, seit das
Evangelium gepredigt worden war: es hatten sich Menschen bekehrt, Gemeinschaften
von Christen waren entstanden und die älteren Brüder, die in diesen Gemeinden
die Verantwortung getragen hatten, waren bereits heimgegangen. Einige Jahre sind
also bereits verstrichen, seit diese Juden erstmals die Botschaft hörten. Aber
wenn wir das Ende von Kapitel 8 gebührend beachten, stoßen wir auf ein
gewichtiges Indiz dafür, dass der Brief vor dem Jahre 70 nach Christi Geburt
abgefasst wurde: „Indem er von einem neuen Bund spricht, hat er den ersten
für veraltet erklärt; was aber alt ist und sich überlebt hat, ist dem
Verschwinden nahe.“ Beachte, wie genau sich der Schreiber ausdrückt. Er sagt
nicht, der Alte Bund und alles zu ihm gehörige sei schon verschwunden. Er sagt
uns, dass bereits ein neuer Bund bestehe, und an anderer Stelle erklärt er, dass
dieser Bund eine gänzlich neue Ordnung des Gottesdienstes mit sich bringe. Der
Alte Bund hatte die Stiftshütte und das Priestertum und die Opfer. Der Neue Bund
hat einen ganz anderen Gottesdienst. Und allein die Tatsache, dass ein neuer
Bund besteht, beweist doch, meint der Schreiber, dass der erste alt geworden
ist. Und dann fügt er hinzu: Was aber alt ist und sich überlebt hat, ist dem
Verschwinden nahe. Es ist noch nicht verschwunden, ist aber nahe daran. Aus der
Geschichte wissen wir, dass der Tempel im Jahre 70 n. Chr. zerstört wurde. Und
wenn wir das Kapitel 9 dieses Briefes sorgfältig lesen, fällt uns auf, dass der
Schreiber vom Dienst im Tempel und in der Stiftshütte im Präsens
(Gegenwarts-Form) spricht. Er tut das, weil zur Zeit der Abfassung dieses
Briefes der Tempel noch immer stand und die jüdischen Priester ihren
Tempeldienst noch vollzogen.
Wenn wir diese Fakten zusammentragen, können wir in etwa folgern, wann der
Brief geschrieben wurde. Eine Generation war seit der ersten Verkündigung des
Evangeliums verstrichen. Es war aber auch noch nicht 70 n. Chr., aber der
Zeitpunkt war schon sehr nahe, an dem die römischen Heere Jerusalem eroberten
und die Weissagung aus dem Munde des Herrn Jesus erfüllten, dass nicht ein Stein
auf dem anderen bleiben würde. Wir befinden uns also in jener sehr kurzen
Zeitspanne, in der das alte System seinem unwiederbringlichen Ende
entgegenstrebte. Das neue System war schon aufgerichtet, aber gleichsam noch in
den Kinderschuhen. Es gewann aber zusehends an Einfluss und Bedeutung. Judentum
wie Christentum steuerten auf eine Entscheidungsphase zu. In diese Zeit fällt
dieser Brief.
Was waren die Empfänger des Briefes für Leute? Sie waren Juden, und wir haben
bereits genug gehört, um die besonderen Empfindungen dieser Leute ein wenig zu
verstehen. Wenn wir nun einige Verse im Kapitel 10 beachten, werden wir sie noch
besser verstehen. Sie waren Juden, die ein Bekenntnis des christlichen Glaubens
abgelegt hatten. Darauf waren sie schrecklichen Verfolgungen ausgesetzt worden.
Wir lesen, dass sie einen großen Kampf des Leidens durchgemacht hatten, nachdem
sie erleuchtet worden waren. Sie wurden durch Schmähungen und Drangsale zur
Schau gestellt. Einige hatten Haus, Hof und Gut verloren.
Es waren tapfere Leute. Wir wollen uns davor hüten, diese Männer und Frauen
zu unterschätzen, die um ihres Glaubens an den Herrn Jesus willen vom ersten Tag
an „viel Leidenskampf“ erduldet hatten. In würdiger Manier hatten sie sich zu
den Verkündigern des Evangeliums und zu ihren geistlichen Führern gestellt, auch
als diese gefasst und öffentlich geschlagen und sogar ins Gefängnis geworfen
wurden. Sie hatten sich weder durch Drohungen noch durch Schmähungen von ihrem
Glaubensbekenntnis abbringen lassen. In der festen Überzeugung, dass sie bessere
Güter als irdische, nämlich ein himmlisches Erbe besaßen, hatten sie mit Freuden
den Raub ihrer Güter hingenommen. Sie waren gewiss keine Feiglinge. Vielmehr
bewundern wir diese tapferen Männer und Frauen.
Wenn wir den Brief lesen, wird aber auch deutlich, dass es inzwischen nicht
mehr so gut um sie stand, obwohl sie in den Tagen, da sie erleuchtet worden
waren, mutig ihren Posten behauptet hatten. In Kapitel 10 Vers 25 bemerkt der
Schreiber, dass etliche das Zusammenkommen versäumten, was immer ein ernstes
Zeichen ist bei solchen, die anfänglich voller Eifer dabei gewesen waren. Wenn
du sie gefragt hättest, warum sie nicht mehr kämen, hätten vielleicht etliche
geantwortet: „Wir können auch zu Hause an Christus glauben.“ Aber ihr wisst,
dass es immer ein Besorgnis erregendes Symptom ist, wenn einstmals eifrige
Besucher der Zusammenkünfte immer seltener erscheinen. Auf alle Fälle ließ den
Schreiber des Briefes, der sich für diese Leute geistlich verantwortlich fühlte,
dieses eine Symptom schon das Schlimmste befürchten. Darum ist der Brief voll
von Aufforderungen, das Bekenntnis des Glaubens festzuhalten. Wir sollten uns
vielleicht von Anfang an merken, was sie festhalten sollen; nicht bloß ihren
Eifer oder ihre Form der Gottseligkeit, nein, sondern das Bekenntnis ihres
Glaubens. Der Schreiber dieses Briefes zumindest sah die ernste Möglichkeit,
dass einige ehemals so mutige Bekenner jetzt jegliches Bekenntnis des Glaubens
an Jesus als den Messias über Bord werfen würden.
Das gab zu den schwerwiegendsten Fragen Anlass, und diese Fragen wiederum
werden durch ernste Warnungen unterstrichen. Die ganze Situation erinnert den
Schreiber an die Ereignisse in der Wüste, als vor mehreren Jahrhunderten Israel
einen guten Anfang gemacht hatte, als es aus Ägypten ausgezogen war und
freimütig singen konnte: „Singen will ich dem Herrn, denn hoch erhaben ist
er; Ross und Reiter hat er ins Meer geworfen.“ Etwas später stellte sich
heraus, dass etliche sich weigerten, ins Land der Verheißung einzuziehen. Das
war eine schwarze Stunde in der Geschichte Israels, und an eben diese Stunde
erinnert sich der Schreiber angesichts der gegenwärtigen Lage. Und im Kapitel 6, wo der Schreiber sie auffordert, zur Vollkommenheit fortzuschreiten,
spricht er von solchen, die abfallen und gewisse schreckliche Dinge tun, dass
man sie nachher unmöglich zur Buße erneuern könne. Als er schließlich zum
Kapitel zehn kommt, warnt er: „Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir
die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für
Sünden mehr übrig, sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts.“ Ja, diese
Hebräer gaben dem Schreiber zu den ernsthaftesten Befürchtungen Anlass.
In den folgenden Studien werden wir versuchen, nicht nur zu verstehen, was
den Empfängern gesagt wurde, sondern es auf uns anzuwenden, wo immer und wie
immer es passend ist. Wir müssen uns deshalb bemühen — ich möchte das mit
Nachdruck betonen — die ganze Tragweite dieser ernsten Lage zu verstehen.
Bedenke, wir haben hier Menschen vor uns, die im jüdischen Glauben erzogen
worden waren. Ihre Gedanken an Gott waren untrennbar mit dem glänzenden Tempel
in Jerusalem, mit dem Chorgesang der Leviten und der Priester, mit aller Pracht
jener altehrwürdigen Rituale verbunden. Sie waren an den Weihrauch und an die
Musik gewohnt, an Dinge, die man mit seinen Sinnen wahrnehmen konnte. Man konnte
den Priester sehen, wie er die Tiere schlachtete und sie verbrannte, wie er sich
am Waschbecken wusch und wie er über dem Sündopfer die Sünden des Volkes
bekannte. Diese Juden waren in einer Religion großgeworden, welche die
ehrwürdigsten Namen zierten. Hatte nicht Mose in einem Gotteshaus angebetet, das
dem ihren weitgehend glich? Hatten nicht David und Salomo gemeinsam an jenem
Tempel gebaut, von dessen einmaliger Pracht der gegenwärtige ein Abbild war? Und
hatte nicht Gott Selbst all diese Einrichtungen verordnet? Und hatten nicht die
heiligen Schriften, von denen selbst der Messias gesagt hatte, sie könnten nicht
gebrochen werden, ihnen diese Dinge geboten? Liebten sie denn all diese
überlieferten Ordnungen nicht mit einer Inbrunst, wie sie nur einem Juden eigen
sein kann? Diese Dinge waren ihr Leben. Sie, oder zumindest ihre Vorfahren,
hatten Jahre bitterster Verfolgung durchgestanden, als ein griechischer Tyrann
ihren Tempel verunreinigt hatte. Sie hatten diesem Gotteslästerer bis aufs Blut
widerstanden und keinen Zoll nachgegeben. Er hatte versucht, sie von der
Verehrung des einen wahren Gottes abzubringen, vom heiligen Gesetz und von ihrem
Gottesdienst im Tempel, und viele hatten ihre Treue zum alttestamentlichen
Gottesdienst mit ihrem Leben bezahlt.
Solche Erfahrungen brennen sich natürlich unauslöschlich in Herz und Seele
von Einzelnen wie von ganzen Nationen ein. Diese Juden, an die der Brief
gerichtet war, stimmten ihren Glaubensgrundsätzen nicht nur zu; sie waren
bereit, mit Haut und Leben für sie zu kämpfen.
Aber dann war der Herr Jesus gekommen. Wahrscheinlich waren unter den
Empfängern des Briefes solche, die den Herrn noch persönlich gehört hatten.
Etliche hatten vielleicht Seine Gleichnisse aus Seinem Mund vernommen und waren
von Seinen Zeichen und Wundern am eigenen Leib berührt worden. Jesus war
gekommen und hatte bezeugt, der Christus, Israels Messias zu sein, der Sohn
Gottes. Die Nation als ganze hatte dieses Zeugnis verworfen. Dann waren jene
gewaltigen Ereignisse von Pfingsten gefolgt, als Jerusalem bis auf die
Grundfesten erschüttert wurde: Nachfolger Jesu verkündigten laut; „dieser Jesus,
den sie gekreuzigt hätten, sei von den Toten auferstanden und in den Himmel
aufgefahren und hätte somit bewiesen, dass Er tatsächlich Israels Messias sei!
Gott hatte in Seiner Macht die Entscheidung der Nation verurteilt, indem Er Ihn
aus den Toten auferweckte und Ihn zu Seiner Rechten setzte.
Der Heilige Geist war gekommen, um diese Botschaft zu bestätigen; und das war
in so zwingender Weise geschehen, dass die Bewohner von Jerusalem sich dem
Zeugnis kaum hatten widersetzen können. Im Namen dieses Jesus waren Wunder
geschehen, einzigartige Wunder, und viele hatten über ihren Mord am Sohn Gottes
Buße getan. Sie hatten Ihn in Unwissenheit umgebracht; jetzt bekannten sie
freudigen Herzens ihre Schuld und ließen sich in der nämlichen Stadt, in der man
ihren Herrn gekreuzigt hatte, im Namen Jesu taufen.
Einige der älteren Geschwister unter den Empfängern dieses Briefes können
sehr wohl in Jerusalems Gassen gestanden haben, als diese mächtigen Taten
geschahen. Ein Großteil dieser älteren Geschwister war freilich schon
heimgegangen. Die meisten waren jünger und hatten das Evangelium bestätigt
bekommen von denen, die den Herrn Jesus persönlich gehört hatten (2,3). Gott
hatte außerdem die Wahrheit dieser Botschaft vom Himmel her bekräftigt, indem Er
zahlreiche Zeichen und Wunder geschehen ließ. Es waren in der Folge viele Juden
zum Glauben an den Messias übergetreten, unter ihnen nicht wenige Priester (Apg 6,7), die aber trotzdem Juden blieben.
Es war eine außergewöhnliche Situation. Die Nation war entzweit, und ein
Außenstehender hätte jahrelang nicht vorhersagen können, nach welcher Seite das
Pendel schließlich ausschlagen würde. Da waren noch immer die offiziellen
Vorsteher des Volkes, die am Urteil festhielten, dass Jesus nicht der Messias
war und dass man Ihn deshalb zu Recht verurteilt habe.
Sie mussten folglich zu beweisen suchen, dass Er nicht auferstanden sei. Auf
der anderen Seite stand eine ständig wachsende Gruppe von Juden, die bezeugten,
dass Jesus doch der Messias sei und dass man Ihn deshalb zu Unrecht gekreuzigt
habe. Sie behaupteten, Er sei aus den Toten auferstanden.
Und diese Juden aus beiden Lagern gingen noch immer in den gleichen Tempel
und verrichteten dort gemeinsame Gebete. Sie trafen sich wohl in verschiedenen
Synagogen, denn innerhalb des Judentums bestanden viele verschiedene Synagogen,
die voneinander leicht unterschiedliche Lehrmeinungen vertraten. Aber alle
gingen in den gleichen Tempel und verehrten in dessen geweihten Einfriedungen
den gleichen Gott. Ihr wisst, wie wir in der Apostelgeschichte von Männern wie
Petrus und Johannes und, jawohl, auch Paulus lesen, wie sie jahrelang noch an
diesem Tempel hingen. Er war für sie ein Anziehungspunkt.
Diese jüdischen Christen hielten sich also in den Anfängen noch zum Tempel
und bezeugten dort ihr herrliches Evangelium. Sie mussten den Leuten erklären,
dass Jesus, obwohl Er gelitten hatte, der Messias sei; und sie lernten, ihr
Altes Testament aufzuschlagen, um von daher zu zeigen, dass die Leiden des
Messias vorhergesagt waren. Die Tatsache, dass Jesus litt, so argumentierten
sie, sei kein Beweis gegen, sondern vielmehr für Seine Messianität. Er habe die
alttestamentlichen Prophezeiungen gerade dadurch erfüllt, dass Er zuerst litt,
um dann zur Auferstehung zu gelangen. Und dann schlössen sie ihre Botschaft
stets mit jener unüberhörbaren Note des Triumphs: Jesus kommt wieder! Er ist
erhöht und zur Rechten Gottes gesetzt worden, aber Er kommt bald wieder. Gott
hat Ihn zum Herrscher und Richter gemacht. Noch über ein gar Kleines, so sagten
sie zueinander und weil es ihnen so häufig über die Lippen kam, kleideten sie es
in dichterische Gestalt — noch über ein gar Kleines, und der Kommende wird
kommen und nicht verziehen. Der Prophet hatte vorausgesagt, dass der Messias
kommen sollte. Er war gekommen und gekreuzigt worden. „Aber schaut“, sagten sie,
„Er ist auferstanden und Er wird in einem noch höheren Sinn jene Prophetie
erfüllen. Er, der kommen sollte, wird kommen und wird nicht verziehen.“ Und als
sie in dieser Weise predigten, kamen noch viele mehr zum Glauben.
Das zog unerbittliche Verfolgung nach sich. Sie trugen es mit Freuden, froh
einen Herrn bekennen zu dürfen, der um ihretwillen gekreuzigt worden war, der
aber bald wiederkehren würde. Aber die Jahre verstrichen und Er kam nicht. Die
Apostel fragten doch selbst einmal den Herrn kurz vor Seiner Himmelfahrt: Herr,
stellst du in dieser Zeit Israel das Reich wieder her? Später wussten sie es
besser. Aber in jenen ersten Tagen dachten die Apostel nicht an Leute wie du und
ich, also an Heiden. Der Herr war jetzt auferweckt. Er war der Messias und
bald, so glaubten sie, würde Er wiederkommen und für Israel das Reich
aufrichten. Er würde Israel vom römischen Joch befreien und es zum Haupt der
Nationen machen.
Selbst ein Mann wie Petrus musste durch eine Vision genötigt werden, größer
zu denken. Das Evangelium einem Heiden predigen? Aber nicht Petrus, auf keinen
Fall! Bis ihm Gott eine neue Sicht schenkte, um ihn zum Gehorsam zu bewegen.
Jüdische Vorstellungen von prophetischen Dingen sind nicht unbedingt gleich den
unsrigen; schließlich leben wir um einiges später und wissen inzwischen mehr.
Viele warteten darauf, dass der Messias jeden Augenblick zurückkehren würde, um
in Palästina Sein Reich aufzurichten. Das würde ihren Volksgenossen beweisen,
dass Er der Christus Gottes war. Aber Er kam nicht. Und die älteren Geschwister
waren größtenteils schon heimgegangen. Und noch immer kam Er nicht. Aber mit
wachsender zahlenmäßiger Stärke der christlichen Gemeinschaft wuchs auch die
Verfolgung. Und trotzdem kam Er noch nicht. Und jetzt hatte man das Evangelium
zu den Heiden gebracht. Petrus und andere hatten angefangen, zu Heiden zu
predigen. In zahlreichen griechischsprachigen Städten existierten Versammlungen
von Gläubigen. Die Juden strichen sich ihre Bärte und fragten sich, was wohl
alles noch kommen würde. Was war denn das? Dieser Neuling Paulus hatte ihre
kostbaren jüdischen Glaubenselemente unter den Heiden verbreitet. Es wurde gar
gemunkelt, er hätte einen Griechen in den Tempel eingeführt. Sollte denn alles
anders werden? Für diese strenggläubigen, exklusiv denkenden Juden war alles im
höchsten Grad verwirrend. Was hatte Gott vor? Vielleicht dachten einige an die
Worte des Herrn: Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium. Nur dauerte
es sehr lange, bis sie begriffen, dass Er buchstäblich meinte, was Er gesagt
hatte.
Das waren Tage wachsender Unsicherheit und Verwirrung, die dadurch zusätzlich
erschwert wurden, dass die Vorsteher des jüdischen Volkes sich dem neuen Glauben
gegenüber immer feindlicher gebärdeten. Sie ergriffen jede Gelegenheit, die
politischen Behörden gegen diese neue Sekte der Nazarener anzustacheln. So
vergingen Jahre; und so tapfer sie waren, manch einem der ersten Judenchristen
wurde alles ganz einfach zu viel. Da waren all diese Neuerungen, die
Verfolgungen wurden schonungsloser, und ihre Hoffnungen schienen unerfüllt zu
bleiben; was, wenn sie tatsächlich unbegründet sein sollten?
Als alles glatt ging und Menschen zum Glauben kamen, da waren sie stark. Als
aber die mühseligen Jahre der Drangsal und der Geduld sich in die Länge zogen,
begannen sie sich zu fragen, ob es mit dem ganzen Glauben überhaupt etwas auf
sich habe. Oder hatten sie sich geirrt? Der endgültige, fatale Schlag sollte
erst noch kommen und zwar mit voller Wucht. Sie hatten erwartet, dass ihre
Volksgenossen sich bekehren würden. Sie hatten sich auf das Kommen Christi
gefreut und gedacht, Er würde in ihrem geliebten Tempel empfangen werden, zu
guter Letzt umgeben von ihren jüdischen Brüdern, die Ihn als Messias anerkennen
würden. Aber jetzt war es offenkundig, dass Israel als Nation sich nicht
bekehren würde. Vielmehr verhärtete es sich in seinem Unglauben, so dass die
Apostel bereits den Staub von ihren Füßen schüttelten zum Zeugnis wider sie und
verkündeten: Weil ihr das Wort Gottes von euch weist, so gehen wir zu den
Heiden. Es wurde immer deutlicher, dass das Christentum nicht ein Teil des
Judentums sein konnte. Bald würden sie endgültig auseinander brechen und
getrennte Wege gehen müssen.
Wir können kaum mitfühlen, was es für Menschen, die in dieser Religion groß
geworden waren, bedeuten musste, zu einer solchen Entscheidung genötigt zu
werden: die Religion, die für sie mehr als das Leben war, entweder zu behalten
oder für immer aufzugeben.
Gern hätten sie den Herrn Jesus als Messias bezeugt, wenn sie nur ihren
Tempel behalten durften. Aber bedeutete es wirklich „entweder-oder“?
- Entweder Jesus oder der Tempel; aber nicht beides?
- Entweder Sein Opfer oder die Tieropfer?
- Entweder Sein Priestertum oder das Aarons?
- Bedeutet es wirklich: entweder jüdische Religion mit einem jüdischen
Gemeinwesen, der irdischen Hauptstadt Jerusalem — oder Hinausgehen durch jenes
Tor außerhalb des Lagers, um mit einem Jesus Gemeinschaft zu haben, der
verworfen war und es wohl auch bleiben würde?
Hieß es wirklich „entweder — oder“? Ja, genau das hieß es.
Diese Leute standen vor der schicksalsschwersten Entscheidung ihres
bisherigen geistlichen Lebens. Wir sollten ihnen daher viel Verständnis
entgegenbringen. Angesichts solcher Probleme wurden einige schwankend, etliche
kamen nicht mehr zu den Zusammenkünften der Gläubigen; ich denke, wir können uns
jetzt ausmalen, was in ihrem Inneren vor sich ging. Und wir können uns gut
denken, was dem Schreiber dieses Briefes auf Herz und Seele lag. Er war um sie
besorgt und sah den Ernst ihrer Lage wohl noch klarer als sie selbst. Die alles
entscheidende Frage war: Welchen Weg würden sie einschlagen?
Was würde ein Zurückgehen bedeuten? Lasst uns die Worte lesen, wie sie Gott
niedergelegt hat. Sie stehen in Kapitel 10,29: „Wie viel ärgere Strafe meint
ihr wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des
Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein geachtet und den Geist der
Gnade geschmäht hat?“
Das und nichts weniger würde ein Zurückgehen zum Judentum bedeuten. Bitte,
schwäche diese Worte nicht ab. Wer von den Empfängern dieses Briefes bewusst
zurückging, nachdem er die Wahrheit erkannt hatte, um sich endgültig dem
Judentum zuzuwenden, würde damit folgende drei Dinge tun:
- Erstens: Er würde den Sohn Gottes mit Füßen treten. (Wenn du durch diese
Verse je aufgeschreckt worden bist, dann rate ich dir dringlich, den
Hebräerbrief aufzuschlagen und nachzulesen, was wirklich dasteht. Und bitte,
versuche sie nicht abzuschwächen, sondern lege sie gründlich aus.) Jene Juden,
die zurückgingen, traten mit Füßen, sie strauchelten nicht aus Unwissenheit.
Man kann versehentlich über etwas straucheln; das ist hier aber nicht gemeint.
Hier geht es um ein bewusstes Treten. Wen traten sie dergestalt mit Füßen?
Nicht Jesus. Beachte den Titel. Sie traten den Sohn Gottes mit Füßen.
Verstehst Du? Das war doch die große Frage. War Jesus der Sohn Gottes oder
nicht? Die Nation sagte, Jesus sei nicht der Sohn Gottes. Diese Hebräer aber
hatten bekannt: „Doch Er ist der Sohn Gottes.“ Und jetzt standen sie in
Gefahr, zum Judentum zurückzukehren. Das konnten sie aber nicht, es sei denn,
sie würden bewusst und entschieden erklären, Jesus sei nicht der Sohn Gottes.
Einst hatten sie es in Unwissenheit mit den übrigen ihrer Volksgenossen
gesagt, aber inzwischen waren sie in ihrem Gewissen vom Heiligen Geist
überführt worden. Trotzdem zurückzugehen würde nichts anderes heißen, als die
Gottheit Jesu mutwillig leugnen. Bewusst zu leugnen, dass Jesus der Sohn
Gottes ist, wäre also die Folge eines Zurückgehens zum Judentum.
- Das zweite wäre das Blut des Bundes, durch das man geheiligt ist, für
unheilig, dass heißt für gemeines Blut zu achten. Es ergibt sich doch: Wenn
Jesus nicht der Sohn Gottes war, dann hatte Sein Blut nicht mehr Wert als das
Blut irgendeines Menschen; es war gemein. Wenn du dann Seine Gottheit
leugnetest, leugnetest du auch den Wert Seines Blutes. Beachte, dass es hier
das Blut des Bundes genannt wird. Der Wert des Bundes liegt gänzlich im Wert
des Blutes, das den Bund besiegelt. Wenn das Blut rechtskräftig ist, ist auch
der Bund rechtskräftig. Wenn aber das Blut gemein oder wertlos ist, ist der
Bund nicht einmal das Papier wert, auf dem er verfasst wurde. Zum Judentum
zurückkehren hieße also erstens, die Gottheit Jesu leugnen und zweitens den
Wert Seines Blutes für nichts achten, womit man gleichzeitig den ganzen Neuen
Bund als wertlos abgeschrieben hätte.
- Und drittens: Das tun, hieße den Geist der Gnade schmähen. Beachte auch
hier, wie Er genannt wird. Gemeint ist natürlich der Heilige Geist, nur wird
Er hier nicht der Geist der Wahrheit oder der Heiligkeit genannt, sondern der
Geist der Gnade. Die jüdische Nation hatte den Herrn Jesus in Unwissenheit
gekreuzigt. Es war Gnade Gottes, dass Er ihnen nach der Auferstehung und
Himmelfahrt die Gelegenheit zur Buße anbot. War es nicht Freundlichkeit
Gottes, dass Er die Nation nach dieser schrecklichen Tat nicht auf der Stelle
vertilgte, sondern ihnen Gelegenheit zur Buße gab? Ja, das war Gnade! Aber
Gott machte Seine Gnade über die Maßen groß. Er sagte gleichsam den Bewohnern
von Jerusalem: „Ihr habt zwar meinen Sohn umgebracht, aber ihr tatet es in
Unwissenheit. Ich bin bereit, euch zu vergeben. Aber nicht nur das: Denn
während ihr ehemals versuchtet, durch eigene Werke gerettet zu werden, bin ich
willens, euch frei und umsonst zu retten, durch meine Gnade, ohne eure Werke.“
Welch großartige Botschaft des Erbarmens und der Gnade brachte doch der
Heilige Geist auf die Erde! Nicht nur die Möglichkeit der Buße und Vergebung,
sondern auch ein Heil, das gänzlich auf Gnade beruhen sollte.
Wer nun zum Judentum zurückging, wandte sich damit gegen Gott und sagte: „Ich
will deine Gnade nicht! Vergebung dafür, dass wir Jesus gekreuzigt haben? Wir
wollen keine Vergebung! Wir würden es wieder tun; wir glauben nicht, dass Er
Gottes Sohn ist.“ Wieder zum Judentum zurückzukehren, hieße also, sich gegen Gott
zu wenden und zu sagen: „Errettung durch Gnade? Unfug! Wir werden uns den Weg
zum Himmel selbst erarbeiten, indem wir das Gesetz halten.“
Du fragst nun: „Kann denn jemand, der wirklich zum Glauben gekommen ist,
überhaupt so weit kommen, dass er so etwas sagt?“
„Aber, wer hat denn behauptet, es seien wirklich Gläubige gewesen?“
„Aber“, fährst du fort, „du hast es doch wiederholt gesagt.“
„Ich habe gar nichts dergleichen gesagt.“
„Aber du sagtest doch, sie hätten ein Bekenntnis ihres Glaubens abgelegt.“
„Das habe ich gesagt, und das sagt auch der Hebräerbrief. Sie legten ein
Bekenntnis ihres Glaubens ab; nur, was wir mit unserem Mund sagen, ist nicht
immer, was wir auch mit dem Herzen meinen.“
„Aber“, hakst du ein, „der Vers hier spricht vom Blut des Bundes, durch das
er geheiligt wurde...“ „Wenn nun jemand geheiligt ist, ist das ein Beweis dafür,
dass er auch ein wahrer Gläubiger ist?“
„Aber natürlich“, erwiderst du.
„Das ist es eben nicht. Denn wir lesen in 1. Korinther 7,14 dass der
ungläubige Ehemann durch seine Frau geheiligt ist, obwohl er noch ein
Ungläubiger ist.“
Man kann nicht ohne Glauben gerechtfertigt werden; aber man kann in
verschiedener Hinsicht geheiligt werden, ohne ein wahrhaft Gläubiger zu sein. So
waren diese Hebräer geheiligt; waren sie aber Gläubige? Der Schreiber zieht
seine Schlussfolgerung in Kapitel 6,9-12. Er beschreibt dort das schreckliche
Geschick derer, die ins Judentum zurückgehen, fügt dann aber hinzu: „In meinem
Innersten bin ich aber im Blick auf euch von besseren Dingen überzeugt, nämlich
von Dingen, die das Heil betreffen, wenn ich auch also rede. Ich rede so, als ob
es denkbar wäre, dass einige von euch gar nie gerettet waren. Aber in meinem
Innersten habe ich bessere Überzeugungen. Ich denke, dass ich an euch Dinge
sehe, die das Heil kennzeichnen. Ich denke, dass man bei Euch Zeichen der
Errettung sehen kann. Aber ich will nichts riskieren. Ich werde euch darum, so
ernst ich nur kann, warnen, damit nicht jemand nach demselben Beispiel des
Unglaubens falle. Also beachtet, es heißt hier nicht der Gottlosigkeit, oder der
Weltlichkeit; nein, es geht um viel Ernsteres: auf dass niemand von euch falle
nach dem selben Beispiel des Unglaubens."
Du verstehst mich: Wer durch Unglauben fällt, ist ein Ungläubiger.
Darum werden wir beim Lesen dieses Briefes feststellen, dass als alles
entscheidender Angelpunkt immer und immer wieder der Glaube hervorgehoben wird:
Der Gerechte wird aus Glauben leben.
Glaubst du wirklich, dass Er der Sohn Gottes ist? Jeder der bekennt und
glaubt, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, ist aus Gott geboren. (1.
Joh 5,1). Ein jeder, der aufrichtig und von Herzen glaubt, dass Jesus der
Sohn Gottes ist, darf durch diesen Brief Mut fassen. Alle, die sich an Ihn
gewandt haben, haben ihre Hoffnung im Wort Gottes und im Eidschwur Gottes
verankert, eine Hoffnung, die einem Anker verglichen wird, der nie ausgerissen
wird, der fest und unerschütterlich ist. Jeder Gläubige ist sicher. So dürfen
alle wirklich Gläubigen Mut fassen, auch wenn sie wie Petrus zuweilen
inkonsequent sind und den gleichen Herrn, der sie so sehr liebt, enttäuschen und
verleugnen. Wer von Herzen glaubt, darf Mut fassen; denn wir haben einen
Hohenpriester, der alle, die durch Ihn Gott nahen, bis zum Äußersten zu retten
vermag, da er immerdar lebt. Er wird nicht einen Gläubigen verlieren. Jeder
Gläubige, der sich einzig und allein auf Christus und Sein Opfer verlässt, darf
Mut fassen. Wie zahlreich seine Irrungen und Fehler auch sein mögen, bleibt die
Wahrheit unumstößlich bestehen, dass Christus durch ein Opfer für die Sünde auf
immerdar vollkommen gemacht hat, die geheiligt werden. Vorausgesetzt ist dabei
natürlich immer, dass ihr Bekenntnis echt ist.
Es soll bitte niemand unter uns unsicher und ungewiss werden. Gerade dieser
Brief ist voll von Zuversicht und Gewissheit, dass der Gläubige, wie schwach er
auch sein mag, gerettet werden wird. Die große Frage ist deshalb: „Glaubst du?“
Nicht einfach: „Hast du ein Bekenntnis abgelegt?“, sondern „Glaubst du
wirklich?“ Wenn du wirklich glaubst, dann wird Er dich bis zum Äußersten retten.
Und nicht nur das; auch andere werden in deinem Leben Dinge sehen, die mit der
Errettung einhergehen.
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