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Leitverse: Johannes 4; Markus 4
Die Engel freuen sich über die Buße der Sünder. "Es ist Freude vor
den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut". Welch ein Glück
für uns, dass uns dieses Geheimnis des Himmels offenbart ist, und dass wir
davon in der Schrift eine bildliche Erläuterung nach der anderen finden, wie
dies z.B. in Lukas 15 der Fall ist! Aber es gibt noch mehr als das. Obwohl sie
im Himmel ist, ist die Freude öffentlich; sie äußert sich und findet ihren
Widerhall. Es geziemt sich, dass es so ist. Es geziemt sich, dass das ganze Haus
an der Freude Anteil hat und sie als eine allgemeine Freude empfindet. Das ist
noch nicht alles, es gibt noch mehr. Es gibt ebenso wohl eine Freude des
göttlichen Herzens wie eine Freude des Himmels. Die Freude des Himmels finden
wir in Lukas 15, die des göttlichen Herzens in Johannes 4,31-34.
Joh 4,31-34: In der Zwischenzeit aber baten ihn die
Jünger und sprachen: Rabbi, iss. Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise
zu essen, die ihr nicht kennet. Da sprachen die Jünger zueinander: Hat ihm wohl
jemand zu essen gebracht? Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist, dass ich den
Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.
Und es wird kaum nötig sein zu bemerken, dass die Freude des göttlichen
Herzens die tiefste ist. Sie ist vollkommen, geräuschlos und persönlich, sie
macht keinen Anspruch darauf, durch andere hervorgerufen oder unterhalten zu
werden. "Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennet", das ist
die Sprache des Herzens Christi im Genuss dieser Freude. Der Gute Hirte hatte
eben erst das von der Herde abgeirrte Schaf nach Hause gebracht, indem Er es mit Freuden auf Seine
Schultern legte, und noch war die Freude ganz und gar nicht
auf Ihn allein beschränkt. Das Haus war noch nicht zusammengerufen worden, als
die samaritische Frau, gerettet und glücklich, Ihn verließ. Die Jünger
fühlten den eigentümlichen Charakter des Augenblicks. Das für den Altar
Gottes bestimmte Fett, der reichste, vornehmste Teil des Festes, "die
Speise Gottes", war zubereitet; und die Jünger traten schweigend zur
Seite. Es war in der Tat ein wunderbarer Augenblick, man findet nicht viele
seinesgleichen. Die tiefe, unaussprechliche Freude des göttlichen Herzens
offenbart sich hier, wie in Lukas 15 die öffentliche Freude des Himmels.
Aber Er, der auf solche Weise festlich gespeist werden konnte, war bisweilen
müde, hungrig und durstig. Wir sehen das in demselben Kapitel (Joh 4), wie auch
in Markus 4; jedoch mit dem Unterschied, dass Jesus in Markus 4 durch den Schlaf
gestärkt und erquickt wird, während dies in Johannes 4 ohne irgendein
äußeres Mittel geschieht. Und warum dieser Unterschied? In Markus hatte der
Herr einen mühevollen Tag zurückgelegt und am Abend fühlte Er Sich müde und
erschöpft, wie dies bei der menschlichen Natur nach einem schweren Tagewerk der
Fall ist. "Der Mensch geht aus an sein Werk und an seine Arbeit, bis zum
Abend" (Ps 104,25). Dann ist der Schlaf für ihn vorgesehen, damit er für
den Dienst des wiederkehrenden Tages gestärkt und erquickt werde. Jesus
erprobte alle diese Dinge. Er war im Schiff auf einem Kopfkissen eingeschlafen.
In Johannes 4 ist Er ebenfalls ermüdet und hat zugleich Hunger und Durst. Er setzt
Sich wie ein müder Reisender an dem Brunnen nieder und wartet auf die Rückkehr
der Jünger mit Speise aus der benachbarten Stadt. Doch als diese
zurückkehrten, finden sie den Herrn erquickt und ausgeruht, und zwar ohne dass
Er gegessen oder getrunken oder geschlafen hätte. Seine Müdigkeit hatte eine
Erfrischung gefunden, die Ihm der Schlaf nicht hätte verschaffen können. Er
war dadurch glücklich gemacht worden, dass Er in der Seele einer armen
Sünderin eine Frucht Seiner Arbeit; die Frau war fortgegangen in der Freiheit des
Heils Gottes. In Markus aber findet sich keine samaritische Frau und der Herr
macht deshalb in Seiner Müdigkeit von einem Kopfkissen Gebrauch.
Wie wahr und wie übereinstimmend ist dies alles mit den Erfahrungen unserer
menschlichen Natur! Wir fassen es sehr leicht. In Johannes 4 war, wenn ich mich so
ausdrücken darf, das Herz des Herrn fröhlich, während in Markus 4 nichts
vorhanden war, was Ihn hätte fröhlich stimmen können; und die Heilige Schrift
sagt (und unsere Erfahrungen bestätigen die Wahrheit dieses Wortes): "Ein
fröhliches Herz bringt gute Besserung, aber ein zerschlagener Geist vertrocknet
das Gebein" (Spr 17,22). Der Herr konnte daher in dem einen Fall sagen:
"Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt", während Er in
dem anderen von einem Kopfkissen Gebrauch machte, das liebende Sorge für Seine
Ermüdung herbeigeschafft hatte.
Wie vollkommen in allen ihren Empfindungen war die durch den Sohn Gottes
angenommene Menschheit! Gewiss, es war ganz und gar die menschliche Natur, nur
ohne Sünde.
aus: J.G. Bellett: The Moral Glory of the Lord Jesus Christ
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