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Leitverse: Hiob 40 und 41
Hiob 41,1-2: Und wer ist es, der sich vor mein Angesicht stellen dürfte? Wer hat mir zuvor
gegeben? Und ich werde ihm vergelten. Was unter dem ganzen Himmel ist, ist mein.
Hiob musste nicht nur erkennen, wie klein er Gott gegenüber war, sondern auch
bekennen, dass er gesündigt hatte; er musste Reue zeigen. Deshalb erinnert Gott
ihn nun an sein vermessenes Urteilen über Gott, womit er nur sich selbst
rechtfertigen wollte: »Willst du gar mein Recht zunichte machen, mich
verdammen, damit du gerecht seiest?« (40,3). Und Hiob wird aufgefordert zu
beweisen, dass er auch die Macht besitze, die einem so hochstehenden sittlichen
Beurteiler zukommt: die Macht, Hoffärtige und Gesetzlose mit einem Wort
niederzuwerfen (40,4-9).
Hiob kann das nicht, und um ihm das besonders zum Bewusstsein zu bringen,
verweist ihn Gott auf zwei Seiner Geschöpfe, die, obwohl sie selbst gänzlich von
Gott abhängig sind, durch ihr Äußeres und die erhabene Naturkraft ihrer
Erscheinung den Menschen zur Unterwerfung zwingen. Es sind dies der Behemoth,
gemäß der Beschreibung ein mächtiges Landtier, und der Leviathan, ein nicht
minder schreckliches Wasserungeheuer, bei dem von vielen an ein Riesenkrokodil
gedacht wird. Von diesen beiden Tieren finden wir in den Kapiteln 40 und 41 die
prächtigste Beschreibung, wohl dazu angetan, uns mit Furcht zu erfüllen. Was
Hiob angeht, für ihn waren von besonderer Bedeutung die Fragen, die Gott ihm in
Bezug auf diese Tiere stellte (40,19-26). Was vermochte er gegen sie? Nichts.
Bei einer Begegnung zwischen diesen Ungeheuern und dem Menschen war die
Niederlage bestimmt auf der Seite des Letzteren. Das Einzige, was der Mensch tun
kann, ist, dies zu erkennen, dem Rechnung zu tragen und keinen übermütigen
Streit anzufangen, sondern sich zu unterwerfen: »Lege deine Hand an ihn — gedenke des Kampfes, tue es nicht wieder!« (40,27). Wenn aber bereits
solchen Geschöpfen Gottes gegenüber von Unterwerfung und Ohnmacht die Rede ist,
wie viel mehr gegenüber dem lebendigen Gott!
Auch für unsere Zeit ist es wichtig, die Aufmerksamkeit auf Gottes Macht in
der Natur zu lenken und auf die Ehrerbietung, die uns ihr gegenüber geziemt. Wir
leben in einer Zeit großer Siege des Menschen über das Reich der Natur. Ohne
Zweifel verwirklicht die Menschheit dabei eine ursprüngliche Absicht Gottes,
wenn auch in großer Schwachheit infolge der Sünde. Denn wie viele Menschenleben
kostet der Fortschritt jeden Tag! Und vor allem: Wie werden die Kräfte der
Natur, die der Mensch sich hat unterwerfen können, zum eigenen Verderben und
Untergang oder zur Selbstverherrlichung missbraucht, statt dass sie zur Ehre
Gottes dienen!
Wie ist aber der Fortschritt doch erst gering, wenn wir die Größe der
Schöpfung betrachten! Was können wir in unserer Zeit auf alle Fragen, die Gott
an Hiob richtete, antworten? Die größten Gelehrten, sie, die am tiefsten in die
Geheimnisse der Natur eingedrungen sind, werden, wenn sie ehrlich sind, als Erste antworten: Nur sehr wenig. Es besteht aber in unserer Zeit die Gefahr,
dass diejenigen, die nicht zu diesen Männern der Wissenschaft gehören, sich zu
viel auf unseren Fortschritt einbilden. Sie sind sich ihrer eigenen Unkenntnis
wohl bewusst, meinen aber, für andere, besser Beschlagene und wissenschaftlich
Gebildetere habe die Natur eigentlich keine Geheimnisse mehr. Das ist ein großer
Irrtum. Selbst der größte Gelehrte unserer Zeit weiß ebenso wenig auf alle
Fragen Gottes an Hiob zu antworten wie dieser selbst. Er ist »zu gering«. Auf
tausend Fragen — auch jetzt noch — keine Antwort! Denn groß ist der Herr, unser
Gott!
aus Ermunterung und Ermahnung
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