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Bist du wirklich von neuem geboren? - Ch. Briem
      

 

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Bist du wirklich von neuem geboren?
Johannes 3,3-16
Ch. Briem
© EPV    Zugriffe: 10573    seit: 31.03.2005  
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Leitverse: Johannes 3,3-16

Joh 3,3-16: Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Male in den Leib seiner Mutter eingehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen. Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geiste geboren ist, ist Geist. Verwundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsset von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; also ist jeder, der aus dem Geiste geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt dieses nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und zeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmet ihr nicht an. Wenn ich euch das Irdische gesagt habe und ihr glaubet nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage? Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, als nur der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist. Und gleichwie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, also muss der Sohn des Menschen erhöht werden, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.

Inhalt

Einleitung

Überführt — aber nicht bekehrt

Bedürfnisse

Das Reich Gotte „sehen“

In das Reich Gottes „eingehen“

Aus „Wasser …

und „Geist“

Zwei „Naturen“

Die Notwendigkeit der Wiedergeburt

Der Wind weht, wo er will

Der himmlische Zeuge

Ein göttliches Muss

Ewiges Leben

Einleitung

Es sind außerordentlich wichtige und grundlegende Mitteilungen, die wir in diesem Abschnitt vor uns haben. Sie kommen aus dem Munde Dessen, der in unergründlicher Gnade vom Himmel herniedergekommen war; der redete, was Er wusste, und von dem zeugte, was Er gesehen hatte; der Gott völlig kannte, und der vollkommen wusste, was in dem Menschen war. Beginnen wir mit dem letzten Punkt.

Überführt — aber nicht bekehrt

Nikodemus hatte eine rein menschliche Überzeugung von Christus: Aufgrund der Zeichen und Wunder des Herrn hatte Nikodemus die Überzeugung gewonnen, dass Dieser ein von Gott gekommener Lehrer war, „denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm“ (V. 2). Ähnliche Schlussfolgerungen finden wir schon vorher in Kapitel 2,23-25, wo wir hören, dass viele an Seinen Namen glaubten, „als sie seine Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte, und nicht bedurfte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war.“ Der Herr Jesus wusste, wie verderbt und sündig und tot der natürliche Mensch ist, dass da nichts war, woran Er hätte anknüpfen, worauf Er hätte aufbauen können. Diese Juden hatten eine menschlich geformte — und durchaus richtige — Meinung von dem, was Christus ist, sie selbst aber blieben dabei völlig unverändert.

Wie viele Christen gleichen diesen Leuten, gleichen dem Nikodemus: Sie glauben in gewisser Aufrichtigkeit an Christus, aber es ist nur ein verstandesmäßiges Überführtsein, ein menschliches „Für-wahr-Halten“. In Wahrheit aber kennen sie Christus nicht. In ihrem Herzen ist noch kein Bedürfnis nach Ihm Selbst erwacht. Die Person Christi und Sein Zeugnis von göttlichen Dingen lässt ihre Herzen kalt. Das ist der stärkste Beweis, dass sie geistlich tot sind. Auch dieser religiöse Nikodemus war es: Überzeugt — aber unbekehrt, unverändert tot, und — wäre es dabei geblieben — ewig verloren! Möge sich doch niemand unter meinen Lesern über das Heil und den wahren Zustand seiner Seele täuschen! Vielleicht bist du kein ausgesprochener Feind Christi, sondern hältst in einer gewissen Aufrichtigkeit das für wahr, was die Heilige Schrift über Ihn sagt; vielleicht bist du sogar religiös, gehst zu christlichen Vorträgen, liest christliche Schriften, arbeitest auf christlichem Gebiet. Aber sag, hast du ein innerliches Verlangen nach der Person Jesu? Hast du überhaupt heute schon einmal in Liebe an Ihn gedacht? Nein? — Sieh, dann bist du noch tot, tot für Gott, unempfindsam für die Gedanken Gottes. Du magst eine gute Meinung über Jesus Christus haben, aber damit gehst du, wenn du nicht mehr hast, ewig verloren, weil Gott das, was vom Fleische ist, nicht anerkennen kann. Du brauchst Christus Selbst, Ihn, der das ewige Leben ist.

Bedürfnisse

Doch der Geist Gottes wirkt in Gnaden, und wo Er wirkt, entsteht in der Seele ein Verlangen nach dem, was von Gott ist: Nikodemus kommt zu Jesus. Im Gegensatz zu den Juden in Jerusalem hat Nikodemus geistliche Bedürfnisse in seiner Seele. Sie sind immer ein Zeichen der Wirksamkeit Gottes.

Zugleich fühlt Nikodemus instinktiv, dass die Welt gegen den ist, der zu Jesu kommen will: Er kommt bei Nacht. Wie sehr ist die Würde dessen verletzt, der — als Lehrer Israels zum Lehren gesetzt — kommen muss, um zu lernen! Welche Hindernisse stehen gerade dem frommen Menschen entgegen! Nikodemus kommt zwar bei Nacht zu Jesus, aber er kommt; er kommt zu der einzigen Person, die ihm wahrhaft zu helfen und seine Bedürfnisse zu befriedigen vermag. Der Heilige Geist führt nicht in diese oder jene Kirche, zu diesem oder jenem Prediger — Er führt immer und ausschließlich zu Jesus, dem Sohne Gottes.

Das Reich Gottes „sehen“

Nikodemus nimmt es als garantiert, als selbstverständlich an, dass er als Jude ein Kind des Reiches sei, und er wünscht „Belehrung“:

Joh 3,2: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

Doch in der Antwort des Herrn in Vers 3

Joh 3,3: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

werden sogleich zwei wichtige Wahrheiten deutlich:

  1. Der Herr belehrt nicht das Fleisch — Er denkt nicht daran, den Menschen, wie er ist, zu verbessern.
  2. Der Mensch muss eine neue Natur, muss neues, göttliches Leben haben.

Gott richtet ein Reich auf, einen Bereich der Macht und Segnung für die Seinigen; dort wirkt Er. Dieses Reich allein zu sehen, setzt neues Leben voraus. Das Fleisch — das ist der Mensch in seinem natürlichen Zustand — kann es nicht wahrnehmen. Auch Nikodemus sah es nicht. Trotz seiner Religiosität und Gelehrsamkeit verstand er nichts von den Dingen Gottes, wie Vers 4 uns zeigt. Warum sah Nikodemus das Reich Gottes nicht? Es lag nicht am Herrn, der Seine Herrlichkeit durch mächtige Wunder bewiesen hatte. Nein, das Übel lag bei ihm selbst: Er hatte sich noch nicht als völlig verloren, als tot in Sünden und Vergehungen erkannt (Eph 2,1). Da war nichts zu „verbessern“. Was er brauchte, was jeder Mensch braucht, wenn er das Reich Gottes auch nur sehen will, ist das Empfangen einer neuen Natur, ist die „Wiedergeburt“.

Exkurs zum Thema „Reich Gottes“
Doch ehe wir dieses wichtige Thema weiter verfolgen, möchten wir kurz auf den vom Herrn hier zweimal benutzten Ausdruck „Reich Gottes“ eingehen. „Reich Gottes“ ist ein allgemeiner, umfassender Begriff für den geistlichen Bereich, in dem Gott wirkt und die Herzen regiert. Zuzeiten steht bei der Benutzung des Ausdrucks „Reich Gottes“ mehr der Haushaltungs-Charakter im Vordergrund, mitunter mehr der ihm innewohnende sittliche Charakter. Für Letzteres ist der bekannte Vers in Römer 14 ein besonders gutes Beispiel: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geiste“ (V. 17; vgl. auch 1Kor 4,20).

In den verschiedenen Epochen des Handelns Gottes mit dem Menschen offenbart sich dieses Reich auch in unterschiedlichen Formen. Als der Herr Jesus hier auf Erden war, war das Reich Gottes in der Person Christi, des Königs, mitten unter ihnen (Lk 17,21; Mt 12,28). Später einmal wird dieses Reich in Macht und Herrlichkeit geoffenbart werden (vgl. z.B. 2Thes 1,5 ff.; Lk 22,18), wobei sein irdischer Teil in dem „Reiche des Sohnes des Menschen“ und sein himmlischer Teil in dem „Reiche des Vaters“ besteht (Mt 13,41.43). Heute ist das Reich Gottes im Christentum zu finden; als solches predigte es Paulus (Apg 20,25; 28,31).

In das Reich Gottes „eingehen“

Die beiden Fragen des Nikodemus in Vers 4 zeigen uns zweierlei: Zuerst, dass das griechische Wörtchen für „von oben her“ in den Versen 3 und 7 in diesem Zusammenhang nicht nur „von oben her“, sondern „von neuem“ bedeutet. So jedenfalls verstand es Nikodemus. Der Herr Jesus spricht nicht von einer Geburt „von oben her“ als von einer Art Verjüngung, von der manche träumen. Selbst wenn dies möglich wäre, würde Fleisch doch nur Fleisch bleiben. Nein, Er spricht von der Notwendigkeit einer völlig neuen Geburt. Zweitens offenbart Nikodemus mit seinen Fragen, dass er, obwohl er der Lehrer Israels war, das Reich Gottes noch nicht einmal zu sehen imstande war.

Doch der gnadenvolle Herr lässt den fragenden Nikodemus nicht auf seinem Platz stehen. Er zeigt ihm den Weg zum Eintritt in das Reich:

Joh 3,5: Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.

Hier beschreibt der Herr, was Er unter „von neuem geboren werden“ versteht. Die von ihm jetzt benutzten Wörter „Wasser“ und „Geist“ bezeichnen nicht etwa zwei verschiedene Geburten, sondern zwei Aspekte der Wiedergeburt.

Aus „Wasser“ …

Wasser ist oft in der Heiligen Schrift ein Bild von dem Worte Gottes, angewandt durch den Geist. Es wird auch vom Geiste Selbst in Seiner Macht benutzt; hier aber ist das Wasser von dem Heiligen Geiste unterschieden, weil das „Wasser“ den Charakter des Instrumentes zeigt, das, was sittlicherweise mit dem Menschen handelt. Der Heilige Geist benutzt das Wort Gottes in Macht, wendet es auf den Zustand der Seele des Menschen an und richtet durch dasselbe alles im Menschen. Das ist zweifellos ein ernster und schmerzhafter Vorgang in der Seele, der aber — wenn er von Buße und Glauben begleitet ist — zum Leben führt (vgl. Apg 11,18; „Buße zum Leben“).

Das Wort Gottes ist die Offenbarung der Gedanken Gottes. Welch eine Gnade, dass durch das Wort unsere armseligen Gedanken beiseitegesetzt und die Gedanken Gottes an deren Stelle gesetzt werden!

Jak 1,18: „Nach seinem eigenen Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt.“

Eph 5,26: „… auf dass er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort.“

Joh 15,3: „Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.“

1Pet 1,23: „… die ihr nicht wiedergeboren seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes.“

Alle diese Stellen zeigen, dass das Wort Gottes (im Bilde des Wassers bzw. des Samens) das Instrument zur Wiedergeburt ist. Wir sind „aus Wasser“ geboren. Dass der Herr Jesus, wenn Er von „Wasser“ spricht, nicht im Geringsten an das Wasser irgendeiner Taufe denkt, geht wohl aus den zitierten Stellen klar genug hervor. Die Taufe ist zudem ein „Begräbnis“ (Röm 6,4) und in sich selbst nie ein Bild von Leben.

und „Geist“

Es handelt sich also bei der Wiedergeburt um eine Natur, die vom Geiste Gottes kommt. Wasser reinigt, aber es kann aus sich selbst nicht Leben geben. Aber der Heilige Geist teilt dem Glaubenden neues Leben mit, das von Ihm Selbst ist und Seinen Charakter trägt. So lesen wir dann in Vers 6:

Joh 3,6: Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geiste geboren ist, ist Geist.

Alles, was geboren wird, ist von der gleichen Art oder Natur wie der, der es gebar. Was das Fleisch, die sündige Natur des Menschen, hervorbringt, ist wiederum Fleisch. Es kann keine geistlichen Früchte hervorbringen und kann selbst in keiner Weise verbessert oder veredelt werden. „Fleisch“ wird nie „Geist“ werden. Du kannst einen Eisenblock so lange schmieden, bis er zu einer dünnen, federnden Gerte wird, aber es ist und bleibt seiner Natur nach das, was es war: Eisen.

Der natürliche Mensch ist von Geburt an durch seine sündige Natur gekennzeichnet. Ob er rau und grob oder feingeschliffen und gebildet ist — seine Natur, sein Charakter ist „Fleisch“.

Exkurs zum Thema „Das Fleisch“
Es ist wichtig, über die verschiedenerlei Bedeutung des Ausdrucks „Fleisch“ in der Heiligen Schrift Verständnis zu haben. Nun müssen wir nicht erwarten, schon im Alten Testament den neutestamentlichen Gebrauch des Wortes „Fleisch“ zu finden, als würde schon im Alten Testament die Quelle all des Bösen in uns darunter verstanden. Denn solange der Mensch noch unter der Erprobung durch das Gesetz stand, konnte noch nicht der verderbte Charakter und Zustand des Menschen völlig ans Licht kommen. Oft bedeutet daher „Fleisch“ einfach die „Menschen“, „Menschheit“ oder „Menschentum“, vielfach die ganze tierische Schöpfung umfassend (vgl. den gleichen Gebrauch im Neuen Testament: „Das Wort ward Fleisch“ (Joh 1,14). Da aber der Sündenfall eingetreten ist, wird dann „Fleisch“ im Alten Testament sehr häufig als Symbol der Schwachheit und Unzulänglichkeit des Geschöpfes benutzt: „Mein Geist soll nicht ewiglich mit dem Menschen rechten, da er ja Fleisch ist“ (1Mo 6,3; vgl. hierzu Hiob 7,17.18; Ps 144,3.4); „Alles Fleisch ist Gras“ (Jes 40,6); „Und er gedachte daran, dass sie Fleisch seien, ein Hauch, der dahinfährt und nicht wiederkehrt“ (Ps 78,39); „Was sollte das Fleisch mir tun“ (Ps 56,4); „So würde alles Fleisch insgesamt verscheiden“ (Hiob 34,15); „Verflucht ist der Mann, der auf den Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arme macht“ (Jer 17,5) usw. Dieser Gebrauch von „Fleisch“ wird auch im Neuen Testament fortgesetzt. So sagt der Herr Jesus: „Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach“ (Mt 26,41). Erst im Evangelium nach Johannes finden wir zum ersten Mal den Ausdruck „Fleisch“ als Bezeichnung der bösen, verderbten Natur — unseres traurigen Erbteiles durch den Sündenfall. Wir hören z.B. in Kapitel 1,13 von dem „Willen des Fleisches“, aus welchem die Wiedergeburt nicht hervorgeht.

Vor der Wiedergeburt ist also nur Fleisch vorhanden. Aber durch den Glauben an Christus wird der Mensch „aus Gott geboren“ (Joh 1,12.13; 1Joh 5,1); er empfängt durch den Geist eine neue Natur, die Natur Gottes (2Pet 1,4), das Leben Christi selbst. Ebenso wenig wie Fleisch zu Geist werden kann, kann diese neue Natur, die durch den Heiligen Geist bewirkt wird und deren Kraft Er ist, zu Fleisch degenerieren: Sie ist als eine Gabe Gottes in sich vollkommen und gut und kann nicht sündigen (1Joh 3,9).

Zwei „Naturen“

Es ist oft eingewandt worden, dass wir in der Heiligen Schrift die Ausdrücke „alte Natur“ und „neue Natur“ nicht finden; das ist richtig. Aber die Sache selbst finden wir.

Jeder gläubige Christ hat zwei Geburten erlebt: die leibliche Geburt und die Wiedergeburt. Durch die erste wurde er ein Kind seiner Eltern, durch die zweite ein Kind Gottes (Joh 1,12.13). Entsprechend den zwei Geburten können wir mit Recht von zwei Naturen sprechen, von zwei Gruppen sittlicher Wesenszüge, die der Gläubige hat: Die eine Reihe entspringt dem irdischen, die zweite dem göttlichen Leben. Als Kinder Adams haben und offenbaren wir die menschliche Natur, als wiedergeborene Kinder Gottes besitzen und offenbaren wir die göttliche Natur. Zudem müssen wir unterscheiden zwischen unserer Natur als Menschen (denn Gott hat den Menschen zu Anfang in Aufrichtigkeit erschaffen, Pred 7,29) und unserer Natur als gefallene Menschen. Wenn wir von der „alten Natur“ reden, meinen wir also die letztere. Die menschliche Natur als solche hingegen werden wir immer behalten, auch werden wir dieselbe Persönlichkeit bleiben — ungeachtet der Veränderungen in Seele und Geist durch die Wiedergeburt oder des Leibes bei der Auferstehung.

Auch ein Schmetterling hat nicht nur eine Erscheinungsform: Er musste erst verschiedene Stadien durchlaufen. Zuerst war da nur ein Ei zu sehen, später eine Raupe; noch später sah man dann wohl eine Puppe. Und dann erhob sich eines Tages dieser bunte Schmetterling in die blauen Lüfte! Wir können durchaus zwischen der Natur des Eies und der der Raupe oder der Puppe usw. unterscheiden; dennoch handelt es sich um das gleiche Wesen oder Geschöpf, das immer die Natur eines Insektes behielt. So ist es also auch für uns wichtig, dass wir zu unterscheiden lernen zwischen unserer „menschlichen Natur“ und der eigentlichen Persönlichkeit, die vor Gott verantwortlich ist.

Nun ist es gerade für Jungbekehrte oft eine große, verwirrende Schwierigkeit, in sich selbst zwei so völlig entgegengesetzte Quellen, zwei so gänzlich verschiedene Naturen nebeneinander feststellen zu müssen. Zwei Beispiele aus dem göttlichen Lehrbuch der Schöpfung mögen hier ein wenig helfen. Hast du schon einmal ein Weizenfeld in der freien, wilden Natur gesehen? Nein, so etwas gibt es nicht: Weizenfelder gibt es nur, wo Menschen sind. So gleicht des Menschen Herz von Natur aus einem unbestellten Felde, das nichts anderes als Dornen und Disteln hervorzubringen vermag. Soll gute Frucht hervorkommen, muss Leben von der richtigen Art in den Ackerboden gelangen. Gott pflanzt in der Wiedergeburt durch den Samen Seines Wortes die neue Natur in uns ein (vgl. Jak 1,21; 1Joh 3,9), die als Seine Gabe in sich vollkommen ist. Aber in uns existiert noch das Böse, die alte Natur, ebenso wie Dornen und Disteln in dem Feld, in das der Weizen gesät wird.

Oder nehmen wir das Beispiel eines in einen Wildling eingepfropften Pfirsichzweiges. Der Wildling als solcher ist für den Obstbauern wertlos. Wohl bringt auch er eines Tages Früchte hervor, aber sie sind ungenießbar. Wenn sich das je ändern soll, hilft alles Umgraben, Düngen und Beschneiden nichts: Es muss neues Leben in ihn hineinkommen. Dies geschieht durch innige Verbindung mit dem knospenden Zweig eines „edlen“ Baumes. Wenn die Lebensverbindung durch das Einpfropfen des Pfirsichzweiges hergestellt ist, nennt der Obstbauer den Baum nicht mehr nach dem Namen des Wildlings, sondern nach dem Namen des edlen Baumes, von dem der knospende Zweig genommen wurde (vgl. 1Joh 3,1), weil er Teilhaber der Natur jenes Baumes geworden ist. Der Obstbauer schneidet dann auch all die alten Triebe ab (vgl. Röm 6,11; Kol 3,5); denn würde er sie gewähren und wachsen lassen, so würden sich wieder nur wertlose Früchte einstellen, sie trügen ihren alten Charakter.

Nun, das alles illustriert die Worte unseres Herrn: „Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geiste geboren ist, ist Geist.“

Die Notwendigkeit der Wiedergeburt

Wenn der Herr Jesus sagt:

Joh 3,7: Ihr müsset von neuem geboren werden …

so meint Er damit in erster Linie die Juden. Nikodemus als Lehrer Israels hätte aus Hesekiel 36 wissen sollen, dass die Wiedergeburt eine Verheißung Gottes an Sein irdisches Volk war und dass Israel, um die verheißenen irdischen Segnungen des Reiches genießen zu können, aus Wasser und Geist geboren werden müsse: „Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch sammeln aus allen Ländern und euch in euer Land bringen. Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von allen euren Unreinigkeiten und von allen euren Götzen werde ich euch reinigen. Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechte bewahret und tut“ (Hes 36,24-27).

Welch eine dringende Notwendigkeit also für den Juden, von neuem geboren zu werden, wenn er je in das Reich Gottes eingehen wollte! Welch eine dringende Notwendigkeit für jeden Menschen, wenn er nicht ewig verloren gehen will!

Wohl haben wir Christen andere, höhere Segnungen als die Juden. Ihre Segnungen sind irdischer, unsere himmlischer Natur. Aber um in sie eintreten, um Gott sehen und genießen zu können, bedarf es der Mitteilung eines neuen Lebens, des Lebens und der Natur Gottes Selbst. Unermessliches Vorrecht, aus Gott geboren zu sein!

Der Wind weht, wo er will

Diese Worte des Herrn deuten an, wie groß die Geheimnisse bezüglich der Wiedergeburt sind und dass die Wiedergeburt durchaus ein souveräner Akt Gottes ist. Dennoch ist es völlig irreführend, zu lehren — was leider des Öfteren geschieht —, dass die Wiedergeburt dem Glauben voraufgehe. Unser 5. Vers zeigt ebenso wie 1. Petrus 1,23; Jakobus 1,18 und andere Stellen, dass die Wiedergeburt mittelst des Wortes Gottes geschieht durch den Heiligen Geist. Sie kann nicht vom Worte Gottes und dem Glauben in das Wort getrennt werden: „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort“ (Röm 10,17).

Johannes 3,3: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“, und Johannes 3,16: „… auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ müssen immer zusammengehen. Eine solche Anomalie ist nicht möglich, dass jemand schon wiedergeboren ist und dem Evangelium noch nicht geglaubt hat! Die göttliche Reihenfolge in Epheser 1,13 ist gehört — geglaubt — versiegelt. Gott gibt nur denen das Recht, Kinder Gottes zu werden, die „an seinen Namen glauben“ (Joh 1,12).

Der himmlische Zeuge

Doch was bedeuten die fast beschwörenden Worte des Herrn in Vers 11?

Joh 3,11: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden was wir wissen, und zeugen was wir gesehen haben.

Und wer ist das „Wir“? Der Herr Jesus spricht hier von Sich als Dem, der vollkommen eins mit der Gottheit, der Selbst Gott ist und sagt: „Wir“ — das ist Gott. Zudem benutzt Er für „wissen“ ein Wort, das nicht angelernte, sondern intime, innerliche, wirkliche, bewusste und persönliche Kenntnis beinhaltet. Oh, unser teurer Herr spricht nicht nur, wie die Propheten sprachen — inspiriert und mit göttlicher Autorität —, sondern wie Einer, der vollkommen mit Gott vertraut ist, weil Er Gott ist; Er redet, wie nur Der reden kann, der Gott und Seine Herrlichkeit bewusst kannte. Seine Kenntnis von den göttlichen Dingen war eine absolute und völlig unabhängig von irgendeiner Offenbarung, die Er erst hätte erhalten müssen. Nein, Er kannte die Dinge ihrem Wesen nach, von ihrem Grunde her. Das gibt den oft so einfach klingenden Worten unseres Herrn eine so unergründliche Tiefe, gepaart mit unvergleichlicher Treffsicherheit in der Ausdrucksweise. In der Tat, in Seinen Worten finden wir göttliche Belehrung von unschätzbarem Wert!

Aber dann sagt der Herr noch, dass Er von dem zeugt, was Er „gesehen“ hatte. Wie kostbar ist auch dies! Er sprach von den Szenen himmlischer Herrlichkeit, in der Er sich aufgehalten hatte. Er sprach davon, was dieser Herrlichkeit angemessen, was nötig ist, um daran teilzuhaben. Oh, wie nahe ist uns Gott in Ihm gekommen, wie hat Sich Gott in Ihm geoffenbart — in Ihm, einem Menschen — uns, den Menschen! Und nun haben wir die neue Natur und haben durch dieselbe Gemeinschaft mit Gott. Dafür sei Gott in Ewigkeit Dank gesagt durch Jesus Christus, unseren Herrn!

Doch ist es zu fassen, dass man einem solchen Zeugnis eines solchen Zeugen gleichgültig oder ablehnend gegenüberstehen kann? Dennoch ist es wahr: Wie damals die Juden, so verwerfen heute die Christen im Allgemeinen dieses Zeugnis Christi. Niemand war je hinaufgestiegen in den Himmel (V. 13), um von dort Worte zu bringen. Aber Er war von dorther gekommen und konnte somit vollkommen mitteilen, was dort ist, was immer dort war. Kann Gott für diejenigen, die Seinem Sohne und dessen Zeugnis nicht glauben, eine andere Antwort haben als Gericht? So hören wir denn auch in unserem Kapitel die ernsten Worte:

Joh 3,18.36: Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes … Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

Ein göttliches Muss

Der Herr Jesus kommt nun in Vers 14 auf Seinen Tod am Kreuze zu sprechen und führt den Gedanken mit diesem ergreifenden MUSS ein: „Also muss der Sohn des Menschen erhöht werden.“ Warum „muss“ mögen wir fragen; tat Er das Werk am Kreuze nicht freiwillig? Ganz gewiss! Aber der Heiland redet von der absoluten Notwendigkeit Seines Sterbens, und zwar in zweierlei Hinsicht:

  1. Gottes heilige und gerechte Natur auf der einen Seite, und unser verlorener Zustand auf der anderen erforderten Sühnung. Gott muss mit der ganzen Autorität Seiner Gerechtigkeit das Böse richten. Wenn je ein sündiger Mensch zu Gott kommen sollte, musste Sühnung geschehen. Nein, Nikodemus, nicht ein auf Erden lebender Messias, sondern ein verworfener („erhöhter“) Sohn des Menschen war nötig. Allein in dem Kreuze Christi ist die heilende, rettende Kraft für den durch den Schlangenbiss der Sünde verlorenen Menschen zu finden.

  2. Aber Gott ist auch Liebe; sie ist der Ausfluss Seiner Natur. In dieser Liebe ist Er souverän über alles, auch über das Böse, das Er richten muss. Und in dieser souveränen Freiheit liebte Gott die Welt — d.h. nicht nur die Juden, sondern alle Menschen. Wunderbare Tatsache: Die Liebe gibt — gibt den eingeborenen Sohn! Wenn Sich Gott in Seiner Liebe offenbaren wollte, dann musste der Sohn des Menschen erhöht werden. Gott wollte Sich nicht nur in dem Charakter des Richters offenbaren, sondern Er wollte, dass wir Ihn als unseren Vater kennen. Die Liebe Gottes ist der Ausgangspunkt aller Seiner Wege, und mit dankbarem, anbetendem Herzen dürfen wir auch dieses göttliche Muss mit Seiner Liebe erklären.

Ewiges Leben

Nun, da der Herr von Seinem Sühnungswerk am Kreuz und von den herrlichen Segnungen redet, die Er dem an Ihn Glaubenden schenken will, wechselt Er Seine Ausdrucksweise und spricht nicht länger von „Wiedergeburt“, sondern von „ewigem Leben“:

Joh 3,15.16: … auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.

Es ist der Ratschluss der Liebe Gottes, dass wir alles mit Christus teilen sollen (Seine Gottheit natürlich ausgenommen). Die Wiedergeburt jedoch können wir nicht mit Ihm teilen, denn Er, der eingeborene Sohn des Vaters, hatte nie eine solche nötig. Aber das ewige Leben sollen und dürfen wir mit ihm teilen. Das deutet auch in etwa den Unterschied an zwischen den Gläubigen des Alten Testaments, die auch wiedergeboren waren, und den Gläubigen der Gnadenzeit, denen Gott diese unermessliche Gnade schenkt: „ewiges Leben“.

Lasst uns noch, ehe wir zum Schluss kommen, ein wenig bei diesem Ausdruck stehen bleiben, wenngleich uns die Grenzen unseres Erfassens göttlicher Wahrheit sogleich bewusst werden. „Ewiges Leben“ ist geistliches, göttliches Leben, durch das wir in den Stand versetzt werden, Gott zu erkennen und zu genießen (Joh 17,3). Es ist nicht nur Unsterblichkeit: ein Leben nicht nur ohne Ende, sondern auch ohne Anfang. Es gehört zu einer Welt außerhalb unserer Sinne (2Kor 4,18). 1. Johannes 1 zeigt, dass Christus Selbst das ewige Leben ist, welches bei dem Vater war und uns geoffenbart worden ist. Wer nun den Sohn hat, hat auch das Leben (1Joh 5,11.12). In Epheser 1,4.5 wird uns dieses Leben in seinem doppelten Charakter gezeigt:

  1. das, was der Natur Gottes entspricht, was Christus persönlich war und ist (heilig und tadellos vor Ihm in Liebe); und
  2. unsere Beziehung mit dem Vater als Söhne vor Ihm; es ist die Stellung Christi Selbst.

So können wir zusammenfassend sagen, dass ewiges Leben die Stellung ist, welche die Liebe Gottes in Bezug auf uns befriedigt. Es war der große Vorsatz Gottes in all Seinem Handeln in Gnade, uns mit Sich Selbst in Gemeinschaft zu bringen. Kraft des ewigen Lebens nun genießen wir die Liebe des Vaters und des Sohnes und haben Gemeinschaft mit ihnen (1Joh 1,3).

Wunderbare, vollkommene Segnung! Wir sind nicht nur vor Ihm gerechtfertigt, nicht nur von Ihm angenommen worden, sondern wir teilen mit Ihm dieselben Gedanken und Empfindungen: Er hat sie in Sich Selbst, wir haben sie von Ihm, aber es sind dieselben. Weil Christus unser Leben ist, haben wir das unermessliche Vorrecht der Gemeinschaft mit dem Vater und mit Seinem Sohne Jesus Christus. — Etwas noch Größeres, Geliebte, gibt es nicht — selbst nicht im Himmel!


aus der Monatszeitschrift Hilfe & Nahrung, 1976, S. 16

 

Letzte Aktualisierung am 3.3.2013
 

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